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225 Mittwoch, den 30. September 1896. 23. Jahrgang

FiildiierWZeitiliig

mit Urrterhaltrrngs-Kei1age „Sterne mrd Ktnwen".

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Letzte Nr. des 3. Quartals.

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auf die

HP* * Fuldaer Zeitung

werden noch fortwährend angenommen.

(*) Der Bundesrath hält heute (Mittwoch) feine erste Plenarsitzung nach den Sommerferien ab. Er wird ein mehr als reichliche» ArbeitSmaterial vorfiaden. Er genügt, an dar neue Handelsgesetzbuch, die ArbeiterverstcherungS- Novelle und die Handwerksvorlage zu erinnern. Besonders die letztere wird dem BundeSrath noch viel xu schaffen machen, denn in dieser Frage bestehen in demselben «ach wie vor die schroffsten Gegensätze. Man kann drei Hauptrichtungen unterscheiden: 1) lieber- zeugte Anhänger derZwanglotgamsation deSHand­werks, vielleicht auch des obligatorischen Befähigungs­nachweises; 2) eine opportunistische Richtung, die von der ZwangSorganisation nicht viel hält, aber glaubt, den Handwerkern aus allgemein politische» Gründen dieses Zugeständviß machen zu müssen; 3) entschiedene Gegner der Zwangsorganisation wie auch der Befähigungsnachweises. Zu Rümmer 1 dürfte, außer etwa einigen Kleinstaaten, nur Sachsen zu zählen sein; an der Spitze der unter 2 genannten Richtung steht die preußische Regierung, welche die HandwerkSvorlaxe beantragt, und die dritte, durchaus ablehnende Richtung wird von Baden und Württem­berg, vielleicht auch von Bayer» und Hessen und diesem oder jenem thüringischen Staate, sowie von den Hansastädten vertrete».

Aus dieser Aufstellung ergibt fich, daß die Hand- Werksvorlage im BundeSrathe noch keineswegs über alle Schwierigkeiten und Gefahren hinaus ist. Auch im Reichstage darf ihre Annahme noch nicht als ge- sichert betrachtet werden, wie folgende Rechnung er­gibt: Für die Vorlage werden zu rechnen sein die Stimmen des Centrums, der Konservativen und Antise­miten, sowie wohl auch der Polen, wobei aber zu beachten ist, daß die Antisemiten immer stark durch Abwesenheit glänzen, vielleicht aber auch, weil die Borlage den Befähigungsnachweis nicht bringt, diese als ungenügend ablehnen werde» — sie find ja immer etwas unberechenbar —, so daß man also auf 170 bis 195 Stimmen zu Gunsten der Borlage rechnen kann, die volle Besetzung der Hause» natürlich voraus­gesetzt. Die zweifelhaft« „Mittelparteien", Reichs- Partei und Nationalliberalm, werden dm Ausschlag zu gebe» habm. Nun glauben wir allerdings, daß die Reichspartei ganz oder größtmtheilS für die Bor- i läge stimmen wird, aber es ist möglich, daß dies noch nicht genügt, und daß man also auch auf Stimmm aus der nationalliberalm Partei wird rechn«

müssen; daS wird namentlich bei schwacher Besetzung der Rechtm oder, war wir nicht hoffen wollm, der EentrumS, dar Abschwenken der Antisemiten der Fall sein. Wir haltm er allerdings für wahrscheinlich, daß auch ein Theil der Nationalliberalm für die Vor­lage eintreten wird, aber mit Bestimmtheit wird man vorfichtShalber auf fie nicht zähl« dürfe«.

Bei dieser Sachlage war er, wie wir glaub«, taktisch richtig von der Berliner Handwerkerkonfermz, von der Forderung der Befähigungsnachweises einstweilen abzustehev. Natürlich wird er da­mit nicht aufgeben, und über kurz oder lang wird er der Zwangsorganisation als nothwendige Ergänzung derselben nachfolgen müffen; aber im gegenwärtigm Augenblick wird eS gut fein, mit Mäßigung und Bor- ficht vorzugehm, damit nicht schwankende Elemente im BundeSrath oder Reichstag, vielleicht sogar die preußische Regierung, die Urheberin der Vorlage selbst, zurück­geschreckt und bett Gegnern der letzteren zugeführt werden. Gerade umgekehrt liegt die Frage, wiederum nut vom taktischen Standpunkte betrachtet, für den BundeSrath. Ist eS einmal sicher und unabwendbar, daß auch der Befähigungsnachweis de« Handwerkern zugestanden werden muß — und dar hat man auch aus der Begründung der HandwerkSvorlage selbst her- auSgelesm, — so handelt der BundeSrath, wie auch die ,Post', daS Organ der Herr« v. Stumm mehrfach betont hat, viel klüger, wenn er fich nicht erst durch Agitationen in Handwerkerkreisen dazu drängen läßt, sondern jetzt gleich aus freien Stücken den Befähigungs­nachweis zugesteht. Rur in ein em Falle liegt, speziell für die preußische Regierung, die Sache ander-: wmn nämlich jetzt ^war für die Zwangsorganisation, nicht aber für den Befähigungsnachweis eine Mehrheit im BundeSrathe zu hab«, dagegen für später, gerade ans Grund lebhafter Agitationen für den Befähigungs­nachweis, zu erhoffen ist. Wir nehmm an, daß die Verhältnisse thotsächlich so liegen. Jedenfalls ergibt fich auch hieraus wieder, daß eS für die Handwerker bester ist, fürs Erste die Agitation für den Befähigungs­nachweis rühm, dann aber — nach mdgiltiger An­nahme der Organisationsvorlage — um so kräftiger wieder auflebe« zu last«.

Deutsches Reich.

Berlin, 29 September.

* Der Kaiser wird der ,Post' zufolge auf der Rückreise von Romintm m dm ersten Tagen des Oktober dem 1. Leib-Husarmregimmt Nr. 1 in Lang­fuhr bei Danzig einen Besuch abstattm und damit die „Einweihung" de» neuen OsfizierkafinoS verbinden. Der Besuch soll nur einige Stunden dauern.

* Der BundeSrath tritt nach der .Post' erst am Donnerstag, nicht am Mittwoch, zu seiner ersten Sitzung «ach dm Sommerferim zusammen. Ihm wird sofort auch der Entwurf von Bestimmung« über die Führung der Börsenregister und die Aufstellung der Gesamwtliste zugehen.

* Der allgemeine deutsche Städtetag ist heute (Dienstag) im Berliner Stadtverordneten • Sitzung-- ! saale der Berliner Rathhauses zusammengetrete«. Herr Oberbürgermeister Zelle eröffnete den Städtetag mit ° einer kurzen Begrüßungsansprache. An den Verhand­lung«, für welche zwei Tage in Aussicht gmomrnm ; find, nehmen die Vertreter zahlreicher Städte von 25000 und mehr Einwohnern theil. Für die I Tagesordnung des allgemeinen preußisch« StädtetageS • hat der Stadtverordnetenvorstrher Dr. LangerhanS folgende Anträge angemeldet: 1 Da- Berhältniß, l in welchem zur Zeit die Stadtkreise in dm gesetz- I gebenden Körperschaften vertreten find, entspricht weder i der gegenwärtigen Bevölkerungszahl noch der sonstig« Bedeutung dieser Städte für da» Gemeinwesen. 2. Die Aufhebung der Privilegien der Beamten, Geistlichm ; und Lehrer in der Kommunalbesteuerung ist eine l Forderung der Gerechtigkeit, beten Erfüllung länget । nicht hinauSg schoben werben berf.

* Gouverneur v. Witzmauu ist am Sonntag »Hebet . von hier abgereist, um noch eine» kurzen Urlaub im > Harz, wo seine Mutter wohnt, unb am Rhein, htfr I besondere in Köln bei seinen Schwiegereltern, zu ver- s bringen. Er kehrt am 10 LSR., dem wahrscheinlichen | Termin der Zusammentritts des KolonialratheS, nach : Berlin zurück.

* Zahlreiche, aus Anlaß bet Kaisetmanöver erfolgte OrdmSverleihuugm an sächsische Offiziere rc. i werden im ,Reichranz.' veröffentlicht.

* Wie die «Post' hört, hat fich eine große Bet- t einignng von Männern aus alle» Kreisen bet Gesell- 1 schäft unb allen Ständen gebildet, die eS fich zurAuf- » siabe machen will, die Erzeugnisse unserer Kolonien ‘t in Deutschland einzuführen.

I* Die angebliche Begnadigung des Polizei-Ser­geanten Lormz betreffend rhetlt die Königl. Staats­anwaltschaft in Stettin ber .Neuen Stell. Ztg.' mit: „Die Nachricht ist insofern unrichtig, als ein Gnaden­erlaß Sr. Maj. zur Zeit Überhaupt nicht vorliegt. eS ist vielmehr nur die Strafvollstreckung geg« Lormz bis zur Allerhöchsten Entscheidung auf sei» Gnadengesuch ««»gesetzt worden." DaS ist aber „wenigstens etwas", denn die Einreichung eine» Gnaden­gesuches hemmt in der Regel »ach den Bestimmung« der Strafprozeß.Ordnung nicht die Strafvollstreckung.

* Dar kaiserliche Gesundheitsamt in Berlin hat eine Denkschrift über „Blattern und Schutzpockenimpfung" ausarbeiten laffen, durch welche der Nutz« de» Jmpf- gesetzeS erwiese» und die von dm Jmpfgegnern er­hoben« Einwände gegen dasselbe widerlegt werd« soll«. DaS Kultusministerium hat die Provinziell- schulkollegim ersucht, die Denkschrift avznschaffm.

* 3m Intereffe der Bekämpfung von Biehsmchm tat Jnlande werden, wie bereits erwähnt, zur Zeit die Versuche mit der Schutzimpfung de» Rind­viehs gegen Lungenseuche in ausgedehnterem Maße veranstaltet. Die Koste« dieser Versuche trägt vorerst die landwirthschastliche Verwaltung, da die

Roma« von Cl. Lötschert (M. Brrchten).

58] ------- (Nachdruck verboten.)

„Söhnchen, wirst D« daS Zähl« denn niemals müde?"

„Rein, Großmutter. Seit deS Vater» Abreise habm Dagmar und ich die Tage in unserem Notiz- Kalender auSgestrichen bi» zu der Woche, wo er wieder­kommen wollte. Fee ist noch zu klein dazu, weißt D«, Papa hatte vor, nur drei Monate wegzubleiben; al» die vorüber warm, fingen wir wieder von vom an. Nun ist der vierte fast um, und er ist noch nicht da."

„Und er hat gesagt, er würde un» die-mal etwas so Wundervoller schenk«, daß wir eS uns gar nicht vorstellen könnten," ergänzte Dagmar.

„Wir haben im Ganzen noch viel zu bekommen," meinte Paul trübe. —

„DaS macht, well wir keine Rama mehr hab«."

„6t St.," mahnte Sem«, ber eben durch'» Zimmer ging. „Der Papa kommt Übrigmr heute ober morg«. Michael, bet Komptoir-Dimet, sagte, daß et von Kronstadt au» an seinm Gesellschafter telegrophirt habe."

„Hmrah, da» muß ich Fräulein Willbmch sagen,

die freut fich gewiß auch!" schrie Paul und stürmte davon.

* *

„Sehen Sie, ich wußte, daß Sie sich auch frmen würden. Großmutter meinte noch gestem, Sie sei« in der letzten Zeit blaffet und stillet gewordm. Papa wat auch bielmol gar lange fort."

„3« bet Thal, fast vier Monate," entgegnete Hanna. „Aber siehst Du, Paul, ich hatte mehrere Wochen auf Nachricht« au» meiner Heimath wart« müssen, unb al» fie endlich anlangtm, ba warm fie eben nicht erfreulicher Art"

„DaS wat schlimm! Ist baS ein nmet Brief, bm Sie ba vor fich liegen hab«?"

„O nein, ba» ist ber vorige. Laß seh«

bet ist schon ganze vierzehn Tage alt. W»n ich ihn noch einmal gelesm habe, komme ich zu euch hinüber."

„Ach ja, bitte! Ich muß auch »lieber fort; denn während ich mich hier aushalte, könnte Papa an­komm« unb ich käme zu spät! Still . . . hör« Sie . . . spricht nicht Jemanb mit Semen im Flur? Er ist'» ... er ist'»! Fee kräht vor Vergnüg«!"

Die Thüre flog zu, Paul'» Schritte verhallt«, tmb bald mischten sich seine Frerbemuse mit ber etwa» rauh« Stimme seine» Vater».

Hanna ging nach ihrem Platze zurück, stützte d« Arm auf unb la» »och einmal beit von bet Fran Stöber erhalten« Brief.

„Meine liebe Hanna!

„Deine letzt« Mittheüuugen, namentlich bie Schilde- rung von Deinem Leben mit bett russisch« Zöglingen haben un» rechte Freude gemacht. Ich banke noch be- sonberS für bie Einlage an mich.

„Zuerst unb zuletzt nun als Hanptvachricht bie Versicherung, daß Deine gute Mutter gesund, thätig und zufriedm ist wie immer. Auch uns geht e» ganz gut. Mein Sohn, der Doktor, ist von früh bi» spät beschäftigt; doch ein bentf&reuer Arzt darf e» fich ja nicht ander» wünsch«. Wir verkehre» beide viel mck Bernhard.

„In der Niederburg steht eS »och nicht zum Besten. Zuerst soll da allerhand mtt Tante Fräulein Brüning gewesm sein. Ich bettle, im Herzen macht« sie einander nie recht leiden. Als fie schließlich gar nicht mehr zusammen hatmoniten könnt«, hat Herr Herzog ihr eine niedliche kleine Billa bei Godesberg genuetijet Da haust fie nun für fich allein. DaS stille Leb« wird ihr nicht behage».

„Wie man hört, hat Herr Herzog fich, settdem die Berichte über daS Witlhschasten seine» Schwieger­söhne» immer ungünstiger lauten, von allem Verkehr