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Samstag, den 10. Oktober 1896.
23. Jahrgang
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mit Uuterhaltnngs-Kettase .Ltrrur und fhtmrn“.
tzrkbemt titaßdi ®»mt- unb Äetertoat auSqenommr». — «irrtkyLhrtichtr »6onnement«»r«i8 ohne Bringertohn «ab «eSellqeld m Kulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. ^Inserate koken die eim^ltige Karwondzeil« ober bereu Raum 15 Pf. ReNamen die Pett^eile 25 Pf., bei Wiederholungen entfvrecheuder Rabatt.
& Was haben die Arbeiter von der Sozialdemokratie?
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Am Montag tritt in Gotha der diesjährige Arbeiter- : tag der deutschen Sozialdemokratie zusammen. Ob die ; Debatten, die dort stattfinden werden, und alle Wege den Häuptlingen der Rothen gefallen werden, da» ist noch sthr die Frage. Rancher Strauß wird ficherltch auch in Gotha wieder wie alljährlich auSgefochten werden. Da» alle» wird aber die „Führer" nicht hindern, fortgesetzt in tönenden Worten da« hohe Lied von der vöikerbefreienden und völtabeglückendm Sozialdemokratie zu fingen und den Arbeitern eindringlich ans Herz zu lege«, sich alle insgesamt der rothrn Fahne anzuschlüßm, unter der allein sie alles Heil finden könnten. , ,
Wir zweifeln aber, ob den Arbeitern immer bloß mit derartigen Versprechungen gedient sein wird, ob sie nicht vielmehr auch einmal hören wollen, was die Sozialdemokratie denn eigentlich für ihr Wohl gethan hat. Da mag er wohl an der Zeit fein, diese Frage etwas eingehender zu beantworten.
Freilich, wenn el auf Worte ar,kommt, dann verdanken die Arbetter den sozialdemokratischen Führern Aller, waS seit Einleitung der neueren sozialen Gesetzgebung für sie geschehen ist. „Würden wir Sozial« demokrate« nicht hier int Reichstag stehen, rS wäre auch nicht ein Finger zu Gunsten der Arbeiter gerührt worden", so äußerte beispielSweiftller soziale Abgeordnete Wurm in der ReichStagSsitzung vom 23. Febr. 1893 — nebenbei bemerkt ein Jude und nichts weniger als ein Arbeiter —, und ähnlich haben auch noch andere Führer, besonders Bebel seitdem da» Verdienst für die Herbeiführung der neuere« Sozialgesetzgebung in Anspruch genommen. So gilt el also, wie der ZentrumSabgeordnete Wenzel in seinem verdienstvollen Buche „Srbeiterschutz und Eevtrum" treffend bemerk, bereits als unbestreitbare Wahrheü, als Parteidogma b« der Sozialdemokratie, daß ihr die Sozialreform zu verdanken sei, so sprechen es die Jungen den Alte« nach, und zwar um so zuversichtlicher und kühner, je weniger sie mit der wirklich« Geschichte des Arbeiterschutzes vertraut, je mehr sie ««beirrt durch Detail- kmntn.ffe find. Sehr richtig kennzeichnete Wenzel ben Hauptzweck dieser Verhaltens dahi«, daß es darauf angelegt sei, den schlimmen Eindruck zu verwischen und g: vertusche«, welchen die Mehvende Haltung der ozialdemokratie gegenüber allen Reformgesetzm auf sozialem Gebiete hervorgerufen. Je mehr in sozial- demokratischen Blättern und Versammlungen jene Behauptung stets wiederholt und von den „zielbewußten" Genofien natürlich auch geglaubt wird, umsomehr ist
Eine Verwechselung.
Erzählung von C. Borges.
1] ------- (Nachdruck verboten.)
1. Kapitel.
Es war ein lieblicher FrühlmgSbend. Vom nahen Kirchthurm klangen die Abendglvcken herüber, jetzt silberhell, dann zn sanftem Geflüster hrrabfinkend. Wie im Triumphe schien der Wind daS Geläute mit sich fortzutrogen; langsam strich es über die tannen- gek.öntrn Hügel, über blumige Wiesen und blühende Felder, bis es allmählich ganz verhallte, als hätte der leise flüsternde Abendwind sich Märchen zu erzähle«.
Doch der einsame, ernste Mann, der mit finsterer Miene und fest zusammengepreßteu Lippen ruhelos auf der Terrofie feiner herrlichen Billa, welche auf einer liebliche«, woldnmkränztm Anhöhe in der Nähe von Aaitatta gelegen war, auf und ad wandelte, achtete nicht auf die ihn umgebende Schönheü. — DaS seltsam Geheinurißvölle in der ganzen Natur, die Stille deS Abends, das sauste Säuseln oeS Windes glich einer wundersamen Melodie, gleichsam als hielten die Enge- lein ein Zwiegespräch; doch selbst diese wohlthuende Ruhe vermochte nicht die sorgengefurchte Stirn des jungen Wanderers zu glätte« oder seine trüben Gedanken zu verscheuche«.
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find.*) Wir wollen aber auf diese Thatsachr allein nicht allzuviel Gewicht legen. Die Hauptsache ist die, wie die Sozialdemokraten fich fernerhin den Arbetterfchutz- Anträgen und Gesetzen gegenüber verhalten haben. Hierauf werden wir ro einem weiteren Artikel eingehen.
*) Die Konservativen hatten allerdings noch früher als das gentium und zwar am 4. März einen Antrag eingebracht, der aber nicht als eigentlicher Arbeiterschutz-Antrag angefeben werden kann, da er lediglich neue Bestimmungen über Arbeitsbücher für Gesellen, Lehrverttag u. s. w. verlangte.
Und dennoch galt der energische, thatkräftige deatsche Konsul in Kalkutta, Albert Zellberg, in den Augen der Welt als der glücklichste Mensch in ganz Ostindien.
Als junger RechtSgelehrter hatte er nicht nur fei« Vaterland, sondern auch seine prächtige Besitzung in Süddeutschland verlassen, um in weiter Ferne für feinen rastlos schaffenden Geist ei« passende» Arbeitsfeld zu finden. Da» Glück begünstigte fein ernstes Streben. Während feine Studiengeuofien in der fernen Heimath kcmm festen Fuß gefaßt hatten, wirkte er bereit» fegen»- reich alS Konful und träumte vos der Zukunft, in der er, mit Lorbeer« geschmückt, heimkehreu würde.
Er war ein stattlicher, kräftig gebauter Mann, die glühend heiße astatische Sonne hatte zwar sein Antlitz gebräunt, aber nicht vermocht, dm klaren Blick seiner Äugen zu trüben oder seine durchgeistigte« Züge zu erschlaff«.
Im vollste« Maße rechtfertigte er da» Vertrau«, da» seine Mitmmschen in ihn setzten; er genoß ihre höchste Achtung, und trrtzdem war gewiß in ganz Indien kein Mensch, der fich unglücklicher fühlte und mit fich selbst unzufriedener lebte, al» er.
Der Grund feiner andauernden Mißstimmung war nicht wett zu fuch«. Er, der im öffentlichen Leben brillante Karriere gemacht hatte, der seine ganze un-
Deutsches Reich.
Berlin, 9. Oktober.
* In der gestern unter dem Borfitze bei Vizepräsidenten der Staatsministeriums, Staatssekretär de» Innern Dr. «.Bötticher, abgehaltenen Plenarsitzung de» BnndeSrathes wurden die Vorlage«, betreffend den Entwurf einer Verordnung über die Kautionen von Beamten beim Kaiser!. Patentamte, sowie betreffend d« Entwurf eine» Gesetze» zur Ergänzung der Gesetze über Postdampfschiff»»Verbindungen mit überseeischen Lände«, den zuständigen Ausschüssen überwies«. Den Ausschuß-Anträgen, betreffend die Resolution« de» Reichstage« zum Entwurse eine» BSrsengesetzeS, sowie betreffend den Entwurf von Bestimmungen über die Führung der Börsenregister, nmrde die Zustimmung ertheilt. Ferner wurde über die wegen Wiederbesetzung erledigter Stellen bei verschiedene« DiSziplinarkammern dem Kaiser zu unterbreitend« Vorschläge, sowie über mehrere Eingaben Beschluß ge-
e» Pflicht, der nicht sozialdemokratische« Presse, demjenigen Teil der Arbeiterschaft, welcher sich bisher von der Sozialdemokratie nicht hat verführ« lasten oder wieder zweifelhaft geword« ist gegenüber de« Ber- heißvng» der roth« Führer zu zeigen, wie in Wahrheit die Sache liegt.
Einen Schein, aber auch nur einen Schein von Berechtigung hat das Wort „ohne Sozialdemokratie keine Sozialreform" infofer«, als allein die Ausbreitung der Sozialdemokratie für einige der bei der Sozialreform mitwirkend« Staatsmänner und Parteien auch ein kräftiger, w«n nicht der kräftigste Beweggrund zu ihrer Belehrung zur Sozialreform gewesen ist. Das gilt aber keineswegs für alle Beteiligten, für das Zentrum ganz gewiß nicht, denn feine sozialen Forderungen gehen auf eine Zeit zurück, wo man im Allgemeinen in der Sozialdemokratie «och keine erhebliche G°fahr erblickte, ja wo sogar Bismarck noch mit sozialdemokratisch« Führern liebäugeln konnte. Aber selbst um die Mitwirkung derer an der sozialen Reform, die nur dmcb das Anwachsen der Sozialdemokratie zu thätigem Eingreifen veranlaßt worden, darf sich die Sozialdemokratie insofern etwa ei« Verdienst zuschreibm, wie der endliche Ausbruch einer Krankheit, die schon lange, wie man im Volke sagt, im Körper steckte, daS Verdienst hat, die Anwendung von Arzneimitteln hervorzurufen. Da» ist ober auch Alles. Wenn man sich Verdienste um eine Reform zuschreiben will, so gehört dazu aber doch vor allem, daß man selbst an derselben mttgewirkt hat und nicht bloß andere dazu mittelbar vercuüaßt hat. Aber die Mitwirkung — daS ist e» ja gerade, woran die Sozialdemokratie es durchaus hat fehlen last«.
Die Sozialdemokratie kann sich nicht einmal sag«: „Wir haben freilich bei dm sozialpolitisch« Gesetz« nicht mttgewirkt, weil sie un» nicht gefielen, aber wir hab« doch unsererseits mit selbstständige» sozialpolitischen Anträgen den Anfang gemacht." Richt die Sozialdemokratie, sondern das Zentrum war die erste von allen Parteien, welche int Reichstage mit Forderung eines eigentlichen Arbetterfchutzes den Anfang machte: Der Antrag bei Aba Graf Gal« unb Sm., bet am 19. März 1877 im Rrichltoge eingebracht wurde, war der elfte sozialpolitische Antrag. Run beeilten sich auch andere Parteien solche Anträge einzubringen. BerettS am 24 März folgte eine Resolution der Freisinnigen, die sich aber nur mit de« LehrlinaSverhältnissrn und mit der Forderung gewerblicher Schiedsgerichte beschäftigte und erst am 11. April 1877 kam der erste sozialdemokratische Arbeiterschutz-Antrag und dieser hatte, da nur zwölf Sozialdemokraten im Reichstage saßen, während znr Einbringung selbstständiger Anttäge wenigsten- 15 Unterschriften erforderlich find, und diese - zu ermöglichen und durchzusetzen, noch die Unterstützung - imb Unterschriften einiger Zentrums-Mitglieder ge- ? funben. Es ist also Thatsache, baß bie Sozialdemokraten später all mehrere bürgerliche Parteien mit ihrem erste« Arbetterschntzautrag auf den Plan getreten
' gewesen war.
| Währmd emel kurzen Aufenthaltes in den Berg« ; lernte der junge, allgemein verehrte Konsul in einem 5 Flecken einen alten französisch« Offizier, den Major Morri», lernten, der im letzten Stadium der Abzehrung ! sichtlich dahinsiechte. Die einzige Sorge de» Strr- < benden war der Gedanke an seine beiden Töchter, die er vollständig mittellos in der erbarmungslose« Wett zurücklass« mußte. Agathe, die älteste, lebte schon feit Jahren bei einer alt«, reichen Dame, welche da» blühende, lebe«»frohe Mädchm wie ihr eigme» Kind liebte; Elsbeth, die jüngere, pflegte dm Vater.
Rur wenige Male hatte Albert Zellberg da» junge
faßt.
ft. Der Reichsbankdirrktor v. Klitztttg tst vom Kaffer zum Seh.Oberfinanzrath und der ReichSkommiffar bei dem Kgl. preußischm Seeamt z« Danzig, Kapitän zur See z. D. Roden acker zugleich zum H Reichs- lommiffar bei dem Kgl. preußischm Seeamt zu Königs- berg ernannt wordm.
* Gegenüber dm offiziös« Versuchen, die Handhabung de» Begnadigungsrechts jeder parlamen- tarischen Kritik zu entziehen und eS all ein rein persönliche! Majestät-recht hinzustellen, für befielt Aul- Übung bet geaenzeichnende Minister nur eine Art Beglaubigungs-Verantwortlichkeit übernehme, erinnert die ,Freis. Ztg.' daran, daß während der RegierungS- zett de» Kaiser» Friedrich Fürst BiSmarck gerade umgekehrt in der schärfste« Weise die Berant« wortlichkett der Minister für die Ausübung der Begnadigungsrecht» zm Geltung gebracht hat. Kaffer Friedrich wollte nach ferner Thronbesteigung eine < Begnadigung in größtem Umfange, Fürst Bi-marck V, widersprach. E» wurde hin und her verhandelt, so daß der Justizminister Friedberg zu dem GewährS- manu de» Blatte» äußerte, noch memal» habe er in Betreff der Formulirmtg eine» Gnadenaktes so viel Schwierigkeit« tarnen gelernt wie in diesem Falle. Die Abficht deS Kaiser» Friedrich, den 73jährige« Zeughauistürmer von 1848, Lieutenant Techow, der
geschwächte Thatftast dem Pohle seiner Nebmmmschm widmete, hatte in sein« häuslichen Angelegenheit« Sch ffbruch gelitten. — Niemand ahnte freilich, wie groß die Kluft zwischen den Ehegatten gähnte, aber fie war da und erwetterte fich von Monat zu Monat. Bor kaum vier Jahren hatten fie einander Liebe und unverbrüchliche Treue geschworm, und jetzt--?
Sie bewohnten dieselbe Billa, gemeinschustüch besuchten fie Konzerte, Theater und Festlichketten, nm vor dm Ang« der Wett die Kluft zu überbrücken, aber schweig«d machte der eine dem andern in seinem Herz« die bttterst« Borwürfe, schuld zu fein an der gänzlichen Zerrüttung des ehelich« Glücke», das nur kurz