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Freitag den 9 Oktober 1896.

23. Jahrgang

FuldacrWZkitiuift

mit Urrterhaltrrngs-KeUage „Sterne und Kinmen".

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., ReNamen die Petitzeile 25 Pf., bei Medcrholungen entsprechender Rabatt.

Z Ein lehrreiches Kapitel über die Freimaurerei.

Aus Anlaß bei Antifreimaurerei-Kongresses, welcher jüngst in Trient getagt hat, sehe« gar viele nicht­katholische Blätter sich veranlaßt, sür den inter­nationale« Geheimbund eine Lanze emzulegen. Die Darlegungen der katholischen Presse, daß die Frei­maurerei aus die Untergrabung und Vernichtung der Relkgion und der Monarchie hinziele, werden einsach als phantastische Hirngespmnste behandelt und die Mamerei als ein wahrer Ausbund von Humanität, Vaterlandsliebe und noch sonstiger schönen Dinge ge­priesen.

Demgegenüber dürste ei angebracht sein, einen Vorfall zur Sprache zu bringen, den das ,Deutsche Adelsblatt' vor einiger Zeit mittheilte. Bekanntlich hatte Prinz Friedrich Leopold von Preußen, der Pro­tektor der preußischen Freimaurerei, vor einiger Zeit neben der katholischen Presse auch dai »Deutsche Adels- btott' wegen der am Logenbunde geübten Kritik beim Kaiser verklagt. Ritterlich nahm dai,Deutsche Adelr- blait' den Fehdehandschuh auf und vertheidigte sich ohne Furcht gegen die prinzliche Anklage. ES ver­öffentlichte auS seiner Sammlung geschichtlich sest« stehende Thatsachen von niederschmetternder Kraft. Wir geben davon nachstehende Geschichte hier wieder und empfehlen sie allen deutschen und patriotisch gesinnten Logmschwärmer« zur gefälligen Beachtung.

Bekanntlich hat 1870 die französische Freimaurerei durch Beschluß vom 12. Oktober, gefaßt von den 12 Logen, die vom Groß-Orient in Paris abhängen, zu­erst den König Wilhelm und daun auch den Kron­prinzen Friedrich Wilhelm wegen des deutsch­französischen Kriegei auf de» 29. Oktober vor ihr Tribunal geladen und nachher, als dieselben nicht erschienen, einen Preis von je einer Million Franken aus ihre Häupter gesetzt. Stellen sollten sich die beiden Citirteu in der Loge Jean JacqueS Rousseau am 29. Oktober, Abends 7 Uhr. Die Pariser Loge „Henri IV." verlangte in einem von sämmtlichen Logenbeamten unterzeichneten Rund­schreiben vom November 1870 die Einsetzung einer unparteiischen Maurer-Tribunal», um folgende An­klagen zu bereinige«: „Die deutschen Fürsten habe« sich deS größten Verbrechens schuldig gemacht, eines Verbrechens, welcher desto verabscheuungS Ether ist, weil Wilhelm von Hohenzollern (!) und fein Sohn, die Führer bei deutschen Heeres, bei ihrer Aufnahme in bie Freimaurerei feierlich geschworen habe«, bereu Gesetze zu beobachten. Wilhelm von Hohenzollern und sei» Sohn find demzusolge an ge­klagt bet Meineids und der Pflichtver- gessevheit. Die Freimaurerei der Welt ladet fie vor die Schranke« bei Gerichtshofes innerhalb einer Zeit von 3 Monate« von diesem Tage an . . . Soll­ten Wilhelm von Hohenzollern und sein Sohn dieser Vorladung nicht «achkommm, so werde« fie sür Eid«

Strom aufwärts.

Roma» von Cl. Lötschert (M. Brechten).

66] ------- (Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

„Als Sie fich „««zupasse»" suchten, nicht wahr?" suhr Herzog fort.

Hanna schweigt verletzt.

„Vergeben Sie mir, Hanna, ... ich weiß kaum mehr, was ich sage. Ich habe jahrelang gekämpft mit. . . und nun kommen Sie daher und nehmen mir auch noch die letzte Kraft."

„O, ich wußte, daß ick Ihnen weh thu« würde, aber eS mußte ja sei»! Ei ist ja so wenig," — dunkele Gluth färbt bei diesen Worten ihre Wangen — aber ei könnte doch vielleicht eine geringe Hilfe fein . . . Und dann würden wir ganz glücklich werden, die Mutter und ich; den« fie müßte bei mir bleiben .. we»ß ich doch erst ftit heute, wie theuer fie mir ist."

Ist ei dai, wai ihr Geficht, dai immer feffelnd und intereflant gewesen, auf einmal so wunderbar schön erscheinen läßt? Ist ei der Abglanz deS Mutter- Herzens, die ne« erwachte Kinderliebe, die fie jo rührend weich Md hingebend, säst demuchivoll gemacht? . . . Auch aus feinen Züge« schwindet bei ihrem Anblick der letzte Rest von Stolz.

brüchige, für Berräther und außerhalb der i maurerischen Gesetze stehend erklärt werden. Sie werden i zu den von unseren Gesetzen bestimmten Strafe« ver- ■ urtheilt werden, für immer verflucht sein und ihr r Gedäch mß wird der Verwünschung der Rachwett über- e liefert werde«.

Die französische Freimaurer-Zeitschrift „Chaine j d’union“ vom Dezember 1871 sucht dieses Borgehen ; der sranzösische» Freimaurerei zwar zu entschuldigen, 5 und wir wollen chr alle MÜderungSgründe zugeben; ; nicht darauf kommt es aber an, ob die französische l Freimaurerei eine größere oder kleiner; Thirhett oder l Anmaßung begangen hat, sondern das ist der „giftige < Kern", daß, wie auch die „Chaine d’union“ durch ? ihren Entschuldigungsversuch gesteht, in der Frei- I maurerei thatsächlich ein Tribunal, ein Richterstuhl •: vorhanden ist, vor den auch Könige und Kron- l Prinzen, wenn sie Brüder deS GeheimbMdeS sind, 1 geladen, und von dem fie „zu den von unsere» Gesetzen - bestimmten Strafen", wie eS oben heißt, verurtheilt I werden, „für immer verflucht" und „der Verwünschung I der Nachwelt überliefert werden" können.

Warin aber jene Sttafen außer der Verfluchung l und Verwünschung, über welche mau fich trösten i könnte, bestehen, darüber hat daS ,Deutsche Adelsblatt' ebenfalls historische und von der Freimaurerei zuge- standene Mittheilungen. Nachdem König Wilhelm l selbstverständlich der Aufforderung, fich vor dem Logen- l gericht zu Paris „als Berräther an der Freimaurerei" s zu stellen, nicht nach gekommen war, schrieb der ,Rappel', l das Blatt der Freimaurer Viktor Hugo und Louis Blanc, die solgende« Zeilen: „Bruder Wilhelm ist sortan außer dem Gesetze. Die Freimaurer find inSgesammt bevollmächtigt, Hand an ihn zu legen und ihm daS Aeußerste anzuthun."

Ei erübrigt noch zu vernehmen, wie das Urtheil vollstreckt werden konnte. Ein Freimaurer, vor welchem Jemand fich einige Zweisel über die Ernsthaftigkeit einer derartigen Urtheili erlaubte, sagte: „Lachen Sie nicht. Der Spruch bei Maurer»Tribunals ist so wirk­sam, baß Bonaparte III. ben italienischen Feldzug einzig beshalb unternommen hat, um von bei durch die Mailänder und Neapolitanischen Sogen gegen ihn i gefällten Exkommunikation frei zu werden. Pionori und Orsini waren Freimaurer." Also mit Orsini- Bombe« wird da zu Werke gegangen, wie bei de« Anarchisten.

Bruder Findel, der Freimaurer-Schriftsteller in Leipzig, sagt aber in seiner neuesten Schrift „Wider Margwtta'i Enthüllungen": „Alle aus dem Erden- ' rund zerstreuten Brüder bilden nur eine Loge." i Uad diese eine Loge hat ben Vater nnb ben Groß- Z vater unseres Kaisers, bie von allen gutgesinnten i Deutschen hochverehrten Kaiser Wilhelm I. und \ Friedrich in. als „Eidbrüchige" und „Berräther" ' bezeichnet, ohne daß man auch nur ein Wörtchen davon : gehört hätte, daß wenigstens die deutsche« Mitglieder i dieser einen Loge dagegen protestirt hätten. Und

„Hanva," spricht er leise, „ich sage, wie Sie -• vorhin: ich muß mehr haben! . . . Ist das wirklich alles, was Sie mir geben könnten? Sie haben dai Beste zurückbehattrn."

„Was könnte dai sein?" meint fie fiunend. „Mit i meiner Kraft würde ich für (Berti sorgen... bet Mutter Hab unb Gut käme Ihnen zu . . . hätte ich wirklich sonst noch etwas?"

„Hanna, ich weiß Alles, auch daß Sie Rofanoff'i Anttag abgewiejeu. Glauben Sie mir, er verdiente endlich glücklich zu werde«, denn er st kein schlechter Mensch, ungeachtet seiner Fchler. War veranlaßte Sie < zu Ihrer hartnäckige« Weigerung . . - was treibt Sie i überhaupt zu diesen seltsamen Entschlüsse« . . Werde ! ich keinen Aufschluß darüber erhalten?"

Ihr Kopf finkt tiefer, aber fie antwortet nicht.

„Mein Gott, sollten Sie wirklich jeder wärmere« I Reigmg unsäh g, ganz Md gar gefühllos sei« und dennoch so stark und treu in der Pflichterfüllung?" . . Haben Sie Dank sür Ihr großmüthigei Anerbieten, aber ich bedarf derselbe« nicht. Ja meinen ernste» Sorgen hatte ich zum erste» Mal außer Acht gelaffen „den Schein zu wahren!"

„Später, als ich des Zurückziehen meiner foge- | nannten Freunde bemerkte, va überkam er mich wie i eine tolle trotzige Laune. Genug, ich widersprach ihre«

' — ..............

Angesichts solcher Thatsachen, die nicht vereinzett da­stehen, will man »och das Märchen von der Harm- lofigkeit Md Humanität der Loge aufrecht erhalten!

Deutsches Reich.

Berlin, 8. Oktober.

* Die beide« Häuser des Landtags sind zum 20. November einberufen worden. Die amtliche Be- kaMtmachung steht Mmittelbar bevor.

* Die Konverttrung der vierprozenttgen Reichs­und preußische« KonsolS wurde, wie. die ,Nordd. Allg. Ztg.' hochosfiziöi bestätigt, im gestrigen Kron- rath beschlossen. DaS Blatt sügt noch hinzu, „daß gntem Vernehmen nach, auf besonderen Wunsch Seiner Majestät deS Kaisers bei der Dmchführung dieser durch die Verhält« sse unabweisbar gewordenen Be- schlaffes mit aller mögliche« Milde u«d Schonung der vielfach empfindlich berührte« Inter- effen verfahren werden wird. Auf den allerhöchste» aus ähnlichen fürsorglichen GefichtSpuntten gegebenen Direktiven wird eS auch wohl beruhe«, daß, wie die ,@erm/ aus guter Quelle erfährt, bei Gelegenheit der Erhöhung der Beamtengehälter auch die Verbesse­rung der Lage der Wittwen und Waise» der Beamten und Militärpersonen in Er­wägung genommen werden soll." — Der Reichstag sowie auch der preußische Landtag werde« sich sage« müffe«, daß der Ko«vertirMg der vierprozentigen Kon- solS in dreieivhalbprozenttge schwere Bedenke» gegenüberstehen. Ma» darf doch nicht übersehen, welche Kreise durch die Konvertirung geschädigt werden. ES sind zunächst die kleine« Kapitalisten, die ihr müh­sam erspartes Geld in sichere« Papiere» angelegt haben statt i» Spekulations-Effekten, die vielfach weit höheren ZinSgewinn mtb Dividenden ergeben haben. Diese kleinen soliden Kapitalisten haben ganz gewiß nicht daraus gerechnet, daß daS Reich oder der preußische Staat chnen einmal eine» „Strich durch die Rechnung" machen und den Zinsfuß herabsetzen werde. Sie habe«, als der Zinsfuß sür private Darlehen aus dem „Kopitalmartte" höher war, mit einem niedrigen Zinsfüße fich begnügt, und nun solle« fie mit einem Mal dem niedrigeren Zinsfüße fich accommodire«! Das Steige« der Zinsfußes auf dem allgemeinen Kapitalmartt hat den Zinsfuß der KonsolS nicht be- I rührt, und der FiSkuS hat davon profitirt; nun soll aber wieder aut fiskalische«Rücksichten daSSinke« deS Zinsfußes die Konvertirung der vierprozestigea KoniolS in dreieinhalbprozentige rechtfertige«. Daß die Regierungen im Reiche und in Preuße« jemals au» solchen reinfiskalischen Rücksichten zu einer Kon- verfio« fich entschließe« würde, haben die klemm Kapitalisten sich ganz gewiß nicht gedacht, und wenn sie nun durch die Konvertirung gezwMge« werden, i mit einem niedrige« Zinsfüße vorlieb zu nehme« oder gar bei Mindereinnahmen ihre Lebenshaltung einzu- schränken, so kann das nicht dazu beitragen, daS Ser»

geringschätzige« Blicken nicht'. . . wat mir doch auch dir Einsamkeit Bedürfniß.

„ES ist wahr, es find groß; Summen nach Cannes gesendtt worden, aber fie entstammten nur dem mütter­lichen Bermögm meiner Tochter. DaS HauS Herzog steht noch so sicher wie vordem, ich bin noch nicht arm, und so kann ich daS, was Sie mit bieten, nicht annehmen. Zudem empfinde ich neue Thatktaft, seitdem mit mein Kmd wieder geschenkt worden ist; aber ich würde doppelt sühlen» eine neue späte Jagend vor mit erstehen sehen, wenn . . .

„O, Hanna, eS schafft und wirkt fich so schwer mit einem leeren und deMvch verlangenden Herzen! Ihr Vater gab sein Leben für «nser Haus . . . hinterließ er Ihnen kein besserer Etbtheil, als daS, war Sie mir bieten? Besitzen Sie nicht ein warmer, sestes Herz?

„Warum find Sie so blaß unb sehen mich so geisteSabwesenb a«? Höre« Sie, wie surchtbat bet Donner rollt? Rur noch wenige Schläge, bann wirb btMßen Stille eingetretm sei», unb ich werbe w.ffen, ob auch endlich in mein Herz Ruhe kommen bar, in der frohen Hoffnung, daß er vielleicht mir vergönnt sei, das zu erringen, waS Niemand von Ihnen ge­winnen zu tonnen scheint."