JK 250
Donnerstag, den 29, Oktober 1896.
23. Jahrgang
er es versäumt hat.
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das Abonnement auf die
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leuchte«, dcß He r v. Wißmann, wenn er das Erbet nicht allzusehr der Arbeit vorangestellt sehen wollt-, damit nur die Zweckmäßigkeit der pädagogischen Methode bei der N gererziehung im Großen ins Auge gefaßt hatte, nicht im Entferntesten aber ein Urth-il abg'ben wollte über d:e F^age, rb der Kultur« foitjchritt der Christenheit auf der Grundlage deS reinen UtilitarismuuS m t dem Ideal einer ins Un»
K> Gedanken zu unserer Kolonialpolitik.
Herr v. W ihm an« hat in der vorige« Woche in Berlin eine Rede gehalten über die zweckmäßigste Art der Kaltivirung Ostafrikas und darin betont, daß die Hauptsache die sei: den Neger zur Arbeit zu et» ziehe». Herr v. Wchmann, wie auch zahlreiche andere Aftikakenner, haben bekanntlich auch schon früher den katholischen Missionen gerade deshalb den Vorzug vor den protestantisch?« gegeben, weil sie den Neger zunächst zur Arbeit zu erziehen suchen.* *) Die protestantischen MisfiouSgesellschaftm haben daraus den katholischen gerade men Vorwurf machen zu können vermeint, indem sie er so da'stellte», a!S ob auf katho» lischer Seite das Gr bet, di Religion gegen die Arbeit, das Materielle zurück gesetzt werde.
In ähnlichem Gedaokengartge sucht die religions- feindliche,B oss. Ztg.' auS den Worten drS Herr» v. Wißmann Honig zu sauge», indem sie triumphirend ausrnft: Herr v. Wißsann habe durch die Boran» stellung der Arbeit den reinen Utilitarismus, d. h. das r-ligiorklose NützlichkeilSpnur P nicht 6foS al« triebSklästitzstsn Fakror der MenschheitSentw.ckrluvg ««erkannt, sondern ihn dadurch auch amtlich zu eiarm für das deutsche Reich giltigen Regierungsgrund» satze gestemvelt. Duran schließen sich dann die in diesem liberal' protefiantisch.freimamerisch.jüdisch'budd» Wischen Organ übliche« Ausfälle auf Religion und Kirche.
@8 verdient BeaLtuvg, daß gegen dieses Auf» klärichtS-Gefasel die ,Rordd. All«. Z^g' in einem so verständigen Artikel energisch vorg'ht, daß wir wünsch:n möchten, er gäbe die Auffasiung der Regierung wieder. Der Schluß deS Artikels berechtigt zu dieser Annahme, denn hier wid geradezu im Namen Wißmauns und der „RrichSregierimg“ der ,B°ss. Ztg.' widersprochen. In diesem Artikel wird zurächst oer Kern der Wiß- mann'schen Ausführungen wiedergegeben, um dann zu Setonru: Dem einfachsten Kinderverstand müsse eS ein-
*) Auch Dr Peters, der gewiß keiner Borliebe für die katholischen Missionen verdächtig ist, hat nach der Rückkehr von seiner Emin - Expedition dem Schreiber dieser Zeilen gegenüber lebhaft die katholischen Missionen gegenüber den protestantischen, gerühmt; desgleichen ein anderer protestantischer Afrikareisevder, dieser letztere, ohne meine Eigenschaft als Katholik zu kennen, er erfuhr dieselbe erst später.
endliche gesteigerten Produktion materieller Güter erfolgen könne oder nicht.
Weiter macht dis ,Nordd. Allg. Ztg.' sehr glücklich gegen den Uiilttarrswut — man köante auch sagen: Materialismus — gründ ätzlich Front, indem sie bewnt, daß mit dem Prinzip des reinen UtiliimiSmuS auch die Berechtigung deS Kommunismus der Sozialdemokratie gegeben ist. „Wite das Streben nach wateriillrm Lebensgenuß," so schreibt dir ,Nordd. Allg. Ztg.', „wirklich das alle?« berechtigte Streben des Mensche», so ist ganz unerfirdlich, war«« nicht Alle gleichen Genuß beanspruchen könnten. Der Kommunismus ist blo« deswegen falsch und undurchführbar, weil s me Präm sie (Voraussetzung) der UtilitariSmuS, eine falsche und höchst emscttige Auffassung der Bestimmung des Menschen in sich schlißt. Möge die -Bost. Ztg', so schließt alsdann das RegierungSotgan feine Ausführung, „überzeugt fe$n, daß weder Herr v. Wißman«, noch die Reichsregierung dazu beitragen werden, dem Deutschen Reich ia Ostafrika schwarze Sozialdemokratie herauzvzieheu.“
Unseres Erachtens erledigt sich dre Frage ganz einfach durch Berücksichtigung ves einerseits von Herrn v. Wißman«, anderer sü:L von den Missionen verfolgten Zweckes. Herr v Wißmann bezweckt die wirth- s chastliche Lultivirung des Negers und stellt darum ganz naturgemäß die wirthschaftliche Arbeit voran, ohne irgendwie den besonderen, usd zwar vom geistig- sittliche« Standpunkte auS höhnen Wsrth des Gebetes damit zu bestreiten. DieMissioneu bezwecken als Endziel die Ausbreitung des CyristenthumS, aber sie erkennen in der Arbeit bezm. in der E-ziehMg zur Arbeit dar nächstliegende und uothwendige Mittel zur Erreichung ihres Endzweckes: d«r Ausbreimug der christlichen GtsittuLg. So machen e$ wenigstens die katholischen Missionen, und wie die Erfahrung lehrt, mit dem besten Erfolge. UebrigenS hat ja das Christen- thum auch die Arbeit geheiligt; auch sie ist, wenn im rechten G-isie, Gottesdienst.
Schließlich j i noch betont, daß auch das gute Beispiel nicht fehlen darf, und daran haben es leider die unter den „Silben“ lebenden Europäer bisher gar zu sehr fehlen kaffen. Hoffentlich wird es in dieser Beziehung nach den lüftl einigenden Fällen Leist, Wehlau, Peters, Schröder jetzt endlich bester; das würde nicht nur der Ausbreitung des Ch-iften- thumS, sondern auch der wirthschastlichen Entwickelung unserer Kolonien zum größten Segen gereichen. Nicht nur für den Neger, sondern auch für den Weißen, und zwar zuerst für diesen, gilt das Wort: „Bete und arbeite!“
„Elrbeth!“
„Brrz-ih mir, Geliebter, ich habe meine Sünde schwer gebüßt. Aber ich mußte von Dir spreche«, von Dir hören, darum kam ich hierher. Johanna liebt mich--“
Die Haushälterin öffnete hastig die Thür.
„Das Fräulein scheint kränker zu sein, — ich wagte nicht von Ihrer Ankunft zu sprechen, um sie nicht zu erregen. Sie liegt im h-.ftigsten Fieber und ruft in ihrer wilden Phantasie b-ständig nach ihrem Baier.“
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„Der Arzt maß sofort benachrichtigt werden,“ entschied der junge Herr bestürzt.
„Das ist ein trauriger Empfang bei Ihrer Rückkehr, Herr Albert,“ stammelte die erschrockene Dienerin, „der Kutscher soll sofort nach Schloß Burgeck fahren, um von dort den Arzt zu holen.“
„Darf ich in das Krankenzimmer gehen?“ wandte sich E.sbeth an die erfahrene Haushälterin.
„Fürchten Sie sich nicht? Die Kranke ist augenblicklich sehr unruhig, und Sie find nicht an Kranken-
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„Wie hast Du die Verwechslung tut möglich gemacht ?“ fragte der Gatte endlich, als die erste Freude des Wiedersehens vorüber war.
„Es war so leicht. An Bord der „Arcadia“ kannte man uns nicht; meine Schwester gab auf mein vieler Bitten nach, meinen Namen zu tragen. Ich war in dem ersten Rettungrboot, kam nach Marseille, und in unseliger Verblendung gab ich mich für tobt ans!“
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Die Freude, die bei der unerwarteten Neuigkeit I sich im Schloß Burgeck verbreitete, ist kaum zu be- i schreiben. . t
$ Mit einem Freudenschrei flog Agathe in die Arme ihrer todtgeglaubten und langseweinten Schwester, sie ! lachte und weinte an ihrem Halse, wollte sich keinen
pflege gewöhnt.“
„Ich fürchte mich nicht!“
Johanna saß aufgerichtet im Bett, das wilde Fieber halte sich momentan gelegt, die erregten Nerven sich beruhigt. Sie streckte mit schwachem Lächeln der Eiutretenden ihre heiße Hand entgegen.
Der Bruder blieb mit ungehaltenem Athem in der geöffneten Thür stchen; er wagte nicht, durch sein unvorbereitetes Erscheinen die Kranke zu erregen.
„Mein Kind,“ flüsterte Johanna todeSmatt, „ich bin so müde, daß ich mich kaum aufrecht halten kann — wollen Sie mir eine Bitte erfüllen — die letzte Bitte einer Sterbenden?“
„Ich will Alle» thu«, was Sie wünschen,“ gelobte Elsbeth feierlich, dann kniete sie nieder, preßte die
Deutsches Reich.
Berlin, 28. Oktober.
* Der Kaiser besichtigte heute, wie aus Essen gemeldet wird, sehr eingehend einzelne Ab'heilUÄgen der Krupp' chm Fabrik, insbesondere da« Panzerplatten» Walzwerk, und wohnte daun einer Schurig der Stadt» verordneteuversammlrmg bei. — Der Legationsrath Dr. Freiherr von Heyking, früherer General- Konsul für Exypten, ist vorn Kaiser zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister in Peking ernannt worden. — Der MichS-Auz.' bestätigt nunmehr die Ernennung des Wirk!. Geh. LegationS-Rath Dr. Kayser in Berlin zum SeuatS-Präsidentsn beim Reichsgericht.
■fc Deutschlands Vertragstreue und Aufrichtigkeit gegenüber seinen Verbündeten ist in Aufsehen erregender Weise verdächtigt worden und zwar dmch den „NationalheroL" Fürst BiSmarck. Verblendet von dem Haffe gegen seinen Nachfolger Caprivi und wohl noch mehr gegen den Kaiser selbst, der ihn entlassen hat,' beschuldigte BiSmarck ia den .Hrrnb. Nacht.' seinen Nachfolger, dis bis dvhin bestandene „Neutralitäts- Versicherung auf Gegenseitigkeit“ zwischen Deutschland und Rußland ausgehoben zu haben, obwohl RH- land den besten W.llen gehabt habe, dieses VerhSltniß weiter bestehen zu laffm. Wenn Deutschland aber wirklich ein solches Sonderbündniß mit Rußland hirtter dem Rücken Oesterreichs unterhalten ha-, so rückt diese Enthüllung rnr die Politik Bismarcks in das Licht der Unehrlichkeit und Doppelzüngigkeit, während andererseits dem Grafen Crprivi oder dem Kaiser das Verdienst zufiele, die krummen Wege Bismarcks verlass n zu haben und zu einer ehrlichen Vertragt Politik gegenüber den Bundesgenossen übergegangen zu sem. Fürst BiSmarck hat also sich selbst mit seinen „Enthüllungen“ einen sehr schlechten Dienst geleistet. DaS könnte uns freilich sehr gleichgiltig fern, wenn nicht auf die deutsche Politik überhaupt dadurch ein Schatten g-worfen würde. Die jetzige Regierung hat eS irn.Reicks auz.' abgelehnt, die Angelegenheit klar zu stellen, „Falscher zu berichtigen“ und „Unvoll- ständiges zu ergäben,“ weil eS sich um „strengste Staatsgeheimnisse“ handle, deren Wahrung auf internationaler Pflicht beruhe, und deren Preisgabe nicht ohne Schädigung wichtiger StaatSinterefieu möglich sei. Darin liegt ein äußerst schwerer Borwurf gegen BiSmarck, nämlich der Vorwurf der Landes- verraths, und dar ist dem Fürsten Hohenlohe, der so lange mit Bismarck prrsöslich eng befteuudet war, gewiß nicht leicht geworden; umso mehr Gewicht hat seine jetzige Srellungnahme gegen den ersten Kanzler. Selbst biSmarckschwärmrrische Blätter, wie die ,Post', die ,Söln. Ztg' können nicht umhin, die Beröffent» lichung in ven ,Hamb. Nach:.' zu bedauern und zu mißbilligen, wenn sie auch den vergeblichen Versuch machen, Fürst Bismarck selbst zu entlasten, indem sie ihm theilS „patriotische" Beweggründe, wie die Sorge um die Erhaltung des deutsch-russischer; Einvernchmeus,
schlaff hrrabhangende Hand an ihre Lippen und bedeckte sie mit beißen Küssen.
„Schreiben Sie an meinen Bruder, bitten Sie ihn ia meinem Namen endlich zurückzukommen--imd
feiert Sie freundlich gegen ihn, da er Niemand mehr auf der Welt hat.“
Ermattet fiel fie in den Kiffen zurück, kein Laut kam mehr über die festgeschlosienen L ppen.
Albert trat leise näher. Er schloß seine weinende Gattin in seine Arme. Dann blickte er mit stiller Wehwuth in die friedlichen Züge der geliebten Schwester, die ihm in demselben Augenblick entrissen wurde, als er nach langjähriger Abwesenheit die Schwelle seine- väterlichen Hauses wieder bettat.
„Die letzte Bitte der Sterbenden — sie ist erfüllt,“ flüsterte er kaum hörbar und doch tief bewegt, dann drückte er einen ic-nigen Kuß auf die zuckenden Lippen seiner geliebten themeu Gattin.
Girre Verwechselung.
Erzählung von C. Borges.
------- (Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
FiildukrWZtitiiiift
mit Unterhaltungs-Keilage „Sterne und Klumen". _________