M 224
Dienstag, den 29. September 1896.
23. Jahrgang
FiiIdakrWZeitiilig
mit Unterhaltrrugs Beilage „Sterne und Klnmen".
für das 4. Quartal 1896.
Gemahl- selbst, Gewiß gibt e« Männer, die ihre dienst 5,5 und auf die Berufslosen 6,4 Prozent ent- ; Frauen brutal behandeln und ihr BermSgen vertrinken, $ fallen. Er find auch bereits manche, die verfchiedenen ? oder gar fich von ihren Frauen ernähren lasten; aber einzelnen «ewerbsgmppm betrcffmdev Srgebmstr vrr- t wenn die Frauenrechtlerinnen behaupten, das fei die öffentlicht worden, so daß man bei Vergleichung der < Regel, oder wenn fie vorgeben, daß daß heutige Recht neuen Zahlen mit denen aus dem Jahre 1882 von
Frau Lebureff nickte schwerfällig dazu und bemerkte les Sie mich nicht bloß dmch eine hartnäckige Weige-
»en to6t^e ®ater 8 3ch weiß. Sie lieben Fedora . . . folgen Sie auf, seufzte tief und »ahm mit einem vorwurfsvollen
®?e , « . m,t “m TÄub^WxUw <. Blicke von ihrer Wirthin Abschied, welcher jedoch an
• Die Ergebnisse der Berufs- «ud Sewerbes zähluug vom 14. Juni 1895 für das ganze Reich wmden namentlich mit Rücksicht auf die Aufschlüsse, welche fie über den Umfang der einzelnen Berufsstände geben sollten, mit Spannung erwartet. Die Ergebnisse liegen «unmehr vor und er ist ersichtlich, daß von der gesammteu Bevölkerung auf die Landwirthschaft 35,7, auf die Industrie 39,1, auf den Handel 11,5, auf die häuslichen Dienste 1,7, auf die Armee und denStaatr-
„Gewiß nicht. Aller, nur nicht in einem geschloffenen Wagen mit ihm!"
der beruflichen Entwickelung der letzten 13 Jahre ein allgemeiner Bild gewinnen kann. Bier wesentliche Folgerungen lassen sich jetzt schon ziehe«;
& Ein „internationaler Frauen- Kongreß"
„Und wollen Sie mir riun folgen?" „Ja, denn ich muß wohl." Mit der ihr eigenen würdevollen Anmuth stand fie
l zu spüren ist. Die sogenannte Frauenbewegung ist t ein Pflänzchen, dar auf dem Boden der Großstädte, I gehütet und gepflegt von einer „aufgeklärten" liberal- i protestantischen Gesellschaft, heranwächst. Und doch ; selbst in diesen Kreisen dürsten die Anhänger der 1 „Frauenbewegung" für lange Zeit noch sehr in der i Minderheit bleiben. Der erwähnte Artikel in der ■ ,Bost. Ztg.' beweist ja, daß selbst die liberale Presse, ; die in solche« Dingen doch immer voran marschirt, ' PtttP HlOtttt AttA «HCT»*» (n hnA •«* StA-
«war rollen, wenn er gier wäre. mir um meuter Kinder willen!"
Klein-Ossip aber streckte den kurzen Arm aus, \ Sie rührte sich nicht von ihrem Platze.
deutete nach der Thüre und sagte laut und bedächtig: | „@i wird Ihnen nichts geschehen, auf mein Ehren
„Mann da!" s wort!"
StromanfMärls.
Roma« von Tl. Lötschert (M. Brechten). 57J ------- (Nachdruck verboten.)
dieser gänzlich verloren ging.
Hauna winkte Ossip nahe Hera« und dieser schritt 6 mit seiner kleinen Laterne dicht hinter dem seltsamen Paare her.
In Erinnerung
bringen wir den geehrten Lesern der
hat in der vergangenen Woche in Berlin getagt. Ber- muthlich hat auch hierzu die GewerbeauSstellung
der Anlaß gegeben; man hat die Gelegenheit, die ein - — v.„. 0„ , „„p
solcher „Allerwelts-Jahrmarkt" bietet, der aus Nah ; lich Gleichgrltigkeü und Unverstand die Ursache der mid Fern Besuche heranzieht, benutzt, um es den : Gegnerschaft gegen de« Kongreß sei, sondern, daß das
Frauenrechtlerinnen zu ermöglichen, sich auch einmal z Leben der Mutter und Hausfrau einen fo reichen Jn-
international auszusprechen. So lange die geehrten j halt habe, von der Sorge und den mütterlichen Pflichten Damen in Berlin waren, hat die liberale Preffe viel | im Hause und in der Familie so sehr in Anspruch
Brimborium aus diesem internationale Kongress« I genommen sei, und die Mutter und Hausfrau fo sehr
gemacht, vielleicht auch nur um zu zeigen, daß die darin ihr Genüge finde, daß fie nicht daran denke und Männer doch nicht so schlecht find, wie die Frauen- * gar keinen Beruf dazu fühle, auch «och bei den Wahle« rechtlerinnm glauben machen möchten. Jetzt nachdem s und in den gesetzgebenden «nd bei de« Verwaltung-- die Blaustrümpfe Berlin verlaffen haben, klingen die i körperhaften in Staat und Gemeinde ein „Bürger- Nachrufe, welche liberale Blätter dem Kongreffe wid- 5 recht" zu üben. Die Hausfrau und Mutter meine ihr men, schon ganz anders. Sogar dos privilegirte l Bürgerrecht und ihre Bürgerpflicht dadurch zu üben, Leiborgan bei Berliner Spießbürgerthums und der I daß fie dem Staat und der Gemeinde tüchtige Bürger gebildeten „höhere«" Weiblichkeit, die „Tante Boß", । und Menschen erzieht, und gelinge ihr die-, die führt jetzt in einem Leitartikel den Ruferinnen im schwierigste ihrer Aufgaben, so habe fie damit vollauf Streite für „Frauenrecht" zu Gemüthe, daß der Haupt- I ihren Beruf erfüllt. Das ist so verständig gesprochen, beruf der Frauen doch immer derjenige als Haus- l daß man sich fast wundern muß, daS gerade in der fr au und Mutter bleiben müsse. Dar ist er aber ; liberalen ,Boss. Ztg/ zu lesen.
gerade, wovon jene Damen nichts hören wollen. Allein | Nicht weniger unangebracht find die Klagen über — so ganz inwendig mögen auch fie wohl daS Hei- ; angebliche Knechtung, Unterdrückung und AuS- rathen nicht verachten, aber in Versammlungen fich als beut ung der Frauev durch die Männer, unangebracht, Verächterinnen d«S HausfrauenthuwS und als Bor- - weil ei verkehrt und ungerecht ist, Mißstände, die in kämpferinnen einer „freieren höheren" Auffassung vom ' einzelnen Fällen allerdings vorhanden find, zu ver- Frauenberufe aufzuspielen, das ist ihnen doch eis - allgemeiner« und der ganzen Männerwelt zur hoher Genuß; den« ei befriedigt den Kitzel »ach : Last zu legen. Ei ist nicht wahr, daß alle Frauen oder Ettelkeit. | auch nur die meisten von ihren Männern wie Sklavinnen
Mtt Men Bemerkungen treten wir den Empfiu- ! behandelt würden. Ei ist im Segentheil eine oft be-
düngen unserer Frauen gewiß nicht zu »ahe, den« < witzelte Thatsache, daß von 100 Frauen 99 in der
vir wissen, daß sie in dieser Beziehung gewiß genau ' Familie dai Regiment haben, und wie wir gern ge-
so denken, wie wir. Eine „Frauenbewegung" im eigent- j stehen, sehr ost zur größere» Bchaglichkeit dei Herrn üche« Smne gibt ei ;a überhaupt nicht; denn, wai ■ Gemahls selbst. Gewiß gibt eS Männer, die ihre man so nennt, das find nur die auf kleine, aber um 1 ce—m—=-— -
so lautere Kreise beschränkten, doch geräuschvoll sich j vordrängenden Bestrebungen einzelner an unbefriedigtem - „ , t
Ehrgeiz krankender, übergebildeter und verbildeter ■ Regel, oder"wenn fie' vorgeben, daß dai heutige'Recht
Damen. Wir habe» früher schon einmal die bezeich- ! den Frauen kein Mittel a« die Hand grbr, um gegen
»ende Thatsache hervorgehoben, daß i« katholischen • solche Ausbeutung sich zu schützm, so ist dai eine
Kreisen von einer Frauenbewegung überhaupt »ichti i grob; Entstellung der Thatsachen, um nicht einen
Die beiden Frauen wandten fich erschrocken um. . s „verzeihen Sie, H-rr Rosanoff . . . aber ich setze Aui dem Schatte» dei Thürwmkeli ttat jener ; Zweifel in Ihr Ehrenwort!" erwiderte fie laut in Diener hervor, welcher Dagmar vorhin so sorglich » französischer Sprache.
eingehüllt hatte und dann neben den Kutscher auf den l Er biß die Zähne aufeinander und sein Gesicht Bock gesprungen war. j färbte fich dunkel.
Ei war heiß und dumpfig in dem niedere» Raume - „Wann kommt Ihr Ma»n zurück, Klara Karlowna?"
der Mann auch wohl de» langen j „Ich glaube, ich höre ihn schon draußen, wie er
russtschen Mantel zurück und nahm die hohe Pelzmütze | den Schnee von den Füßen putzt. Richtig, da ist r 1
ab. 6m leiser Schrei entfuhr Hanna, als fie sein [ ja! Ossip, die Herrschaften warten auf Dich."( k
Gesicht sah. i „Soll'S noch war? . . . Ah, guten Abend, P.
»Ah . . . Fräulem Wlllbruch! Ich vernahm, daß - Alexandrowüfch!-
Sie die gute Klara Lebureff noch so spät besuchen j einen a v (v
wollten, und so kam ich hierher, um Sie persönlich i Silberrubel verschwand" in Leburcff'S Rechten, zurück zu geleiten." 1 — c--— ■—Ä------ “
Die Klara Lebureff schien alles Gehörte bereits völlig vergessen zu haben.
«rschrmt täglich Smm- mtb Srärtoge MtSgenommtn. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Sriagerfeta «ab BeSrllaeld in «nlda mri» nnsnwrrM 1 um V» 3nf«gte kosten int einspaltig- G-rmondz-Ue ober deren Raum 15 Pf., R-Samen bk ^g.
„Welche Ehre für Sie . . . der Herr felbst!" ; sagte fie staunend und stand auf, um einen Stuhl für ; den neuen Gast abzuröumen.
Dieser trat rasch auf Hanna zu und flüsterte: „Siel-
So ginge« fie auf dem knirschenden, glitzernden Schnee schnell durch die sehr bretten Straßen. Es war kalt und weit, aber Rosanoff wagte nicht, seiner Be- gleiteriu den Arm anzubieten, denn ihre glühenden Wangen und dar Feuer in ihren große», dunkle» Auge» - r sagten ihm, daß fie ihn zmückgestoßen haben würde, i er ? wenn er nur um einige Zoll näher gekommen wäre. ;• - ,-"■--'T’-i-----7— —I w ! »War daß, was ich soeben in dem Häuschen hinter
9 ‘ dlh» guten Abend, Paul x uns hörte, die Antwort auf den Bescheid, den ich Ihne»
j am Morgen schickte?" fragte er jetzt in französischer i »Noch einen Gang nach meinem Hause." Ein I Sprache, denn Ossip verstand durch seine Frau em .. Ä ----------- l wenig Deutsch.
»Gern, He^, von Herzen gern." | „Ja, und die zwette und letzte Antwort werden
»Sie wünschen ,a nicht zu fahren trotz dem weite» j Sie erhalten, wenn Sie mich noch einmal hinauSgetriebe» Wege, Fräulein Willdruch?" -- haben in eine Nacht wie diese — nicht um Schutz und
schärferm Ausdruck zu gebrauche». Wir haben schon gegenüber den Angriffe« der Frauenrechtlerinnen auf das eheliche Güterrecht des bürgerlichen Gesetzbuches nachgewiefe«, daß alle diese Angriffe durchaus unberechtigt «nd nur au- Mangel an Sachkenntniß oder aus bösem Willen zu erklären find, brauchen also jetzt nicht weiter darauf einzugehen. Uebrigens vergeffen jene Damen, daß es auch Frauen gibt, die durch liederliche Wirthschaft, Verschwendung und Putzsucht ihre Mämer ruinire»; davon hört man auf diesen „Frauenkongrcsfen" lei« Wort.
Mit alledem wollen wir keineswegs in Abrede stellen, daß eS — nicht eine, sondern mehrere — „Frauenfragen" gibt, an deren Lösung wir gern mtt- arbeiten wollen. Sir alle hier anzuführen und näher zu beleuchte«, damit würde» wir den Rahmen einer Zeitungsartikels zu überschreiten fürchten. So viel sei hier nur betont, daß die Erschließung „höherer" Be- rusSarten für Mädchen, die nicht zm Heirath kommen, längst keine so wichttge Frag« ist, wie die: dir Arbeiterfrauen wieder ihrem eigentlichen Berufe als Hausfrauen und Mütter zurückzugeben durch Verbot der Frauen-Fabrikarbeit; ferner wie die Frage der Versorgung armer Wittwe» u. s. w. Aber diese Bestrebungen überlassen die „gebildeten" Frauenrecht- lerinne« unS Männern. UebrigenS ist eS gerade in dieser Hinsicht sehr bezeichnend, daß die sozialdemokratische« Frauenversammlungen in Berlin den „internationalen Frauenkongreß" wegen seiner Untaug- lichkeit zu sozialer Arbeit sehr abfällig beurthnlt haben und dabei wohl noch schärfer gesprochen hätte», wen« sie nicht — die ganze sog. „Frauenbewegung" nm als einen Nebenfluß der Sozialdemokratie betrachten, der schließlich doch in den großen Strom der letztere« münden muß.
Und damit werden fie, wie wir fürchten, Recht behalten.
Deutsches Reich.
Berlin, 28. September.
JuLöcrerZeitung
die sofortige
I I 2 *” l’”’?**’ ^'****U*W VVIHII
Erneuerung des Abonnements - Sache ablehnende Haltung gegenüber den Emanzi- . pationsbestrebunge» der Blaustrümpfe einnimmt.
Auf dem Kongreffe klagte Frau Lina Morgen- j stern, die bei allem dabei sei» muß, daß dem Kon- l grefse gerade aus der Mitte der Frauen, sei eS aui s Gleichgiltigkeit, fei eS aus Unverstand die Haupt- gegner entstanden seien. Dieser Ausfall gegen die । ungeheure Mehrheit der Frauen, die an der sogen. ? „Bewegung" nicht tbeilnehmen wollen, ist denn doch ’s der ,Voss. Ztg/ zu stark, die betont, daß nicht ledig-