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Montag, den 26 Oktober 1896.
23. Jahrgang
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O Zur Lage der Katholiken in Preußen,
i.
Im nächsten Monate tritt drr Landtag wieder zusammen, und da dürste es angezeigt sein, in kurze» Züge» ein Gesammtbüd der Beschwerden bei katholischen BolkeS zu ertwerfen. Man erwarte nicht, daß wir ReueS Vorbringen. ES sind immer noch die alte« Beschwerden, welche bisher keine Abhilfe gefunden haben. So bleibt nicht! Anderes übrig, al! schon häufig Gesagte! zu wiederhnlen, bi! Abhilfe geschaffen ist. Und wenn da! weiter keines Nutzen haben sollte, als dem katholische» Volke wieder seine Sesammtlage vor Auge« zu führen, so ist eine derartige Schilderung genügend gerechtfertigt.
Die Katholik« find in ihrer weitaus größten Mehrheit der Meinung, daß sie i» manche« einflußreiche« Kreise« Preußen! all Bürger zweiter Klasse gelten, die dementsprechend zu behandel« feie». Nur wen» Steuern zu zahlen nnbSolbat« zu stellen wäre», dürfte» sie sich al! den anderen Staatsbürgern ebenbürtig betrachten.
Wa! zunächst die Verwaltung angeht, so existirt thatsächlich für die Katholiken immer «och keine Gleichberechtigung. Die höchsten Stellen in Preußen find trotz aller Bemühungen de! C-ntrum!, darin Wandel zu schaffen, noch fast gänzlich für die Katholiken unerreichbar, all ob dieselbe« zur Bekleidung solcher Berater unfähig wären, obschon doch z. B. die Crn- trural-Fraktion hinsichtlich der Intelligenz und Tüchtigkeit ihrer Mitglieder de« Vergleich mit keiner andern Partei zu scheu« braucht. Wir find indessen gerecht genug, um eine geringe Besserung nicht zu verkenne«. Aber auch die Art und Weise, wie die einzelnen Regierungen katholische Angelegenheiten behandeln, ist nicht dieselbe. Wir kennen eine Regierung, welche sich in diesem Punkte durch Wohlwollen aulzeichnel, während eine andere von einem recht kleinlichen «eiste beseelt zu sein scheint.
Auf dem Gebiete der Justiz treten, wenn Be-
Mne Verwechselung.
Erzählung von C. Borge».
14] ------- (Nachdruck verboten.)
Sie schüttelte traurig das Haupt.
„Er würde mit uie verzeihen," schluchzte sie, „nie, nie! Ich bitte Sie, Herr von Wehlau, verrathe» Sie mich nicht — bewahren Sie mein Geheimniß."
„Ich will es treulich bewahre», well Sie e! wünschen," gelobte er. „El ist aber sonderbar, daß Sie gerade »ach Buchendorf kommen mußten. Wußten Sie, wo Frau Dr. Trenck wohnt, all Sie in Wiesbaden engagirt wurden?"
„Gewiß, ich war gerade auf dem Wege hierher," gestand sie. „Sie find ein Mann, Sie werden daher kaum meine Gefühle verstehen könne« und e! unbegreiflich finden, daß ich gerade hier lebeu wollte. Aber ich sehnte mich darnach, von ihm mit Leuten zu sprechen, die ihn gekannt haben, seine Besitzung zu sehen, wo er all Kind gelebt hat. Al! Eva au! dem Paradie! getrieben »ntbe, kann sie ben Verlust ihre! Glücke! nicht schmerzlicher empfunden haben, al! ich, wenn ich den Edelhof verloste."
Er reichte ihr die Hand.
„geben Sie wohl, ich verlaffe noch heute diese
s schimpfungen der katholischen Religion gerichtlich zu I ahnden sind, zuweilen Erscheinungen zu Tage, welche die Katholiken ht der Ueberzeuguug bestärken, daß el Richter gibt, welche beim besten Willen nicht im Stande find, sich in dal Denken und Fühlen de! katho-
j lischen Volke! hineinzuversetzen und da! Borhaudensem ' von Beschimpfungen der katholischen Religion nicht er- i kenne», die al! solche ben Katholiken in bie Augen springen, während Beschimpfungen bei Protestantismus viel sicherer in einer bet Auffassung bet Protestanten entsprechenbett Weise festgesteM werde«. Selbstredend hegen wir nicht den geringsten Zweifel a« dem guten Glauben jener Herren. Die nicht selten so einseitige protestantische Erziehung, welche den Katho-
: liziimul nut in der Gestalt eine! vollendeten Zerrbildes | kennen lehrt, häuft inbefien einen solchen Berg schiefer
Vorstellungen von bet katholischen Religion auf, baß \ nut besonder! hoch beanlagte Geister erst nach langer
Zeit und mit vieler Mühe sich zu richtigen Anschauun- gen hindurchzuringen vermögen. Letztere! wird häufig ; noch dadurch wesentlich erschwert, daß manche Juristen z auf der Universität all Mitglieder katholikenseindlicher
Korps und Burschenschaften deren unheilvollem Einfluß : ausgesetzt waren. Da! kaihol sche Volk glaubt so m l der Rechtsprechung zuweilen eine gewisse Ungleichheit erkennen zu raüffen, sobald Beschimpfungen der katholischen Religion oder bei Protestantismus in Frage j stehen.
Gehen wir zum Gebiete der Schule Über, so tritt . uni die ungleichmäßige Behandlung der Katholiken und der Protestanten von allen Seiten entgegen. Wie flink werden protestantische Schulen eingerichtet, wenn nur halbwegs eine genügende Anzahl Kinder vor- \ Händen ist, während die Gründung einet katholischen | Schule durchgängig unter ähnliche« Berhältraffe« auf wett größere Schwierigkeit« stößt. Dazu kommt die f ungleiche Behandlung der katholischen Pfarrer ■ und der protestantischen Prediger hinfichtlich der OrtS- | schulaufsicht und vorzüglich der KreiSschul-Jn- speit io». Wie manche katholische Pfatter sind nicht
; mit der Wahrnehmung der Lokaischul-Jnspektio« betraut, $ ohne daß man e! für der Mühe werth erachtet, den- ' selbe» die Gtü«de ihrer Ausschließung anzugeben.
Ma» ist einfach nicht in der Lage. Ob auch pro- ; irstantische Prediget in beträchtlicher Lage jene! so hochwichtige Amt nicht bekleiden? Wit bezweifel» el
< sihr. Und nun erst die Kreilschulisspektio«! \ 756 protestantische Geistliche üben dieselbe im
Nebenamte au!, und nur 52 katholische» Priestern ist diese! Amt übertragen! Ist da! nicht eine nette Parität? Ferner dauert die Belastung von Altkatho- liken und Protestanten al! Kreisschulinspektoren
’ in ganz ober überwiegend katholischen Kreise» gavz geraüthlich fort. Warum können diese Herren nicht anderweitig beschäftigt werden, während nicht einmal ein bloßer Taufschein-Katholik in einem über-
\ wiegend protestantische» Streife möglich ist? Aus ben f Bovgymnafien bet Rheinprovinz wiegen bie protestantische« Direktoren vor, obschon dieselbe zu zwei Drittel
> Gegend," sagte er düster. „Ich könnte jetzt einen ■ längeren Aufenthalt hier nicht mehr ertragen."
Die Gouvernante kehrte allein heim. In ihrem
• kleinen, behagliche» Zimmer verschloß sie die Thür unb meinte bitterlich. Dann la! sie die Zeitung» die Johanna ihr mitgegebe».
„Ich glaube jetzt deutlich zu sehen, wie die Sache znsaramenhängt," flüsterte sie halblaut mit einem schwache» Lächeln. „In der Stunde der Gefahr hat Agathe von meiner unverzeihliche» Laune erzählt und mein Geheimniß entdeckt. Der Graf schrieb nur die Wahrheit, al! er berichtete, er habe Frau Zellberg
; nicht gesehen; aber er hat Agathe gesehen, vielleicht ' ' ihr Leben gerettet. Wie dem auch sei, sie ist jetzt seine Gattin! Meine geliebte Schwester, die ich schon lange al! tobt beweinte, ist jetzt sehr glücklich! Ich habe ihr auf dem Sch ff- schwere! Unrecht gethan; ich barf jetzt
; ihr Glück nicht mehr trübe»."
Mtt biefem Entschluß barg sie von Neuem chr - Antlitz in den Händen unb weinte bitterlich.
6. Kapitel.
Fran Dr. Trenck ging unruhig in ihrem Z mmer auf unb ab. Zara ersten Male in ihrem heitern ' Lebe» fühlte fie sich mißmuthlg unb verstimmt. Ihr
katholisch ist unb auch mehr katholische Schüler zählt. Aehnlich wird e! sich überall verhalten. Und dal alle! soll natürlich nur Zufall sein. Merkwürdiger Weise wird aber nirgend! ein solcher Zufall im umgekehrt« Sinne beobachtet. El lebe die Gleichberechtigung! Wie schwer wird el mdlich gläubigen Katho- liken gemacht, in ein-r anderen all der theologisch« Fakultät auf Universitäten all Dozenten voran- zukomm«!
Und da! Einkommen der katholisch« und pro- testantisch« Geistlich«! Dem Cmtrum ist el trotz aller Bemühungen bisher leider nicht gelungen, in dieser Hinsicht eine gleichmäßige Behandlung der katholisch« Pfarrer und der protestantischen Prediger zu erwirken, obgleich die katholische« Geistlich« mindestens so viel für die Wohlfahrt des Staatei leist« all bie protestantisch« Religionsdiener. Dafür hab« wir gmug Zeugnisie au! gegnerischem Munde. Unb trotzdem bleibt den letzter« V/3 höhere! Gehalt all ersteren gesetzlich garantirt. Wirklich eine famose Gleichberechtigung!
Deutsches Reich.
Berlin, 24. Oktober.
* Der Kaiser wird der Königin Wilhelmine von Holland am Sonntag anläßlich ihrer Konfirmation durch den General-Adjutant« unb Chef bei Militär- Kabinets General ber Infanterie von Hahuke ein Geschenk überreichen lass«. — Die Prinzessin Karl Auto» vonHohenzollern, geborene Prin- zesti« Josephine von Belgien, ist gesiem Nachmittag von einer Prinzessin entbunden Word«. — Da! Staatsministeriura trat heute Nachmittag 2Uhr unter dem Borfitz seine! Biceprästdent« v. Bötticher im Dienstgebäude am Leipziger Platz zu einer Sitzung zusammen.
* Die Karllruher Blntthat gibt die Veranlassung, wieder einmol die berühmte Kabtuetlordre Friedrich Wilhelms HI. vorn 1. Januar 1799 in Erinnerung zu bringen. Die Ordre lautet: „Ich habe sehr mißfällig vernehm« mflfien, wie besonder! junge Osfiziere Vorzüge ihre! Stande! vor dem Cioilstande behaupt« wollen. Ich werde dem Mllttär sein Ansehen geltend zu machen wiffen, wenn el ihm wesentliche Vortheile zu W.ge bringt, und dal ist auf dem Schauplatze bei Kriege!, wo sie ihre Mitbürger mit Leib unb Lid« zu vertdeidig« hab«; allein im Uebrig« barf sich {ein Soldat unterstehen, weß Standes und Range! er auch sei, einen meiner Bürger zu brül- qiriren. Sie find el, nicht ich, bie bie Armee unterhalt«, in ihrem Brobe steht bat Heer ber meinen Befehl« anvertrauten Truppen, unb Arrest, Cassation unb Todeistrafe werden die Folge sein, die jeder Contravenient von meiner unbeweglichen Strenge zu ermatten hat." Die Äabinetlbrbre ist niemal! aufgehoben worden, steht also jedenfalls noch in Kraft.
• Dera bisherigen Kolonialdirektor Dr. Kayser, den ber Bundeirath für die erledigte Senatsprof i- alter Freund, der kleine Werner, hatte s« acht Tag« Buchendorf verlast« — ohne Abschied zu nehm«; da! war mehr, wie ih^ gute! Herz vertrage« konnte. Dazu kam noch, daß chre gute Freundin, die Gouvernante, wie ein Schatt« einherschlich, und Johanna hatte noch dazu ihr, der guten Frau Doktorin, die bttterst« Borwürfe gemacht, für daS leibliche Wohl der jung« Dame nicht genügend zu sorge».
„Ich fühle mich ganz wohl," versicherte Fanny auf eine diesbezügliche Frage, „aber ich habe viel Leid und Sorge; diese! wird um so schwerer, da ich fie allein zu tragen habe."
„Ich habe eine Botschaft für Sie, die ich Ihn« endlich mittljeilen muß, wiewohl ich mich ungern um die billreten Angelegenheit« Anderer kümmere," bemerkte Fran Trenck.
„Sine Botschaft?" Eine lebhafte Röthe ergoß sich über die bleich« Wang« der Gouvernante, um so- gleich einer »Sittlichen Bläste zu weich«. „ES kann keine Botschaft von irgend einem Menschen fein, de» ich kenne."
„Sie ist von Fran v. Wehlau," fuhr bre ältere Dame eifrig fort, ben« ber Auftrag war chr peinlich. „Sie ist eine gute Frau und burchau! nicht hoch- müthig, obgleich fie sehr reich ist. Sie ahM, b-ß ch