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& 222 Samstag, den 26. September 1896. 23. Jahrgang
FiildlicrMZeitliiift
mit UnterhattnugsKeUaKe „Kterrre mrd Ktuwen".
Srscheiut ttgltch, E«m- «d Feiertage owIgenotmeaL — Biertrstähtttcher 86unnement#»ret i ahne Brmgerlohn web Bestellgeld in Fulda und anSMitt« 1 Mark 60 «mme 3"s«rate kosten die emfpalttge ®ar*o«b$etfc oder derrnRamn 15 Pf., ««Namen die Petitzeile 25 Pf., beiMLicholm^fepffprechender Rabatt. 8
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Die ,Fuldaer Zeitung' behandelt die neuesten Tagesfragen in allgemein verständlicher Weise. Die politischen Nachrichten find kurz und übersichtlich zusammengestellt, den lokalen und provinziellen Vorkommnissen wird große Sorgfalt gewidmet und auf ein spannendes, sittlich reines Feuilleton besonders Gewicht gelegt. Zahlreiche zuverlässige Mitarbeiter in Berlin sowie in der Provinz setzen uns in den Stand, über alle wichtigen Er- eignifle bedeutend früher zu berichten, als die anderen Blätter.
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Fulda, im September 1896.
Redaktion und Verlag der »Fuldaer Zeitung'.
Wichtige Tage für den Seelsorger »amt der Anzeiger für die katb. Geistlichkeit' (Nr. 27 vom 2. Srpt. 1895) die letzten Wochen vor Eintritt des Hrrbstvierteljahre». Mr entnehme« dem beherzigens- werthm, sehr ausführlich gehaltenen Artikel folgende Stellen:
.An» der Nithwendigkrrt der allgemeinen Wehrpflicht ergibt fich die weitere Rothwendigkeit: für jeden katholischen Manu in der Gemeinde eine katholische Zeitung.
War soll der Seelsorger thun, um in die katholischen Familien katholische Blätter hinemzubrmgen? Zunächst muß er natürlich öfter, besonders vor einem Ouartalwechsel, in der Predigt darauf aufmerksam machen, wie verderblich für die katholische Kirche und wie sündhaft eS ist, zur Verbreitung der gegnerischen Zeitungen beizntrc^en. Die» wird jedoch meist nicht ouSreichrn. Hier Hilst blot persönliches Eingreifen in der HruSseelsorge. Jeder Priester, der in feinem Familienbuche sich ein Berzeichmß seiner katholischen Familien angelegt hat, möge doch unter den verschiedenen Rubriken hinter des Name« nicht die eine vergesse«: „Zeitungen und Zeitschriften". Er und seine Rach- folger haben dann jederzeit ei» Bild über die Zeitungs- Verhältnisse in io den Gemeinde« vor fich; möge er öfter- dieses Bild anschauea und nicht ruhen, bis eS ihm und Gott gefällt. Versuche er klugerweise alles. Schicke er dem B-rlaz einer kathol. Zeitung Ndrefien der betreffenden Pfarrkinder, damtt diesen unentgeltlich Probenummern geschickt werden, oder schicke er selbst dmch einen Boten Prvdenummern verschiedener Zeitungen und Zeitschriften herum, ja scheue er selbst nicht einen gelegentlichen Besuch, um dafür zu wirken. Die Leute find ost leichter zu gewinnen, als man meint, da fie oft nur aus Unkermtniß handeln.
Am 1. Oktober beginnt für die Zeitungen ein neues
Quartal und zwar das wichtigste, da viele Leute nur im Winter Zeitung lefm und für die Zeitschriften em neuer Jahrgang. Luffen wir uns diesen wichtigen Termin nicht entgcheu — „Dixi nunc coepi“; es ist hohe Zeit — damit nur die Ernte reichlich aurfalle."
•f- „Die Katholiken sind arm."
Anläßlich der Feststellung der geringen Theilnahme der kathol. Bevölkerung an de« höheren Stellen der Staates, zumal den Unterrichtsstellen, hat man die verschiedenen Ursachen dieser Erscheinung untersucht und unter anderem darauf hingewiesen: die Katholiken find ärmer als die Protestanten! Auf den ersten Augenblick mag etwa» Betrübendes in dieser Thatsache liegen, doch mag man fich trösten, wenn die weitere Frage erörtert wird: Warum find wir arm? Die Antwort lautet: Man hat fie in den Stand der Armuth gedrängt.
Vergißt man denn, wieviel Millionen zu Beginn des Jahrhunderts die S ä k s l a r i s a t i o « der Sesammt- heit der Katholiken in Europa entzöge« hat? Richt Millionen, sondern Milliarden fi«d e» jetzt, welche seit dieser Zrft nicht mehr im Besitze der Katholiken fich befinden. Dank der Säkularisation sind dann weiter die katholischen Gotteshäuser leer geworden. Wer hat fie imzWischm mit den nöthigen Geräthen und Zierraten auSgestattet? Wie stehen die Baute« da, herrlich, ihrem Zweck entsprechend, und fie finde» in Folge der Opferwilligkeit der katholischen Bevölkerung! Zu dieser unmittelbaren und mittelbaren Beschädigung, die fich nie taxirrn lassen wird, kommt in gewisse« Landen die Handhabung der Parität, die ja, im Grunde genommen, vielfach zur Jmparttät geworden. @8 genügt die Nennung de» Worte», um zu erinnern, welche gleichzeitige finanzielle Beschädigung damit in Verbindung steht, und da» seit Jahrzehntes. Wer vermag diese finanzielle Entleerung katholisch« Kommunen nach ihrer Höhe taxirrn?
Die Katholiken find in Armuth gedrängt worden — und da» ist nicht ihre Schuld. Anderseit» haben die Katholiken Armuth fich selbst fteiwillig auferlegt, und da» ist ihre Ehre, weil eS um idealer Güter Wille« geschah «nd fortwährend geschieht. Unsere Klöster vertreten Ideale, «nsere charitativen Vereine vertreten Ideale, unsere MissionSthätigkeit vermittelt entfernten Völkerschaften ideale Güter! Wer kommt hierin der kathol. Kirche gleich? Wird ««» Armuth vorgeworfen, so ist da» eine ehrenvolle Armuth!
Roch andere Momente bewirken die Ungleichheit bezüglich katholischen «nd nichtkatholischen Besitzes; doch fie wögen, um des Friedens willen, und da fie delikater Natur find, unerörtert bleibe«.
Man drängt die Katholiken in Armuth und sagt dann: „Ihr seid arm"; man läßt ihre Talente nicht herankommen und sagt dann: „Ihr seid du««!"
Vermischtes.
* Ein Heuere» Bermächluitz. Folgender schöne Zug aus dem Lkben der beiden trefflichen Männer Overberg und Katerkamp, die feiner Zeit eine wahre Zierde Münster» waren, wird von einem Schüler Overb rgS mitgetheilt. Erne Person, früher 6; in titelt, war als Wittwr sehr in Armuth geräthen. Sie suchte Raih und Hilfe beim seligen Overberg. Dieser sorgte, nachdem er fich von der Wahrheit ihrer Roth überzeugt hatte, für eine monatliche Unterstützung von acht Tha- lern, die er ihr viele Jahre spendete. Kurz vor seinem Tode, der im Jahre 1826 out 9. November nach einem viertägigen Unwohlsein in seinem 73. Lebenkjahre erfolgte, gab er der Witwe einen vrrfiegelten Brief mit dem Auftrage, denselben vier Wochen rach seinem Tode dem Herrn Profrffor Katerkawp zu überbiingM. Dieser war früher lange Jahre Professor der Kirchengeschichte an der dorttge» theologischem Fakultät und in den letzte« Jahren Dechant an der Münsteüschen Domkirche und Freund der Overberg. Wie erstaunte dieser graue, ehrwürdige Herr, als ihm ein verschlossener Brief vom Freund Ooerberg überreicht wurde, der schon über vier Wochen im Grabe ruhte. Der Inhalt de» Briefes war folgender: „Lieber Freund! Ich besitze nichts, was ich Dir beffere» als Bermächtniß in meinem Testamente hinterlasse« kann, als diese arme W>t!we. Gib ihr die Unterstützung, die fie schon einige Jahre von wir
monallich «hatten hat." Katerkamp, erfreut über ei« solches Bermächtniß, thntte dieser zur selbe« Stunde einem Freunde, der ihn gnade besuchte, mit. „Laß mich die Hälfte de» Geldes mit zahlen," sprach dieser; e» war der geistliche Profeffor Brockmann. — „Rri«, lieber Freund," nwiderte Katerkamp, „Ovnberg hat mit nicht die halbe, soudnn die ganze Sittwe vermacht."
* Einfälle eine» englischen Millionärs. Der jüngste LuxuS-Artikel, schreibt die ,Tr«th', ist ein GlaShauk unter Waffn. Ein reichet Mann, auf drffm Gütern sich ein größerer See befindet, ließ ihn jüngst trocken legen und errichtete an feiner tiefsten Stelle ein Haus mit drei Zimmern, Rauchzimmer, Speisezimmer und Wartnaum für die Bedienung. Das Skelett des Hause» besteht aus Eisen, und der Steinboden ruht auf einem Eementbett, während Wände und Dach aur sehr dickem Spiegelglas bestehen. Born Boo »hause am Ufer au» führt ein Gang unter dem Waffn zum Gla»hause, und zwischen künstlichen S:e- lilien, die oben zu schwimme« scheinen, mündet eine Rohrleitung, welche die Luftzufuhr besorgt. An warme« Tagen ist der Aufenthalt dort unten unbeschreiblich schön. Die Luft ist seht kühl, man hört keine« Laut, und ei ist höchst interessant, die Fische za beobachte«, die durch die elektrischen Licht« angezoge« werde«. Die» ist ganz entschiede« ein originell« Luxus-Artikel, dessen Herstellung, nebenbei bemettt, verhältnißmäßig toenig gekostet habm soll. Derselbe Millionär plant jetzt ein noch umfangreicherer Werk. Auf seinen Gütern steht ein Forst von zwei englischen Meile« Flächeninhalt. Diesen Wald will « nach innen zu abschließen, und zwar zunächst durch eine« tiefe« und breiten Graben, sodann dmch ein starker Eisengitter und schließlich dmch eine« hohen, dicken Steinwall. In de« d«art geschaffene« Raum will er alle erhältlichen Arten von wilde« Thieten hmeinlaflen, Löwen, Tiger, Glephanten und was sonst zu habe« ist, um sestzustellen, ob sie im englischen Klima tn der Freiheit leben können und mit einander sich vertragen. Ei« Netzwerk von untetitdffcheu Gängen führt in zahlreiche Steinthürme, dir an verschiedenen Stelle« de- Forster errichtet werden, und von denen aus gebeult er in aller Sicherheit zu beobachten «nd die Gewohnheiten d« Tiere zu studiren, während fi« so gut als in Freiheit leben.
* Streng. Komptorist: „Darf ich nicht ein Fenster öffnen? Die Lust hier ist unerträglich." — Chef: „Nein, das Bureau ist kein Luftkurort."
* Wörtlich genommen. Diurnist: „Ja, mit dem Gehalt kann ich teilte großen Sprünge machen." — Bureauchef: „Ich hab' fie auch nicht als Clown engagirt."
^literarisches.
Klarheit und Entschiedenheit. Vermischte Aufsätze. Der katholischen Bewegung gewidmet von F. NorikuS. München, Verlag von Rudolf Abt. Preis 50 Pfg.
Zu dem vielen Guten, waS an Broschüren im Dienste der katholische» Sache in letzter Zeit erschiene« ist, hat der Verfasser hier ein vortreffliche- Stück hinzugefügt. Diese Sammlung von Aussätzen verfolgt, wie es im Vorworte heißt, das Ziel, die größten Gefahren des katholischen Lebens, den JndifferentiSmus und die Verschwommenheit, zu beleuchten und zu bekämpfen. In elf für sich geschiedenen Artikeln:« „Die moderne Großmacht deS JndifferenttSmuS", .Taufscheinkatholiken", „Widersprüche", „Poli- ttscher ServilismuS", „ES lebe die That" rc. werden die Gefahren, welche dem katholischen Leben von der kirchlichen unq politischen Berwaschenheit, von Unklarheit und Menschenfurcht drohen, scharf und klar, mit wirklich erfrischendem Freimuthe ge- schildett.
Zu den verderblichsten Folgen der Gleichgilttgkeit zählt NorikuS mit Recht das Ueberhandnehme» der Mischehe, welche nothwendig eine relative Minderung der Katholiken üt Deutschland zur Folge haben wird. — Den Uebeln der Zeit soll vor allem das katholische VereinSwesen in seinen vielseittgen Verzweigungen steuern, weShalb allerorts die Organisatton der katholischen Vereine dringend geboten erscheint. Mit Muth und Entschiedenheit sollen wir die in den Vereinen befestigten Grundsätze im öffentlichen Leben vertheidigen. „Männliche Entschiedenheit und klare, konsequente Ueberzeugung sind Zwillingsschwestern, die nur in vereinter Thättgkeit ihre Aufgabe erfüllen, nur eng verbunden ihr Ziel erreichen können."
Die Broschüre bedeutet unseres Erachtens einen hervorragend glücklichen Wurf. Freimüthig, packend, rhetorisch meisterhaft in der Sprache, doch fern von imaginären Forderungen, verräth sie einen Verfasser, den mitten im Wogendrange bedeutsamer politt- scher Aktton wohl begründete Ueberzeugung und psychologischer Scharfblick auf der goldenen Mittellinie deS prakttsch Erreichbaren hält Allen, welche Neigung oder Beruf iu'S Bordertteffen der hewigen Bewegung gestellt hat, können wir nur dringend zu- rufen: Tolle, lege! Nimm und lies! A. M.
Direkter Versandt der wettberühmten Lindener Capesund Kostüm-Sammete SÄKI * » Nachnahme. Sammethaus Louis Schmidt, Hannover, gegr. 1857.