JK 223 Montag, de» 28. September 1896. 23. Jahrgang
FilldakrWZkitllNg
mit Unterhaitungs-Keilage „Sterne mrd Kinmen".
Erichcmt tögkich, Sonn- und Feiertage ausgenomm«. — vierteljährlicher Abonnement-PrriS ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fnkdo und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.
Inserate kosten die einspaltige SarnwndzeSe oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
*T1Wfr............................................. I IliMMIWB
In Erinnerung bringen wir den geehrten Lesern der IutdcrerIeitung die sofortige Erneuerung des Abonnements für das 4. Quartal 1896.
Deutsches Reich.
Berlin, 26. September.
* Der Kaiser gedenkt bir Anfang Oktober in Ro- mivten zu verweilen und sich dann von dort nach Jagdschloß HubertuSstock zu begeben. Neber die Dauer der Aufenthalts der Kaisers in HubertuSstock sind feste Bestimmungen noch nicht getroffen. Am 18. Oktober wird der Kaiser der Feier an der Porta Westfalika beiwohnen. — Der Kaiser und die Kaiserin haben der deutschen Marinestrftung des CerrtralkomiteeS der deutschen Vereine vom rothen Kreuz für die Hinterbliebenen der mit S. M. Kdt „Iltis" Verunglückten einen Beitrag von 3000 Mk. überweisen lassen. Bisher beträgt die Gesammtsumme der Gaben 21,174.69 Mk. Die Sammlungen werde« fortgesetzt.
ft, Die Reichsetuuahmeu in den 5 Monaten vom 1. April bis Ende August betragen in Zöllen und Verbrauchssteuern 279,282,329 Mk., d. i 17 Millionen mehr als im gleichen Zeiträume deS BorjahreS. Dazu kommen noch die Stempelsteuern, Post, Telegraphie und ReichSeifevbahnen mit zusammen 172 Millionen, d. i. etwa 4 Millionen mehr als im gleichen Zeiträume der Vorjahres. Im Ganzen haben die diesjährigen ReichSeinnahmen gegenüber den letzteren einen Vorsprung von 21 Millionen. Gestiegen find besonders stark die Erträge aus dm Zöllen, der Zuckersteuer, der Branntweinsteuer und der Post- und Telegraphen-, sowie der ReichSeismbahn-Berwaltung. Gefallen sind dagegen namentlich die Einkünfte aus der Börsensteuer (um über 2 Millionen Mark).
* Fürst Bismarck hat sich jüngst bei einer FrühftückStafel beim Empfang einer Dtp Station über die Generale von 1866 mit sehr pikanter Offenheit ausgesprochen. Die Münchener Neuesten Nachrichten', welche für den Fürste« Bismarck stets eine Verehrung kundgebm, veröffentlichen daraus das Nachfolgende mit dem Bemerken, daß die Quelle für die Mittheilungen nichts zu wünfchm übrig ließe, „v. Sybel", meinte Fürst Bismarck, „war ein liebenswürdiger Mann. Zu feinem großen Werke konnte er alle Archive einsehen. Mein alter Herr (Kaiser Wilhelm I.) hatte ein guter Gewissen, der konnte ihn Aller wiffen laffen. Bogel v.^Falkenstein kommt zwar bei
Sybel schlecht weg; schriebe ich Geschichte, so würde l er noch viel schlechter wegkommen, den« er hat Langen- I salza verschuldet. Als großer Liebhaber von Glal- l Malereien blieb er zwei Tage in Marburg unthätig, nur um seiner Liebhaberei zu folgm. Das sagt man wenigsten»; ich will e» dahingestellt sein lassen. Doch l ist gewiß, daß er die strengsten Befehle der Haupt- i quartierS unbeachtet ließ. Rach ihm kam v. G o e b e n, l ein Spieler von Beruf, aber vielleicht unser befähigster s Feldherr. Besser als bei Moltke konnte man nicht f fahren. Wäre aber Moltke abgeschossen worden, so i hätte ich Goeben dem König Wilhelm als Nachfolger em- | pfohlen. Er war mein prädestinirter Generalstabrchef.
Manteuffel war ein Man» von Verdiensten, indeß : ein Stück Poseur. Er hatte stetr Schillers Wallenstein im Kopf. Als er 1866 in Frankfurt einzog, hatte । er sich den Bart ä la Tilly stutzen laffen. Zu seiner Pose gehörte die Behandlung der Elsässer und (im Kriege) der Franzosen. Der Soldat muß zu essen haben und braucht nicht zu frieren. Manteuffel hätte l aber gewünscht, daß der vor Kälte Erstarrte mit dem ? letzten Athemzuge hiugehaucht hätte: „Franzose, da hast du deine unverbrannten Mahagonis wieder!"
* In den Blättern findet sich die Mittheilung, daß der wegen Erpressung und schwerer Mißhandlung der Gefangenen zu einem Jahre Zuchthaus ver- urtheilte Schutzmann Lorenz aus Stettin, nachdem er acht Tage von seiner Strafe verbüßt, begnadigt und in Freiheit gesetzt ist. Man wird wohl eine amt- - liche Erläuterung oder eine Berichtigung dieser Mittheilung erwarten dürfen. Denn wenn auch keine staatsrechtliche Verpflichtung besteht, die Motive solcher Be- ( gnadigunge« bekannt zu geben, die ja sormell von der Krone auSgehen, so hat doch die Regierung, haben die > verantwortlichen Minister doch die politische Pflicht, nach Möglichkeit allen Thatsachen oder «e- - rächten entgegenzutreten, die eine ungünstige politische ? Wirkung gerade in der Beurtheilung der Kronrechte i auSüben könnten. Und dahin gehören solche Meldungen - über Begnadigungen von Beamte«, die wegen schwerer Ausschreitungen in ihrem Amte zu empfindlichen Strafen - verurtheilt worden find, sobald nicht die besonderen < Gründe, die zu solchen Begnadigungen führten, mitt' getheilt werden. Die Geschichte erzählt ja au» diesem - Gebiete allerlei Seltsames, und wenn er ja auch selbst- s verständlich ist, daß bei Mißgriffen die Schuld that- - sächlich auf die vorschlagende verantwortliche Instanz fällt, so wird unter dem üblen Eindrücke solcher Miß- ? griffe auch dir Krone, als Inhaberin des Begnadigungsrechtes, zu leiden hoben. Deshalb ist gerade hier die i peinlichste Sorgfalt nöthig und jede Empfehlung, die : auf Gründen beruht, die nicht i« der Sache selbst ? liegen, doppelt verwerflich. Dienstliche Ausschreitungen I von Beamten richten sich ja in der Regel gegen die Frecheit und Sicherheit bei Bürgers, und bei Be- gnadigrmgen, die hier eintreten, gilt el, berechtigte bürgerliche „Imponderabilien" in Betracht zu ziehen, ; deren unbedachte Verletzung fer manche böse Verstimmung
« Allein der alte Diener kehrte mit einem ab- । schlägigen Bescheid zurück: Herr Rosanoff sehe sich Roman von Cl. Lötschert (M. Buchten). r nicht in der Lage, Fräulein Willbruch's Bitte zu ge- 56] ------ (Nachdruck verboten.) i währen. Dieselbe habe sich schriftlich auf drei Jahre
Rach der Rückkehr begann die alte geregelte Thätig- I verpflichtet. Dal erwähnte Anerbietm eilet ftüheren leit, nm mit dem Unterschiede, daß sehr bald Hanna'S l Ausscheidens sei nicht vo« ihm persönlich auSgegange« Befangenheit und ihre geheime Furcht, Rosanoff's: m>d könne von seiner Mittelsperson einfach erfunden zurückhaltendes Benehmen möchte in dar Gegentheil f worden sein. Jetzt sah Hanna ein, daß er sie ab- Umschlagen, zmückkehrten. I sichtlich getäuscht hatte, und fühlte, daß er lern Mittel
Und wirklich — seinem ersten Besuche im Schul- J unversucht laffen würde, um sie zu quälen, -vo blieb zimmer folgten immer häufigere. Zuletzt gab eS keinen - ihr also nm Einer: die Flucht! Aber — wie? Tag, ja fast keine Stunde mehr, in welcher fie sich t Sie saß auf ihrem Zimmer, stützte den Arm auf nicht unter dem Banne feiner unstäten Md doch ver- l ihren kleiner» Nähtisch unb blickte rathloS zum Fenster zehrend auf ihr ruhrnben Augen wußte. hinaus über bie zahllosen Dächer und KuppM der
Ihre Hände begannen za Mer«, wenn er nur > Häuserreihm bei weiten, weiten Petersburg. Wer m eiutrat — ihre Kraft verließ fie, unb doch konnte fie | dieser Riesenstadt würbe sich ihrer annehmen? Unter bem Hausherrn nicht bei Aufenthalt ii seinen eigenen I ben wenigen deutschen Familien, mit welchen Rosa- . Zimmern verbieten, eben so wenig aber auch den Ü «off verkehrte, stand ihr Niemand näher. S»e konnte furchtbaren Druck seiner beständige« Gegenwart er- - sich keiner Seele anvertrauen, konnte keinen Grund trage«. | für ihre Handlungsweise nennen, und so würden Alle
Da gab ei nur ein Mittel: wenn er nicht vom § sich für verpflichtet hatten, jenem ihren Aufenchaltlort
Platze wich, so mußte fie weichen. | anzugeben. __
Der Gedanke an ein Alleinsein mH ihm war ihr i Da fiel ihr plötzlich Maria'! Bruder, Ossip Lebmeff, Merträglich: fie wählte daher Seme« zum Bote« ttnb t em. Er war ein schlichter «rbetter, wohnte »« einem bat «m ihre Entlassung, unter Hinweis auf bas ihr | ganz entlegenen Viertel, aber er hatte eine Deutsche in Deutschlanb vor ihrer Abreise gemachte Anerbieten. * i * * * 5 zur Frau! Klara Lebmeff war vor Jahren mit einer
i in unserem politischen Leben verursacht hat. — Wenn I man leinen Anlaß bat, bie Gründe zu verheimlichen, ; bie zu solchen auffallenden Begnadigungen führten, so s gebe man fie öffentlich bekannt im Interesse deS An- . sehens der Krone, als der Trägerin der Begnadigung!- । rechtes.
* Die badische Regierung will im BundeSrathe k gegen bie Haudwerkl-Borlage stimmen, vielleicht auch j die württembergische. Bon der Regierung de» „übe- - ralen Musterstaates" wenigsten» war nicht! Bessere! i zu erwarten.
* Greiz, 26. Sept. In einer Polemik mH dem l ,Greizer Tageöl.' schreibt die hiesige ,Lande»zeHung' ? von heute sehr vernünftig: „Ob da! Blatt sich dabei \ bewußt ist, daß e» die deutschen Katholiken bezw. : Juden schwer beleidigt, wenn ei die Begriffe „evan- s gelisch" unb „reichsdeutsch" sozusagen all gleichbe- ; beutend hinstellt? All ob die „Katholiken" weniger gute I Deutsche wäre« all die „Evangelischen." Wir find ! sicherlich treue Lutheraner, müssen unS aber gerade al! , solche energisch dagegen verwahre«, daß immer wieder, wenn auch versteckt, die Katholiken all ? Deutsche 2. Klasse hingestellt werden. Dieser \ Angriff fällt auf die Gegner selbst zurück und gibt fie der ! Lächerlichkeit preis." — Es ist erfreulich, auch einmal § von protestantischer Seite in dieser Frage ein ver- - Künftiges Wort öffentlich ausspreche« zu hören.
* München, 26. Sept. Der bisherige apostolische ■ Nuntius am bayerische Hofe, Monsignore Dr. Ajuti, - wird demnächst feinen hiesigen Posten verlassen, um 5 nach Lissabon überzufiedeln. Msgr. Ajuti hat sich » durch sei» leutseliger, freundliche! und entgegen- \ kommendes Wesen die größten Sympathien erworben. , Die geistlichen und weltliche« Behörden und Würden- ■ träger, mit denen der Nuntius in Berührung kam, sehen den gelehrten unb mildgefinnten, aber zielbe- \ wußten und pflichteifriger» Vertreter de! hl. Stuhle! sehr ungern au» München scheiden. Sein Nachfolger j ist Monsignore Loriuzetti.
I Ausland.
* Trient, 26. Sept. Heute Vormittag wurde der Antifreimaurer-Kongreß unter dem Vorsitze de! Fürste« Löwenstein eröffnet. Anwesend find ungefähr 500 Mitglieder, vorwiegend Geistliche. Fürst- । bischof Vslussi sprach die Hoffnung aul, daß die $ Arbeiten bei KongreffeS ebenso segensreich für dal . Christenthum und die Kirche sich gestatte«, wie dal ! Konzil von Trient. Der Präsident de! römischen ? Central-Komitee's, Alliata, brachte ein mit Jubel ; aufgenommene» Hoch auf de« Papst und den Kaiser l von Oesterreich aus. Rach Verlesung eine! päpstliche« f Breve hielt der General-Sekretär bei Central-Komitee'S, : Monsignore Smoczyvski, eine Rede über Papst unb . Freimamerei.
* Rom, 26. Sept. Der Brief be» Msgr. Ma- carius (be! päpstlichen Gesandten anKögigMenelik)
- Herrschaft aul Weflpreußen nach Rußland gekommen. Sie hatte sich längst in den russischen Geist mtb in
i ihre eigenen kleinlichen Verhältnisse eingelebt. Sie j war nur mH mittelmäßigem Verstände behobt; aber § fie war gutmüthig, und el schien immerhin möglich, daß fie eher Landsmännin mH Rath und That bei- l stehen würde.
Während Hanna noch darüber nachdachte, lamm » Paul und Dagmar mH einer soeben erhaltenen Sin« i ladungskarte zu einem Kinderballe.
„Er ist schon heute Abend, Papa hat'! erlaubt. [ Bitte, Fräulein Willbruch, sagen Sie nicht „nein!"
Sie gab ihre Emwilligung unter der Bedingung, l daß man sich nicht, wie gewöhnlich, ungeberdig bei
s der Toilette benehme. Ob Papa zu Hause sei?
Rem, er hatte hinüber «ach Tschelrna fahren und ; bi! übermorgen dort bleiben vollen.
E» war Sonntag heitte, unb Hanna tonnte mehr ! all sonst über ihre Zeit verfügen. Sie packte i« fieber- • Hafter Eile ihre Meinen Ersparnisse in eine Handtasche > unb wählte einen dunkeln warmen Anzug, welcher sür \ ihren Zweck am geeignetsten schien. Auf PMkt Siebm - war der Wage« bestellt, mtb fie hatte, wie immer, bie | Kinder zu bem Feste zu begleiten.
i Rosanoff's Hau» lag in bem auf bet Wafiljewskm- ' Insel erbaute« Theile von St. Petersburg, bal Ziel