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23. Jahrgang

Montag, den 2 November 1896.

M 253

(Nachtruck verboten.)

Glycera.

Novelle von H. Fred.

find, in den ,Hamb. Nachr.' ein so w chtigeS Staat»- geheiAniß vrrrathra zu haben. Eine Rrdaktio«, und wenn es auch die Redaktion der ,Hamb. Nachr.' ist, kann unmöglich ohne den Berrath eine- staat»- mänmschm Geheim« ff 8 von einem geheimen inter­nationale Betrage so genaue Kenntmß haben, daß sie nicht nm den Inhalt biefe» B-rtrageS mittheilen kann, fonder» auch gegenüber dem.RerchSanzeigrr' be­haupten darf, daß sie nichts Falsches berichtet.

Niemand wird eS dem Fürsten BSmarck — tote die .Germania' mitR cht bemerkt — verüblrn können, daß er sich zu vertheidigen sucht. Ueberzeuged und von durchschlagender Wirkung ist aber diese Brr« theidigurg n-cht. Ran kann zugebe«, daß Fürst Bis­marck bei dem Anschluß der deutsch-rusirschen Sb-

befestigt.

Sie fah reizend auS, die Heute zterltche Tlyerra, wie sie im Dämmerlicht die frischen Knolpm schnitt, von denen sie einen Kranz für eine Brautjungfer zur morgigen Hochzeit winde« sollte. Die Brautkrone lag eben vollendet auf dem Gartentisch, an dem Adalbert saß und mit den Augen den Bewegungen der zierlichen biegsamen Gestalt folgte. ,

Jdgend etwas mußte in de« Ausdruck fettes Ge­sichter liegen, waS de« allen Brjyl auf ft d, als er aus dar Hau» zuging. ---- ihn, em Weilchen st. heu zu bleiben und auch sein »mb zu m der ManneS Augen.

Deutsches Reich.

Berlin, 31. Oktober.

einem so juagen Ranne übe Haupt sein kann, ist sie gewiß bet ihm. Aber die Nepka ist jetzt kein «mb mehr, und der Doktor sieht sehr gut, wie hübsch sie geworden ist. Er soll ihr keine Dummheiten m den Kops setzen. Wenn fie dem Roman Jenczik sein Weib wird, draucht fie nicht vorher fich eiuzubildrn, ein ferne» Fräulein zu sein. Aber sag' ihr noch richt»; ich säe, sie kommt herein. Daß fie eine ganze Wache lang Abschied nimmt, mag ich nicht; da» hat Zeit, biS zul tzt." t kJ»*. .

Frau Lrzyl setzte schwelgend dar Abrndbrod auf den T sch und schaute seitwärts «ach ihrer Tochter, die mit ihren dustigm Schätz n in'r Zimmer trat.

.Da hab' ich ja den Brautkranz vergksim!" nef jetzt Repka und eilte flüchttgen Fußes zmuck an den Tisch, an welchem Adalbert seine Cigarre rauchte. „Gute Nacht, Herr Doktor."

„Kommst Du heute nicht mehr herau», Slycera?

„Rein, Baier hat mich gerufen." ,

„Schade, ich wollte Dir etwa« fo Hübsche» zergeu;

ich habe da» Vergrößerungsglas mttgebracht." „Heute wär'» doch wohl schon zu dunkel? „ßter nicht; aber wir wollen bi» morgen warten." Am andern Tage ganz srüh war »eißktrch mit

SS s "Mm I S&Ä LLV w, ÄÄLK-L ।

• «. r- i-i— --i- — ad««**» „So sicher ein Rädchen bet ; aus N pkn und schlenderte augfam tn den Alleen um

betrachten. Dan« kam er «äher und sagte: „Wenn 5 Du genug »lernen hast, so komme in die Stube. Der i Nebel kommt über den See, der taugt nicht für Dich."

DoS junge Mädchen bückte verwundert dem Baker

FiilimerWZkitllng

mit Unterhattungs-Keilaoe „Sterne und Klumen"._________________

bringen endlich eine« offenbar aus Fnedrrchsmh stammende« Artikel als Antwort auf bte Erklärung im .ReichSanzeiger'. In bent Artikel heißt e» u. A.:

Wir beabsichtigen n ich t, in eine Polemik mit der Redaktion des .Reichsanzeigers' auch in ihrem außeramtlichen Thetle ein- zutreten, sind aber doch genSthigt, gegen einige Satze ihres Artikels Verwahrung einzulegen.

Einmal geben wir nicht zu, daß diplomatische Vorgänge der in Rede stehenden Art zu den „strengsten Staatsgeheim, nissen" gehören. Die besprochenen russisch-deutschen Berhand- lungert gehören der Geschichte an und den Archiven; ihre Geheimhaltung war für unS wie den Dreibund von Hause auS kein Bedürfniß, sie erfolgte lediglich auf russischen Wunsch, und die Situation, auf welcher diefer Wunsch damals beruhte, besteht heute nicht mehr. Im deutschen Jntereffe hätte unserer Ansicht nach die volle Veröffentlichung gelegen, da der ganzen Sache für uns nicht etwa ein Pudendum zu Grunde liegt, sondern ein berechtigter Anlaß für alle friedliebenden An­gehörigen des Reiches wie des Dreibundes, mit Genuglhuung auf den Vorgang zurückzublicken. Staatsmänner, die den «rieben überhaupt pflegen wollen, die sich die Schwere der Ver­antwortlichkeit stets vor Augen halten, welche die Schuld an einem Kriege der größten europäischen Mächte unteremander mit sich bringen würde, sind sich der Pflicht bewußt, jedes sich ,------------ - ------

ihnen bietende Mittel zur Erhaltung des Friedens, welches heutigen AuMhruNkjkN bet .Hamd. Nachr. Nicht ber . . , , ,, ■

mit den Interessen des eigenen Landes verträglich ist, auch an- «gll war. lieber ben Zweck der Enthüllungen geben 1 * ES scheint fast, als oo schon wlkber etnr Mtntfter-

zuwenden und zu vertreten. - hie fiamb. Nachr.' «UN auch einer- Anhaltspunkt, in« l trift» in Sicht sei. Die ,Berl. Reuest. Rochrichtru

I t~s. * «8.’üSÄ'S I JSSgL &

Blätter zufolge, zwischen dem Finanzministrr Herrn Miquel ttnb dem Etseubahuminister Herr« Thielen sehr erhebliche MeinuagSverfchiedenheiten entstanden fein, welche auSzugieiche« bisher noch nicht gelungen ist. Ma« wirb nicht fehl gehe« in ber An­nahme, baß ber Gegensatz in dem Verlangen nach Aufwendung größerer Mittel für Eijenbahnzwecke be­steht." — Wir geben die Nachricht hier toieber, wie wir fie finden; eine cmberweitige Bestätigung derselbe« liegt «och nicht vor.

♦ Der Gemralkommanbeur ber Marken, General- ob er ft von Loe, ist nicht nubebenkiich erkranll. Er weilt seit Monate« in Konstanz, wohin ihm seine Ge­mahlin kürzlich gefolgt ist. Da» Leiden b-S Patienten besteht hauptsächlich in heftigem Reißen, auch hat ibn eine vor Kurzem vollzogene Beneoperation am Schenkel sehr angegriffen. Der Generaloberst ist bi» Januar k. I. beurlaubt. Sei« Zustand ist besorguißerregend, nur avß rgewöhnlich günstige Umstände könnt-« seine völlige Genesung herbeisühren. ES gill al» sicher, baß er bemnächst ein Abschiedsgesuch einreiche» werde.

* Bon einer Begnadigung, bte weitergchmdeS Jntereffe hat, wirb jetzt Mmheilung gemacht. Bor etwa iVg Jahren würbe ber ehemalige Rechtsanwalt

schall, zum „Jmmebiat-Bortrage. Fürst Hohen- lohe, ber soeben erst durch die Nachricht vom Tode seines Bruders, de» Kardinal» Hohenlohe, in Trauer versetzt worden ist, würde sicherlich kaum in einem solchen Augenblicke den StaatSgeschSften fich zu widmen brauchen, wen« nicht sehr wichtige Gründe ihn dazu zwängen. ES ist kein Zweifel, daß eS sich bei dem Bortraze der beide« Leiter der auswärtig'l Politik beim Kaiser nur um die neueste Auslassung 3i3manf» ; in den .Hamburger Nachrichten' gehandelt h ben kau«. ; @3 ist sicherlich auch kein Zufall, daß zur selbeu Zest t auSWieu die Nachricht von einem Bortra n drS öfter- i reichlichenBotfchafterS in Berlin, Hr«. v.5 zögyeuyi, ; beim «aifer Franz Josef telegraphisch hierher ge- mara oet ue» «u.u,™# v« langte. Jedenfalls hängt auch dieser Bo -ang mit de«

komm-nS den besten Zweck im Auge gehabt hat, die | Friedrichsruher Enthüllungii.Felbzuge zusammen. Sicherung des Deutschen Reichs gegenüber eisern «n- j Nimmt man d»za die «ehrfach» B^rrchungeu, griffe Frankreichs. Ma« muß aber auch vo« der anderen ; Welche Frhr. v. Marschall nut der- m AdW se^heü Seite zugestehen, daß das Mittel zur Erreichung ; dF Botschafter» die »ef^te.J.« ö^^(jWn »ot- diese» Zw SS nicht gebilligt werden kann, wenn mau - schuft ^BerlmsühreudenBotschaft^ rathv.Beltcr anders nicht dem Grundsätze huldigt, ber br« Zesuiteu | gehabt hat, so ist klar ersichtlich, baß - le B Smarck scheu sälsch'ich zugeschrieben wirb: „Der Zweck He-ligt bie ? Brrräthereie« kemeSwegS pollttsch leichgütig waren. Mittel." Die „politische Bigamie" deS Fürsten B-S- i Ihre Folge ist aus alle ^allr et ^Imberung deS < marck war Uüb ble bt ein Treubruch gegenüber bem Ansehens ber deutschen Politik, j4« Glücke freilich i stammverwandten Oesterreich, sie stellt da» ganze , mehr der vergangenen — hoff m wir, . daß. krm Miß- i fteundschastliche B rhältniß zu Oesterreich-Ungarn in s trauen für bte Gegenwart und Zukunft haften bleibeI ? Frage und würde dasselbe jedenfalls zerschmettert haben, ) < wenn Oesterreich davon zur Zeit br» Best-Heu» diese» j ’ Abkommen- unterrichtet gewesen wäre, was nach bett |

zi ------ (Aachvrua verboten.) - X)o» jUNge axaueqen o iait cetwuiiutn uciu vuiu

So verfloß bie Zeit: schon siebenmal war ber \ «ach, von bem sie soviel Sorgsamkeit sonst nicht ge- Schreibtisch auS bem Studirzimmer in'-Glasbau» unb I wohnt war ; dieser aber htelt fich mcht werter aus, wieder zurück aewaudnt. Repka hatte fich schnell eut- < sondern schritt aus da» Hau» zu.

wickelt.8 Die Beimischung der ländliche« Nationaltracht i „Mutter ".begann er, während erdrnbreükläwpigen

war nach und nach an» ihrem Anzug verschwunden. ’ Strohhut an de« Nagel hmg, „uh nehme die Npa Sie trug bie Kleidung ber junge« Mädchen de» Stäbt- - bie andere Woche nut zm Knfinka. Brrvg chr Z ug chen», und da» leichte Mouffelinkleib stanb ihr sehr f tn Orbnuug; fie mag fich bort m der Wtrthschast aut. Heute war Soimtag; da»«eißeKleid war durch ; umthun." .. o

eis rothe» Sammetband geziert, au dem ein silberne» „Aber Joseph, davon höre ich erst beute ? Da» Krenz hmg. und im Haar hatte fie eise frische Rose Mädchen hat ja mch<» anzuzteh n; fie tst an» ihren

- ■ M 3 s «leidern ganz herauSgewachsev."

\ „Thut nicht», kannst nachschicken, wa» fehlt. E» ist Zeit, daß fie sortkomrnt; die Geschichte mit dem Doktor ton« so nicht weiter gehen: entweder er muß ; au» bem Hause ober fie!"

„WaS «Hut ihr ben« bet Doktor Schlimme» ? Er •; ist doch ein guter, austänbiger Herr; bei chm ist sie 5 sicher."

t „Wenn ich bächte, er könnte thr etwa» Schlimme»

Län " ist vollständig aus der Lust gegriffen für Jeden, der eS s Wilhelm» I." beso b:t» hetvochebe«, «atürlich ohne kennt und der die Dreibnndverträge auch nur oberflächlich lrest. z 6Dn ©aHet Wilhelm II. z« spreche«. Da» genügt! Wenn bei der rufsifchen Regierung Neigung dazu vorauSzufetzen « ' * ♦

wäre, so würde es sich unserer Ansicht nach empfehlen, noch heute - H.?rh hi# Sr-ribeidiouna

denselben Vertrag zu erneuern, deffen Fortsetzung trn Jahre : I« ber Betlmet Pt es se vte «rtthetotgUNg 1890 von unS abgelehnt wurde und dessen jetziges Bekanntwerden s BiSmarck» M de« ,Hamb. Nacht, fast durchweg seht in so hohem Maße die sittliche Entrüstung aller derjenigen Pmc- t abfällig bemtheilt. Einige biSmarckfceUüdliche Blätter, teien in der Presse erregt, welche vor 1890 dem Reiche unsttun^ j fe. 1 t , jetziges Verhalte« doch richt billige« köaueu, £?St..Äb..8ÄS ' “* M " \ Sie bie .Sß" Md M< .RrÄ'Vfe» st« d«ch

Wir finden bei dieser Sachlage die Behauptung, daß „Staats- . Schweige«. Gkge« die Behauptung der ,Ha«b. Rächt., geheimniffe" zum Nachtheile des Deutschen Reiches preisgegeben s b(Jn bto, tzie Presse der Parteien, „welch? vor worden wären, unbegründet und werden tn bem laber mdjt <qqa« hem Reiche fneitt. bet BiSmarck'sche« Gewalt» SWtS» « SÄ I JÄO Ä’b-hJ WtM Wilhelms I. erblicken......Falsches ist in unseren AuS- j, standen", sich übet bte Hamburger Enthüllungen ent-

Stüttgen überhaupt nicht enthalten gewesen, unb bte An- S xEet zeige, legt selbst die nationalliberale ,Nat.»Ztg.' tung, als ob es wäre, würbeuns> woh^I eine I Verwahrung ei«. Eine andere Bemerkung de» Ham-

geben, tnt mchtamtltchen Thttle des .RttchsanzetgerS eine Be- ? ¥ » , 9l»rtrnn (ri «i«

nchtigung im Sinne des § 11 deS Preßgesetzes zu verlangen. , bmget Blattes der deutsch-ruffffche Vertrag sei ein

3«öem bte , fiamb. Nachr. sachlich behaupten, daß Beweis ber Einsicht unb ber Gew-sie ihgftgkctt der in ihren AuSsirhrungen ober Enthüllungen „Falsches ' Regierung ^°'^r Wilhelm» I., ul» Set- überhaupt nicht enthalten gewesen," geben fie bezw. ; krieche« hinter dem Rückm be» bama.S tost «ibt ber Verfasser diese» Artikel» zu erkenuen, Saß < 90-zähngen Monarchen und al» eme neue Spitze « über da» deutsch-ruffffche Abkommen genau unter« < gegen Kaiser Wilhelm II. gebraadmarkt.

Sh iS D-« l><> £ 8--st Md z Der A-tit-l in d-n .Hamb. Mchr/ -chchi-n «

ber frühere StaaiSsekcetär deS Auswärtigen Graf | SamStag früh; am Mittag beSstlbrn Tage» empfing Herbert BiSmarck fein — abgesehen von «en Amt»- $ der Kaiser de» RetchSkanzler Fürste» Hohenlohe nachsolgern derselben, die gegen jede« Verdacht geschützt und den Staatssekretär deS Aeußeren, Frhrn v. Mar-

Bestellungen

auf die ____

Fuldaer Zeitung 4S

werben noch fortwährend angenommen.

Die ,Hamburger Nachrichten^