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Dienstag, dm 3 November 1896.
23. Jahrgang
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mit Unterhaltuugs-Krilage „Sterne und Klumeu
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Zu den Enthüllungen des Fürste« Bismarck
marck vor einigen Jahren seine jogenanute „Rache-
O Die Rtgieruug nimmt im .Reichranzeigeri
Auf deren Einrede, diplo-
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Ueber Petitionen an Parlamente bringt die ,Trier. LaudeSztg.' eine« Artikel, um deflen Abdruck wir gebeten werden. Wir tommtu dieser Bitte um so lieber nach, als die Sache sür Biele sehr wichtig ist. Der Artikel lautet:
Petitionen werden alljährlich in sehr großer Anzahl eingesandt. ES ist zweckmäßig, den Urhebern solcher Petitionen Belehrungen zi geben, welche geeignet find, zu bewirken, daß manche Arbeit gespart wird und diePetitione« schleunigeren Erfolg
dem Kaiser so« Oesterreich mitgetheilt und dieser habe in Berlin ziemlich deutlich merke» lassen, daß er bei einer solchen Behandlung von Seiten BlSmarckS auf ein Bündniß mit Deutschland verzichte. Diese Bemerkung der österreichischen Kaiser- soll mit ein Hauptgrund de- ascheu Sturze- Bi-marck» gewesen sein. — Damals hatte diese Notiz w:nig Wahrscheinlichkeit fät sich Allein jetzt, nach den E-thüüungeu
Wörtlichkeit und ihrer besonderen Kemrtniß der politischen Lage entschiede« werden. Jede Abweichung von diesem Grundsatz würde die auswärtige Politik Urberraschungen und Erschütterungen an-setzen Uub dam t da- Staats« interesie gefährden! Hat Deutschland bedingnugloS die Zusage erthellt, sowohl die Thatsachr wie den Inhalt der vor 1890 mit Rußland geführten Verhandlungen geheim zu halten, so dauert diese Verpflichtung für Alle, die darum wisse«, auch heute «och unverändert fort. Damit entfällt auch die Möglichkett, auf de« sachlichen Inhalt jener Berhandtungen einzugehen." Da- Wort „leitenden" in dieser Erklärung ist in dem R-gierungSorgane selbst gesperrt gedruckt. Im Uebrigen ist besonders beachten-werth dre Erklärung, daß die Verpflichtung zur Geheimhaltung des Vertrages für Al - -, dre oa um ttr.fi m, fortbesteht. Selbstverständlich handelt er sich hie- nicht nur um eine moralische, sondern auch um eine rechtliche Ber- pfl chtn^g; die Verletzung derselbe« unterliegt daher drc Ahndung durch den Strafrichter. Wir wolle« abwarte«, ob die Just zverwaltang die Folgerung zieht, indem fie die Staatsanwaltschaft anweist, gegen dir ,Hamb. Rachr.' die Anklage wegen LandeSverrathS zu erheben. Bor dem Gesetz: sollen doch alle Bürger gleich sein! Daß auch sonst oer Brrrath BikmarckS nach wie vor die gesummte öffentliche Erörterung beherrscht, ist selbstverständlich. Es würde zu weit sühre«, da'.aus
Deutsches Reich.
Berlin, 2. November.
Bestellungen auf die gg: Fuldaer Zeitung 3E werden noch fortwährend angenommen.
Studium der Angelegenhett durchaus nothwendig. ■ nicht zu den „strengsten Staatsgeheimnissen Zurückgewiesen wird von vornherein jede und brauchte« nicht mehr geheim gehalten zu werden, - ■ " ------ Z ist der ,R-rchSanzeiger' „ermächtigt, darauf Folgen
der zu erwidern": „Die Frage, von welchem Zeitpuakte an geheime diplomatische Borgänge den Charakter von Staatsgeheimnissen verlieren, kann autsckl'eßlich von leitenden Staatsmännern auf Grund ihrer Betont»
schluß der Bündnisses mit Oesterreich auch Rußland
- „nur-- w. w wieder ein Bündniß angeboren habe. Der nunmehr t Jrrthum beruhten und ob die angegebenen Gründe verstorbene Kaier Alexander von Rußland, ein • stichhaltig waren. (Schluß folgt) ehrenwerther Charakter, habedleseSAnerbteten BtSmarck s
haben.
In jedem der drei Parlamente (Reichstag, HauS der Abgeordneten und Herrenhaus) werden für die einzelnen Arten der Angelegenheiten besondere Kom» j Missionen gebildet. Jede Petition wird nun zur Borberathung jener Kommsfion überwiesen, m welche fie gehört. Der Präsident der Kommission er- : uennt für jede Petitton einen Berichterstatter; sobald : dieser mitthellt, daß er zur Berichterstattung bereit ist, kann die Petition in der Kommission verhandelt werde«. Nachdem fie verhandelt worden ist, wird fie auf dir Tagesordnung einer Plenarsitzung, dar heißt einer Sitzung de- gesummten Parlamen tes, gesetzt — vorausgesetzt, daß nicht schon alsdann die Tagung de» Hauser zu Ende gegangen ist. Um dar nämlich von vornherein zu bemerken: Die Petitionen laufe« in solch' großer Anzahl ein, und die Berichterstatter find ost so sehr anderweittg beschäftigt, daß ein großer Theil der Petitionen in der Kommission erst zu Ende der Tagung deS Parlamente» zur Berathung gelangt und darum nicht mehr auf die Tagesordnung einer Plenarsitzung gesetzt werde« kann. Daran« ergibt sich zunächst folgender Rath: Man möge die Petitionen so früh einsesden, daß fie bei Begin« der Tagung deS Parlamente» dort emtteffen. Der Reichstag tritt in diesem Herbste am 10 November zusam- men, daS Abgeordnetenhaus und dar Herrenhaus am 20. November. — ES genügt als Adresse in der Petition und auf dem Briefumschläge: „An dm Deutschen Reichstag in Berlin." — »An da, Herrenhaus rc." — „An das HauS der Abgeordneten rc." Zweckmäßig ■ stichhaltig waren, ist eS, eine Abschrift der Petition eir-m Abgeord- ’--
Beten zuznsevdrn, damit vieler fich für dieselbe be- s sonders interesftre, seinen Eirfluß zur Beschleunigung - der Ernennung eine» BerichterstalterS anSübe und auch \ bewirke, daß jene Mitglieder der Fraktion, welche von k ------„------„ .... &
ihr in die Kommission gewählt find, die Sache vor ? abermal» Stellung gegen dm Silmanf ^ett Brrrath der KommisfionS-Brrathung stndirm; bei schwierigen in den ,Hamb. Rachr.' Auf deren Einrede, drp.o- Angelegenheiten ist nämlich ein solche» vorhergehende- t malische Vorgänge der m Rede stehenden Art gehörten
Petition, betreff- deren noch nicht vom Ministerium eine Entscheidung getroff n ist. Der Grund hierfür ist folg über: Da» Parlament ist eine Appell- Instanz, an welche man Berufung gegen die Tnt.chei- düng be» Minister» einlegt. E» muß in allen Gebieten, auch betreff» der Beschwerden, eine gemifie Ordnung eiogehaltm werden. Di« Ordnung verlangt nun, daß man fich gegen eine Verfüg« g beschwert bei dem Vorgesetzten derjenigen, der die Verfügung eriafim hat. — Viele Angelegenheiten find durch die Grlltze der E nwirkuug der Parlamente vollständig entzogen: ? z. B. die Prozesse, über die endgiltig die höchsten Gerichtshöfe entscheide«; in solchen Dingen ist e» zweck- ! lo», eine Petition an da» Parlament zu machen.
Biele Gemeinden beschwere« fich darüber, daß der Pfarrer nicht die Lokal-Schulinspektion habe, daß diese vielmehr irgend einem Manne übertragen ist, der von der Schule sehr entfernt wohnt und sicher nicht mehr Kenntniß vom Sch'ls-sen hat als der Pfarrer. Jenm Gemeinden, welche die Uebelstände dieses Zustande» empfinden, ist anzurathm. durch alle Instanzen hindurch zu petitionireo, daß ihrem Pfarrer die Lokal - Schulir.sp ktion übertragen werde. Der Instanzenweg ist: R gierungS Präsident, Oberpräfident, Minister, HauS der Abgeordneten. In der Petition müßte man a S Grund für die Ueber- tragung der Lokal-Schulinlpettion an den Pfarrer in»- besondere die große, durch Mittheilung der Entfer- $ nungen nachzuweisende Belästigung anführm, die i für die Eltern bei der Urlaubs E.uholung eutsteht, und dann aber besonders die Thaisache, daß der Pfarrer besonders geeignet ist, die Aufsicht über die ------- ■ - <_ ■
l Schule zu führen. Wenn die Behörde« eine solche im Einzelnen emzngehm. Auch eine neuere An»- r Petition ablehnm, »erben sie bie Gründe angeben lafiung ber ,Hamb. Rachr., dir an bet Beurth illang ’ muff n. In solchen Fällen möge die Gemeinde nun der Sache nicht» zu andern vermag, kann unbeachtet l lchl unigst den Instanzenweg durchmachen, indem fie bleiben, nachdem bie R g-emng tm .RrichSanzeiger sich sofort nach Empfang einer ablehnenden Antwort abermal» den Borwurs deS Landesverrats gegen de« an die höhere Instanz wendet, damit die Sache möz» Gewährsmann der ,Hamb. Rachr.' erhoben unb be» 1 lichst bald im Abgeordneterhause vo,kommen kann. In wiesen hat.
| der Kommission deS Abgeordnetenhaus-» »eiben die * Zu be«
RegierungS - Kommissare nicht unterlasse können, bie wird der ,Germ »richrirbru: „Wahrend FÜst BS- ? eigentlichen Gründe anzuzeben, auS denen die Lokal- i_-:^ J“1“ • T**","-' < " Z*
I Gchulin'pcktton dem Pfarrer entzogen und später nicht reise durch Oesterreich und Deutschland machte, i mifbit übertragen worden ist, und dann wird eine brachte eine Z-ttnng die Notiz, daß B Srnarck nach ,4b- i gründliche Untersuchung darüber ftaüfhben, ob die s r früheren Berichte der Uaterbeamten nicht vielleicht auf 1
Gtyrera.
Novelle von H. Fred.
4] ------- (Nachdruck verboten.)
„Mutter," begann fie, und ihr Köpfchen hing wohl etwa» traurig zur Sette, aber fie weinte nicht — „Mutter, in TomiSzel gibt'« keinen Park und kein Treibhaus, da möchte ich'S hier noch genießen. Darf ich? Die Rnza wird auch ohne mich fertig."
„Nsn, so g.h'; laß Dir beim Sätet nichts merke», wenn er kommt. Er ist jetzt hinüber zm Herrschaft."
Nepka ging zunächst nach dem Treibhaus und lauschte durch die Thüte, ob Adalbert schon heimgr- kehrt sei. Aber alles wat still, und fie begann ihre gewohnte BeschLfttgung unter den duftenden Lieblingen. Heute wollte nicht» ihr Frmde machen.
Die ganze Welt mahnt mich an'S Abschiednehmen, Die ganze Welt schaut so betrübt mich an;
Mir ist, als wollt' sie helfen mir, mich grämen. Daß ich nicht länger bei euch bleiben kann.
Sie flüsterte die Worte leise vor stch hin, und ihr Auge wurde feucht.
So lange fie denke» konnte, hatte fie hier ftöhlich «rfcbt. Eigentlich war ihr nie ein Wunsch abgewogen worden; fie war die einzige Tochter, sett den
letzten Jahre« sogar daS riuzrge Kind ihrer Ettern, und mehr verwöhnt worden, als da» sonst bei Kindern in ihrer Sphäre geschieht. Eine Trennung vom Eltern- Hause würde ihr immer schwer gefalle« sem; aber doch war fie fich bewußt, daß fie wenig an ihre Niem
i und an ihre Heimath dachte, al» sie heute so freudlos ' auf die gewohnte Umgebung schaute. E» war nut Er j und immer wieder Er, der ihr vorschwebte, wenn daS - Scheiden ihr solche« Schmerz bereitete. Allmählich
ging ihr Gefühl in eine so intensive Sehnsucht, ihn zu ; ; sehen, über, daß sie e» nicht mehr ertragen konnte. - Sie verlangte danach, sich recht von Herze« aus- \ meinen zu können, und hier, wo jeden Augenblick
Jemand sie rufen konnte, ging da» nicht. Sie eilte ins HauS.
„Ist der Boter schon hier?"
„Rein, er kommt erst zum Abend; der Karol hst'S bestellt."
; „Ich schneide Blumen." Damit nahm fie Korb und Messer und stürmte fort.
Im äußersten Winkel deS Park» war em dichte» Gebüsch; dorthin ging fie, und al» fie ganz allein
1 und sicher fühlte, brach fie in laute», unbezähmbarer Schluchzen au». Wohl hatte der Baier recht gehabt mit der Warnung ihr nicht lange Zett zum Abschiede zu lasten. Der Gedanke an diesen Abschied zettigte
da» Äeschs, dessen Entwick.lung der Alte v-rm:rS:« wollte. Die Liebe dcS WribeS war erwacht, und N pka'S leidenschaftliche Natur fühlte fich wie von Gluth dmchströmt. Sie war so aufgeregt, so ganz erftllt von ihrem Schmerz und ihrer Lieb:, daß fie in den zärtlichsten Tönen, bald schmelzend weich, bald wild mid verzweifelt seinen Nimm rief. Sle hörte nicht, daß sein Schritt nahte, bi» er, dar Gebüsch zurück- schlagend, dicht vor ihr stand.
„Gycera, Kind, war ist geschehen?"
Sie schaute ans; aber unfähig, sich zu fast«, und beschämt, so von ihm gesehen zu werden, barg sie chr Antlitz in den Händen und antwortete nicht.
„Nun, willst Du mir nicht sagen, war Dir fehlt?
Ist Jemand krank?" m
Ein leist» Schütteln deS KopfeS, sonst nichts.
„G.'yc-ra, kleine, liebe G yc-ra, weine doch nicht so! Ich habe noch niemals Dri Gesichtchen so traurig gesehen. Komm, vertraue mir an, was Dir ist." Er zog die Hände von ihren Augen und begegnete dem Strahl, der darin entzündet war.
Run sprach fie auch: „Ich soll fort, fort von hier — o Gott, ich werde sterben, ohne..." Sie freit inne. „ ,
Aber er hatte verstanden, war fie tagen wollte, und ehe er wußte, wie e* gekommen war, hatte er