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Dimstag, den 8, September 1896.
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Offiziere Seines Husaren - Regimentes, während Ihre Maj. die Kaiserin Afixandra die Offiziere Ihres Garde- Dragoner - Regimentes empfing. Abends um 6 Uhr fand rm Schlofie Hoftafel statt, bei welcher die Majestäten in gleicher Wsisr neben einander saßen wie am SamStag. De» Majestäten gegenüber faß der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe, links von demselben der Oberstkämmerer Erbprinz zu Hohenlohe - Oshrüigen, '-rchtS der russische Botschafter i» Berlin Graf von der Osten-Sacken. Links von dem Erbprinzen zu Hohenlohe hatte der russische Hofmiuister Graf Woronzow- Daschkow, neben dem Grafen von der Osten-Sacken die Fürstin Galitzin und neben dieser der Kardinal-
Deutjches Reich.
Berlin, 7. Sevtember.
* Sm Befinde» des Hvchw. Herr» Erzbischofs von Freiburg Roos ist, wie der.Germania' gemeldet wird, seit SamStag Besserung eingetteten, und er ist jetzt wieder Hoffnung auf Genesung vorhanden. Schon am Freitag hatten die Herzaffektionen nachgelassen, doch dauerten die Schwächeerscheinungen fort. Der hl. Baier hat dem Schwerkranken seinen Segen gesandt. TheiluahmSvolle Erkundigungen erfolgte« seitens d-S Großherzogs und der Großherzogin, der Erbgroß- herzoaS, der Kardinal-Erzbischofs Krementz, der Minister- Nokk u. v. a.
* Der Kaiser von Rußland hat, wie aus Breslau gemeldet wird, dem Reichskanzler Fürsten zu Hohe»- lohe den AndreaSorden, dem Staatssekretär Freiherrn Marschall «.Bieberstein den Alexander - Newsky- orden in Brillanten und dem deutschen Botschafter in Petersburg, Fürsten Radolin, den Akxander-NewSly- orden verliehe«.
* Wie die Kreuzztg ' mittheilt, wird die allgemeine HandwerkerkMfermz, die am Dienstag stütz 9 Uhr zur Begutachtung der neuesten Vorlage bett. die Organisation des Handwerks hier zusammentreten ; soll, unter dem Vorsitz deS Obermeisters Forster tagen, jedoch einen streng vertraulichen Charakter Laben, da sie nur die Diremve für die folgenden Handwerker- versamml''ng-« abgeben soll An be*- Konferenz werde» je 27 Vertreter des hiesigen Centralausschusses der Innungen und der Süddeutschen HandwerkerbunSeS in München theilnehmen.
* Wie doS ,M-,rineverordnungSblatt' mittheilt, hat die Kaisertu vou Japan aus Anlaß des Unterganges deS Kanonenbootes „Iltis" zur Unterstützung der Hinterblieb-uen der verunglückten Besatzung die Summe i von 1000 Jen (etwas über 4000 Mark) gespendet.
* Am letzten Sonntag Nachmütag 3 Uhr hatten die elsäsfische» und stanzöfischea Sozialisten in der Nähe von Markirch auf französischem Gebiete eine Volksversammlung anberaumt, die aber polizeilich verboten wurde. Gegen 100 Theilnehmer waren trotz des Regenwettrrs erschienen. Als die Reichstagsab- geordneten Bueb und Bebel, die in der Versammlung als Redner auftreten wollten, in Begleitung einer mehrere hundert Personen zählenden Menge dir französisch- Grenze überschritten, wurde ihnen vom Polizeikommissar von St. Diedier, der an der Spitze einer Anzahl Genidarmen erschienen war, ein AusweisungS- befehl überreicht. Die Maßnahme wurde damit moti- «irt, daß die Versammlung Gefahr für die öffentliche Ordnung und Sicherheit werde. Bebel und Bgeb fügten sich ohne weiteres und warteten auf deutschem Boden unmtttelbar neben der stanzöfischen Grenze den weiteren Verlauf der Dinge ab. Versuche des Straßburger Sozialistenführers Bötzle und Trox, die Versammlung zuerst unter freiem Himmel, dann in dem auf der französischen Seite an der Grenze ge- leaenen Wirttzsbause Bellevue abzuh'lten, endeten
„So hat mein Brief Sie verletzt?"
„Durchaus nicht; aber die bewußte Stelle in demselben hat mich überrascht. Daß Sie Ihren Besuch bei uns so lange ausdehnen sollte», hatte ich gewünscht, um Gelegenheit zu erhalt-«, Sie kennen zu lernen. Sie hätten mir aber früher von der Höhe Ihrer Verpflichtungen sprechen und nachher dieselben nicht als eine Bagatelle hinstellen sollen."
Leon d'ESparre erwiderte lei« Wort. Er begann einzusehen, daß der Vater des geliebten MädchrnS ihm stets in der Hauptsache auswich.
Dieser fuhr indessen fort: „Sollten wst ttotz Allem in nähere Verbindung treten, so würde ich Ihnen natürlich meine Beihilfe nicht versagen, Ihnen aber ganz genau vorschreiben, welchen Weg Sre rinzu- schlagen haben, um jene bei der strengste» Sparsamkeit zu tilgen."
„Dar wollten Sie wirklichAhun?(8Hatte ich Un-
Derselbe unterbrach jetzt zuerst bie etwas ziemlich > lange Pause. „Allem nach weisen Sie mich nun schon \ im Voraus zurück, ehe noch Ihre Tochter über mein
Schicksal entschieden hat."
„Das sage ich nicht; nur prüfe ich einstweilen »och, weil ich nicht mehr ganz so günstig für Sie gesinnt bi», als vorher."
gleichfalls mit einem Verbot seitens de» französischen PolizeikommiffarS. Böhle brachte ein Hoch auf die internationale Sozialdemokratie aus, in das die Anwesenden lebhaft einstimmten. Unter Abstngung des Sozialistenmarsches und Hochrufen auf Sozialdemokratie setzte sich die Menge nach Markirch in Bewegung. Die Versammlung war aus allen Theilen Elsaß-Loth- ringens besucht, die Theilnahme auS de» benachbarten französische» LavdeStbeile« minimal.
* Heber die Ausweisung eiues Redemploristeu- paterS erhält der .Elsässer' einen Bericht auS Ttterchen in Lothringen. P. Willi mußte das dortige Kloster verlassen. Die Regierung hat ihm den Aufenthalt im ReichSland- untersagt, angeblich weil er schweizerische^ Nationalität ist. In der Heilanstalt Carspach, wo her Pater zur Erholung weilte, erhielt er ben Ausweisungsbefehl. P. Willi steht in vielen lothringischen Gemeinden im besten Anbenke» wegen seiner erbauenden Missionsprebigten. Nun kaun Elsaß- Lotbrinqen ruhig lein.
* BreSlau, 7. Sept. Gestern Abend 91/» Uhr begann vor dem Königl. Schlosse der große Zapfenfireich. In den glänzend illuminirte« Straßm wogte« dichte Bolksmaffe«. Sämmtliche Spielleute und die MustkkorpS der Regimenter, sowie 200 Träger von Magnesium - Fackeln fitzten sich, während das Locken des Armeenra-scheS erklang, in Bewegung. Die eigentliche Musikaufführung wude dann eingeleitet durch die : russische Hymne. Di- Allerhöchsten Herrschaften erschiene» während der Aufführung auf der Schloßrampe • und verneigten sich huldvoll. Die Illumination ge- , währte eine» herrliche« Anblick. Der für Sonntag i Morgen angesagte Feldgottesdienst wurde des hestigen RegenwetterS wegen abbestellt. Mittags 121/» Uhr fand bei dem russischen Kaiserpaare im großen Fest- i saale des Landerhause» Famllien-Frühstückstafel statt, an welcher sämmtliche Prinzen und Prinzessinnen de» Königl. Hauses und dir in BreSlau anwesenden fremden Fürstlichreiten theilnahmev. Die Tafel zählte 24 Gedecke. Se. Maj. d-r Kaiser Wilhelm war bereits um 11*la Uhr eiv getroffen und führte Ihre Maj. die Kaiserin Alexandra zur Tafel. Nach der Fcühstückstafal kehrte das deutsche Kaiser paar «ach dem Schlosse zurück. Nachmittag» 2 Uhr empfing Se. Maj. der Kaiser Niko- laus den Reichskanzler Fürsten zu Hohenlohe in län- . oerer Audienz und sodann die in Breslau weilend'«
Stromaufwärts.
Stoma« von Cl. Lötschert (M. Brechten).
L39] ------- (Nachdruck verboten.)
Wolfgang Herzog schwieg und beobachtete den Eindruck, welchen seine Worte auf den jungen Franzosen gemacht hatten. Da» gedämpfte Licht fiel schräg auf Leo» d'E-parre — i» der matten Beleuchtung hatte sein Gesicht nicht den müde», etwa» verlebten Zug, der ihm zuweilen am hellen Tage eigen war. Im gegenwärtige» Augenblick sah er enttäuscht und bekümmert auS. Dabei rückte er unruhig auf dem harten Kontor- stuhl umher, der so wenig geeignet war, seinen versöhnten Gliedern, noch dazu nach der Reise, auch nur die geringste Bequemlichkeit zu gewähren.
Der Hausherr schien eS nicht zu bemerken. Seine unverwüstliche Natur war an den beständigen Hebet- Sang aus einer Anstrengung in die andere, an den steten Wechsel zwischen geschäftlichem und gesellschast- «chem Zwange gewöhnt. HeberdieS hat er den Ort «er Unterredung absichtlich gewählt, um derselben von wvrnherein ein noch wichtigerer Gepräge zu verleihen. Ar wollte klar sehen, ehe Leon zum zweiten Male alr »uthmaßlicher Verwandter im Familienkreise begrüßt werden würde.
Fürstbischof Dr. Kopp Platz genommen. Die Tafel zählte 170 Gedecke. Die Festvorstellung i« Theater, dessen ganzer Raum mit von Astern durch- flochtenen Eichenlaubgewinden reich geschmückt war, nahm einen äußerst glänzend-« Verlauf. Al» die russischen und die deutschen Majestäten um 8*/, Hhr die Königl. Loge betraten, wurden Allerhöchstdieselben mit einem dreifachen Tusch deS Orchesters empfangen und von dem Publikum auf das Lebhafteste begrüßt. Während des ganzen Verlaufes der Vorstellung herrschte im Publikum die gehobenste Feststimmung, welche sich zu einer begeisterten Kundgebung steigerte und in ein dreifaches brausender Huttah ausklang, als sich die Majestäten zum Fortgang erhoben. Als beide Kaiser- paare sich nach beendigter Vorstellung nach dem Königl. Schlosse bezw. nach dem LandeShause zurück begaben, wurden sie auf dem ganzen Wege von den trotz des RegenwetterS dichtgedrängt harrende« Bolksmaffe» wiederum auf das Freudigste und Lebhafteste begrüßt. — Die Tochter des russischen Kaiserpaares, Großfürstin Olga, ist mittels Sonderzuges «ach dreistündigem Aufenthalte nach Kiel abgereist.
* Breslau, 8. Sept. Gestern Morgen LI * 1/*8 Uhr holte« die deutschen Majestäten daS russische Kaiserpaar im LandeShause ab. Bon dort aus fuhren die kaiserlichen Wage», geleitet voraus von Husaren und von einer Eskadron des Kaiserin Alexander Garde- Dragoner-Regiments nachher, von dem in den Straßen • dicht gedrängte» Publikum mit brausende» Hochrufen j stürmisch begrüßt, nach dem Bahnhöfe. Um 7.55 i trafen die Kaiserlichen Wagen am Bahnhofe ein, wo die Majestäten vom beiderseitigen Gefolge erwartet wurde«. Die Ehren-Kompagnie wurde vom Kaiser Alexander Garde-Regiment gestellt. Auf dem Bahn- steige wurden die allerhöchsten Herrschaften vom Erbprinzen von Sachsen-Meinmqen nebst Gemchli« und Tochter begrüßt. Puntt 8 Hhr setzte sich der Zug in Bewegung. Die übrigen Fürstlichkeiten hatten sich bereits um 7 Hhr 20 Mi». vom Ooerschlefische» Bahnhof aus »ach Görlitz zu den Manöver« begeben. Prinz Heinrich von Preußen ist gestern Abend nach Kiel abgereist.
* Görlitz, 7. Sept. Die deutschen und die russischen Majestäten trafen 10 Hhr 40 Minn en auf dem festlich geschmückten Bahnhofe ein. Oberbürgermeister Büchtemann hielt eine kurze Begrüßungsansprache, auf welche Se. Majestät der deutsche Kaiser erwiderte, er freue sich die schöne Stadt Görlitz wiederzusehen. Hierauf erfolgte unter der Eskorte der 1. Eskadron des Leib-Hufarenregiment» Nr. 2 unter dem Geläute der Glocken sämmtlicher Kirchen durch die rerchgeschmückte via triumphalis die Fahrt »ach dem Moyser Parade- falbe. Au der Straße bildeten Kriegervrreine, Korporationen und Schule« Spalier; eine vieltausendköpfige Menschenmenge hatte, sich eingefunden und begrüßte die Majestäten mit brausendem Hurrah. Im erste» Wagen fuhren die beiden Kaiser, im zweiten Wag-« die beiden Kaiserinnen. — Die Parade übet da» V. Armeekorps verlief äußerst glänzend. Dieselbe stand
recht, als ich sagte. Sie seien wie ein älterer Bruder, dessen Rath ich mit Freuden befolgen würde."
»Nein, ich habe auch fast dieses Gefühl für Sie, aber ich wünschte, Sie hätten eine solche Leitung weniger nöthig, Leon. Sie find fast noch zu jung zum Heirathen l"
„In Frankreich, Italien und England heirathet man früher als in Deutschland."
„Wahr! Auch ich war nach deutsche« Begriffe» »och sehr jung, aber auch ungewöhnlich früh reif."
SSieber dieses Ausweichen! War es denn möglich, auf diese Weise zu einem bestimmten Abschlüsse z» gelangen?
„Werde ich Ihre Tochter heute nicht mehr sehe» ?"
„Doch. Wir sind zu einem gemächlichen Thre- Abend bei Landrath von Lenbach eingeladen. Außer unS werdm nur einige nähere Bekannte dort fein. Meine Damm sind schon hi». Ich hatte Ihre Ankunft abwarten und zuvor ein kleine- Abendessen mit Ihne» einnehmen wollen. Rach demselben machen Sie muh ein wenig Toilette, und dann mögen Sie mich begleite», wenn es Ihnen angenehm ist."
„Natürlich; ich werde keine Gelegenheit versäume», um Gertrud früher wiederfehe» zu dürfe», als e» sonst der Fall sein würde." M W ;
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