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M 243

Mtttwoch, den 21. Oktober 1896

23. Jahrgang

Der alte Seemann schüttelte sein grauer Haupt.

„Ich kann'» kaum sagen. TS blieben neun Personen au Bord, als dar letzte Boot abfuhr: Der Kapitän, zwei Steuerleute und 6 Passagiere. Tiner der letzteren war ein alter, geiziger Kaufmann, — ein anderer ein junger, leutseliger Herr, einen edleres Mensche» habe ich nie gesehen, Herr Oswald hieß er —, die Namm der anderes find mir entfallen. Er scheint mir aber unmöglich, daß Frau Zellberg zurückbleibrn konnte, eß sei den«, daß fie in die Kajüte zurückgekehrt sei; dorthin war dar Feuer schon vorgedrungen, sie müßte dort vom Qual« erstickt sein, und fie wäre rettnngSloS verloren."

„Wo ist Frl. Morris? Kann ich fie sehm? Ich bin im Auftrage der Familie Zellberg hier und muß ge­nauen Bericht über die Vermißte Heimbringen."

Herr Stuart seufzte.

„Sie ist nicht hier, und gmau weiß ich nicht, wo

Sine Verwechselung.

Erzählung von E. Borges.

------- (Nachdruck verboten.)

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bekunde», kann ihnen kleinere Erleichterungen fichern; aber waS will dos sage», wen« die Arbeitgeber nur widerwillig dem folgen und durch rücksichtslose Be­handlung und mgherzige Lohndrückern dieselben vergällen?

Bei unser« Verhältnissen brauchen wir nur solche Arbeitgeber, können wir nur solche Arbeitgeber ge- brauchen, welche den Adel der Hochherzigkeit in ihrer Seele trage«, die auch im wilde« Kampf der Roa» kurrevz fähig find, de» idealen Sin« für Gerechtigkeit und Humanität zu bewahren und trotz schrofister Miß­erfolge in ihrer Pflichttreue beharren. Freilich soll ja der Arbeitgeber Geld verdienen; aber er soll nicht minder sorgm für seine Arbeiter, deren Wohl und Wehe mittragen. Jetzt, wo Deutschland mit seiner Arbeiterschutzgesetzgebung schon mindesten» mit dm meisten Berufsstaaten glichen Schritt hält, ja vielfach denselben vorangeht, ist es Pflicht der Inhaber von Fabriken, den Seist des Gesetzes in sich aufzn- nehmen.

Er soll in seinem eigenen Betriebe nicht bloß daS gesetzliche Mindestmaß erfüllm, sondern vor Allem die Richtung deS Gesetze- praktisch auSgestaltev. So soll der Arbeitgeber ernstlich i« Erwägung zu hm, ob die 13wöchentliche Krankenunterstützung nicht mindestens auf 26 Wochen erhöht werdm könnte, ob nicht schon in dm drei ersten logen, wo der Arbeiter Krankheit- halber die Arbeit versäumen muß, Unterstützung zu ge« währm sei. Rach allen Seiten hin müßte sich der Arbeitgeber am Herze i gelegen sein laffm, da- Wohl deS Arbeiters zu fördern, den Sinn der Religion, wie er fich im Gebote der Liebe bekundet, zum wahrm Ausdruck zu bringen, — der Fra« möglichst Gelegen­heit geben, ihrm Pflichten al» Mutter und Gattin zu genügen, fie «ud ihre Sinder, soweit angängig, vor dm sittlichen Gefahren zu behüten, auf Ein- Haltung de- Sonntag- bedacht fein. Arbeitgeber, die in diesem Sinne handeln, werden sich sicher unver- gängliche Lorbeeren erwerben!

Deutsches Reich.

Berlin, 20. Ostober.

* Ein Dankerlatz der Kaisers an den Staats- Sekretär de- Reich-Postamt» und die Beamten seiner Verwaltung veröffentlicht da- Amtsblatt des ReichrpostamtS. Der Erlaß ist ergangen i« Anschluß an den torgelegten Bericht über die Eraebnissr der Verwaltung während der EtatSjahre 1891/95. In dem Erlaß heißt e» auch, daß der Kaiser e» mit Freuden begrüßt habe, daß die Postverwaltung eS unternommen hat, durch eine Vermehrung der deutsche« Fahrten auf der ostasiatifchen Postdampferlinie zur Förderung der deutschen Interessen in China beizu­tragen. Bekanntlich wird aber eine solche Vermehrung der Fahrten an eine Erhöhung der Reichssubvention geknüpft. Die betreffende Gesetzesvorlage ist aber erst an den BundeSrath gelangt.

s Der Arbeitgeber in unsern Tagen.

Auf ihrem letzten Parteitage in Siebleben haben die Sozialdemokraten wieder da- alte SBort wahr ge­macht: „Biei Geschrei vnd wenig Wolle!" Die Haupt- frage» der Verhandlungen warm nicht neu, sonder« werde» von Jahr zu Jahr aufqetischt und find im All­gemeinen so beschaffen, daß sie über die Grenzm deS Praktisch-Erreichbarm weit hinauSgreifw. Höchstens könnte man einige- Erstaunen über die Auffassung der Frauensrage, welche die „Rothen" hervorkehrm, be- künden, indem sie mit Nachdruck auf die Nothwendig- kett der Organifatiou auch in diesen Kreisen Hin­weise«. Aber eine Verwirk ichung der ausgesprochenen und angestrebten Ziele bleibt wohl nicht nur sirr unsere Tage, sonder« auch für alle Zeiten ei« Unding; daS Ganze ist eben weiter nicht» als ein großer Prunk- und Kurststück der Leiter, die dm Schalk im Racken habe«, und sicher eine« guter. Zug zu thun glaubm, wenn fie darum die Frauen zu Sozialdemokratinnen stempel«.

Hiergegen — denn hier liegt eine drohende Ge­fahr — muß ein kräftiger Tamm aufgeworfen werden. Zunächst Wäre an fich wohl schon ein dringende» Er- forderniß, alle jene unter d.m Namen der Frauen- Emanzpation zusammergefaßlen Bestrebungen, die eine allseitige Gleichberechtigung von Mann und Frau er- zielen, mit Nachdruck zurückzuweisen. Den» lediglich uu8 der gleichen Wurzel sproßt jetzt die Bemühung, welcher man auf dem SoziaUstentoge Ausdruck verlieh, wenn ms» als Ziele der Zukunft Organisation der Frauen, politische Gleichberechtigung u. s. w. hinstellte. Wenn in den sog. „gebildeteren Kreisen" sich manche Mittel bietm mögen, die über- wuchernde FreihritSlust einzndämmm, so liegt die Sache mit der «rbeiter-fraa doch noch wesentlich ander». Sie ist in einem wichtige» Punkte, abgesehen von den vielen Pflichte«, die auf ihr al» HauSftau und Fa­milienmutter noch lasten, in der Hrrbeischaffung deS »öthigen Unterhalte» gehaltm, ost das Gleiche heran- zuschaffm wie der Ehemann.

Namentlich in solchem Falle ruhen auf dem Ar­beitgeber besondere Pflichten! Mer der sich seiner Verantwortung bewußte, pflichtgetreue, hochherzige Arbeitgeber läßt fich nicht beirren, harrt au» auf dem Posten auch in sturmbewcgter Zeit, verdoppelt feinen Eifer, seine Hingabe, wenn derselbe bedroht ist. „In seiner Hand ruht da» Schicksal unserer Zukunst", wie Prof. H tze in seiner Rede vom 6. Februar 1893 im „Arbeiterwohl" zu Münster gesagt hat. Staat und Kirche werden vergeben» arbeiten, wen» nicht die Ar- beitgeber mit ihrer vollen Verantwortlichkeit eintretm. Die Kirche kann Seelen retten — aber nicht die Gesellschaft rette», wen» nicht die Arbeitgeber in erster Liuie fich vom Geiste der christlichen Gerechttgkeit und Liebe durchdringen lassen. Und wa» vermag der Staat: Er kann dm Arbestern seinen guten Willen

* I» der Armee werde» jetzt erweiterte Versuche angekellt zur Einführung der Bekleidung au» theerfarbenem Tuche und zwar, wie der ,Ko»f? erfährt, zuerst im Bereiche de» königl. sächfischm Generalkommando». — Bei dm verfchiedmm Truppen- theilm in B a y e r» finden Erprobungen über die Zweck- Mäßigkeit der neu au»gegebmm Probe einer Litewka, sowie Versuche darüber statt, ab eine Amdernng der nach früherer Probe gefertigten Litewken auf solche neuer Art oder zu einer ähnliche« gefälligere« Form ohne unverhältnißmäßigen Aufwand an Arbeit und ohne z» große Kosten angezeigt und durchführbar ist.

* Die »Deutsche Tage»ztg/ kündigt für die nächste Reich-tagssesfion ein neue» Margarinegesetz an. Dar Organ de» ostelbische« „Bunde» der Landwirthe" glaubt fich in der Annahme „nicht zu täuschen", daß, wenn die Regierung ein solche» Gesetz nicht vorlege, dem Reichstage jedmsalls Gelegenheit geboten werde, sich wiederum mit dieser Frage zu beschäftige». — Ob dabei aber mehr herauSkommm wird, als bei de» Verhandlungen über da» Margarinegesetz in diesem Frühjahre herauSgekomme» ist, da» ist allerding» fraglich.

—* Ein neue» Beispiel, wie die durch die Ver­fassung gewährleistete Parität in Preußen gehandhabt wird, findm wir in ermländischm Blättern. Danach ist ministeriellerseitS die Einrichtung einer katholischen Schule in «obultm, einem Dorfe de» ostpreußischen Kreise- Ottelsburg, mit de« Bescheide abgelehnt wor- dm, daß die Anzahl der vorhandmm katholischen Schüler nicht au»reichend sei. @8 find nämlich ihrer 40!!! Mit Recht fragt da die ,@erm.': Han- beite e» sich um eine evangelische Schule bei der gleichen Anzahl Schüler, würde d a n n die Regierung daS Bedürf mß anerkennen? U. A. w. g.

* Die Görrer-Gesellschast bringt als dritte Ber- eiv-schttst für 1896 eine 39 Seiten starke Abhandlung des Rechtsanwalts Julin» Bachem über bedingte Verurtheilnng oder bedingte Begnadigung. Als bedingte Begnadigung bezeichnet der Verfasser dm in dm deutschen Staaten im Laufe diese» Jahre» ge­machten Versuch der Au»setzung der Strafvollstreckung. Bei ihr wird der Eintritt oder Richteintritt bei Straf- erlaffe» in die jeder Nachprüfung wie jeder Berant- wortlichkett entrückte Entscheidung der Justizverwaltung gelegt, der die gleichmäßige gesetzliche Grundlage fehlt. Damit ist der Berurtheilte in die Hand der Staat»- anwalte» gegeben. Wenn e» richtig ist, daß an die preußische» Oberstaatsanwälte eine al» geheim zu be- handelnde Instruktion ergangen ist, die eine sehr aus­giebige Anwendung der Aussetzung des Strafvollzuges im Auge hat, so haben wir nicht» gegen diese In­struktion, aber die Bevölkerung hat ein Recht aus ihre Veröffentlichung, veil da» Jntereffe an der Strafvoll- streck»»» ein ganz allgemeine- ist. Bon Interesse ist die briefliche Mittheilnug de- früheren belgischen Justiz­minister» Lejeune, daß in Belgien über 35 pCt. aller

wie hohe Gummen fie un» bot, mu zmückzurud-m und die Schwester z» holen; doch wir ttöstetm sie, daß fie in dm andern Boote« sein würde. Erst hier i« Marseille erfuhr fie die Wahrheit."

„E» scheint doch sonderbar, daß 6et dem Unglück die beiden Schwestern am meisten gelitten haben."

„Haben sie da» wirklich? Bedenken Sre die hoff- nungrloje Lage ber tapferen, kleinen Schaar, bie toir auf dem brennende» Schiffe zurück!«eßen. Bedenken Sie ferner, baß alle Passagiere ihr Had und Gut ver- toten haben und viele unter ihnen jetzt brodlo» sind! Ei» Feuer mH seinen schrecklichen Folge» aus dem La»de ist verheermd, aber e» ist nur em geringe- Un­glück im Vergleich zu einem Fmer auf offener See."

4. Kapitel.

In einem Helle», lnsftgen Zimmer dr- Wirths- Hause» einer kleine», unbedeutende» Seestadt im süd­liche» Italien lag still und regung»los eine «ranke. Eine barmherzige Schwester saß am Bett der Leidenden und blickte wehmüthig auf die leidende Gestalt, darüber der Tod seine schwarzm Flügel schon gebreitet hatte. Sie war aus die Bttte de» Priester- nach Neapel ge« kommen, um die arme Signorina zu pflege», die von einem brennenden Schiff gerettet und dort hingebracht wurde.

Die aufsteigenden Noihsignale de» brennende«

FilldacrWZcitliNlf

mit UnterhaltungsKeitagr „Sterne nnd Ktttmen". ________

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Noch lag ber Dampfer „La Belle Helene" mt Hafen. Der Arzt sucht den Kapitän auf und erkundigte sich nach ben Namen ber Gerettete».

„Frau Zellberg?" versetzte er traurig auf bie Nach­frage be» deutsche» Arzte», „nein, sie ist nicht bei »ns gewesm, Mid Niemand weiß, wa» aus ihr geworden ist. Hier ist Herr Stuart, einer der Seelmte der „Ärkadia", er kann Ihnen vielleicht «ehr sagen."

Doch Herr Stuart wußte auch nicht viel. Er rühmte seine» Kapitän, der für die Rettung nach besten Kräfte« gesorgt habe, schilderte Frau Z-llberg- Muth und Entschlossenheit, die in jener schrecklichen Nacht den zitternden Frauen und Kindern wie ein schützmder Snael treu zur Seite gestandm habe; wie sie zuerst ... .. , , , - „ - , - ?■. ,

ibre ohnmächtige Schwester in'» Boot getragen und si' 'st- war so entsetzlich krank n»d leidend, daß dann »och einmal auf da, brmnmde Schiff zurück- . vir uns Alle freuten daß eine reiche Dame, bie in gekehrt sei. „Unser Boot {.-gelte davon, und wir glaubten, ; ber Nähe von Marseille em Landgut hat, sie mit sich fie sei in dem zweiten. Erst hier im Hafen erfuhren «ahm, nm sie zu pflegen. Sie sah schon ^mer sehr - wir, daß fie vergißt wird, und Niemand hat sie ge- elecb au», aber als sie hört^ daß ihre Schwester ver- sebm, seitdem wir die „Arkadia" verließen," schloß \ mißt wurde, fiel sie in «ne schwere Krankheit; fie ver- dtt biedere Seemann feinen Bericht. ueß uv» m heftigen Fuberphantasten.

„Wollen Sie mir offen fügen, ob Hoffnung für „Ist sie mit hmreichenden Mitteln tterfeljett? ihre Rettung vorhanden ist?" i „Daran zweifle ich nicht. Es war herzzerreißend,