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Dienstag, den 13. Oktober 1896.
23. Jahrgang
uldaerMZeiliing
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rt Zur Umwandlung unserer Anleihen.
Wie die Offiziösen berichtet haben, ist in dem Sronrath, der am Mittwoch unter Borfitz der Kaisers in Huberturstock stattgefunden hat, die Entscheidung zu Gunsten der «onverfioa, der Umwandlung der 4prozenügen Anlechen PrmßenS und der Reiches in 3^/,prozentige gefallen. Diese einschneidende finanzielle Maßnahme ist wichtig genug, um in objektiver Dar- legung nach chren verschiedenen Seiten hin gewürdigt zu werden; denn eS geht nicht an, diese Frage lediglich vom finanzpolitischen, bezw. fiskalische» Ge- fichtSpunkte zu betrachten. Auch Erwägungen sozialer Statin und Gründe der Billigkeit fordern Beachtung.
Stellen wir isdefien die finanzwirthschaftliche Seite der Umwandlung voran. Hierbei ist el ja an I sich nicht fraglich, daß eine ZinSersparniß von 18 g Millionen Mark alljährlich für Preußen (war einer > Anleihe von rund 31/* Millarden Mark zu 4°/o gleich» - kommt) und vo« über 2 Millionen Mark für das X Reich (— 450 Millionen Mark Anleihe zu 4°/o) int Jutereffe der allgemeinen StaatSfinanzrn und nament» $ lich der Steuerzahler gar nicht zu verachten wäre. I Dazu kommt die Erwartung, daß die Erniedrigung deS Zinsfußes der Staat»- und RerchSanleihm all- gemein bett Zinsfuß auf seinem gegenwärtigen niedrigen Standpunkt auf längere Zeit festzuhaltes geeignet ist, also den ErwerbSklassru, besonders den Bauern Md Handwerkern billigen Kredit sichern werde. Ge- tobe für die Landwirthschaft, dir größtentheilS schon längst keine 4 Prozent mehr auS Grund und Bodm herauSwirthschasten kann, fällt eS schwer ins Gewicht, wenn auch da» bewegliche Kapital auf geringeren Ge» wmu sich angewiesen sieht und lernt, sich mit einer Reute zu begnügen, die der Bodenrente möglichst nahe kommt.
Außerdem hat die Zinsherabsetzung für die Allge» meinheit den Borcheil, daß sie auch dann eine Schuldentilgung darstellt, wenn die jährlichen Ersparnisse an Zinsen nicht unmittelbar zur Schulden» tilgMg verwandt werden. Denn die Ausgaben, welche mit den Ersparnisien beglichen werden können, hätten ohne diese, wenigstens zum Theil, durch Anleihe gedeckt werden müfien, e» sei denn, daß sie (was speziell für Preußen gilt) durch steigende Eisenbahueisnahmen hätten Deckung finden können; die Steuereinnahmen brauchen nicht in Betracht gezogen zu werden, da sie al» ziemlich beständig angesehen werden können. In diesem Falle sollen die Mehrausgaben, welche die Auf» befierung der Beamtengehälter mit sich bringen wird (ca. 21 Millionen Mark für Preußen), hauptsächlich dmch die ZinSersparnisfe gedeckt werden; und dar ist allerdings entschieden richtiger, als dafür immer wieder die Eisenbahnerträge heranzuziehen. Ohnehin schon wird die Entwickelung und Berbefferung unsere» Eisenbahnwesens dmch die Rücksicht auf die allgemeine» Sraatsfiaanzen allzusehr gelLhmt. Bon finanziell- wirthschaftlichem Standpunkte aus könnte also die
Eine Nerrvechselrrng.
Erzählung von 6. Borges.
8] ------- (Nachdruck verboten.)
Die Nachricht, die er ihr schonend mittheilen wollte, hatte sie ohne Borbereitimge» getroffen.
.Ich gehe nicht fort," versetzte sie, an alle» •fiebern zitternd.
„Leidet wissen Kranke niemals, war ihnen gut und zuträglich ist. S» ist Dein Beste»; willst Du nicht reifen?“
„Stein!“
„Du bist immer leichtsinnig unb denkst nur an Dich selbst,“ seufzte er, „aber endlich wirst Du doch vernünftig werden! Welcher Beweggrund könnte Dich wohl vetMlafsen, hier bleiben zn wollen? Lustveräu» derung, andere Umgebung, eene Eindrücke können Deine Gesundheit wieder Herstellen. Bucheudorf ist reizend gelegen, bei meiner Schwester bist Du in treuen Händen, sie wird.Dich hege» tmb pflegen, nub ba sie ' mit ben benachbarten Ebelhöfen in innigem Betkehre steht, wird eS Dir weder a» Gesellschaft noch an Zer» fkenung fehlen.“
„Fürchtest Du etwa, ich würde Deinem Name» Schande mache», daß Du mich in Obhut Deiner $ Schwester gibst?“ versetzte sie bittet. „Warum soll -
Deckung für die Einbuße zu gewähre», welche tung» - Borlage preußische Gewerbetreibende und die die obengenannten bedürftigen „Kapitalisten“ — so Gewerbetreibenden au» anderen deutschen Staaten nun»
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□ Hinsichtlich der Besteuerung IMS de« Gewerbebetriebe tat Umherztehe» find nach der Regie-
mehr prinzipiell gleichgestellt. Für bie Besteuerung bet Angehörigen außerdeutscher Staaten, welche weder ihren
dürfe» wir sage» — durch die ZiuSherabsetzung erleide».“ Diese» Vorschlag empfehle» wir nicht nur
Deutsches Reich. l
Berlin, 12 Oftober. ?
* Da» königliche Staatsmtuistertam trat unter dem Vorsitze seine» Präsideuteu, Fürste» zu Hohen»
Herrn Miquel, der davon freilich weniger erbaut fein Wohnsitz noch eine gewerbliche Niederlassung in einem dürfte, sondern auch seinen Ministerkollegen und den - deutschen Staate habe», find folgende Gesichtspunkte gesetzgebende» Körperschaften zur Beachtung. Jedenfall» : maßgebend: Außerdeutsche Gewerbetreibende können in hat der Staat eine soziale und moralische Entschädigung»- ‘ Preußen nicht zur Besteuerung herangezoge» werden, pflicht, die ja auch der Kaiser durch seine oben erwähnte ) wenn sie sich darauf beschränken, Handel auf Messe» Forderung thatsächlich anerkannt hat. Wird dieser ? und Jahrmärkte zu treiben, Maaren ans Wochenmärkte» Pflicht so oder so genügt, so können wir n»S mit der ? anzukaufen ober Vrrzehrungs-Negenftände (nicht Hand- ZinSherabsetznng einverstanden erklären,andernfalls nicht, j wetker-Waaren und bergt), welche zu ben Gegenständen t deS Wochenmarft-Berkehr» gehören, auf Wochenmärfte» I feilzubieten. Sie bleibe» auch feuerfrei, toenn die zu» ' ständige Regierung ihnen gestattet hat, innerhalb eine» Bezirke» von nicht über 15 km diesseit» der preußischen Grenze, festgewonnene Erzeugnisse und selbstver-
Umwandlung nur gebilligt werden, zumal auch der i lohe-SchillingSfürst, Montag Mittag zu einer jetzige Zeitpuntt dafür wohl geeignet erscheint, d. h. - Sitzung in seinem Dienstgebände am Leipziger Platz die Lage der Geldmarktes ist derart, daß nicht zu br- zusammen.
fürchten ist, die jetzige» Besitzer 4prozentiger Papiere * Der Referendar a. D. Rott berg, der im könnten sich etwa massenhaft derselben wegen des Februar d. I. den Kaufmann Emil Lchükering im ZinSverlnsteS entledigen und sie dadurch erheblich im - Duell erschoß und dieserhalb im März zu Duis» KurSwerthe drücken. Der Vorgang Bayerns, dem - bürg zu zwei Jahre» Festungshaft verurthettt wurde, seine ZinSnmwandlung vollständig glatt gelungen ist, ? ist vom Kaiser begnadigt und sofort aus der Festung läßt erwarten, daß auch das Reich und Preußen nicht» > Ehrenbreitstein entlassen worden, woselbst der Staut» zu fürchten haben, wenn auch selbstverständlich die - theilte etwa sechs Monate hindurch zugebracht hat.
Umwandlung so viel größerer Anleihebettäge mit \ * In den deutsche» Münzstätten wurde bi» Ende
größeren @®toi?rigfeiten zu rechnen hat. Soweit , September 1896 geprägt für 3 Milliarde» Mark Gold» wäre also Alle» in Ordnung — wenn die Umwand- i münzen, 494 Millionen Mark Silbermünze», 53 Mil» lMg »icht auch ihre soziale und moralische Seite ; lionen Mark Nickelmüuzen und 13 Millionen Mark hätte. Man denke nur an die Spargroschen de» Kupfermünzen. 'HIN
Mittelstände», die in 4prozentigen Staatspapieren an» l * Zur Ausführung de» Gesetzes über ben ungelegt finb, ferner an alle bie kleinen Rentner uttb f lauteren Wettbewerb wirb offiziös geschrieben: Eben- Pensionäre, bie religiösen unb wohlthätigen Stiftungen ? so wie bie Ausführungsbestimmungen zur Gewerbe- unb GeMssenschaften, Kirchenkapitalien, Münbelgelber • ordnu»g«>Novelle werben ben Bunbesrath bemnächst u. s. w., wo überall ein Ausfall von 1I» Prozent - auch bie Berwaltungsmaßnahmen beschäftigen, welche sehr empfindlich verspürt wirb. Für Manche ist ein I in bem Gesetz-Entwurf zur Bekämpfung beS unlauteren höherer Zinsfuß gerobezu Existenzbebingung. Man | Wettbewerb» und zwar vornehmlich betreff» des Einzel- vergesse auch nicht bie Beamtenkautione», bie in ; verkauf» von gewissen Wanten in bestimmten 4prozrntige» Staatspapieren angelegt finb. Auch bie 5 Einheiten vorgesehen finb. Schon seit einiger Zeit Lage bet Wittwen unb Waisen, bet Beamten unb } beschäftigt man sich an ben znstänbigen Stellen mit Müitärpersone», aber auch vieler Gewerbetreibenben, - ben Vorbereitungen für bie Aufstellung solcher Bundes» aus beten hinterlassenen Ersparnissen ihre Familien X rathSanweisungen. War ben Kreis jenen Waaren besäst allein ihren Unterhalt bestreiten, verlangt bie ernsteste i trifft, so sind eine größere Anzahl in Erwägung ge- Berücksichtigung. Wir stellen diese sozialen und moralisch » - kommen, als man bei bet Berathung des Gesetzes selbst Rücksichten so hoch, daß wir trotz aller finanziellen I in Aussicht genommen hatte. Indessen dürste eine Bortheile die ganze Zinsherabsetzung verwerfen müßten, I sorgfältige Prüfung manche der votgeschlagenen Be» wenn jenen Bedenken nicht Rechnung getragen wird. | stimmungen als unnöthig erweise». Die im Gesetze
Rn» hat der Kaiser, wie die ,Rordd. Allg. Zig/ t selbst für de» Einzelverkehr mit Bier i» Flaschen ober mitgetheilt hat, verlangt, baß bei ber Durchführung | Krügen vorgesehene Anordnung wirb selbstverständlich der Umwandlung speziell gegenüber den Wittwen uni) ' in erster Reihe in Berückfichttgung gezogen, .wenngleich Waisen der Beamten und Militär Personen die möglichste die praktische Ausführung derselben schwierig ist. Al» Milde und Schonung toolten solle. Ihnen soll ge- 5 ganz sicher dürfte außerdem angesehen werden, daß der wisser maßen als Entschädigung ein Theil der durch ) Verkauf von Samen unter die neuen Bestimmungen die Umwandlung ersparten Summen zu Gute komme», i aufgenommen werden wird.“ Dir «Nat.-Lib. Korrespondenz' erweitert diesen Gedanken i zu dem Vorschläge „a»S den Ersparnissen
ich nicht in Frankreich bleiben? Mein Vater war freilich mittellos, aber trotz seiner Armuth ein Ehrmman», Md ich weiß wohl, wie ich mich zu betragen habe.“
„Du bist »och ei» Kind. Meine Schwester soll Dich pffegen und Dich wieder gefunb machen.“
„Wie gütig Du bist!“ stotterte ffe, „habe ich bort noch mehr Gefangenwärter?“
„Wie kannst Du nur fo herzlo» fein!“
„Bin ich herzlos? Ich glaube, Du irrst Dich. Ich würbe mich bann gewiß glücklicher fühle», «nfer eheliche» Leben wäre mir bann weniger schmerzlich.“
„Ich freue mich, baß Du bie Nothwendigkeit Deiner Reise einfiehst, unb hoffe zuversichtlich, baß Deine Gesundheit wiederhergestellt wirb.“
„Ich glaube e» nicht.“
„ElSbeth!“ rief er vorwurfsvoll.
„WaS nützt meta Dasein, — ich bin matt unb lebensmüde.“
„Du wirst diese trüben Gedanken verscheuchen, sobald Du wählet und kräftiger bist.“ Seine Stimme »ahm einen eigentümlichen weichen Klang an, als er sanfter beim gewöhnlich fortfuhr:
„Wir haben beibe einen argen Mißgriff in nuferem Lehm gemacht, mein arme» Kind; aber bie Ehe dauert, bis ber Tob sie scheidet, unb barum müssen wir versuchen, sie nach Kräften erträglich zu machen.“
ElSbeth erhob ihr Antlitz. Da» liebliche, bleiche Gesichtchen schien chm Hecke noch baS schönste m ber aanien Welt »u fein.
„Bedauerst Du unsere Heirath, Albert?“ stammelte sie, „mit kam ost brr Gedanke, aber--"
„Ich bereue ben Tag von Grund meiner Seele,“ unterbrach er sie, „es war em großer Jrrthum, und ich allein trage bie Schuld. — Du warst »och so jung und kindlich, mein Reichthum, meine Stellung verblendeten Dich Ich, als gereifter Mann, hätte Deine Gefühle besser verstehe» müfien — jetzt ist e» leibet zu spät!“ —
Aus feinem eigenen Staube hörte ElSbeth bie Bestätigung ihrer lang gehegten Befürchtung. — Sie widersprach nicht, aber feine Worte brangen wie ein fcharseS Messet in em todeSwundeS Hetz.
„Du hast Recht! Geschehene Dinge lafien sich nicht ungeschehen machen,“ erroiberte sie tonlo», „unb wie Du selbst sagtest, bauert bie Ehe bi» in ben Tob. Daher ist e» vielleicht besser, nn» ba» Sehen so erträglich wie möglich zu machen.“
Et nickte zusiimmenb.
„Das ist'» eben, was ich Dir begreiflich machen tooQte. Du sollst Alles haben, war Dein Herz zu biefem Schritte getrieben hat, — Reichthum — Ansehen nub hohe Stellung. Nau sollst Du auch zu-