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Domerstag, den 5. November 1896.
23. Jahrgang
□ Mt ITttnnrtt im Wahlprogramrn der Regierung die bewaffnete Ge- dm Reichstag treten. Und was ist gewonnen, wen»
Jieiuj9luy9W(njien tu unguwi • ^altt^t gleit, die Macht der Bayouette, durch welche i dies noch nicht in der bevorstehende« Wintertagung haben der bisherigen „liberalen" Regierungspartei den standhaft der Berfuchung widerstehenden Wählern geschieht? Einmal wird die in der Lust schwebende
der freie Gebrauch des Wahlrechts einfach unmöglich
die katholische BollSpartei begangen, die bei
bisher nur durch einen einzigen Abgeordneten im
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Laß tmi zu der Bank unter den Eicken gehen.
Wenn wir nämlich so weit kommen. Sieh', der
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Im Weißkirch'jchen Schloßpark wandelten indeß zwei Damen langsam durch die schattigeu Gänge. Die eine — eine hohe, schlanke Mädchengestalt in schwarzem Trauerkleide — zeigte feine, geistvolle Züge; ihr aschblonder, reiches Haar war zurückgestrichm und ließ
Ärtillerievorlage doch kommen, ob früher oder später, und dann wird ks kaum unter 200 Millionen Mark
Marineverwaltung werden «ach den bisherigen Verlautbarungen gewiß nicht unbedeutend sein. Sollte
in der Press- vielfach erörtert. — Die Borträge, die fich der Kaiser in den letzten Tagen von feinen Rathgebern hat halten lassen, stehen damit ohne Zweifel
abgehrn. Das ist eben die „Schraube ohne Ende," die so charakteristisch ist für den Zustand des „bewaffneten Friedens," der Europa so fchwer belastet, daß feine Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmärkte immer mehr bedroht erscheint. Wie das enden soll, ist nicht abzusehen. Ob die Berathungen des Kaisers mit dem Kriegsminister der Artilleriebewaffnung galten, weiß man nicht; eS kann auch sein, daß die Reform der Milrtärstrafprozeßv erfahrens den Gegenstand dieser Berathungen bildete. Wie der Reformplan aus» fallen wird, kann man auch heute erst, trotz der Nähe der RiichstagSsesfion, nur vermuthen; er wird geheim gehalten, da auschrinend noch Meinung!Verschiedenheiten zwischen den einzelnen BundrSr gierungen z« überwinden find. Auch andere Aufgaben, welche unsere Parlamente in diesem Winter beschäftigen solle«, scheinen noch nicht in allen Einzelheiten fefizustehe«. WrnigstmS wird gemeldet, daß die Vorarbeiten für die BeamtenbefoldungS-Borlagen und für die Revision des preußischen BereiuSgesetzeS noch nicht abgeschlossen find. Gespannt darf man darauf sein, wie Herr Miquel sich herauSreden wird, wenn ihm der „kleine Rechenfehler" vorgehalten wird, den er bei der Ausstellung deS alten Etats begangen: einen Fehlbetrag vo« 34 Millionen hat er angekündigt, und statt dessen wird schon jetzt auf einen Ueberschuß von 60 Millionen gerechnet; der
es nicht mehr lauge mit der H tze. Che wir die schattenlosen Partieen erreichen, ist die Abendkühle da." „Und wenn dem heißen Tage ein Gewitter folgt?" „So überuachten wir in Josephstadt."
hast, Deinen Koffer zu packen. Es ist heute wirklich ein zu heißer Tag für die Reise."
„Wir fahre« ja erst um fünf Uhr; dann dauert
gemacht we den foll. Das Militär ist mobilisirt, in alle rppost.ionellen Gemeinde« kommt Gensdarmerie (cii Eu q lartierungS'ast soll nämlich auch dazu beitragen, die Leute mürbe zu machen!) und unter deren Schutz wird die ohne Bchonette fruchtlos gebliebene Arb-'tt d-S Seelerkaufs und Terrorismus betrieben."
Bei solcher Wahlmache ist es, wie auch die protestantisch-konservative ,Kreuzztg.' in Berlin hervorhckt, geradezu lächerlich, wen« eine „liberale" Zeitung (der ,Pester Liry)'), deren jüdischer Herausgeber (Dr. Falk) vor Kurzem in das MagnatenhauS berufen worden ist, die Wahlen als ein „Gottesgericht" b zeichnet, durch welch, S die „Station* („Station" und „G tt" ist da
erlaubt scheint. Die BollSpartei braucht jedenfalls nicht zu verzag-n; auch in Ungar« wird sich das Wort Geltung verschaff-«: „Recht muß doch Recht bleiben!"
R ichstage vertreten war. Bezeichnender Weise drangen ihre Kandidaten fast nur in deutschen Landwahlbezirken durch, wo die gebildetere und wohlhabendere Bevölkerung nicht so leicht vergewaltigt werden kann, wie die armen slovakische« Bauern, gegen die AlleS
W hlen ihre wirkliche Stärke gebend zu machen, denn eS ist von jeher eine „berechtigte Eizenthümlichkrit" der liberalen Parieiherrschast in Ungarn geweftn, mit allen Mittel«, auch den schlechtesten, dem Volke ein Vertrauensvotum zu erprefsen, dar eS aus freien Stücken den „liberalen" Mackthabern niemals gewähren würde. Und zudem ist Bar ffy roch auS der Zeit her, wo er Obergespa« des B.flrtz-Naszoder KomitatS war, durch feine Brutalität, besonders auch in der Wahltyrannei, berüchtigt. Aber Barffy hat die in dieser Beziehung auf ihn gesetzten @rroaituaoen bei
es sich außerdem bewahrhetten, daß die sranzöfische Regierung die Einführung von Schnellfeuergeschützen für die Artillerie beabsichtigt, so wird auch die deutsche Militärvrrwattuvg nicht zurückbleiben wollen und mit einer ähnlichen Forderung vor
die Miqnel'schen Schätzungen braucht der Landtag jedenfalls gar nichts mehr zu gebe«; fei« letzter Rechenfehler hat Herr« Miquel um den Rest feiner Autorität gebracht.
Bon BtSmarckischer Seite war i« der Berliner ,Bar.k- und Handelszeitung' die Behauptung aufgestellt worden, Zar Nikolaus II. habe die Absicht gehabt, während seines Aufenthalts in Deutschland dm Fürsten Bismarck iv Friedrichsruh zu besuche«, sei aber durch eine Anregung „von höchster Regierungsstelle" veranlaßt worden, diesen Besuch zu unterlassen. Zu dieser m ihrem Zwecke, abermals gegen de« Kaiser zu Hetzen, sehr durchsichtigen Behauptung bemerkt der , Reichs an- zeiger': „Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß weder an Allerhöchster Stelle «och in amtlichm Kreisen von einer Absicht deS russischen Kaisers, dm Fürsten Bismarck zu besuche«, etwas bekannt geworden ist. Die vorstehenden Angaben über die Gründe, warum der Besuch unterblieben sei, beruhen daher auf Erfindung."
Deutsches Reich.
Berlin, 4. November.
S Die Aufgaben der bevorstehenden Session der Reichstages und des preußischen Landtages werden
Paula erröthete ein wmig und fügte dann zögernd: „Eigentlich eine thörichte N-ckerei Alicens. Als sie mir mittheilte, daß durch die Vermittelung eines Rechtsanwalts Meerheim ihr Vater dm Erben des Weiß- kirch'schen SenioratS entdeckt, und daß nun, obgleich wir fo lange gar nichts erfahrm halten, die Sache ganz glatt und klar zu einem überrafchend schnellen Abschluß käme, fügte sie hinzu: „Ich an Deiner Stelle würde nun de» jungen Weißkirch heirathe«; dann brauchtest Du nicht Deines Vaters Haus zu verlaßen, und er wäre der Mühe überhoben, nach eimr Gattin zu suche«, welche die Ahnenprobe aushält. Da» wäre für alle Theile das Beste."
„Und da meinst Du, armes Kind, sobald Du hörst, der junge Herr sei unterwegs, müßtest Da fliehm?"
„Ich wurde dmch diese Worte nur aufmerksam aus das, was mir vielleicht sonst entgangen wäre: daß in unserer Nachbarschaft viele Leute ähnlich denken werden und mir in der Thal zumuthen, ich solle den Erbm vo» Weißkirch ... wie soll ich mich ausdrücke« ... zu fangen suchen."
wohl ein und dasselbe!) ihre Zustimmung zur Politik der Kultur käwpfer Weckerle uno Bavffy gegeben habe. Sehr bezeichnend für die wahre G-stinung dieser Gesellschaft ist auch da» offenkundige Zasammenfpiel der Regierung mit der auf die Trennung Ungarn» von Oesterreich hinarbeitenden Kossuth-Partei, deren Führern meist keine Gegenkandidaten seitens der „Liberalen" entgegengestellt wurde«. Dagegen wurden, wie in der
ben letzten Wahlen noch Übertriff«. Selbst in Urgarn „ „ „ ,
Hal eS solche „Wahlen" wie bie letzte« noch nicht ae- ' selben protestantischen ,Kreuz;tg.' betont wird, geben, und n emols hat der „Liberalismus" an Ge« die unerhörteste« Gewaltthätigkeiten gegen waltthätigkeit vvd B-iworfenhett in der Fälschung des ' ' ' ' ”
BolkrwillenS Größere» geleistet, al» jetzt.
eine verstärkte Mehrheit gebracht, ein E-gebniß, das Niemand überraschen kann, der weiß, in welcher Weise in Ungarn von der Regierung tie Wahlen „g» macht" werden. Das hindert natürlich die „liberale" Juden- und Freimaurer Pc ff- Ungarns und Ocsterreicks nicht, - in Jubelhymnen auszubrechen und da« gefälschte Wchk- ergebniß als eine glänzende Kundgebung des „Bo'.kS- i willen»" zu Gunsten der Liberalen und ihns Ministeriums Bavffy auszugeben. Die Oppofitto« konnte ’ indeß von vornherein nicht darauf rechnen, bei den :
lehnte er sich zurück in die K-ffen und versenkte fich fort willst." Frau von Brxiu», die Tante bei junge« m dm Anblick der Schönheit, die ihn umgab. Mädchens, schaute fragend empor.
? freier Wahl 40 bi» 50 Mandate gewonnen hätte. Immerhin hat fie es auf 21 gebracht, während fie
Rede. ES ist fo gekommen, tote eS angesichts der eigenartigen Wahlvorbereitungen deS skrupellosen Mi- nistelp'östdenten ein oppositionelles Blatt vorauSsagte: „Die Gewaltthätigkeit tritt in ihre Rechte;
Wei«, Branntwein und Blut wird fließe« m Verbindung. Die Vorträge deS Kriegsministers, wie «och nie, und die liberale Partei wird siegen de» Staatssekretärs de» ReichSmariueam-S und deS wie noch nie." Sin anderes oppositionelle» B att EhefS des kaiserlichen MarinekabinetS geben in dieser beklagte die Käuflichkeit einer große«, durch die Beziehung zu denken. Die Neufordernnge« der bisherigen Wah-gkpflogenhriten der „Liberalen" bereits
Ein besonderer „Kn ff" de» Ministerium» Baeffy bestand darin, zuerst die opposilionellr« Wähler du ch allerlei Einschränkungen der Wahlfteiheit, AuSstreichung aus den Wählerlistm u. dgl. zu erbittern und zu reizen; und wenn diese Erbitterung fich dann in ungarischer Lebhaftigkeit, vielleicht auch in einzelne« Gewaltthätigkeitev gegen RegikrungSagenten Lust machte, da» Militär einschrttt und dmch Gebrauch der Schußwaffe« die Wähler «och mehr reizte, bann konnte «an in alle« „liberalen" Z-itungm des In- md Auslandes lesen: die VolkSpawi gehe vielfach zu off wem Aufruhr über, so daß über die beti. Wahlkreise der Belagerungszustand habe verhängt werden müsse«. I« de« militärisch besitzten Kreisen war da»« von einer freien Wahl auch nicht entfernt mehr die
E» war ein schwüler Tag im Hochsommer. Die; Sonne lag brennend heiß aus der Landstraße, ruf der ein offener Wagen in mäßigem Tempo fich vorwärt» die Stirne frei, unter der ein Paar tiefblauer Augen bewegte. Jetzt bog bie Chaussee zur Rechten ab und in diesem Augenblick etwas schwermüthig in die Feme zeigte dem Insassen eine freundliche Landschaft im blickten.
Thule: wogende Kornfelder, die der Ernte harrten, - „Laß «n» zu der Bank unter den Eicken gehen, saftige Wiesen und im Hintergründe die Trürme eines Dort auf der Höhe kann ich noch einen Scheideblick schönen Schlosses inmitten eine» grünen Blä termeereS. ; in die liebe H imath werfe«, ehe ich auf immer gehe." Die Manern de» Gebäudes waren durch den hohen > „Ich begreife nicht, Paula, was Dich mit solcher BaumwuchS verborgen. Hast forttreckt. Kaum, daß Du Dir die Zeit genommen
„DaS ist Schloß Weißkirch, gnädiger Herr," sagte ' " ~ der Kmscher, mtt der Peitsche vorwärt» deutend, nachdem er mit der Hand den Hut berührt hatte.
Adalbert erhob sich und schaute gespannt nach der gewiesenen Richtung. „Da» also ist meine künftige HeimaiH — Gott segne meinen Eingang!" Er dachte - daS nur, ohne zu sprechen; bann holte er tief Athem ! und rief: „Kutscher, fahr' zu! Jetzt können bie Pferbe ,« «,«» »»»«.. —, v«
wohl etwas bester laufen, eS geht ja bergab. Zudem Himmel umzieht fich schon. Aber Du hast mir noch ziehen Wolken herauf, (8 gibt ein Gewitter." Damit immer nicht gefegt, weshalb Du durchaus schon heute
Abschluß würde sich also um 94 Millionen Mark günstiger stellen, als Herr M quel vorau»berech«et hatte! Lasten sich auch die Eisenbahneinnahmen nicht so genau »orau»beftimme«, so übersteigt ein Unterschied von 94 Millionen doch daS Maß befirn, wo» man einem Finanzminister zu Gute halten darf. Aus
FllldacrWZkitiiiig
mit Unterhaltungs-Heringe „Sterne un- Himnen".
vei dorbenen TheilcS der Wähler: „Die politische Urbet- zeugnng springt gleich einem Gummiball hin unb her und fällt dem in den Schooß, der fie bezahlt."
Unb ein anderer Blatt schilderte bie Wahlzeit mit folgenden tr ff nben Worten: „Auf die Bestechung, auf die behördl che Pretfion und Einschüchterung folgt
Giyeern.
Novelle von H. Fred.
------- (Nachdruck verboten.) in.