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Dienstag, den 27. Oktober 1896.

23. Jahrgang

FulimrWZkitlliig

mit Nnterhaltnngs-Kettagr „Ktrrur mrd Kinrnen".

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„Sie sagten soeben, daß Sie Ihre Liebe zu ihm bei der Trennung erst recht erkannt hätten; glauben Sie denn nicht, daß in seinem Herzen dieselben Ge­fühle erweckt find?"

„Sie verstehen mich nicht. Mei« Gatte würde mir nie verzeihen: er ist reich — er würde denken, ich könnte die Armuth nicht länger ertragen."

„Fanny, ändern Sie Ihren Entschluß," mahnte die Freundin ernstlich, „sehen Sie denn gar nicht ein, welcher Unglück Sie veranlassen können? Werner wollte Sie heirathen--“

„Er weiß el," unterbrach Fanny erregt, „ich habe offen mit ihm gesprochen."

„Aber dennoch sehe» Sie nicht ein, daß Ihre thörichte Handlung die traurigsteil Folgen habe« muß," fuhr Fra« Trenck unbeirrt fort. „Ihr Gatte — Sie für verunglückt und tobt haltend — könnte eine zweite Ehe schließen, und diese Frau hätte kein rechtrgiltiger Artheil an seinem Namen. Um seinetwillen verhindern Sie ein solcher Unglück und kehre» Sie zu ihm zurück, wie er auch Ihre heilige Pflicht ist!"

Katholiken haben von keiner Partei zu erwarten, daß daS Centrum iu feine» diesbezüglichen Be­strebungen unterstützt werde. Außerhalb der Cen- trumS hat das katholische Volk nur wenige Seilte, die ihm wohl wollen. Nicht einmal die konservative Par­tei, die doch auf dem Boden des Christenthum» zu stehen vorgibt, rührt auch nur de» kleinen Finger, um dem katholische« Volke zv seinen Rechte zu verhelfen. Die Partei ist innerlich morsch und faul und hat nicht einmal den Muth, die erbärmliche« Hetzereien deS „Evangelischen Bundes" und der „Gustav-Adolf- Vereins," wie fie noch neulich fo wüst in Darmstadt und Deffa« zu Tage getreten, zu vemrtheilen. Un­zählige wären berett, einen ttenen „Kulturkampf" gegen die Katholiken in Seme zu setzen, wenn dar mit Aus­sicht auf Erfolg geschehen könnte.

So bleibe« denn die Katholiken sich selbst Über­la ss e n, wenn fie die Gleichberechtiglmg mit den Prote­stanten erstreiten wollen. Aber von dem Augen­blicke a«, wo sie aufhörten, eine mächtige politische Partei zu bilden, würde man sie gründlich zuPaaren treiben. Hoffen wir, daß er dem Centrum gelinge« werde, i« der nächsten Land- tagr»Sesfion die Lage der Katholiken in Preußen wenigstens in etwa zu verbessern.

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Wie durch Folterqualen gepeinigt schrie fie schmerz- lich auf.

„Daran habe ich nie gedacht!" stöhnte fie endlich. „Ich kann den Gedanke« kaum fafle«, eine Andere auf dem Platze zu sehen, der mir rechtmäßig gehört."

„Da» könnte leicht geschehen, wenn Sie ei nicht verhindern. Bedenke« Sie, was ich Ihne« sagte und schreiben Sie Ihrem Gatten. — Atzt muß ich Sie verlassen. Mei» Mann wartet gewiß schon lange auf mich. Wir müffen nach Schloß Burgeck fahren; beim wir haben Johanna Zellberg versprochen, ben jungen Grafen, der in diesen Tage« von seiner Hochzeitsreise zurückkehrte, zu fragen, ob er uns Einzelheiten über ihre arme unglückliche Verwandte gebe« kann. Wir thun es nicht gern; er ist gewiß genug mit diefer An­gelegenheit belästigt. Aber fie war mit ihm auf dem­selben Schiffe, er muß fie oder die Schwester, welche später in Marseille starb, doch gekannt haben."

Die Gouvernante blickte flehentlich zu ihrer mütter­lichen Freundin empor.

„Wollen Sie mir ganz genau berichten, wie die junge Gräfin aussieht — ich möchte wiffen, ob fie glücklich ist," hauchte fie matt.

„Sie muß sehr glücklich sein, denn bei junge Gras hat daß ebelfte Herz in der Welt."

f hat —, doch das Gesagte wird genüge«. Soll er 3 Wahnwitz fein, wenn die Katholiken glauben, daß fie | in weiten einflußreiche« Kreisen Preußens als 3 Preußen zweiter Klasse gelten, die dement- ' sprechend zu behandeln seien?! Und ma« nimmt e» * den Katholiken Preußen» noch übel, daß fie e» für z nothwendig erachten, immer Gewehr bei Fuß zu r stehe«!

Wie aber dem ttaurigen Zustande abhelfen? Die

Deutsches Reich.

Berlin, 25 Oktober.

* Der ,ReichSan;/ theilt die Ernennung de» bis­herigen Mitglieder der egyptische« Schulden Kommis- fio«, Geh. LegationSrathe» z. D. Frhr. v. Richlhofm, unter Beilegung de» Charakters als Wirtt. Seh. L.'ga- tionSrath, zum Direktor der Kolonial-Abthei- lung des Auswärtigen Amte» mit. — Ferner meldet der .ReichSanz/ die Ernennung deS Geh. KriegSrathks und Vortragenden Rath?» im Krieg-Ministerium, Dr.

Eine Uerrvechselrmg.

Erzählung von E. Borges.

------- (Nachdruck verboten.)

Halten wir zum Schluß Umschau auf dem reli­giösen Gebiete, so häufe« fich hier förmlich die Be­schwerdegegenstände. Rur einige» sei herauSgegriffm. Zunächst die KabinetSordre von 1803, welche bestimmt, daß Kinder aus gemischter Ehe nach dem Tode des BaterS in dessen Betenntmß und nicht in der Religion der Mutter zu erziehen find; e» sei denn, daß der Vater in rechtsgiltigrr Weise anders verfügt hätte. Welcher war der wirkliche Zweck dieser Er- lasse»? Den lernen wir aus einem amtlichen Doku­mente, nämlich aus der in Berlin 1831 gedruckten Gesetzes-Revision, kenne«. „Der Grundsatz," so heißt e» i« diesem Aktenstücke, „ist auf den von Seiner Majestät ausgesprochenen Zweck der Beschützung des evangelischen Glaubens offenbar wohl be­rechnet. Denn in einem Staate, wo die Mehrzahl der Einwohner evangelisch ist, muß der Fall, das ein evangelischer Man» eine katholische Frau heirathet, häufiger sein, als der umgekehrte, weil gemischte Ehen merstenS durch OrtSveränderunge« der Männer herbei­geführt werden, und diese Erfahrvng scheint dem Ge­setze auch zu Grunde zu liegen." Die Beschützung de» katholischen Glauben» war somit in dem Gesetze nicht beabsichtigt. Dasselbe wurde nur zu Gunsten des ProtestantiSmu» erlassen. Rennt man daS „Gleichberechtigung" der Katholiken?

Und wie jene KabiuetSordre gewirkt hat, davon weiß man besonder» in den Barnisonstädten der Rhein- Provinz Manches zu erzählen. Der Protestantismus ist dmch allerlei Mittel so gestärkt worden, daß man eS begreiflich findet, wenn e» Leute gibt, die der stillen Hoffnung leben, daS schöne Rheinland werde doch noch einmal protestantisch. Sehr hochgestellte Persönlichkeiten sollm ja schon ihr Bedauern ausge­sprochen haben, daß eine so herrliche Gegend nicht protestantisch sei.

Wetter sei das „Altkatholikengesetz" erwähnt. Obschon die zuständige kirchliche Behörde die Alikatho- fiten als nicht zur katholischen Kirche gehörig erklärt hat, behandelt da» Gesetz fie doch al» Katholiken, weil fie fich früher dafür au»gaben, wen« auch jetzt im Etat eigener Vermerk für dieselbe« besteht. Ob man die freireligiöse« protestantischen Gemeinde« auch zur evangel. Landeskirche rechnen würde, falls fie etwa ihre Zugehörigkeit dazu behaupten wollten? Die Mitglieder jener Gemeinden und der Landeskirche stehen doch wenigsten» zufamme« auf dem Boden de» Protestantismus, während der Katholik und der Alt- katholik gegensätzlichen Bekennin'fle» folgen, wenn bei letztem überhaupt noch von einem Bekenntnisse' die Rede sei« tarn.

Sodann denken wir an die verschiedene Be­handlung der protestantischen Pflege - Genossen- schäften und der katholifchen Irankenpflegenden Orden. Jene können ihre Thätigkeit frei und unge­hindert entfalten, während diese immer noch den be-

Genossrnschaft ihre Berufsthätigkeit untersagt, für den Jefuiten-Orden und „Verwandte" hingegen besteht nach wie vor trotz der bekannte« Beschlüffe des Reichs­tags in Preußen und im gangen Deutschen Reiche das Ausnahmegesetz: Aller zur herrlichen Beleuchtung der „Gleichberechtigung". — Wir könnten ben Gezesstind noch weiter ausführen — man denke nur an die Ge­setze über die Vorbildung und Anstellung der Geist­lichen, wobei die Regierung ei« gewichtige» Wörtlein mttzusprechr« hat, während die kirchliche Behörde bei der Anstellung eines Staatsbeamten nicht» zu sage«

* Zur Lander Katholiken in Preußen. ’ ffiSllSÄE n ~ Ferner ist keiner einzigen protestantische« religiöse»

Dtttrich, zum Wirk!. Seh. KriegSrath, deS Geh. Kriegs- ratheS und Vortragende« RatheS im Kriegsministerium, Scheer, zum Militär-Intendanten unter Verleihung drS Charakters al» Wirk!. Geh. KriegSrath mit dem Range eines RatheS zweiter Klaff-, bei Regierung»- ratheS v TippelSktrch, Mitglied der Klosterknumer zu Hannover, zum Seh. KrieMath und vortragenden Rath im Krieg-Ministerium.

* Lieutenant Fritz Laugfeld, der mit feinen Brüder« dem Kompag«ieführer W UY Langfeld und dem Arzt Dr. Johanne» Langfeld, f. Z. die Sxvedttion de» Anti- SklavereikomiteS mitgemacht hat, ist nach längerem Aufeat- halte im Autlande nach Berlin zurückgekehrt und wird, den ,B. R. 9t* zufolge bi» auf Weitere» in der Kolonialabtheilung de» Auswärtigen Amtes beschäftigt.

* Der nationalliberale ReichStagSabgeordnete Professor von Marquardsen hat am Sonntag in München seinen 70. G-b mittag gefeiert, auS welchem Anlässe ihm der Führer der bayerischen Nationalliberale«, Medizinalrath Dr. Aub, im Name« deS Central- Vorstandes der Pirtei eine Adresse überreicht Hit.

* Mit Rücksicht darauf, daß mit dem Entwürfe de» Staatshaushaltsplanes für 1897/98 die Be- amlen-BesoldungSerhöhungen zur Vorlage gelangen sollen und in Folge dessen die EtatSverhmd- lungeu fich schwieriger gestalten und längere Zett in Anspruch nehmen, als die» sonst der Fall ist, liegt e» den ,Berl. Pol. Rachr.' zufolge in der Absicht, de» Etat dem Abgeordnetenhause unmittelbar bei seinem Wiederznsammentritt nach der Weihnachtspause, der bald nach dem 6. Januar in Au»ficht zu nehmen wäre, vorzulegen. Um diese Absicht mit Sicherhett verwirklichen zu können, ist der Zeitpunkt, zu dem die druckreife« Einzeletat» dem Finanzministerium einzu­senden find, in diesem Jahre auSnah«»weise vom 10. Dezember auf ben 1. Dezember vorgerückt worden. Wa» die Form, in der die BesolduugSerhö Hungen hn EtatSentwurf zur Erscheinung zu bringen sein werde«, anlanat, so wird voraussichtlich an die Vorgänge 1873 und 1890 anzuknüpfen fein. Darnach ist zunächst der Sesammtbetrag des Bedarfs für die BefolduugSerhöh- ungen in einer Pauschsumme ausgebracht worden; der Gedanke, davon abweichend die neue» Gehaltssätze bereit» im Einzelne« i« den Etat aufzunehmen, beruhte auf der inzwischen hinfällig gewordenen Voraus etzuog, daß eS mörlich fein werde, vor W-ih rächten ein materielles EinverstSndniß mit dem Landtage über die Einzelheiten der BeamtenbesoldungSerhöhunge« zu er­zielen.

* In der „Internationalen Bereinigung für der- gleichende Rechts- und VolkSwirthfchaft" i« Berlin hat Major v. Wißmann sich ausführlich über die Wirths fchastliche« Berhältuiffe in Deutsch-Ostafrika ge­äußert. Er sah ewen Hauptgrund für die mangelnde Entwickelung der Kolonie in der zu geringm Bevölke­rung und andererseits in dem Mangel an Intelligenz und in der Bedürfnißlofigkett der Bevölkerung. Al» geeignete Bevölkerung»vermchrung empfahl er die Be­siedelung be» LanbeS mit Indianern und malayifche«

Das Stück war ihnen nicht günstig, denn al» der Doktor mit seiner Satti« a«f Schloß Burgk ck ankam, war der junge Graf auf der Jagd. — Gertrud fand zu ihrer Ueberraschuug die junge Gräfin gar nicht fremd; ihre SefichtSzüge, die Sprache, sogar die Be­wegungen schienen ihr ganz bekannt.

„Ich muß Sie früher gesehen haben," sagte fie im Laufe bei Gespräche», „nur kann ich mich nicht be- fiuuen, wo und wann."

Die Gräfin lächelte.

„Ich Bin noch niemals vorher in Deutschland ge­wesen, also ist an eine frühere Begegnung wohl kaum zu denken. Allem Aehnlichtetteu kommen oft im Sehen vor."

„Jetzt weiß ich'»," jubelte Frau Trenck, „ja die Aehulichkeit ist wirklich auffallend. Aber unsere Gouver­nante hat gar keine Verwandte in der Welt, da» arme, gute Kind!"

„Sie hat wenigsten» in Ihnen eine treue Freun- bin,“ lächelte die junge Gräfin, „und ich empfinde innige Thelluahme mit ihr, beim ich stehe auch allein, ohne Verwandte in der Welt.

Endlich wagte Gerttud, von dem Auftrage zu'sprechm, den Johanna ihr gegeben hatte.

Die Gräfin schüttelte traurig da» Haupt.