M 210 Samstag, den 12. September 1896. 23. Jahrgau
FiildlierMZtitung
mit Unterhaltungs-Beilage „Sterne und Klumen".
Erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
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|l Hierzu eine Beilage
den Weinhandel, Handel mit Nähmaschinen, Herren« garderobe- Geschäft, Baumaterialien-Geschäft, Kohlenhandel, Saatgeschäft, M hlhandel und event Bier, sowie Buchdruckerei und Baprrrhandel ausgesprochen.
* In den deutschen Münzstätten wurden bis Ende August 1896 geprägt für 3053537875 R Goldmünzen. für 493 730651 M. Silbermünzen, für
Deutsches Reich.
Berlin, 11. September.
* Der prentzssche Landtag wird, wie die,Germ/ hort, Ende Oktober einberufen werde«. Er werden dem Landtage sofort der Entwurf einer Sparkassen- Gesetzes, die Vorlage wegen Erwerbung von Theilev der Hessischen Ludmigsbahn und der Entwurf einer Landgemeinde- und einer Städteordnung für die Pro vinz Hessen-Nassau zugehen. Der StaatShauShalts-Etat soll dagegen wiederum erst im Januar einqebracht werden.
* Zur Förderung der inneren Kolonisation ;st die StaatSrrgierung, der ,Rordd. Allg. Ztg/ zufolge, abgesehen von der Thätigkeit der Ar-stedelungSkommisfion und der Äeneralkommisstonen, auch in der Weise vor- angegangen, daß sie im umsangreichen Maße staatlichen Grund und Boden für die Besiedelung bestimmte. Zu diesem Zwecke sind zunächst etwa 3000 Hektar von bereits in Kultur befindlichem Domänen- und forst- fiskalischem Besitze zur Verfügung gestellt worden, auf denen bis jetzt 123 Rentengüter mit 312 Hektar Flächeninhalt begründet sind, wägrend die Errichtung weiterer Rmtengüter au? forstfiSkalischem Besitze in den Provinzen Ost-, Weftpreußen mrd Posen im Gange ist. Die Ansiedler find durch Bauprämien, amorüsir- bare Bau-Darlehen und Beihilfen zur erstmaligen Ein- richtmlg wesentlich unterstützt worden. Um ferner für die fiskalischen Forsten Waldarbeiter dauernd zu gewinnen, find solche auf fiskalischen Pachtflächen seßhaft gemacht worden, wobei ihnen iu gleicher Weise bei Errichtung eigener Gebäude mit staatlichm Mitteln geholfen wurde. Endlich ist die Kuttwirung ausge- dehntet fiskalischer Moorländer-'.?« fortgesetzt und neu in Angriff genommen und von diesen Flächen zunächst em Areal von 3340 Hektar zur Auslegung von 345 Stellen bestimmt worden.
* Die deutschen Firmen ans den Philippinen richten eine Eingabe an da« Auswärtige Amt. in der sie dasselbe ersuchen, ihre Jnteressm bei der sp wischen Regierung zu vettretrn. Bei dem Aufstande auf den Philippinen find nämlich eine ganze Anzahl reicher Leute als Aufständische hingerichtet worden, und die Regierung hat ihr Vermögen einfach korfikzirt. Auf daS Ersuchen der Firmen betreff! der Verpflichtungen der Hingerichteten gegen sie hat die Regierung alles verweigert. DaS Auswärtige Amt soll nun die Sache i in die Hände nehmen und vermitteln.
, • Aus norddeutschen Handelskammer- - kreisen find bei der von der preußischen Regierung veranstalteten Erhebung Wünsche auf Ausnahme von - der durch die letzte Gewerbeordnungs-Novelle ausgesprochenen Beschränkung de» Detatlreiseus u. a. für ,
53456266 M. Nickel- und für 13205777 M. Kupfer- münzen.
h. Die Handwerkerkonferenz hat am Donnerstag ihre Brrathungen beendet Es wurde beschlossen, als Gegenkundzebung gegen die vielen feindliche« Kundgebungen von freisinniger Seite einen allgemeinen deutschen Handwerkertag inLeipzig um die Zeit abzuhalten, während welcher im Reichstage die erste Lesung der Organisations-Entwurfes erfolgt. Die Verhandlungen wurden mit einem Hoch auf den Kaiser geschloffen.
* Darmstadt, 11. Sept. Für die Gewerbe im Großherzogthum Hessen hat deren Centralstelle anläßlich der Veröffentlichung des preußischen Entwurfes einer Abänderung der Gewerbeordnung eine Aeußsrung der Ortsgewrrbeverrine sowie auch einzelner M tglieder des LandrsgewerbevereinS bis spätestens 10 Okt. d. I darüber für wünschenS- werth erachtet: 1. Ob ein Bedürfr.iß znm Erlaß so eingehender Bestimmungen zur Herbeiführung einer ZwangSorganisation für das Handwerk im Groß- herzogthum Hessen anzuerkennen ist, 2. ob die Bestimmungen deS Gesetzentwurfs geeignet sind, eine Besserung iu den Be-Hältnisse« des Handwerk- herbeizuführen, 3) welchen Einfluß der Entwarf, wenn er Gesetz würde, auf dm Bestand des Landesgewerbe- Vereins äußern wird, 4) im Falle der Verneinung der Frage 1 und 2, welche andere Maßnahmen etwa zu ergreifen sein würden, um daS, was der Entwurf hauptsächlich erstrebt: genossenschaftlicher Zusammenschluß deS Handwerks und bessere Ausbildung der Lehrlinge, für ihren Beruf zu erreichen.
* BreSlau, 11. Sept. Es ist vielfach ausgefallen, daß bei der Enthüllung des Kaiser Wilhelm-Denkmals Kardinal Fürstbischof Kopp nicht anwesend war, sondern sich durch Herrn Weihbischof Gleich hat vertreten lassen. Wie nunmehr berichtet wird, hatte Kardial Kopp zuvor an zuständiger St-n- '"einer Autherlnühme ar gefragt; ,s wurde ihm jedoch der Bescheid, daß er wegen der EnthüllurgSfeier seinen Aufenthalt auf Schloß JohauneSberg — der Sommer-Refi- denz der Fürstbischofs — nicht unterbreche» solle. Als aber Kaiser Wlhelm hier eingetroffen war, äußerte er den Wunsch, dm Fürstbischof persönlich zu sprechen. Hiervon wurde letzterer telegraphisch in Kmntviß gesetzt, worauf Kardinal Kopp am Sonntag Vormittag hier rintraf und sich sofort nach dem Könrgl. Schlöffe begab. Dort wurde er alsbald vom Kaiser m längerer Audienz empfangen und nahm auch an der Abend» um 6 Uhr beginnenden Festtafel im Schlosse theil.
Stromaufwärts.
Roma« von 61. Lötschert (M. »rechten).
43] ------- (Nachdruck verböte».)
Mit diesen Worten trat er, sich gegen Jemand verbeugend, zurück — ein lichte- seidenes Kleid rauschte «eben dem Sessel seiner Tochter.
»Gerti, kann ich etwas zu dem Zwecke -hun? Willst Du, daß ich fingen soll?"
„Ach ja, daS wäre das Beste. Aber Du hast eS ja vorhin so bestimmt abgeschlagen!"
„Wohl, ich war am Nachmittage in Ziegenhof und fühlte, daß ich noch nicht ruhig genug zum Bortrage sei. Deinethalben will ich eS gern;hun," setzte die junge Gräfin leise hinzu. „Was soll ich wählen?"
„Ich bitte nur um da» einfache Lied: „August- Nacht." Du hattest e» einst bei meinem Vater fingen gefall, aber Du nanntest es kürzlich albern."
„Unmöglich! Die zu der emfachen Melodie gehörende Begleitung ist sehr schwierig. Ich habe die Roten nicht hier . . . Niemand würde fie auch sicher spielen könne« außer ..."
„Außer Demjenigen, welcher nua auf Ihre gütige Mitwirkung wartet, Komtesse," fiel Herzog's Stimme vom Flügel her ein. „Ich erinnere mich der hübsche«
Komposition noch sehr gut und spiele fie auS dem Gedächtniffe."
„Ti, ms« entdeckt ja immer neue Talente an Ihnen, Herr Herzog," sagte Fräulein von Linde, eine schon etwaS ältliche „jüngere" Dame.
„Hoffentlich erhallen Sie keine Zeit, um auch die Menge meiner Untugenden aufzufinden, gnädiger Fräulein..."
Die ersten Aikord; brausten durch den Saal, fast gleichzeitig in eine leisere Spielart übergehend. Dann setzte b'e scköne klare stimme ein:
„Nun kommt die Nacht, so blau, so warm,
Es ist der Tag verweht, Die Seele ruht in Gottes Arm Und flüstert ein Gebet.
Und wie sie fleht, da brechen sacht
Die Sterne all' hervor —
Als öff'ne sich in dieser Nacht
Des Himmels golden Thor."
Aller lauschte. Gräfin Irmgard sang sehr fetten in einem öffentlichen Kreise, und Niemand wollte einen Ton der herrlichen Musik verlieren.
£6on d'ESparre aber glitt geräuschlor hinter Ger- trüben» Stuhl und flüsterte: „Wer ist er?"
Da» Lied war verhallt. Während man sich um die Gruppe am Flügel drängte, begann dsS junge
Ausland.
* Prag, 11. Sept. Der erste Katholikentag in Böhmen ist vorgestern zu Tab or eröffnet worden. Um 4 Uhr Nachmttaq» begann die erste Fsstver- ammlung. Die Begrüßungsansprache hielt der Vorsitzende des BorbereitungSausschusseS, Msgr. Jirak, der ben Unterfertiget« des Aufrufes zunächst ei« „Glava" brachte, die Anwesende« mit dem christlichen ; Gruße bewillkommnete und sodann auSfühtte, baß eS . zwei Lager, eine» unter der Kreuzesfahne, ein andere» unter der Fahne mit der Aufschrift: „Fort mit dem Kreuze!" gebe. Redner wies auch den Borwurf zurück, baß die Katholiken, welche unter der Kreuzesfahne ständen, „herrschen" wollten. „Wir wollen warnen," sagte er, „wir thun eS von bet Kanzel; aber weil viele nicht in die Kirche gehe«, sonder« ist» Theater, so gehe« wir den Herren in» Theater nach." (Die Versammlung findet «Smlich im Theater statt) Nehme man dem Einzelnen da» Kreuz, so drücke man ihm ' ben Dolch und Revolver in die Hand, deshalb habe ' Redner mit christlichem Gruße gegrüßt. Zum Prsst- ä deuten de» Katholikentage» wurde Graf Adalbert SchönSoru gewählt, zum ersten Vizepräsidenten j Propst Lenz, welcher d.-m Wyschehradn Kapitel an- ! gehört, znm zweiten Vizepräsidenten Bürgerme ster ’ (Seil, sämmtlich durch Acclamation. Der Bischof ■ Riha von Bud um» t heilte mit, daß auf seine Bitte ' der Versammlung der päpstliche S 'gm gespendet ‘ werde. Nach Abstngung der Popsthymne wurden ‘ Huldigungstelegramme anPapst und Kaiser I gerichtet und wurde ein brausend wiederholtes „Slava" l auf Papst und Kaiser ausgebracht. Nachdem die Volks- « Hymne gefolgt war, bewies Professor BraniS, daß i es der böhmische« Nation immer am besten ergangen i ist, wenn sie im Katholizismus eifrig war, aad i Dr. HorSky, daß die soziale Frage nur durch eine *i auf den christlichen Grundsätzen wiederaufgebaute Ge- « sellschaft gelöst werde« kann. Damit war die Geschäft»- » ordnung für den erste» Tag erledigt. Anwesend warm l außer den schon Genannten Fürst Karl Schwarzen- i berg, Prinz Friedrich Schwarzenberg, Graf Karl 1 Schönborn, die Canonici Kysela und Dr. Buria«, i Statthaltereir^ KUIÖ.
1 * Wtev, 11. Sept. Nach einer Konstantinopeler
! Meldung soll der Zar, nachdem die anarchistische Erhebung der Ärmettfa zu seiner Kenntniß gelangt war, dem türkischen Botschafter, welcher ihm durch Kaiser Franz Joseph vorgestellt wurde, sein- ganze i Sympathie für ben Sultan ausgesprochen habe». | Fetner sollte der Zar erklätt haben, die Armenier Ieien Agitatoren, welche keinerlei Sympathien ver- üeittn.
* London, 11., Sept. Die Königin wird dem- l nächst bie Massen-Petition der englische« ; Frauen von allen Theflen des britischen Reicher zur ! Unterdrückung bsS Handels in Opium und ? Spiritnose» mtgeng-mnehme«. Sie trägt 7000000 | Unterschriften in 44 Sprachen. Die Christliche Tem-
Mädchen: „Erinnern Sie sich »och am ersten Tage, da ich Ihnen unser Hans zeigte? Gut. Damals tarnen wir auch in das Arbeitszimmer im Thurm, unb da sahen wir Jemande», der viels Jahre hindurch große« Enfluß auf mich gehabt hat."
„O, ich weiß, eine junge Person mit einem so merkwürdigen Gesicht, daß man es, einmal gesehen, gewiß niemals wieder vergesse« könnte . . . eine entschieden südliche Erscheinung."
„Dar ist jetzt Nebensache, de«» geben Sie Acht: Nun stelle auch ich eine Frage. Sie riefen in Ihrer Sprache: „O, Himmel, wie fie Romanie ähnelt!" Wer ist denn diese „Romanie"?"
Das Blut schoß jäh in seine Wangen. „Sagte «h wirklich so?" ,,
Dann, wie um jeder Erklärung auSzuwerchen, setzte er sich an da» frei gewordene nahe Instrument und schlug, ohne zu missen, war er that, unwillkürlich die ersten sprunghaft abgeriffene« Roten jenes seltsame« lockende« SangeS an, d?« die Kinder des Bildhauer» das „Sturmlieb" genannt. Unb wie einst Pierre O'Daune, so ging auch er in eine freie, rauschende Phantasie über, in einer Sprache redend, welche so viel erzählt, so viel verbirgt!