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Montag, sm 5. Oktober 1896.
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mit UutechaltmlgsDeilagi- „Sterne und Klumrn"._________________
Der Russenkaiser in Paris
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Drr Gesetzentwmf über die Srzttichm Ehrev- gttichtt, dar Umlagerecht und die Lassen der Aerzte« karnrnern, der vor längerer Zeit veröffentlicht wurde,
Bestellungen auf die
Deutsches Reich.
Berlin, 3. Oktober.
Werden noq fortwährend a»ge.wmmr
* Zar Geschichte des Kulturkämpfe« haben wir eine Mittheilunz der .Germania' erwähnt, wonach der frühere Kultusminister Dr. Falk die Kulturkampfgesetze nur widerwillig und auf Drängen des Fürsten Bi»- marck aukgearbeitrt habe. Die ,Hamb. Rachr.' sind zu der Erklärung ermächtigt, daß diese Mittheilung, soweit sie den Fürsten Birmark betrifft, vollständig erfunden ist. Sie bezweifeln nicht, daß der Staat»- Minister Falk dies auf Befragen bestätigen würde. Die .Germania' bemerkt dazu, daß sie für die angeführte« Thatsachen Beweise habe und nicht übe! Lust verspüre, die Sache eveut. gerichtlich feststellen zu lasten. Aber Fürst Bismarck ziehe e» ja bei Privatbelerdig- «ngiklage« bekanntlich vor, al« Offizier sich nicht dem Civilgericht zu stellen, sondern auf die Kompetenz der Militärgerichtsbarkeit zu berufen.
# O Der uattoualliberale Parteitag ist Freitag in I Berlin eröffnet worden; es find etwa 400 Theilschmer I erschienen. Die alten Führer Dr. v. Bennigsen, Dr. I Hammacher und Hobrecht sind auf dem Parteitage nicht I erschiene»; auch Dr. Bürklin scheint sich drücken zu wollen. Dar find die angesrbensten Märmer der Par-
von Klugheit oder aber das Bewußtsein geistiger Schwäche. In Pari» wird ihm jedenfalls die Ber- suchung, mehr auS sich heranSzugehen al» bisher, rn mannigfacher Gestalt nahen. Wir glauben aber nicht, daß der vorstchüge oder schüchterne junge Zar dieser Versuchung erliegen wird. Schließlich hangt der Lauf der Politik doch nicht von solchen BerbrüderungSfesten, deren Rausch bald verfliegt, sondern von der zwingenden Beweiskraft der Thatsachen ab. ' W
Der Zar ist heute schon der mächtigste Mann der Welt. Das müffen wir un» eingestehen, so sehr das auch unsere nationale Eitelkeit verletzen kann. Wer wüt die deutschen Staatsmänner bei dieser Sntwickr- lung der Dinge eine Mitschuld tragen, soll heMe nicht erörtert werden; die Thatsache selbst rst led-nfallS offenkundig und unzweifelhaft, daß auch die deutsch r auswärtige Politik von der Rücksicht aus Rußland beherrscht wird. Auch in BreSlau ist dem Zaren mehr, al» nöthig war, zugejubelt worden. Wir brauchen also, das verschiedene Temperament und die verschiedene Lage in Rechnung gezogen, de» Franzosen ihre Ruffenbegeisterung nicht allzu sehr zum Borwurf mache». Rußland wird Zroß durch den Gegensatz zwischen Frankreich und Deutschland. Bestände di fer nicht, wären Deutschland und Frankreich einig, so wäre heute nicht der Zar der neue Her« der Welt, in besten Toga Krieg und Frieden verborgen sind. Wir glauben zwar, daß der Zar den Frieden will, aber eS ist doch nicht anzunehmen zu denken, daß wir dir Wahl des Weltfriedens der Gunst oder Ungunst de» Zaren zu verdanke« haben. _____
ein Relief geben zu wollen. Die parteioffiziös- .Rat.- Lib. Korr.' bringt über die Verhandlungen einen Bericht, der indeflm, wie die ,Rat.-Ztg.' hervorhebt, „sehr ungleichmäßig (ö. i. parteiisch) ist, indem er die Reden der Referenten aus dem Parteivochande sehr ausführ- lich gebe, diejenigen der „antiazrarifchen" Anhänger der,Rat-Ztg.' dagegen „kaum fkizzirt". Diese Letzteren hatte» unter Führung der Landtag» - Abgeordnete« Bueck einen Antrag eingeöracht, welcher der fett dem Heidelberger „Aufschwung" geltenden Freiheit n wirthschaftlichen Fragen bestimmte Grenzen hinsichtlich einer ganzen Anzahl einzeln aufgeführter aktueller Aufgaben setzen wollte. Dieser Antrag wurde mit etwa 350 gegen 50 Stimmen abgelehnt, dergleichen rin Antrag Osann, der, da» andere System vertretend, ausdrücklich Freiheit auch im Sinne der agrarischen Ziele verkünden wollte, mtt 375 gegen etwa 25 Summen. Mit übergroßer Mehrheit wurde in Folge destm der Antrag des Central-BorstavdeS ange- nommen. der nur in allgemeinen Wendungen Forderungen zurückweist. „welche in einseitiger Berück- stchtiaung der Interessen eines BwusSstande» andere für den Staat gleich wichtige Berufsstände empfiadlich zu schädige« oder die Grundlage« unserer Bolkswirth- ichsst umzustoßen geeignet sind." Ueber einzelne Punkte des Antrages Bueck — Verwerfung des Zunftzwanges und Festhaltung der Goldwährung — ist allrrdmg» «och nicht abgestimmt worden, indeß zeigt schon das bisherige Abstimmungs - Trgrbniß, wie sehr wrr mit unserer Ansicht, drr «ationalliberale Parteitag werde sich mit etlichen allgemeine« Redensarten über die inneren Gegensätze Hinwegsetzen und deshalb auSgehen wie da» Hornberger Schießen, im Rechte waren. — Bemerkmswerth ist übrigen» auch die Ablehnung eines Antrages, der die Aufrechterhaltung des bestehende»» RetchsiagS - Wahlrechte« besonders verlange« wollte. Eine „eigenthüni- liche Episode" nennt die ,Rat. - Ztg.' diesen Vorgang und sucht ihn dann möglichst harmlos dadurch zu erkläre», daß viele Delegirte der Ansicht de» Referent«» Dr. Sattler waren, nach früheren Erklärungen über da» Wahlrecht liege zur Zeit kein Anlaß zu einem Be- schluffe über dasselbe vor. Erve sehr faule Ausrede! Da der Antrag doch nun einmal gestellt war, eine Stellungncchme sich also doch nicht vermeiden ließ, mußte Jeder, der an dem bestehende» Reichstags-Wahlrecht festhält, auch für des Antrag stimme«. Außerdem liegt heutzutage auch sonst Grund genug vor, für unser ReichStagS-Wahlrecht entschieden emzutreten. Daß die Mehrheit deS nationalliberalen Parteitage» das nicht wollte, beweist, daß das deutsche Volk alle Ursache HM, sich von den Nationalliberale«, in deren Hände« sein werthvollste» Recht nicht sicher ist, immer mehr abza-
k Ex ist noch heute ein unbeschriebener Blatt. Die Bor-1 tei; sie scheinen nicht den Muth zu haben, den M». I M, mit welcher er überall auftritt, ist ein Beweis emand«setzungen tn der Parte» durch »hr Erschnneu \ nhw das Bewußtsein aeistiaer ein Relief ueber. zu wollen. Dre parteioffijiösr ,Rat."
Die fieberhafte Spanmmg der Franzose» aus den Besuch ihrer vergötterten despotische« Freunde» wird in des nächsten Tagen gelöst werden. E» ist aber auch hohe Zeit dazu; den» die Begeisterung, die in Frank- reich ja ohnehin so leicht chawpagnerartig auftchänmt, hatte schon eine» überaus bedenklichen Brad erreicht. Ganz Paris schie» ein großes Rarrenhau» gewor- den zu sein. Diese Russenbegeisterung ist merkwürdlg nicht bls» deihalb, weil fie sich bei R-Publrkanern so wunderbar auSnimmt, sondern noch vielmehr darum, weil Frankreich vo« all seiner sklavische Hmgebung a« Rußland, von den ungezählten Millionen, die es Rußland gepumpt hat, noch weiter nicht» gehabt hat, als lediglich die Zügelung seiner eigenen Wünsche. Frankreich, dar sich dem russischen Alleinherrscher in die Arme geworfen, um von ihm Unterstützung in drr Befriedigung seiner Rachgier grge» Deutschland zu finden, wird gerade durch Rußland vo» diesem (eisern sehnlichsten Ziele abgehaltev, und dennoch immer dieselbe Begeisterung für den Zaren!
Die Gaffrnhauer — ihre Zahl ist Legion —, mit welcher der Zar in Paris heg üßt wird, und die sicht weniger zahlreiche» Bildchen, die zur Verherrlichung der großen EreigniffeS im Volke verbreitet werden, stellen nicht selten in eigenthümlicher Verkennurig des Umstandes, wie sehr fich die Franzosen selbst dadurch lächerlich machen, die ftanzöfische Republik nach Art
einer buhlenden Dirne vor. Der größte Feind Frank- , reichS konnte nicht bitterer das Berhältniß der Repu- l blik z« Rußland verhöhne«. Was hat Frankreich nicht ? schon alles in der Sucht, dem despotischen Rußland « zu huldige«, an Selbsterniedrigung geleistet! 5Millio»en ! Franken läßt fich die Republik den Zarenbrsuch kost«», | ein schönes Stück Geld, mit dem manche Thräne der i Armuth und der Unglücks hätte getrocknet werde« können. ? Aber Geld spielt bei den Franzosen keine Rolle, wenn * eS fich am Rußland handelt. Böse Mensche« behaupte« allerdings, Paris hoffe durch den koloffalen Zufluß an Fremden, der fich bei dem Prunkschauiprele einstellen werde, reichlich das wieder zu verdienen, was ihm der BerbrüderungSrummel kostet.
Wa« erwarten die Franzosen vom Zaren und was können fie erwarten? Sie erwarten — dar ist nicht zu bezweifeln — trotz aller FriedenSverfiche- rungen der französischen Politiker, daß er einst feine Truppen gegen Berlin werde marfchiren lasse». Ob fie das aber auch erwarten können? Nikolaus H. hat bi» jetzt geflissentlich vermiedm, in der Oeffentlich- feit seinen persönlichen Meinungen Ausdruck zu geben.
Jawohl, Monsieur.
da» sie so liebt! ©eine Wrttwe konnte ja nicht dafür, sie leidet Unverschuldetes."
Er blieb lange taub gegen ihre Bitten. Endlich lehnte er den Kopf gegen ihre Schulter und sprach den Namen seine» BaterS und seiner Schwester aus.
„Gewiß, aber auch die Lebenden verlange» ihr Recht . . . darum laß die lobte« endlich ruhen, Achille»!"
„Ich will e». Hilf mir mir, my own!“
entfernte Verwandte ihres Manne«, al» Sirgerm Ml» deut Prozeß hervorgegange« ist . . . fie, die fast nie* malr an eine solche Möglichkeit gedacht Hal. Bringe» Sie e» ihr bei, wenn eS nothwendig fein sollte."
„Ich glaube kaum."
„Eh bien, so lasten wir eS ganz Im Uebrige» aber finde ich das, was Sie fich diese Nacht au»grdacht haben, am richtigsten. Ist die Dame damit einverstanden, so werde ich hier alles für fie ordnen, und Sie geleite» dieselbe «ach DeMschland zurück; ich selbst will Sie zur Bah» brivgen. Athenai» hat sür die junge Wittwe gebeten, und Ihre kurze», aber so treue« Dienste habe» uns Ihnen verpflichtet. Ich hoffe, Sie kommen no£ dem wieder zu meiner Mutter und bleibe» Bet un» für immer. Nur wenn jene deutsche Familie Sie wird« für sich zu gewinnen wünschte, dann müffen wir zurückstehen; den» fie Hai ältere Rechte."
Sie waren an der Pforte angelangt. Erst nach längerer Zeit wurde ihnen von dem einzigen Diener, der geblieben war, geöffnet.
„Madame d'ESparre?"
Ktromanfmärts.
Roma» von 61. Lötjchert (M. Brachten).
62] ------- (Nachdruck verbot«.)
Eine tiefe Verbeugung gegen die Damen, und die geschmeidige Gestalt de» Krüner» hüpfte die Breiten Stufen hinab nach der Loge des Portier», da» Buch aufgefchlügen auf beste« Pu-.t legend.
„Lie», Frar^oiS!"
„Mr. Achille« O'Danne und Mad. AthsvaiS O'Danne geb. Waitwell, Pari». Mr». AthSnai» Waitwell geb. Tu . . . England."
„Himmel, fchreiben doch diese Engländer undeutlich! Die fetzte Hälfte ist nicht herauszubringen," vollendete Henri. „Mit Gesellschafterin," steht da noch . . . da» war gewiß daS hübsche dunkele Mädchen, da» gegen daS Ende meiner Erzählung so weinte, vor lauter MftgefÜhl. Sonderbar: so einfache Name» und die cheuersten Zimmer! «üsten wohl hier", Henri schlug fich aus die Brusttasche, „nicht so einfach bestellt sein."
Oben aber bat noch lange nachher die sanfte Stimme: „Achilles — Du so reich, so glücklich — saste Dich und suche zu vergeste»! Geh' morgen mit Jeanne und sieh' nach dem armen verlvstnie« Geschöpf,
Dar Meer rauscht, dir Vögel fingen und die Sonne steigt immer höher hinter den Alpe» herauf — ein Morgen, genau wie vor acht Tagen.
ES ist ein trauriger Anblick — die beiden Schwester- Häuser mit dem fest geschlossenen Thore und den herab- gelastenen Fensterläden — trotz dem leuchtenden Glanze, der Über ihnen ruh».
„Also Sie wolle» wirklich nicht warten, damit ich Sie seiner Wfttwe vorstelle« kann?" fragte die junge Dame, welche mit ihrem Begleiter auf da» verödete Gebäude zuschrettet. . s
„Rein, Mademoiselle Jeanne; glaube« Sie mir, ? „
e» ist bester so. Ich kann nicht vor fie hintreten mit ! „Also bis nachher^ Mademoiselle Jeanne. Ber- dem Bewußtsein, daß die Mutter meiner grau, Mr». I gesten Sie nicht, daß Sie Beide über mnnen Beistand AlhönaiS Wattwell, geborene Duchr»ne au» Pau, eine verfüge» könne»."