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Freitag, den 2, Oktober 1896. 23. Jahrgang
uldacrMZkitiliig
mit Antrrhattrrrrgs-Keilagr „Sterne und Klnmeu".
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Deutsches Reich.
Berlin, 1. Oktober.
h. Der dem Prinzen Heinrich im vorigen Herbste bewMgte einjährig; Urlaub ist am 1. Oktober abgelaufen. Wie die ,Post' erfahren haben will, wird Pnnz Hrinrich in den nächsten Togen den Befehl über die zweite Division des erste« Geschwaders übernehmen, die sich aus dem Panzerschiff „König Wilhelm" ak» Flaggschiff, den beiden Panzern dritter Klaffe, „Sachsen" und „Württemberg" und dem Geschwaderaviso „Wacht" zusammensetzt und bisher von dem Kontre-Admiral von Arnim befehligt wurde.
O In der Sitzung des BundesrathS am Donnerstag wurden der Antrag Preußens brtr. die Abänderung der Gewerbeordnung (Handwerksvorlage), sowie der Entwurf eine- Gesetze- über die Abänderung von Arbeiterversicherungsgesetzen und der Entwurf von Bestimmungen über die Führung der Börsen- register und die Aufstellung der Gesammtlifte den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Bon der Vorlage bett. die Regelung der Thronfolgrfrage im Fürsten- thum Lippe wurde Keyniniß genommen. —Seit einigen Tagen beschäftigt sich ein Theil der Presse mit einer Mittheilmrg, daß im Finanzministerium ein Gesetzentwurf vorbereitet wird, der die Errichtung von Fideikommissen erleichtern und die Zahl der Fideikommißbrsitzer vermehren würde, zu welchem Zweck die Höhe des bisher vorausgesetzten Reinertrages de» betreffenden Besitzes von 30000 Mk. erheblich herabgesetzt werden soll. Wie die ,Post' erfährt, ist im Finanzministerium ein solcher Gesetzentwurf weder vorbereitet, «och soll er dorr vorbereitet werden. Augenblicklich ist dar statistische Bureau noch mit der Bearbeitung einer Erhebung über die Fideikommißgüter beschäftigt, welche auf Anregung de» LandwirthschaftSministerS mit Unterstützung des Justizministeriums bereit- vor längerer Zeit staitgefundeu hat. Erst wenn auf diese Weise alles Material gelichtet ist, dürste die Frage entschieden werden, ob eS überhaupt rathsam ist, eine Vorlage wegen Abänderung der gegenwärtigen Bestimmungen auszuarbeiten. Soweit die .Post' die Auffassung der Dinge im Land- wirthschastSmiuisterium zu kennen glaubt, dürfte eine durchgehende Erleichterung der Fideikommißbildung kaum empfohlen werden.
* Wie der .Reichsanz.' meldet, ist dem ScnatS- präfidentm des Oberverwaltungs-Gerichtes, Wirkl. Geh. Rath Jeden-, zu feinem mit dem 1. Oktober erfolgte« AuSfchriden au- dem Staatsdienste der Charakter als Wirkt. Geh. Rath mit dem Prädikat Excellenz verliehen worden. An feine Stelle wurde der Oberverwaltungi- Gerichtsrath v. Roon zum Senatspräsidenten und an dessen Stelle das ständige Mitglied der ReichSverfiche« rungS-AmteS, Geh. Rach Hoffmann, zum Oberver« Waltungs-Serichtsrath ernannt.
• Bon Seiten der Landwirthe ist rS schon oft be-
KtrorrmnfwSrts.
Roma« von Ll. Lötschert (M. Brechten).
60] ------- (Nachdruck verboten.)
13. Kapitel. Seines Kindes Engel.
Dar Meer rauscht und die Alpen strecken ihre schneebedeckten Gipfel gegen den fast dunkelblaue« Himmel empor.
Die Bögel fingen. Thaufrisch und morgenduftig — ein entzückender Fleckchen Erde — liegt der Garten hinter dem Grand-Hotel „Stoile du Bonheur." Zahlreiche Beete inmitten der tiefen GrünS, alle mit weiße« Blücher?.
Die Fremder-, welche fich über diese Art der Anlage gleicher, weiß blühender Beete wunderten, erhielten von dem Personal die Antwort: „Eine Laune von Madame . . . Madame ist eine Deuffchr." Diejenigen, welche da- Glück gehabt hatten, die Erwähnte zu erblicken, nannten eS eine reizende und wohl durchdachte „Caprice"; denn nirgends sah die jugendliche Madame d'Esparre bewunderungswürdiger au», alS wenn sie, wie eben jetzt, mitten unter ihren weißen Lieblingen stand.
Ein ärmrilose» Kleid von gleicher Farbe, dar auf den Schultern von schmalen Goldspangen zusammen- gehalten wurde, umhüllte ihre zierliche Gestalt. DaS
s klagt worden, daß insbesondere die Militärverwaltung i i für ihre Bezüge an Naturalien den Zwischenhandel 1 bevorzuge. Neuerding- ist die Lieferung von 3000 i Schlachtochsen für die Spandauer Conservenfabrik von \ der Militärverwaltung einer Großschlächterfirma über- l I geben worden, die Isaak heißt. Die.Deutsche Tages- i zeitung' schreibt dazu: „Wir halten eine Aufklärung k für sehr wünschenSwerth. Die Armeekonservenfabrik ‘ hätte sich ganz gut an die LandwirthschastS- i lammet wenden können, von denen einige schon Ber- ;
i kaufSv ermittelung-steilen errichtet Haber-, während l ' die andern gewiß Mittel und Wege gefunden hätten, der bedeutenden Nachfrage ein entsprechendes Angebot
I entgegenzustellen, umsomehr, als die Fabrik sicher nicht die sämmtüchen 3000 Ochsen an einem Tage braucht, ' t sondern gewiß allmähliche Lieferung vorschreiben wird, i ■ We-Halb in diesem Falle der überflüssige Zwischen- j ■ handel nicht ausgeschaltet werden konnte, verstehen - wir nicht".
* In Sache« der Getreidetermtngeschäste sollen > i in der letzten Zeit zwischen den Interessenten der Ge- ■ treidebörse Verhandlungen stattgefunden haben, welche i darauf hinauSliefen, einen Weg zu finden, durch welchen ‘ die Aufrechterhaltung de- liefermäßigen Getreide- ;
; terminhandels unter dem neuen Gesetz legal ermöglicht ? wird. Die Verhandlungen sollen zu einem befriedigenden Ergebniß gefügt haben insofern, al» man sich über einen Schlußschein einigte, „der naturgemäß den börsenmäßigen Terminhandel autschließt, der aber gleichwohl
; unter Beobachtung aller gesetzlichen Vorschriften die \ 1 Erhaltung deS liefermäßigen Getreideterminhandels möglich machen dürfte." In allgemein verständlichem!
; Deutsch heißt da-: Die „Interessenten der Getreidebörse" ; haben darüber verhandelt, wie man dar Verbot der
I Getreideterminhandels an der Börse umgehe« könne; ' \ indem fie über eine neue Form des Schlußscheins i ' „sich geeinigt", glauben sie nunmehr einen Weg zur | ? Umgehung dieser Verbotes gefunden zu haben. Der - i Getreideterminhandel an der Börse muß doch ein sehr 5 einträgliches Geschäft gewesen sein, daß man fich : so sehr bemüht, denselben trotz der Verbotes auf Um- > I wegen wieder einzuführen.
h. Wie zu erwarten war, werden die Verhandlungen l I des am Samstag zusammentretenden uattonalliberaleu ' Parteitages nicht öffentlich fein, sondern geheim ge- i Hatter- werden. Den Berichterstattern der Zeitungen - I ist daher der Zutritt verweigert. Die Nationalliberalen . haben freilich auch alle Ursache, ihre Streitigkeiten i hinter verschloffenen Thüre« auszufechten.
* Als Uebelstand ist im deut chen Konknrsver- j fahren stets empfunden worden, daß ein außergerichtlicher Vergleich an dem Widerspruche eines i einzigen Gläubigers scheitern kann, da die . deutsche KonkurSorduusg Einstimmung bei der Auer- ' keunung einer außergerichtlichen Vergleiches vorschreibt, i i Der deutsche Kreditoren-Berband strebt des- s halb danach, bei der in Aussicht genommenen Neu- ■ - ordnung deS Konkurswesens in ins Geütz eine Be-
hellbraune Haar hing lose, wie in ihrer Mädchenzeit, 5 ■ auf einen Sptzmschlrier nieder, deflen duftige Falten ; • ihren Hals bedeckten.
Eine Hand berührte eben ihren Arm — nicht I j zärtlich, sondern ärgerlich nngeduldig.
„Gertrud!" Sir fuhr zusammen.
„Ah Lson, dar ist freundlich von dir! Ich sehe - i Dich immer seltener und niemals am Vormittage. Aber - wie . . . wieder so mißmuthig?"
Er schien die dargebotene Hand nicht zn bemerken, s sondern ging neben ihr her, — so wie sie von Anfang ;
i an im bildlichen Sinne neben einander her gegangen \ ° waren.
„Ja, wie Du siehst und Du . . . Du hast geweint. - l Ich glaube, wenn diese Deine Kleinodien da erzählen ? könnten, so würden sie seltsame Dinge zu berichten?
! wissen."
Sie sah fest md stolz zu ihm auf. „Jedenfalls \ i nichts Unrechtes, Löon! Wenn auch vielleicht von den 5 ■ Thränen der Erittäuschu-rg einer Frau, dis Dir vor - drei Jahren vertrauend und hoffend aus ihrem Vater- ! Hause in Dein Land gefolgt ist. ES war nicht immer ? so; aber wmn Du Dich Tage und Wochen lang ht } ■ Drin Zimmer einschließest und noch dazu die Abende ausschließlich mit Deinen Freunden verbringst, so glaube mir, überkommt Einem auch zuletzt das Heimweh." -
stimmung zu bringen, «ach der auch bei außergerichtlichen Vergleichen rechtSgiltige Entscheidungen etwa mit ’/i Majorität aller von den Gläubigern abzugebenden Stimmen getroffen werden können. Bei außer- gerichtlichen Vergleichen lasten gewöhnlich die Verwandten und näheren Freunde der Schuldners ihre Forderungen fallen, während sie diese im Konkurse geltend machen, auch geben sie nicht selten Zuschüsse zur Masse, die gleichfalls im Konkursverfahren fortfallen. In sehr vielen Fällen wird daher eine außergerichtliche Abwickelung von den Gläubigern vorzn- ziehe« sein, selbstverständlich wenn nicht dolus oder gar culpa voriiegen. Vielfach ist aber die vortheil- haftere außergerichtliche Abwickelung daran gescheitert, daß wenige oder einzelne Gläubiger mit ganz geringen Forderungen ihre Zustimmung verweigerten, well fie hofften, durch Abstimmung Sondervortheile zu erzielen. Um solcher Möglichkeit vorzubeugen, wünscht der Kreditorenverband, die einstimmige Zustimmung zu dem außergerichtlichen Vergleiche aus dem Gesetze entfernt zu sehe«. Er will aber dem Borwurfe, durch Erleichterung deS außergerichtlichen Verfahrens dem Bankerott wesen Thor und Thür geöffnet zu haben, durch die Forderung zu entgehen, daß auch bei nichtgerichtlicher Erledigung etwa durch die beeidigten Fallitbuchhalter ein Statur aufgemacht und die Sage der Kreditors klargestellt wird, um Grund feiner unparteiischen Darstellung Beschlüsse fasse« zu können. Der Kreditoren-Berband wird demnächst bei den HandelS- korporationen und Handelskammern Umfrage halten, wie fie fich zu feinen Vorschlägen stellen.
* Darmstadt, 1. Ott. Für die hessischen Land- tagSwahlen finden am nächste« Montag die Wahl- männerwahlen statt. Die zweite hessische Kammer besteht ans 50 Mitgliedern, welche für 6 Jahre gewählt werden. Bon 3 zu 3 Jahren erfolgt die Erneuerung der Hälfte der zweiten Kammer. In den Jahren 1893—1896 bestand die zweite Kammer ans 30 Nationalliberalen und 20 Mitglieder« anderer Parteien, nämlich 6 Freisinnigen, 5 CentrumSmännern, 4 Sozialdemokraten, 2 Wildliberalen, 3 Antisemiten. Die Nationalliberalen machten von ihrer Mehrheft den rücksichtslosesten Gebrauch. Sie besetzten nicht nur das ganze Präsidium nur mit ihren FraktionS - Genoffen, sonder« schloffen alle übrigen Gruppen auch von dem Fmanz-AuSschuß au», der etwa fünf Sechstel der Arbeiten der Kammer vorzubereitm hat. Nur im Gesetzgebungs-Ausschuß und im PttitionS-AuSschuß gewährten sie der CentrumSpartei und den Freisinnigen je einen Sitz. Bei den gegenwärtigen LandtagSwahlen handelt eS fich darum, ob die Nationalliberalen im Stande sein werden, ihre bisherige Mehrheit auch für die nächsten 3 Jahre aufrecht zu erhalten.
* München, 1. Ott. Die steigende Unsittlichkeit nicht blor in den Reihen der oberen Zrhntaufende, sondern in den gebildeten Stände« überhaupt nimmt Ausdehnung und Formen an, welche zu schweren Bedenken für die Entwickelung unseres Volkslebens Ber-
„Ach, Du weißt nicht, 'wie viel Nachdenken, Berechnung und so weiter ein so großer Besitz und ein solcher Hausstand mit fich bringen. Da solltest mir dankbar fein für meine Mühen und mir die kleine Erholung der Abend» wohl gönnen."
„DaS thue ich auch. Es schmerzt mich nur, daß Du dieselbe niemals im Zusammensein mit mir suchst. Wenn unser Hausstand zu ausgedehnt ist, so laß uns denselben vereinfachen."
„Um alle» in der Welt nicht."
„Und wenn Du Sorgen hast, so laß mich dieselbe« mit Dir theilen. Ich bi« kein Kind mchr * Löon, sondern Deine grau. Wozu also dieses Ausweiche« und Verberge« mir gegenüber? Seit Onkel CharleS Tode ist eS nicht mehr, wie et fein soll . . . sogar die Diener sehe» mich so sonderbar an und begegnen mir nicht mehr mit der früheren Ehrerbietung."
„Thorheit! DaS find Einbildungen, die Dich Plage«, Du kommst zu wenig unter Menfchen ... hast keine Abwechselung."
„Das ist da» erste Mal, daß Du das zu bemerken scheinst."
„Gut also, ich werde nächsten» für eine Veränderung in diesem eintönigen Einerlei, da» ich selbst kaum mehr zu ertragen vermag, sorgen. Im Uebrigen aber