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M 211 Montag, den 14. September 1896. 23. Jaüraana

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mit Unterhattrwgs-KeilaKe „Sterne und Flumen".

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j wenn nicht aus eigenem Interesse, halte man gleich» l fall- einer jener populären Sonntagsblätter, welche

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sich um die katholische Sache so verdient gemacht haben. Will man selbst es nicht lesen, so kann man

wir stolz auf sie! Bor allem aber thue ein Jeder feine Schuldigkeit, daß sie nicht zurückgehe, sondern stetig wachse wie bisher! Da» Gedeihen unserer hl. Religion hängt davon ab.

Der große Mainzer Bischof Wilhelm Emanuel Freiherr v. Ketteler soll einst qe» sagt habe«: „Wenn der hl. Paulus in unserer Zett gelebt hätte, so würde er Zeitungs-Redakteur geworden lebt.“ Dieses Wort möge «ns von der Bedeutung der Tageßpresse überzeugen.

Vielleicht erklärst du: „Mir schadet eine solche Lettüre nicht." Ich antworte: Gerade der Umstand, daß du so sprichst, beweist, daß sie dir bereits geschadet, dich zu viel mit religiöser Gleichgiltigkeit durchtränkt hat.

weise al» Almosen zur Förderung der katholischen Jntereffen. Au» dem Gesichtspunkte de» Almosens,

kein Unberufener daran kommt. Auch halte man selbst­verständlich daneben ein kacholischeS Blatt, um au»

„Rur da»? . . . Erinnern Sie sich de» Tage», da Ihre Großtante einmal abgemfen wurde? Ich meine, damals hätten wir Beide einander wunderbar gut verstanden. Ist es wirklich nur Dankbarkett für eine Rühe, die . . ." — er lächelte bitter — „die mir glänzend bezahlt wurde, was Sie bestimmte, allen r gesellschaftliche« Formen Trotz zu bieten? Täusche ich ! mich?"

Deutsches Reich.

Berlin, 12. September.

* Die ,Rordd. Allg. Ztg.' schreibt: „Die au» einer hiesigen Korrespondenz in die Blätter übergegangenen Mittbeilungen über den Zeitpunkt der Etubernfnug de» Landtags und über einzelne Regierungsvorlagen für denselben sind al» verfrüht zu betrachten, da Nähere» in beiden Beziehungen noch nicht bestimmt ist.

* Eine Verschärfung de» BereiaSgesetze» verlangt die ,Post' im Anschluß an die Aufhebung de» Ver­bots der Verbindung von Vereinen. Man müsie die Möglichkeit ficherstellen, gegen die Blldung oder da» Bestehe» von Vereinen und Versammlungen mit st a a tS- feindlichem Charakter einzufchreiten. Es wäre dabei wohl auch zu erwägen, ob man mit dem Begriff staatsfeindlich zunächst lediglich sozialdemokratische und anarchistische Bestrebungen treffen wolle. Bekanntlich gibt e» heute noch Leute, welche die „Ultramontane«" für ebenso staatsfeindlich halten oder zu halten vor­gebe», wie die Sozialdemokraten.

* Eine Statistik der ArbettSlofigkett in Preußen auf Grund von Zählungen vom 14. Juni und 2. Dez. 1895 wird vom Statistische« Bureau veröffentlicht. Danach wurden am 14. Juni gezählt: 144,604 männ­liche, 39,375 weibliche, am 2. Dezember 386,686 männ­liche, 166,990 weibliche Arbeitnehmer außer Stellung. E» würde danach die Zahl der Arbeitslose« bei der Sommerzählung 1.51, bei der Winterzählung 4.26 Prozent der ErberbSthätigen betragen haben, oder wenn man die Rechnung auf die Seiammtbevölkerung beziehlt: bei der Sommerzähung 0.62 (bei der männ­lichen Bevölkerung 0.93, bei der weiblichen 0.32), bei der Wiuterzählung 1.74 (bei der männlichen Bevölker­ung 2.47, bei der weiblichen 1.03).

* Zum Etujährig-Fretwilltgen-Dtevft der Bolls- schullehrer haben sich bisher nur einige wenige Schul- amtSka»didaten gemeldet. Solche Meldungen dürfte» aber in Zukunft ganz ausbleibe«, wenn folgender Bor- kommniß, dar die „Dmtfche Lehrerzeituug" meldet, allgemeine Geltung habe« sollte:

„Bon den Schulamtskandidaten, die im Lause dieses Sommers in Hilchenbach entlassen worden sind, hatten sich zwei zum einjährig-freiwilligen Militärdienst gemeldet und um Zurück- ste klung bis nach Ablegung der zweiten Lehrerprüfung gebeten. Zu ihrer großen Lerwunderung wurde ihnen jedoch von der Aushebungskommission in Siegen die Mittheilung gemacht, daß eine Zurückstellung bis zu dem gewünschten Zeitpunkte nicht stattsinden, ihnen auch die Wahl des Garuisonsortes nicht überlassen werden könne; er wäre ihnen nur frage»

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Biertekjährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltig-, Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entfprechender Rabatt.

Und falls sie auch dir »icht schadete, schadet sie nicht deinen Angehörigen, nicht auch vielleicht deinen Dienst- boten?

Du sagst: „Ma« muß totff en, was die Gegner sagen, war sie wolle»!" Nun, ich meine, das hätten wir genug im Kulturkampf erfahren! Und foweit uns das fernere Borgehen der anderen Parteien vo» Jateresie ist, er­fahren wir es ja auch, und zwar vom rechten Lichte beleuchtet, aus unseren katholischen Zeitungen. Für deine körperliche Nahrung verlangst du, neben dm ge­sunden Speisen, sicher nicht auch ungesunde unter dem Borgeben, alle Speisen kennen lernen zu wollen; und du sollst für deine geistige Nahrung ohne Noth lln« gesundes in dich aufnehmm?

Mehr Beachtung mag unter Umständen der Ein­wand verdiene«, man müsse ein bestimmtes nichtkatho­lische- Blatt lesen wegm der öffentlichen Bekannt­machungen, der Annoncm, der kaufmännischen, land« wirthschastlichen oder sonstigm Spezialnachrichten; man müsse in einem solchen Blatte inserirm, weil die Ankündigung in katholischen Blättern nicht die ge­nügende Verbreitung finde. Wenn dieser Einwand wiälich begründet ist, wenn es keine katholischen Blätter gibt, welche — allenfalls mit einem kleine« Opfer unfererseitS — für die genannten Zwecke auSreichen, nun, fo lese man — ich sage nicht: das unkacholische Blatt — sondern jme Nachrichten in demselben, deren man bedarf. Im übrigen lasse man das Blatt unbe­rührt und wohl verschlossen im Pulte liegen, damit

Ms Katholiken in dieser farblosen Preffe liegt!

Und warum lassen denn auch Katholiken mitunter ein solcher Blatt in ihr Haus kommen? Weil es nur schr wenig kostet! Trinkst du etwa auch Gift, wenn du ls umsonst haben kannst? Du scheust die Auslage für daS katholische Blatt; du willst dieselbe mittelst der Annahme des farblosen sparen! Und um diese paar Groschen willst du dich und die Deinigen für das höhere geistige Leben des Katholizismus adsterben lasten, willst dich und die Deinigen der Gefahr geistiger Kor- . ruption aussetz.n, willst helfen zum Ruin der katho» « lischen Prefle und mit ihr des Katholizismus in nuferem - Laterlande?

gebracht werden. Seine Verbreittmg wächst noch mehr; die katholischen Blätter müssen an der Schwindsucht sterben oder können doch nicht ferner dasselbe leisten, wie zuvor. DaS ist die furchtbare Gefahr, die für

Genugthuung für den Schaden, welchen man der katho­lischen Presse durch das Jnseriren in mchtkatholische« Blättern zufügt. Sollte dies kacholifche Inserat ge­schäftlich sich nicht rentiren, fo betrachte man es theil»

„Rein," fagte sie sehr langsam und leise, „alle-, wa» Sie jetzt unb fett kurzem denken, das ist die Wahrhett."

ES war Mmöglich, daß in einem jugendlichen Geficht mehr Glück, mehr Begeisterung liegen konnte, als in dem chren. Seine Züge aber drückten einen schweren, trauervolle« Ernst aus.

„Dank, Dank, daß Sie bett Ruth haben, es zu sagen Md, daß Sie überhaupt kamen! Ich habe lange mit mir gekämpft, ob ich versuchen sollte, uns diesen Augendl.ck zu verschaffen, der un» Beide« Stärke ver- lechen muß für ein langes Leben der Eutfagung."

Sie sah chn fragend an und fetzte fich wie in plötz­licher Schwäche auf einen vorspringende« Stein, wie unbewußt mit ihre« Blumen spielend.

„Sie sehen, ich bin unterlege». Gertrud ... kaffen Sie mich Sie so nennen in dieser kurzen, einzigen

Stromaufwärts.

Roman von 61. Lötschert (M. Brechten).

44] ------- (Nachdruck verboten.)

Wirklich trat an einer Biegung deS Weges einer der Gymnasiasten auf beide Damen zu, daS Tuch in der Hand. GS war ein hübscher Knabe mit schwarzem Haar und dunklen Augen.

„Mein Name ist Karl Schirmer," fagte er höflich mit einer etwas fremd klingenden Aussprache zu Ger­trud. „Die Dame« werden gebeten, au der „kleinen Weitschau" vorüberzukommen." Damit überreichte er ihr den verlorenen Gegenstand, an welchem ein kleiner, au- Waldesgrün, MooS und Haidekeaut bestehender Strauß befestigt war.

„ „Gertrud. . . waS bedeutet das? Doch, wie siehst Du aus?"

„Gut also . . . wenn Du in meinem Gesichte die Lösung dieser sonderbaren Botschaft finden kamst! Allem Anscheine nach gilt sie nur mir.. . . Irmgard, hast Du mich lieb?"

„Welche Frage! Ich glaube, die- doch vor einigen *Qgen wieder bewiesen zu haben. Doch sprich, kann ich etwas für Dich thun?"

„Biel sogar. Vergiß für kurze Zett alle Deine

Die Tagespresse.

(Schluß.)

Die wiederholtm Warnungen der Katholikentage weifen Ms daraus hin, welch' enormer Schaden, neben dem fittlichen Wohl der Einzelnen, auch unsern öffent­lichen katholischen Interessen durch die farblosen Blätter zugefügt wird. Der katholischen Preffe verdanken wir es zum großen Theil, daß wir den Kulturkampf sieg­reich bestehen konnten. Dmch die katholifche Preffe wmden die Katholiken über die wahren Ziele des Kulturkampfes aufgeklärt. Durch die katholifche Preffe wurden die Wahlen gemacht, wurde da- Centrum er­möglicht. Durch die katholifche Prefle wurde der Muth unb der Glaube der Katholiken aufrecht erhalten. Wäre die katholische Prefle nicht gewesen, so hätten die Kultur- kämpser gesiegt. Die Erziehung der katholischen Geist­lichkeit wäre dem nichtkatholischen Staat ausgeliefert worden. Wir hätten einen verwelttichte«, unkrrchlichen, liberalifirten Klerus erhalten. Folgeweise wäre der Katholizismus bei uns versumpft. GlaubenSlosigkeit und Sittenlosigkeit wären an die Stelle der Religiosität getreten. Aber all' dies Unheil kann auch jetzt noch über uns kommen, sobald das Centrum feine bedeut« fame Stellung verliert. Es wird dieselbe verlieren, wenn die katholifche Tagespreise zu ©runbe geht. Diese geht aber zu Grunde, wenn ihr die materielle Sub­sistenz entzogen wird. Und daß diese entzogen wird, daß ihre Abonnentenzahl abnimmt, daß die Inserate (von welchen die Zeitungen großentheilS leben müssen)

settener werden, dahin wirst ja die farblose Prefle.

Bielfach gelingt eS ihr, durch ihre Farblosigkeit bei den s ihm feine geistige Nahrung zu ziehe«. Und war dar verschiedensten Parteien Eingang zu finden; alsdann l Jnseriren betrifft, so würde ich (fall- einmal in nicht« habe« ihre Annoncen eine bedeutende Wirksamkeit. Sie - katholischen Blättern inferirt werden muß) noch eher erscheint in bedeutenden Auflagen Md erhält hierdurch in einem Blatt, wie die frankfurter Zeitung' in­viele Inserate, derart, daß diese mehr alS genug find | feriren, als in einem farblosen,Generalanzeiger', welcher für eine glänzende Existenz deS Blattes. Infolge dessen \ der katholischen Preffe Konkurrenz macht. Auf leinen tonn dasselbe seinen Abonnenten fast gratis ins HauS ' Fall unterlasse man e», zugleich katholische Blätter —*■ “ ----—-*■ —■*“; « mit Inseraten zu bedenken, wäre eS auch nur als

einem Dienstboten ober einer armen Familie eine Freude damit machen. Alsdann vollbringt man ein zweifache» gutes Werk: durch die Unterstützung der katholischen Presse Md dmch diese Freude, welche man Ander» bereitet. AuS demselben GesichtSpMste des Almosens kaufe ober forbere man an bett Eisen­bahnstationen ober in den Hotels gelegentlich katholische Zeitungen, beziehungsweise suche jene Gasthöfe auf, wo solche zu finben ftnb.

Freuen wir uns Mferer katholischen Presse! Seien

strengen aristokratischen Ansichten, alle hergebrachten Regeln ber Sitte unb erinnere Dich nur einzig barmt, baß ich ein einfacher bürgerliches Mäbchen bin mit einem warmen Herzen, das »ach feinem Rechte ver­langt. Geh' mit mir nach bem erwähnten Orte unb bleibe in ber Nähe!"

„Du verlangst in der Thal viel! Aber Du siehst aus tote Jemand, der um feinen Himmel bittet. Komm!"

Die „kleine Weitschau" war ein an der äußersten Spitze der Westseite gelegener Platz, nur mit einer niedrigen Mauer eingefriedigt, unb nach bem Walde zu von einem Gebüsch umgeben. Sie gewählt eine entzückende Aussicht auf da» tief unten gelegene Dors Nothenhausen, den vorbetfließenden Rhein und die mit Ruinen und ausgebauten Schlöflern gekrönten Bergzüge.

Sin Mann stand an ber steinernen Einfassung, ben Rücken bem Eingang zugewanbt. Bei bem Klange von leichten Schritten drehte er sich um.

„Fräulein Herzog . . . also doch! Und ich hätte zweifeln könne«, daß sie die Botschaft verstehen und ihr folgen würden!"

„Herr Bernhard ... ich bin Ihnen fo dankbar, und ich wünschte auch, es Ihnen persönlich sagen zu dürfen."