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Frettag, den 11. September 1896.
23. Jahrgang
FlildaerMZeitliiig
______ mit Untrrhalwngs-Krilage „Sterne und Klumen".
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V Die Philippinen
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Der Ausstand auf ütu P^iupptneu-Inseln bildet eine neue, sehr ernste Gefahr für das ohnehin schon so schwer heimgesuchte Spanien. Die amtlichen Nachrichten lauten ja, wie üblich, noch immer günstig, aber so war es auch bei dem kubanischen Aufstand, und doch ist die spanische Regierung auch heute noch weit davon entfernt, dar baldige Ende des kubanischen Aufstandes ankündigen zu können. Der Minister- Präsident Cauova» hat übrigens selbst zugegeben, daß sich Spanien gegenüber bat Aufständen in seinen wichtigsten Kolonien in einer sehr kritischen Lage befindet. In der Kammer wurde ihm vorgeworfen, nichts grthan zu haben, um dem Philippinen-Aufstande vorzubeugen, obwohl die Verschwörung schon vor zwei Jahren dort zu Stande gekommen sei; auch das Verhalten und die Sorglosigkeit des GeneralgouvrrneurS der Philippinen, Bianco, wurde heftig getadelt. Der Kriegsminister betonte, um diese Borwürfe zu wider- legen, daß die Truppen auf den Philippinen verstärkt worden seien. ES ist freilich richtig, daß die spanische Regierung 2000 Mann, die ursprünglich für Kuba bestimmt waren, nach den Philippinen geschickt hat, aber man ist in Spanien überzeugt, daß diesen 2000 noch manches weitere Tausend wird folgen müssen.
Die Streitmacht, die Spanien bisher auf den Philippinen besaß, bestand au» 2000 Mann europäischer Truppen und 10000 Mann eingeborener, aber von spanischen Offizieren befehligter Truppen. Diese scheinen bis jetzt treu geblieben zu fein. Die meisten wurden seither auf der Insel Mindanar zur Bekämpfung der dortigen Unruhen verwendet. Da jetzt aber besonders die Insel Luzon und namentlich die Hauptstadt Manila von den Aufständischen bedroht find, so werden 4000 Manu von Mindanar zu Schiff nach Manila zurückgebracht. Wenn stch der Aufstand weiter ausdehnt, so werden die inSgesammt 15 000 Mann, über welche Blanco demnächst verfügen kann, keinesfalls ans Zeichen, denn wenn die Bevölkerung auch nicht gerade sehr zahlreich ist, fo ist dafür das zu schützende Gebiet um so ausgedehnter. Dir Philip- pmerr bilden eme Inselwelt von etwa tausend größeren und kleineren Inseln im Osten deS südchinesischen MeereS zwischen Formosa, doS jetzt den Japanern gehört, und den holländischen Molukken und haben zusammen einen Flächeninhalt, der ungefähr dem deS preußischen Staates gleichkommt. Gewiß ein großes und infolge feiner Zerrissenheit in fo viele Inseln schwer zu beherrschendes Gebiet!
Was die Bevölkerung angeht, so wird dieselbe in8- grsammt auf 6 Millionen geschätzt, von denen eine Million noch unter unabhängigen Häuptlingen in den Gebirgen namentlich der beiden Hauptinseln Luzon (im Norden) und Mindanao (im Süden) lebt. Die eigentliche Urbevölkerung schwindel immer mehr dahin; ihre Zahl — man nennt str Regritor oder NegrilloS — soll nur noch ungefähr 30000 betragen, die daS
■ in der Provinz war nur Herr v. Tiedemann-Bromberg i zum Diner eingeladen worden. . §
* Die Verleihung eine» Regiment» an den General ' V. Hahrrke, den Chef deS Mrlitärkabinet», wird allgemein ; al» eine Auszeichnung desselben durch den Kaiser be- - trachtet. Sein unausgesetzte» Wohlwollen hat der > Kaiser ihm auch bei der jüngsten Parade be» Garde- korp» vor bet Front in einer äußerst warmen Ansprache zu erkennen gegeben. Da General v. Hahnke an bie Stelle de» bald in den Ruhestand tretenden General» v. Los da» Oberkommando in den Marken erhalten wird, sind natürlich seine Tage als Leiter des Mili- tärkabinetS de» Kaiser» gezählt. Eine ausschlaggebende Stellung wird er in Zrkunft nicht mehr haben. Al» sein Nachfolger im Mllitärkabmet wird der General v. Weise genannt. Der Genannte ist Generalmajor und Kommandeur der 24. Jnfanteriebrigade in Reiffr.
* Außer dem Großherzog von Baden begeht in diesem Monat noch ein zweiter deutscher Bundesfürst seinen 70. Geburtstag, Herzog Ernst von Sachsm- Altenburg, der am 16. September 1826 geboren ist. Bon größeren Festlichkeiten sieht das Land auf Wunsch des hohen Herrn ab, e» wird ober auch diesen freudigen Anlaß benutzen, um dem Fürsten, der feit 43 Jahren die Regierung fuhrt, seine Anhänglichkeit und Verehrung zu bekunden. In weiteren Kreisen wird man sich den Glückwünschen für Herzog Emst, der stet» eine deutsch- patriotische Gesinnung brthätigt hat, gern anschließen.
* Die ,Köln. Ztg/ brachte dieser Tage eine längere Abhandlung über die Orientfrage, worin sie die ge- fährdete Lage der in der Türkei lebenden Europäer nachwies und daran» den Schluß zog, daß der Dar- d a n e! l e n v e r t r a g, der den europäischen Kriegsschiffen die Durchfahrt durch die Dardanellen verbietet, abgeschafft werden muffe. Wie nun die ,Rordd. Allg. Zig? „zuverlässig vernimmt", entsprechen diese An»- lasiungen nicht den Ansichten der maßgebende» Kreise, jede Anregung, bie bestehenben Verhältnisse bezüglich bet Meerengen zu ändern, würde ben bekannten Grundsätzen bet deutschen Politik widerstreiten. Die deutsche Regierung scheint also nach wie vor leine höhere Weisheit zu kennen, als die zarteste Besorgniß für die Erhaltung der vollen Macht des Sultan». Ein jämmerlicheres Armuthszeugniß ist nicht denkbar.
* Die Handwerkerkonferenz erledigte heute den Abschnitt über ba» Lehrling-Wesen im Großen unb Ganzen nach bet Vorlage. Die Ausnahme, baß bie Bestimmungen übet bie Lehrlinge in staatlich an- erkannten Lehrwerkstätten keine Anwenbung finden, wurde au» § 127 beseitigt. In der Besprechung über die väterlich« Zucht ds» Meister» wurde der Wunsch laut, dar ZächtigungSrecht de» Meister» möglichst zu vetstätlen. Der 8 128 wendet sich gegen die Lehr-
Ktrowanfmart».
Roman von El. Lötschert (M. Brechten).
42] ------- (Nachdruck verboten.)
Die in dem kleinen Kreise geübteste Pianistin tourbe um ben ersten Vortrag gebeten. Dieselbelehnte jedoch ohne besonderen Grund freundlich aber entschieden zu spielen ober zu singen ab.
„Gräfin RaSfeldt hat heute wiebet ihren stolzen Tag," sagte Henna Beringet zu einet neben ihr stehenden Freundin. „Sieh nur, wie vornehm und cheilnahmSloS sie in ihrem Sc siel zurücklehnt Richt nm die Welt möchte ich jetzt da» Wort an sie richten."
»Ich auch nicht. Sie ist heute ohne rhre Tante, die alte Gräfin, hier, dann ist sie immer so. Der Kreis dünkt ihr wohl nicht gewählt genug, sie soll überhaupt nur wegen Fräulein Herzog der Einladung gefolgt sein."
„Run, die in der Niederburg find doch auch nicht- weniger al» adelig."
„Rein, aber siehst Du: Herzog-find eben Herzogs."
„Immerhin eine seht ungenügend- Erklärung."
Andere sangen und mufizirten. In einer Pause kam die Oberpostdirektorm mit dem fremden Gaste in bie Nähe bei Flügel».
»Rein, Sie mflffen mit aufrichtig sagen, wa» Sie
„Aber es ist mir durchaus nicht gleichgültig. Ihre Augen brückten eben eher alle» Andere aus, als Zuneigung und Achtung." Sie schwieg.
„O sprechen Sie, womit habe ich Sie erzürnt? Denn daß dies der Fall ist, das merke ich an Ihrem ganzen Wesen. Sie find weitaus nicht mehr, wie Sie waten, al» ich abteiste, und jetzt noch kälter unb ernster, als ba ich Sie vorhin begrüßte." „Bitte, wa» gibt es?"
„Durch au» nichts weiter, all baß Sie mir zu nahe stauben, während Sie mit der Frau Oberpostdirektornr sprachen."
„Run, und?"
„O ich bekam so nur Gelegenheit, über die unglaubliche Gewandtheit zu staunen, mit bet Sie eine so grobe, hergebrachte Löge au-sptach-n. Wir Deutsch« sogar, Papa unb ich, finben Addy unb Rinm Lehn- tot'- französische Au»sptache geradezu schauderhaft."
L6on» Gesicht erröthete dunkel. „Aber Sie werde» doch eine höfliche Redensart nicht eine „Lüge" nennen?"
„Dennoch thue ich ba»."
„Unmöglich! Sie kenne» jedenfalls das Sprich- Wort: Die Welt will betrogen sein? Solche Leute wollen nun einmal durchaus etwa» Angenehmes gesagt haben und würde» ehrt alles verzeihe», als eine sie verletzende Aufrichtigkeit." g
‘ Mittelgebirge Luzons bewohnen. Die übrigen Ein- I irischer Nationalität Einladungen ergangen. Unter • geborenen sind Nachkommen eingewanderter Malayen. I diesen besanden sich der Erzbischof von Posrn-Gnese»
Die Zahl der Spanier und anderen eingewanderten : Dr. v. Stablewski, sowie noch verschiedene andere
Europäer wird auf 2000, die der Kreolen auf 5000, « Geistliche polnischer Nationalität und eine Anzahl
i die der Mestizen auf 25000 und die der eingewan- $ polnischer Magnaten. Bon den Hakatistenanführeru
berten Chinesen auf 65000 geschätzt. Die Kreolen? ~ *■- m—------------ Ä- 1 ~
j sind im Lande geborene Abkömmlinge von Europäern, 5 i die Mestizen Mischlinge theilS zwischen Europäern unb I Eingeborenen, theil» zwischen Chinesen unb Eingeborene». I Zwischen diesen beiden Arten von Mestizen soll grimmige i Feindschaft bestehen, waS aber gar nicht »»»schließt, ? daß sie auch einmal gemeinsame Sache gegen die j Spanier machen. Bon welchen Theilen der Bevölker- t ung die aufrührerische Bewegung hauptsächlich au»ge- • gangen ist, geht au» den spanischen Meldungen nicht Z klar hervor, zweifellos aber sind auch Spanier und | Kreolen, sowie Mestizen, nicht blo» Eingeborene an > dem Aufstand Beseitigt.
So viel ist jedenfalls sichet, baß dir Unzufrieden- ? hrit von außen her angestachelt worden ist. Bestand < doch sogar in Madrid eia „Philippinischer Verein", * bet auf bie LoSreiß-mg bet Philippinen hinarbeitete. § Auch von Amerika — bort finden sich immer Leute, t die alle Revolutionen unterstützen — und von Kuba aus wurde gehetzt. Eine Hauptrolle spielten geheime Gesellschaften, ganz besonders die Freimaurer, denen das katholische Spanien ein Greuel ist, dem sie ein Ende beterten wollen, in Verbindung mit geheimen japanischen Gesellschaften, die ebenfalls erbitterte Feinde de» ChristenthumS find und zugleich die Philippinen für Japan gewinnen möchten. In den Flug- und Hetzschriften der philippinischen Aufständisch« wird denn auch immer von Befreiung vom „Pfaffenjoch" gesprochen und die völlig auf un- gläubigem Boden stehende japanische Regierung und Staatsmaschine al» Vorbild gepriesen. Hoffentlich gelingt es den Spaniern, diese Verschwörung de» Logen- thumS mit dem immer frecher werdenden Japaner- thum zu überwinden; daß fie den festen Willen haben, , kein Opfer an Gut und Blut zu scheuen, um der l Schlange der Revolution, die sich in Kuba und auf i den Philippinen, und hier und da schon in Spanien; selbst regt, ben Kopf zu zertreten, bafür bürgt ihr all- \ zeit bewährter Patriotismus unb bie treukatholische Be- | stnnung bet überwiegenden Mehrheit des span. Volke», i
Deutsches Reich.
Berlin, 10 September.
* Der Kaiser wirb nach dem 20. September auf bem Jagdschloß Rominten eintreffm unb bort etwa 14 Tage verweile». Währenb dieser Zeit soll auch ein Abstecher nach dem Jbenhorster Forst bei Tilsit zur Elchjagd gemacht werden. In der dortigen Ober- sörster-i werden schon jetzt Borbereünngen für den Aufenthalt de» Kaiser» getroffen.
* Zum Kaiserdtner tv Görlitz waren auch an eine Reihe von hervorragenden Persönlichkeiten pol-
von der Aussprache meiner Mädchen halte», Herr d'Esparre," bat die lebhafte Frau. „SS ist gewiß nichts an ihrer Erziehung versäumt worden, aber ich möchte klar wisse», ob «och etwa», oder gar noch viel zu verbeffern ist, trotzdem dieselbe» die thruerstm Anstalten von Metz besucht haben. Komm' einmal her, mein Herzblatt .... hast Du nicht vorhin Monsieur französisch geantwortet?"
„Allerdings, gnädige Frau," entgegnete S6on d'Slparre an Stelle der junge» Dame, „aber ich versichere Sie, die Aussprache von Mademoiselle ist durchau» richtig, ihre Betonung geradezu vorzüglich z» nennen."
„Run, ba» ist mir lieb zu hören. Geh' nm wieber, mein Herzchen, Du machst Deiner Mama Freube. Ich bin Ihnen so dankbar , mein Herr! Nicht wahr, Sie werden manchmal mit meinen Töchtern plaudern? Die lieben Kinder habe« so selten die geeignete Uebung."
„Gewiß, gewiß."
Beim Umwenden traf ein eiskalter Blick ans Gertruden» Augen den jungen Mann."
„Was ist? O, Gertrud, warum sehen Sie mich so an?"
„E» sollte Ihnen doch ganz gleichgiltig sein, wie ich Sie ansehe, Koufi» Lösn."A KM
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