mit UnterhaLtrmgs-Settase „Sterne und Klmnen"
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ifi Ein Dreikaiserbund gegen England ist, wie bis jetzt von verschiedenen Seiten gemeldet wird, wenigsten» bezüglich der Behandlnng der türkischen Frage geschlossen worden. Richlarrd, Deutschland und Oesterreich haben sich danach verpflichtet, mit Waffengewalt für den Schutz der Türkei eivzu- trete», sobald eine englische Flotte den Versuch machen sollte, die Durchfahrt durch die Dardanellen zu erzwinge«. El scheint fast, als gäben sich die regierenden Kreise in Deutschland und Oesterreich der Erwartung hin, allmählich da» alte Dreikaiferbündniß wieder aufleben lass?» und an die Stelle bei jetzigen deutsch-österreichisch- italienischen Dreibünde» und dks russisch-französischen Zweibunde» setzen zu können. Dena sonst wäre el kaum verständlich, wie man dazu käme, eine angebliche, von der englischen Regierung aber durchaus bestrittene Absicht Englands, die Dardanellen-Durchfahrt zu erzwingen und den Sultan abzusetzen, zum Anlaß eines solchen Vertrage» zu nehmen. Unsere offiziöse sowohl, wie auch die Birmarck'sche und sonstige england-feindliche Tagespresse gebärdet sich in der Thai, al» wenn sie wirklich den Engländern zutraute, ohne Vereinbarung mit den anderen Mächten einen Handstreich gegen den Sultan zu führen. In diesem Sinne weist man fortwährend auf die Verstärkung der englischen Mittelmeerflotte hin, anderersett» schlägt man sich aber selbst wieder, indem man höhnisch von einem Rückzüge Lord Salisbury» spricht, der angesichts der Haltung der Festlandsmächte seine energische Haltung gegen de« Sultan wieder aufgegeben habe.
Um diese widersprechenden Auffassungen über die englische Politik nothdürfiig miteinander zu verknüpsen und in Einklang zu bringe«, behauptet man ohne die Spur einer Beweises, die englische Regierung habe in der Voraussetzung, daß fie seitens der Festlandsmächte keinen allzu starken Widerstand finden werde, ein Sondervorgehen gegen den Sultan geplant und sei von dieser Absicht erst zurückgekommen, al» die oben erwähnte Vereinbarung zwischen Rußland, Oesterreich und Deutschland bekannt wurde. Wie gesagt, es fehlt dafür jeder Bewei»; wo e» aber etwa» gegen England zu Hetzen gibt, da bedarf rS bei einem gewissen Theile der deutschen Preffe keiner Beweise. Die englische Regierung hat wiederholt erklärt, daß sie allerding» ein entschiedenere» Auftreten gegen die Türkei wünsche, daß sie aber niemals allein, sondern stet» nur vereint mit den andern Großmächten vorgehen könne. Welche» Recht hat man an der Aufrichtigkeit dieser Erklärungen zu zweifeln? Die englischen Staatsmänner müßten ja völlig den Kops verloren habe«, wenn fie gegen den Widerstand aller andern Mächte
Stromaufwärts.
Roma« von Cl. Lötschert (M. Brechten).
55] ------- (Nachdruck verboten.)
Er war an einem sternephellen Abend, als die beiden Wagen, welche Rosanoff» Familie an der Bahn abgehott hatten, durch die Straße« der ruffischen Hauptstadt fuhren. Die alte Dinita kauerte fröstelnd und schlaftrunken in ihrer Ecke, u«d auch die Auftegung der Kinder wurde von der Müdigkeit etwa» gedämpft. Hanna drückte sich dicht an da» Wagenfenster und blickte hinaus über die schimmernde Schneedecke, in die ta^ell erleuchteten Straßen mit ihren glänzenden Ber- kausshallen, in denen dunkele Gestalten einzeln und in Gruppen eirherriltrn. Ihr Gesicht war blaß, und in ihren große» Auge« standen Thränen. Sie hatte die Empfindung, als ob alle Wetten und Meere sich zwischen fie und die freundliche, sonnige Stadt am Rhein gelegt hätten.
Eine kleine warme Hand schmiegte sich in die ihre.
„Fräulein Willbruch, dort ist der englische Quai, die» der Marmor-Palast und dies die Isaak-Kathedrale," sagte Paul.
„Ja, und jetzt find wir in dem NewlkyProspett," fügte Dagmar hinzu. „In ein paar Minuten müsien wir unser Hau» sehen, aber Papa wird nicht dort sein, um «n» zu erwarten."
Gewalt gegen die Türkei anwenden wollten. Wa» die englische Regiemng erstrebt, ist weiter nicht» als ihren Einfluß in dem Sinne aufzubieten, daß da» gemeinsame Vorgehen der Mächte gegen de» Sultan ein möglichst entschiedene» und kraftvolles werde. Diese Absicht muß, möge England dabri auch noch seine eigenen Zwecke verfolgen, um der Sache selbst und um der Ehre bei christlichen Abendlandes willen von jedem Christes und Menschenfreunde gebilligt werden. Aber freilich, wenn man eine so schwächliche und wenig ehrenvolle Politik treiben will, wie die Festla«d»mächte, dann ist el unbequem, einen lästige» Mahner zu habe«, der hier da» Gewissen Europas vertritt. Daher die Hetze gegen England!
Erklärlich ist er, daß Rußland sich gegen England feindlich verhält; denn zwischen Rußland und England besteht nun einmal ein unüberbrückbarer Gegen- satz, ein Gegensatz, der schärfer ist al» der deutsch- franzöfifche und der heute jedenfalls die gelammte Weltlage beherrscht. Der Besuch der Zaren in England ändert daran nichts; denn e» handelt sich dabei, wie geflissentlich betont wird, nur um einen Höflichkeitsatt, um einen reinen Privotbssuch bei Kaiser» Nikolaus bei der Großmutter seiner Gemahlin. Wa» haben aber nunDeutschland und Oesterreich in der Gefolgschaft Rußlands zu suchen? Man erwidert uns, die deutsch-österreichische Friedenspolitik erfordere die Erhaltung der Türkei und daher auch die Unterstützung Rußlands, da» zur Zeit ebmfallS dm Sultan im Vollbesitze feiner Macht zu erhalte« strebt. Dabei kann man aber doch selbst nicht leugnen, daß die Türkei auf die Dauer nicht zu erhalten ist. Es handelt sich also nur um ehe» Aufschub dr» gefürchteten Momentes, wo die Th-ilmrg der Türkei auf die Tagesordnung kommt. Sollte man nicht bester schon jetzt von langer Hand darauf hinarbeite«, daß der schließlich doch unvermeidliche Zerfall der Türkei sich ohne Gefährdung des Weltfriedens vollzieht? Sollte man nicht lieber jetzt schon, anstatt die orientalische Frage als ein Kräutchen Rührmichnichtan zu behandeln, die Grundlagen zu eher allgemeinen europäischen Verständigung über die Lösung dieser Frage zu schaffen suchen? Cs wäre dies eigentlich Pflicht weitschauender Staatsmänner, und es wäre ehrenvoll für Deutschland, wen« et bei diesem FriedenSwrrke die Führung übernähme, wozu er um so mehr berufen ist, al» ei eigene Interessen im Oriente nicht zu vertreten hat, selbstsüchtiger Ziele also nicht verdächtig ist.
Deutsches Reich.
Berlin, 25. September.
ft Die ,Iime»' hatte sich kürzlich von einem „besonderen" Korrespondenten de« angeblichen Inhalt eher Unterhaltung melden lass;«, die zwischen unserem Kaiser und dem Kaiser von Rußland in Brellau gepflogen worden sei. Die Angabe« del
Rein, Rosanoff war nicht da. Mehrere, dr« Kindern theilS bekannte Diener nahmen dir Angekommerren in Empfang und das große, au» finnländifchem Granit und gebrannten Steinen erbaute Gebäude hallte wider von den Ausrufen, Befehlen und Fragen in verschiedenen ruffischm Dialekten.
Das HauS war in gediegenem, aber etwa» kaltem ungemüthlichem Stile eiugerichtet, und die geräumigen Zimmer und langen Gänge machten eilten durchaus verödeten Eindruck.
Hanna überwand ihr Heimweh vnd das peinliche Erstaunen, daS fich ihr unwillkürlich aufdrängen mußte, als Niemand ihre Schutzbefohlenen nach der so »eiten Reise willkommen hieß. Nachdem der erste Aufruhr sich gelegt und Alle am Feuer ein wenig aufgethaut waren, folgte fie ihnen in den Speisesaal, nahm am oberen Ende der Tafel Platz und that alle», um ein wenig Behagen in ihren kleine« Krei» zu bringen.
Ihre Wotte und die warmen kräftigen Gerichte verfehlten auch ihre Wirkung auf Dagmar und Paul nicht, welchem kurzem begannen, ungestüme, flüsternde Bitten an die Großmutter zu richten. Allein die alte Frau schüttelte lange den Kopf und fah wie wattend nach der Thüre. Endlich nicfte fie gewährend. Dagmar sprang auf und hing fich an Hanna'S Arm, indeß Paul voraus i« einen Flügel lief, den sie bei ihrer Ankunft scheu vermieden hatten. An einer Thüre blieb
j Londoner Blatte» beruhen, wie die ,R. A. Z.' erfährt, ? auf Erfindung. Schon aus diesem Grunde ist die in I einer deutschen Zeitung enthaltene Unterstellung, die ■ Mittheilungen der »Times' hätten vielleicht in der : Umgebung der kürzlich vom deutsche» Kaiserhofe nach | England zurückgekehrten Lords LondSale und Bares- j ford ihren Ursprung, völlig haltlos.
* Dem BnvdeSrattz wird bei seinem Zusammen- r tritt in der nächsten Woche der ,Kreuzztg.' zufolge i auch ein Gesetzentwurf betreffend die Besteuerung ! der Bergwerke vorliege». — Ueber die Abände- t ruug der Seemann»ordvung ist ein Entwwcf ä dem Bundesrath noch nicht zugegange», steht aber in l baldiger Aussicht.
* Dem hochwürdigsten Bischof Dr. Sommerwerck, I gen. Jakobi von Hilde» he im, der am Donnerstag I das Doppelfrst seines 50jährigen Priester- und 25jährigen s Bischofs-Jubiläum» feierte, ist, wie im ,Reichr-Anz/ ! bekannt gegeben wird, der Stern zum rothen Adler- ] Orden 2. Klaffe verliehe« worden.
* Prof. Dr. Fricke-Leipzig erklätt jetzt, daß i er „selbstverständlich" nur gemeint habe, König H«m- - vert sei i« seiner Gesinnung und Haltung Protestant. I Fauler Zauber!
* Die ostpreaßische Landwirthschafttkammer hat t bekanntlich den Antrag gestellt, „die Staatsregierung j wolle allgemeine Staffeltarife für landwirthschaft- liche Produkte nach dem Westen und Süden ein führ en." Dagegen bemerkt die Korrespondenz des landwirthschastlichen Verein» für Rhein Preußen dazu:
„Es ist nicht recht abzusehen, was die Ostpreußen eigentlich hierdurch zu erreichen hoffen. Die Getreidepreise des Westens sind, trotz der höheren Produktionskosten daselbst, bereits ebenso niedrig wie im Osten. Ein vermehrter Export könnte sie doch nur noch unter diese herabdrücken, wodurch die westliche Landwirthschaft zwar geschädigt, der östlichen aber nicht geholfen würde. Die Staffeltarife für Vieh haben ja den gleichen Erfolg gehabt. Jedenfalls werden die westlichen Provinzen die geeigneten Schritte zur • Abwehr thun, insbesondere wird sich der landwirthschaftliche ! Verein für Rheinpreußen auf seiner bevorstehenden Generalver- i sammlung mit dieser Frage befassen."
Ob die Leitung des Bunde» der La«dwirthe fich «u« auch der Landwirthschaft des Westen» an- ? nehmen wird? Ob ferner jetzt endlich denjenigen Land- > wirthe» unserer Gegend, die in kaum glaublicher Ber- l blendung sich dem Bunde der Landwitthe ««geschloffen ‘ haben, die Augen aufgehen werden?
* Der Verband deutscher Gewerbevereiue hat ’ auf dem BerbandStage zu Stuttgart dieser Tage folgerte Resolution über die Zwangsorganisation de» ; Handwerk» angenommen: Der Verband deutscher i Gewerbevereine lehnt den Gesetzentwurf, betreffend die Zwangsorganisation der Handwerk», welcher fich auf der Zwangsinnung aufbaut, als für dar deutsche Handwerk unannehmbar ab. Er besteht auch heute i noch auf dem in Krfsel einstimmig gefaßten Beschlüsse, daß vor Einführung irgend welcher Handwerklorgam-
er stehen, wandte fich um «ud legte den Finger auf de» Mund. Während ihr Bruder geräuschlos öffnete, sagte Dagmar leise: „Da drinnen ist sie."
„Wer?" fragte Hanna und trat mit ihnen ein. i Drei Kinderbetten standen am Ende der kleinen Saales, t Bon dem Stuhle neben dem einen erhob sich Maria, Semen'» Frau, welche Hanna schon unten aufgefalle« war, als sie in der kleidsamen Tracht der Livländerinnen zur Begrüßung ihre» Manne» herbeigeeilt war. - Sie beugte fich jetzt nieder und nahm ein wunderlieb- licheS kleines M dchen von den Kiffen auf, da» die beiden größeren Kinder mit ihren stürmischen Liebkosungen fast erdrückten. Es war von einer hellen, in Rußland seltenen Schönheit; die kurzen Löckchen de» kleinen CherubköpfchenS schimmerten bei dem geoämpste» Licht der Nachtlampe fast wie weiße, mit Silber bestreute Schneeflocken. Da» also war „Fee!"
„Mama," lallte die Kleine noch halb im Schlaf — dann sah fie prüfend zu der stumm und doch fteudig i betrachtenden Hanna empor und streckte die Äermchen nach ihr aus.
Später, als Alle zur Ruhe gegangen waren, blieb Hanna noch eine Weile an dem großen Kachelofen dr» ; Speisesaales fitzen. Da» Alleinfitzen that ihr wohl — sie konnte denken. Da nahte fich Semen. Bi» heute hatte er noch kein erklärendes Wort über seine Herrschaft verlauten laffen, jetzt aber begann er zu