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205 Montag, den 7. September 1896. 23. Jahrgang

FnlduerWZkittng

mit Unterhaltungs-Beilage „Sterne und Slumcn".

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% General von Hahnke, dem Chef bei Militär-

i.' meint:

Was schreibt Ihr Herr Oheim neuerdings?

Deutsches Reich.

Berlin, 5. September.

* Einen großen historischen Vorgang «annteZder Kaiser am Freitag Abend in einem Trinkspruche die Zusammenkunft zwischen ihm und dem russischen Kaiser, und im nächsten Satz- betonte er, daß gerade Breslau es war, „wo die traditionelle Freundschaft zwischen zwei gewaltÜM Fürstenhäusern sich entspann". Wenn indessen Breilauer Kaiserbegegnung weiter nichts bedeutete, als eine neue Bekräftigung dieser Freundschaft der Fürsten­häuser, so würde sie den Namen eines „großen histor. Vorganges" doch kaum verdiene». Wenn der Kaiser, wie man doch annehmen muß, diesen Ausdruck nicht ohlle besonderen Grund gebraucht hat, so muß die politische Bedeutung der Breslauer Kaisertage ohne Frage viel weitergreifen, als wenn es sich nur um die Befähigung eines dynastischen Freundschaftsver- hältnisies handelte.

Stromaufwärts.

Roma« von Cl. Lötschert (M. Brechten).

38] ------- (Nachdruck verboten.)

Herr Löon d'Csparre war eben angekommen. Die Geschästsstunden waren bereits vorüber und die beiden

1 uns besser, daß heutzutage sicht sowohl wir und die Franzosen, als die Russen und die Engländer dem Pulverfaß zunächst stehen.

Wenn also eine wesentliche Veränderung der be­stehenden internationalen Beziehungen nicht in Frage zu stehen scheint, so kann darum das Wort des Kaiser», daß seine Zusammenkunft mit dem Zar Niko­laus ein „großer historischer Vorgang" sei, doch noch wahr gemacht werden: nämlich dann, wenn Rußland und Deutschland sich bei den persönlichen Besprechungen der Herrscher und Staatsmänner über ihr weiteres Vorgehen in der Orientfrage in einer Weise ver­ständigen, daß es den Engländern nicht mehr gelingen kann, als die Vorkämpfer für den Schutz und die Freiheit der im OSmanenreiche lebenden Christen auf­zutreten, d. h. wenn die großen Festlandsmächte, Deutschland und Oesterreich einerseits und Rußland mit Frankreich andererseits die Führung in einer energischen, charaktervollen Orientpolitik über­nehmen. Bisher konnte man ihre Orientpolitik leider nicht als charaktervoll bezeichnen. Die Gelegenheit, in eine bessere Bahn einzulenken, ist günstig — möge man sie nicht unbenutzt vorübergehen kaffen!

„So bleibt er Ihnen nahe, das ist gut."

Den Einwmf nicht beachtend, fuhr Jener fort: - „Onkel Charles ist auch nicht abgeneigt, mich einst- • weilen in einen andern Geschäftszweig übertreten zu l sehen, da er selbst noch ungemein rüstig ist. Wünschen | Sie, daß ich mich vielleicht hier unter Ihrer Leitung ' einarbeite, so sprech« Sie es nnr aus, ich will alles ; thun, was Sie wollen . . . nur geben Sie mir Gertrud!" ; -Sachte, sachte, mein junger Freund! So weit

Und dennoch wird es schwer, an eine so hohe politische Bedeutung der Kaiserbegegnung zu glauben, wenn mag bedenkt, daß auch beziehungsreiche deutsche wie russische Blätter keine hochpolitischen Erwartungen auf sie gesetzt haben. Fast überall findet man nur die Hervorhebung, daß die Zusammenkunft der beiden mächtigsten Herrscher Europas ein Zeichen der fort­dauernd freundschaftlichen Beziehungen zwischen beide» Fürstenhäusern und eine Gewähr des Friedens sei. Nirgendwo aber stößt man auf die Erwartung, daß „ , ..

an den internationalen Beziehungen und an der Politik kabinets, ist, wie wir schon berichtet haben, das 12. Deutschlands und Rußlands in Breslau irgeud etwas Infanterie-Regiment zu Frankfurt a. d. Oder ver- geändert werde. Auch wir glauben an eine solche liehen worde«. Diese Auszeichnung hat überall großes

Aenderung nicht. Wir stehen un» bei unserem Bünd- Aufsehen erregt und wird von der Presse gegenwärtig

niff- mit Oesterreich-Ungarn so gut, daß wir gar i stark besprochen. Das erste Mal, daß ein Leiter der

keinen Grund haben, eine andere Gruppirnng zu wün- > MilitärkabinetS so ausgezeichnet wird. Die ,Freis, schen, und Rußland hat seinerseits viel zu große Bor- l Ztg' schreibt:

theile von seinem Bündnisse mit dem ihm sklavisch er- 5 Die Auszeichnung des Generals v. Hahnke durch Ernennung aebenen Frankreich als daß es Lust baben könnte l rum Regimentschef sticht um fo mehr in die Augen, als zur 8* hmt Ä’S, sw*, k Zeit unter den aktiven Offizieren, abgesehen von den Mitgliedern

sich von Frankreich loszusagen. Auch wir Deutsche > fürstlicher Häuser, nur Generalfeldmarschall Graf v. Blumenthal haben gar kernen Anlaß, uns wegen des russisch-franz. « und General v. Hämfch Regimentschefs sind.

Bündnisse» graue Haare wachsen zu lasten, denn unter j Als Beweggrund zu dieser Au»zeichnung ist man der Vormundschaft Rußland» ist Frankreich zweifel- ganz verschiedener Meinung. Man will sogar damit los viel ruhiger und friedlicher, als wenn es allein die Enthebung von HahnkeS aus seinem bisherige»

»ach seinem Willen ginge. Äußlanr kann Frankreich Amte als Chef des MilitärkabinetS verbinden. Doch

gut gebrauchen zur Stütze feiner eigenen Politik und diese Ansicht scheint wenig Glück zu habe». Die

zur — Aufnahme seiner Anleihen, aber es bezeigt ,Bofl. Ztg.

durchaus keine Lust, deswegen den Franzosen die Re- > Es ist nicht ersichtlich, ob diese Auszeichnung dem Chef des Vanche-Kastanien aus dem Feuer zu holen. Die Frau- MilitärkabinetS über eine Verstimmung hinweghelfen soll, die zosen müsse» stillhalten, weil die verbündeten Rusten : " °twa über eine ihm unwillkommene Entscheidung in dec ; ' •L.T’. ’. cnr„ ! Mllrtärprozeßfrage empfinden könnte, oder ob ste ettte Genug-

un Interesse H^^rrentallschen und ostasiatisches Plane ; thuung für ihn gegenüber den anscheinend offiziösen Angriffen kemm Krieg mit Deutschland brauchen können. : auf die Stellung des Militär-Kabinets bedeuten fall.

Das ist ein Zustand, mit dem wir zufrieden sein ’ Hätte der Kaiser durch diese Auszeichnung seine könnten, wenn nicht doch die französische Unberechen- ; Uebereinstimmung mit v. Hahnke in Sachen der Mili- barkert und die allgemeine politische Spannung ; tärstrafprozeste» ausdrücken wollen, dann wäre die uni so große Opfer für unsere Waffenrüstung aufer- ' Erklärung des ,Reichsanzeigers' gegenstandslos und legte. Der Friede bleibt eben der „bewaffnete" ; der Reichskanzler Fürst Hohenlohe könnte ruhig sein Frieden, ob mm der deutsch-ftanzösische oder der Amt ntebetlegen unb auch gehen. Doch bem dürfte russisch-englische Gegensatz, ber jetzt bie Hauptrolle ! wohl nicht ganz so sein, ber Entwurf selbst ist noch spielt, bie Weltlage beherrscht. Immerhin ist es für \ nicht fertig unb man muß abwarten, wie er wohl aus-

Unb wobnrch, wenn ich fragen bars?"

_ , . . - , ------------. „Ungeachtet Ihrer Jugenb werben Sie sich längst

„Er wiederholt bas, was er Ihnen bei seinem Be- gesagt haben, baß ein Mann wie ich Erkundigungen suche, glaube ich, schon mttgetheilt hat. Er beabsichtigt, einzieht, ehe er einem Bewerber um die Hand seiner Mir das Hotel „Etoile bu Bonheur" in Cannes sofort ] einzigen geliebten Tochter auch nur einen Finger zum uach mnner Berheirathung zu Übergeben. Sie wiflen, ! Räherkommen reicht. Was ich hörte, stimmt mtt Ihren welchen Ruf basselbr unter ihm erlangt hat unb was $ Aussagen so ziemlich überein . . . »arten Sie, sprechen ei demgemäs, von semer ausgezeichneten Lage unter- i Sie nicht, ehe ich Ihnen meine Gedanken mitgetheilt te^ützt, im Jahre abwirst. Er selbst wA in bie ba« ■ habe, hernach verlange ich gleiche Offenheit. Wenn ich nebm gelegene Dspenbance übersiedeln." jetzt in kühlem Tone mit Ihnen rede —und daß ich dai

Herren saßen im Gespräche, das von Seiten des Guts- besttzeri sehr ernst und von Seiten des jungen Fran­zosen mehr lebhaft und erregt geführt wurde. Zuweilen, | »ihm juuyci lyicunvi öv wen

wenn Herzog m semer kühlen, klarlegenden, unerbittlich - find wir denn doch noch nicht. Sie gebrauchten eben forschende» »eise fort unb fort sprach, wenn er höflich ' bas Wort „einstweilen". Was glauben Sie benn? unb bennoch scharf bis auf ben Grund sehen zu wollen | Die Firma Ebuarb Herzog ist kein Taubenschlag, in j4ien, sank Jener ganz in sich zusammen. Rach wenigen ben man nach Belieben hinein- unb herauslauft." Minuten aber richtete er seine hübsche Figur plötzlich • „Sie ftnb mißtrauisch geworden, eher oncle.“

»Heber auf, in Mienen, Geberben unb beredten »orten ’ „Ja, ich bin es, ich leugne ei nicht; und ich war

zugleich seine ganze Uebereinstimmmmg, sein festes, ? ei schon etwas, ehe ich Sie kennen lernte." redliches Wollen ausdrückeud. .Und wodurch, wenn ith fraaen darf?"

*** fallen wird. Er ist hier aufgefallen, daß der Reichs­kanzler entgegen seinem ursprünglichen Plane, aus Rußland unmittelbar nach Breslau zu fahren, zunächst nach Berlin zurückgekehrt ist und sich erst von hier nach Breilau begeben hat. Vorerst läßt sich die Sache noch nicht durchschauen, doch nach den Manövern muß endlich volle Klarheit geschaffen werden. Man darf gespannt sein, welchen Verlauf dann die Dinge nehmen werden. I *5*

* Major Leutwein, über den kolonialschwärmerische Blätter jüngst auf seinen Rücktritt hinarbeitende „Nachrichten" brachten, die von der ,N. A. Z.' bereit! als erfunden bezeichnet worden find, äußerte nach der,Post' bereit» im März, daß er noch vor dem Herbst auf Urlaub nach Deutschland gehen wolle. Ein Besuch Leutwein'i in Deutschland würde also mit jenen tendenziösen Meldungen nicht in Zusammenhang zu bringen sein.

* Die Nachricht eine» Berichterstatters von der Erkrankung des Finanzminister» Miquel erweist sich als unrichtig. Herr Miquel hat Urlaub bis 8. Sep­tember und ist in Wiesbaden, nicht in Schlesien.

* Tine Konferenz bet in Breslau anwesenden deutschen und russischen Staatsmänner hat am Sams- tag Nachmittag beim Minister Hohenlohe stattgefunden.

* Die freikonservative ,Schles. Ztg.' meint zur Militärstrafprozetz - Ordnung: „Unter ben wesent- lichen Punkten, welche von ber Reform erwartet wer­ben, stehe bie Einführung ber Öffentlich­keit zweifellos obenan . . . Sicherlich werde bie Ent­scheidung von politisch« Erwägung« und nicht vom technischen Standpunkte abhängig gemacht werd«, und erstere lasse die Einführung einer unbeschränkten Oeffentlichkeit, wie sie das Ziel der Wünsche der freisinnigen und demokratischen Parteien bilde, von vorn herein als ausgeschlossen erscheinen. Eine beschränkte Oeffentlichkeit jedoch würde im militärgerichtlichen Strafverfahren sehr wohl mög­lich sein, ohne dem Ansehen und der Disziplin un­seres Heeres irgendwie Abbruch zu thun. Es wäre ja doch das einzige Mittel, um dem Mißtrauen der demo­kratisch« Elemente gegen die Militärgerichtsbarkeit die Spitze abzubrechen."

K Die Freisinnigen der ReichStagSwahlkreffeS Gittzen, des ersten hessischen, wollen an Stelle des Rechtsanwals Gut fleisch, der entschieden eine wettere Kandidatur ablehnt, den Prof. Stengel für die be­vorstehende Wahl als Kandidat« aufstellen. Bor ge­raumer Zeit hatte die Bersetzung Stengels von Mar­burg nach Greifswald soviel von sich reden gemacht.

* Dar neue Berfichernngsgesetz wird von dem Bund der Landwirthe in dessen offiziellem Organ, der .Deutschen Tageszeitung' sehr abfällig beurchettt, wett die Klebemarkeü beibehalten worden seien, und die speziell agrarische Forderung, die Berficherungslast auf breitere Schultern zu vertheilen, nicht erhört werde. Im Groß« und Ganzen seien die Abänder- unsvorschläge nicht geeignet, irgend wie die lauten und

thue, das sehe ich Ihnen an —, so geschieht eS, wett die Höhe Ihrer Berpflichtungen mich überrascht hat, und mehr noch die Wahrnehmung, daß Ihn« die Summe, welche hier zu Laude ein kleines Vermög« auSmachm würde, offenbar gering dünkt. Daß ich nun trotz allem heute Abend noch einmal eine ernste Rücksprache mit Ihnen nehme, das haben Sie einzig unb allein Ihrem Oheim, auf besten Mithilfe ich baue, unb ber Dar­legung Ihres guten Willens zu danken."

„Und daß ich eine der bei dem Prozeß bet heiligten Hauptparteien bin, daß die Möglichkeit größer ist, wenn . . . kurzum, Sie versteh« mich: dies hat kein« Reiz mehr für Sie?"

Gin Zug großen Mißbehagens glitt über Herzog'» Geficht, die etnfte hohe Stirne legte fich in tiefe Fal­ten. „Nein. Sie gebrauchten da soeben da» Wort „mehr" ... wer bürgt Ihnen denn dafür, daß dieser Gedanke jemals Reiz für mich gehabt hat?"

„Nun, ich dächte doch . . .Die Sache lag so nahe."

„Sehr nahe, allerdings, und Ihre Schlußfolgerung demgemäß auch. Allein dieselbe beweist, baß Sie mich ganz unb gar verkenne». Damit mache ich Ihn« jedoch lebten Vorwurf, benn ich gehöre nun einmal nicht zu ben offen baüeg«ben ober auch nur leicht zu ergrfinbroben Natur«. Auch ist in dem betreff mb« Falle ber Schein gegen mich; ich weiß bar. Da Sie