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Weilsge ?uu Wultzsev Zeitung.

M 196 Samstag, Öen 13. September 1896. 23. Jahrgang

Die Tagespresse.

Der Jesuiterpater L. v. Hammerstein schreibt in dem sehr empfehlenswertsten Buche: „Soun- und Festtag-lesungen für die gebildete Welt" (Verlag der PaulivuSdruckerei in Trier) über die TageSpresse folg'nde beherzigenswertste Worte, die namentlich jetzt, wo der Beginn einer neuen Quar­tals bevorsteht, von allen Katholiken brachtet werden sollten:

„Sag' mir, mit wem du umgehst, und ich will dir sagen, wer du bist"; do» ist ein altbewährtes Sprichwort. Aber mit gleichem oder größerem Rechte könnte man gegenwärtig den Satz aufstellen: „Sag' mir, welche Zeitung du liest, und ich will dir sagen, wer du bist."

Für die körperliche Gesundheit ist eine gute Diät von entscheidender Bedeutung. Wer von Haus aus gesund ist, eine ordentliche Kost hat und auch sonst vtrnünftig lebt, der wird gesund bleibe». Wessen tägliche Kost dagegen ungenügend und schlecht ist, dessen Gesundheit wird rasch bergab gehen; keine Medizinen werden ihm helfe». Dasselbe gilt für die geistige Gesundhrit in Betreff der täglichen geistigen Nahrung; diese besteht aber für die heutige gebildete Welt zum großen Theil in einer Zeitung. Was die Zeitung berichtet, davon lebt geistiger Weise fast aus­schließlich ein großer Theil unserer gebildeten Welt.

WaS denn toll die Zeitung uns bieten? Ein Spiegelbild soll sie geben von dem, was in der Welt geschieht. Der Spiegel von GlaS spiegelt unterschiedlos ab, was vor ihm ist. Nicht so der geistige Spiegel der Zeitung. Die Zeitung muß auSwählen, muß aus dem Meer der Geschehenden ganz Weniges auSsondern, und zwar dasjenige, was für ihren Leserkreis von Bedeutung ist. S:e muß, was sie bringt, in der richtigen Verbindung, aus den richtigen Hintergrund bringen, so daß sie den Leser befähigt, zu urtheilen; sie muß je nach Umständen sogar das Urtheil selbst dem Leser an die Hand geben. Denn wer von Beruf Redakteur einer Zeitung ist, wird durchweg besser im Stande sein, dasjenige, worüber die Zeitungen schreiben, richtig zu beurthellen, als der, welcher sich nur in seinen Mußestunden mit der Zeitung beschäftigt.

Aus diesen Erwägungen folgt, daß die Zeitung, welche uns Katholiken die tägliche Nahrung bieten soll, und daß der Redakteur dieser Zeitung katho­lisch sein muß. Denn nur em Katholik wird den Lauf der Dinge von katholischem Gesichtspunkte beur- theilen; nur ein Kettzoük wird die Dinge auf dem Hintergründe der katholischen Weltanschauung erscheinen lassen; nur ein Katholik, nur eine katholische Zeitung wird aus dem überwältigenden Materiale besten, wc-s täglich in der Welt sich ereignet, die für uns Katho­liken pastsnde Auswahl treffen.

Welche Gegenstände find cS denn, die an erster Stelle das Herz des Katholiken interessirrn und er­wärmen ? E» find die Interessen seiner heiligen Religio«. Ihn freut er, in der Zeitung zu lesen, tote der Statt­halter Christi die Patriarchen des Orients um sich versammelt, um mit ihnen zu berathrn über die Wieder­vereinigung der getrennten orientalische» Kirchen. Ihn inierestirt es, zu hören, wie anglikanische Gelehrte der Universität Oxford zurückgekehrt find zur Kirche ihrer Vater; wie unser katholisches Centt um in Berlin einen Eng errang; wie Barmherzige Schwester« eine neue R'edrrlsstung gründen; wie ein neuer Stern am Fir­mament der katholischen W ssenschaft oder Literatur ausging; wie eine Bolksmission Glauben und Sittlich- keil einer Stadt gehoben; wie katholische Arbeiter- vereine der Sozialdemokratie die Spitz; bieten; wie fern in Japan oder China Hunderte sich zu Christus bekehren; wie im Innern Asrika'S neue Missions­stationen erblühen; wie in Berlin der Kirchennoth und dem Priestermangel abgeholfen wird. Dieses und Aehn- liches sind die Dinge, welche den Katholiken, der von ganzem Herzen katholisch ist, an erster Stelle inter-

estireu, mehr als alle die vielen rein weltlichen Nach­richten. Und jetzt erwäge man die Oede, welche ein warmer Katholik empfinden müßte, wenn man ihn zwänge, sein tägliches GeisteSbrod aus einer nicht- katholischen Z itung zu holen, aus einer Zeitung, die für alle diefe Dinge kein Herz, wohl aber gelegentlich Hohn und Spott hat!

Run! ES ist wohl keine Gefahr, daß ein Katholik ein ausgesprochen protestantische» oder israelitischer Blatt zu seinem Leiborgan? wählt, wie auch kein« Ge­fahr ist, daß er zum gläubigen Protestantismus oder zum gläubige« Judenthum übergeht. Aber mehr Ge­fahr droht, daß sein Katholizismus allmählich verblaßt, daß er zum „AuchkatholiziSmur" herabsinkt, drß er mehr und mehr liberalifirende, unkatholische Grundsätze in fich aufmmmt. Den Weg zu einer solchen Degra­dation aber bahnen die Blätter der farblosen Zeitungkpresse, insbesondere die farblosen General-Anzeiger.

Worin liegt die Gefahr dieser Lektüre? Zunächst darin, daß fie die genügende Geisteknahrung nicht bietet. Der Katholik, welcher überhaupt keine Zeitung liest, mag fich begnügen mit seinem Gebetbuch«, seinem katho­lischen Kalender und dem Anhöre» der sonntäglichen Predigt. Wer aber auf andern Gebieten nicht stehen bleibt bei den elemnrtärsten Dingen, drr darf ei auch nicht auf religiösem Gebiete; sonst verkrövp?lt die Religion im Bergleiche zu den übrigen Zweigen de» Leben». SS ist hier wie im Schulwesen: der Primaner bedarf einer tieferen Kenntniß und Begründung seiner Religion, als der Elementürschüler. Warum? Weil sein gesummter Geistesleben ein tirfergehe«des ist, und die Religion sicht hinter de» übrigen Fächern zurück- bleiben darf. So muß, wer Überhaupt Zeitungen liest, eine solche lesen, bei welcher die religiösen Interessen die gehörige Beachtung finden. Das können sie aber nicht in einer farblosen Zeitung; b-.mt eine farblose Zeitung hat eben kerne Farbe, also auch keine katholische Farbe. Sie ist in der Preffe, was tut Schulwesen eine konfessionslos«, eine religion-lose Schule.

Vielleicht entgegnest du: „Das Blatt, welches ich lese, ist unschädüch; ich habe in demselben noch nie einen Angriff gegen die Religion gefunden." Und da» genügt dir? Auch das Wasser ist unschädlich; er ent­härt kein G-st. Aber wolltest du deshalb avsschlich- lich von Wasier leben? Ich wiederhole: Wer gar keine Zeitungen liest, mag auch auf eins katholische verzichten, ähnlich, wie auch der Einsiedler verzichten kann auf den Umgang mit Katholiken; wer dagegen überhaupt mit Menschen verkehrt, aber oh»; Roth seine-! Umgang vorherrschend bei Nichikatholtken sucht, dessen Katholi­zismus wird allmählich verblassen. So wir'! die katholische LebeASanschaulmg bei jenen zurückgehen, welche Zeitungen lefea, aber vorherrschend nichtkatholische, wären dieselben auch farblos und nicht geradezu kirchen- frindlich. Er setzt seinen SatholiüSumS auf den AuL- sterbe-Etat, und am meiste» dann, wenn er sein Vor­gehen für gefahrlos hält.

Dieses Todrschweigen und Abfierb^nwss-n bei katho­lischen Lebens ist der allgemeinste Rachth.il der saib- losen Presse. Aber zu dieser negstiv-schädlichen kitt wohl auSnahmSloZ eine positiv-schädliche Wirkung hin­zu, nämlich eine direkte Schädigung des Glaubens und der Sittlichkeit. Denn auch von der farblosen Presse gilt das Wort de» Heilandes: „Wrr nicht mir mir ist, der ist wider mich, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut." (Luk. 11, 23)

Welchem Umstaude verdankt b.e farblose Press? ihren Ursprung ? Antwort: drr Geldsprkulation! Denn fall» fie au? höheren, sei es religiösen oder politischen Beweggrünbe» entsprungen wäre, so würde sie eine bestimmte Farbe an fich tragen So aber trägt sie nur bie Farbe de» Geldbeutel;. Sie will alle Parteien in ihr Retz fangen: zum Abonnrreu und zum Jnserrren; deshalb ist fie farblos. Daher wird sie auch regel­mäßig charakterlos und für Geld käuflich sein. Ge- währt ein schlüpfriges Feuilleton die Aussicht auf

Vermehrung der Abonuentenzahl, so wird sie da» schülpfrige Feuilleton bringen. Wird eine unsittliche Annonce gut bezahlt, so wird fie dieselbe aufnehmen. Findet sie ihre« Bortheil dabei, gelegentlich einzutreten für die Ratiovalliberalen, so wird sie eS thun. Kann sie Geschäfte machen mit den Sozialdemokraten, warum sollte sie e» unterlassen? Fordert ihr Geldinteresse, daß sie uns Katholiken berücksichtigt, so wird sie gelegentlich auch einen bischöflichen Hirtenbrief oder eine päpstliche Encyklika abdrucken. Denn charakterlos ist und bleibt fie, und zur Charakterlosigkeit wird fie mit der Zeit auch ihre Leser degradireu, ohne daß diese e» selbst wahrnehmen.

Sogar ein nichtkatholisches Blatt, der ,Frän- kische Kurier' urtheitt über bie farblosen Blätter: „Auf jede» Fall ist diese parteilose Presse immer ein Tummelplatz der Gesinnungslosigkeit, ja, der Unehr­lichkeit."

Die Mainzer Katholiken-Bersammlung vom Jahre 1892 beschloß einstimmig folgende Reso­lution :

„Angesichts der Gefahr, welche der katholischen Presse von Seiten der sogenannten farblosen Zeitungen, Generalanzeiger rc. droht, fordert die 39. General-Bersammlung im Anschluß an die General-Versammlung zu Aachen vom Jahre 1879 die Katholiken Deutschlands auf:

1. Sich von der Unterstützung dieser Schädlinge fern zu halten.

2. Sie erklärt es für unstatthaft, denselben durch Berichte über katholische Angelegenheiten zu einem gewissen katho­lischen Anstriche zu verhelfen.

3. Die Hochwürdige Geistlichkeit wird dringend ersucht, diese Blätter weder gegen Bezahlung zu halten, noch zu dulden, daß ihnen dieselben gratis in's Haus gebracht werden.

4. Die Hoch Erdige Geistlichkeit wird ferner gebeten, mit allen Kräften bei paffenden Gelegenheiten, namentlich bei Versammlungen rc., die Gläubigen über die große, sitt­liche und religiöse Gefahr der farblosen Presse aufzu­klären."

Die Katholiken-Bersammlung zu Würz­burg im Jahre 1893 beschloß ebenso einstimmig:

„Die 40. General-Versammlung der Katholiken Deutsch­lands erklärt im Hinblick auf die politischen, religiösen und sitt­lichen Gefahren, welche die sogenannte färb- und parteilose Presse für das öffentliche, das Glaubens- und das private Leben der katholischen Bevölkerung in sich birgt, im Anschluß an die in gleicher Richtung sich bewegenden Resolutionen des Mainzer Katholikentages vom Jahre 1892 eS als eine hervorragende und zwingende Pflicht der Katholiken Deutschlands, sich von jeglicher Unterstützung dieser Art von Presse fernzuhalten.

„Insbesondere erblickt die 40. General-Bersammlung der Katholiken Deutschlands eine Schädigung der katholischen Ge- sammtinteressen darin und sie verurteilt es auf das Ent­schiedenste, wenn katholische Vereine oder sogar kirchliche Persön­lichkeiten und Institute d e sogenannte farblose Presse, welche unter dem Deckmantel der „Unparteilichkeit" Spekulattonen und Interessen ungläubiger Elemente verbirgt, zu Anzeigen und Mittheilungen über Vereins- und kirchliche Angelegenheiten benützen.

„Die 40. General-Bersammlung spricht die Erwartung auS, daß diese mißbräuchliche und irreleitende Begünstigung gesinn­ungsloser oder verkappt antikatholischer Preßerzeugnisse ein Ende nehme, und daß alle dazu berufenen Faktoren sich vereinigen, um offen und bestimmt gegen die überhandnehmende farblose Presse Front zu machen."

Im Jahre 1894 hielt er bie Katholiken-Ber- f ammtung, welche in diesem Jahre zu Köln tagte, abermals für nöthig, vor der farblosen Presse zu worum. Einstimmig faßte fie bie Resolution:

„Die 41. General-Bersammlung der Katholiken Deutsch­lands erklärt im Anschluß an die Resolutionen früherer Katho- liken-Bersammlungen den „Kampf gegen die farblose Presse" als eine der grundlegenden Aufgaben des katholischen Volkes.

„Insbesondere möge unser hochwürdiger Klerus von der Veröffentlichung der Gottesdienst-Ordnungen, mögen unsere Kirchenvorstände und die katholischen Vereine von der Publi­kation ihr-r Anzeigen in sogenannten Generalanzeigern, in ge­wissen amtlichen Kreisblättern an Orten, wo ein gutes CentrumS- organ besteht, überhaupt von der Benutzung farbloser Blätter, unter welchem Deckmantel dieselben auch austreten mögen, un­bedingt Abstand nehmen.

„Das katholische Volk möge sich immer wieder in's Be­wußtsein rufen, daß'es nur durch Unterstützung und Förderung der entschieden und ausgesprochen katholischen Presse möglich sein wird, in Zukunft auch die Vertheidigung der Rechte unserer heiligen Kirche durchzuführen, welche für uns als Katholiken wie als Staatsbürger unumgängliche Nothwendigkeit ist."

(Schluß folgt.)

Für ben Verkauf des dies­jährigen Grummetgrases meiner am Horaserweg gelegenen Wiesen habe einen zweiten an Ort und Stelle stattfindenden Versteigerungstermin auf Montag de« 14. Septbr., Vormittags 11 Uhr anberaumt. [2710

Hermann, Falke, Fulda. Eile scMm MW mit Garten zu vermiethen. Näh. Sedaftiar»ftr.17, Fulda.

I Ein ÄM MW

’ in der Nähe der Bahn, erste Etage (4 Zimmer, Küche mit Kammer, abgeschlossener Vorplatz und sonstige Bequemlichkeiten, sowie etwas Gartenantheil) ist vom 1. Oktbr. ab zu vermiethen. Näheres durch Carl Scholz, Steinweg 4, Fulda. [2728

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ist an 1 ober 2 anständige Herren zu vermiethen. [2721

Karlftr. 32, 1. Etage, Fulda.

j

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jeder Art, in den bekannten reellen Qualitäten, verkaufe, um damit zu räumen, zu bedeutend her­abgesetzten Preisen. [2492

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Marktstraße 10 Fnlda Marktstraße 10. K Meiu Geschäft ist geöffnet von Morgens euds 10 Uhr.

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Joseph Weis, Löherstraße 10, Fulda.