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Mittwoch, den 2. September 1896.
23. Jahrgan -
I von Haß gegen Andersgläubige erfüllt, es ruhig ge- i fchehen läßt, daß man die Straße« der Hauptstadt mit Christenblut düngt. Ueber Bord mit dem „kranken
s Zur Lage im Orient.
Run, an den Narben an Polo'S Brust uud Rücken,
likentag, der offen uud nachdrücklich die Partei der Armenier ergriffen, find groß« Summen für die christlichen Brüder ,m Orient gespendet worden. Eh' nicht der Sultan zur Ruh' gegaogen, wird nicht Ruh am Bosporus fein!
Maßregeln welche die Vertretung der Minorität festsetzen, Unabhängigkeit der Gerichte in Streitigkeiten unter eingebornen Kretensern, Vereinigung der Civil- und Militärgewalt in den Händen de- Generalgouverneur», endlich einen Zuschlagszoll auf die au« andern Theilen der Türkei eingefühlten Waaren zwecks Schadloshaltung der durch die letzten Wirren Geschädigten. Die Stimmung der christlichen Deputirteu ist der Annahme der Bedingungen geneigt, sofern die Zugeständniffe die Uebertragung der Vetorechte- gegenüber den Landtaq-beichlüffm an den christlichen Gouverneur und die Zulasiung einfacher Mehrheitsbeschlüsse enthalten.
ich Dir ihre Geschichte erzählen?" fragte der Indier in feiner sprunghaften Weife, ohne hindern zu können, daß feine Gesichtsfarbe bei Kurt's Worten um einen
Spuren frei. Ich will zudem an jene Thal erinnert fein, damit ich gut gegen Beide bin ... weiß ich doch, daß rS zuweilen wie Feuer in meinen Adern rollt. Aber fte lieben mich; in welcher Lage ich immer fein mag, ich werde mich sicher und geborgen fühlen, fo lang ich biefe zwei lebenden Säulen hinter mit weiß. Schön find fie nicht, wie die nubifchen Neger, aber lauter uud beständig wie dar Metall an ihrem Handgelevk. Siehst Du, es gibt auch eine indische Treue! .... Und nun, Kurt, erkläre mir Deine
maß mit großen Schritten da» Zimmer.
-Run wohl, mein Cäsar, zum Entgelt für Deine
in Fukda imb auswärts 1 Mark 50 Pfennig, i Ölungen entsprechender Rabatt.
^rßchemt täglich. Sonn- und geiertoge ausgenommen. — «tertehährlicher Abonnementspreis ohne Bringertohn und SefrB Inserate kosten die einspaltige Garmonbzelle oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wb
Deutsches Reich.
Berlin, 1. September.
* Der Erzbischof Roos von Freiburg ist sehr schwer erkrankt; man ist auf das ichlimmste gefaßt. I» der vergangenen Nacht war der Zustand uuveräu- dert. Derselbe ist bekanntlich schon feit Jahren leidend. Erzbischof RooS steht im 69. Lebensjahre und ist seit 1886 Erzbischof von Freiburg. ^Vorher war er Bischof von Limburg. KMB
* Generaloberst Freiherr von Loö beabfichtigt, wie die ,Tägl. Rundschau' auS zuverläifiger Quelle erfahren haben will, noch in diesem Herbste seinen Abschied einzureichen. Er habe bereits dem Kaiser feine« Entschluß mitgetheilt. Eingeweihte Kreise wollen wisse«, der Chef der Militärkabinets v. Hahnke sei zum Nachfolger Loos als Oberbefehlshaber in den Marken
Schatten dunkler erschien.
„Gut. Mein Vater ist gegen seine Sklaven mild gewesen, aber die »uffeher sind oft harte Menschen. Die beiden Alfuren da nebenan find Zwillinge. Sie waren mit einer Reispflanzung gekauft und nachher im Christenthum unterrichtet worden, blieben aber träge und störrisch. Einst war Pola gezüchtigt worden, da schlich sich MeSra herbei, knurrte wie ein junger Hund und bis den Aufseher in'S Bein. Run kam er an die Reihe und sein Geschrei hallte weithin. ; Am Abend entwichen Beide. DeS anderen Tages ritt 1 ich stundenlang in den Niederungen des Golfs umher. 1 Plötzlich stutzte mein Pferd und auffchauend gewahrte 1 «« w» »««>» u»»
«ch «neu Königstiger in unmittelbarer Nähe. Er war fuhr der Erzähler fort. „Sieh hin; darum laste ich sie eiu schönes Thier, die Gefahr für mich aber furchtbar, auch fetten Oberkleider trage«, die Schärpe läßt dietteftu
komische Umstand ein, daß feit Deinem Hiersein die Damen meiner Verwandtschaft daS Tragen von golden« Armbändern sämmttich verschwor« zu habe« schein« bis auf eine, welche in vornehmer Nichtbeachtung bei dem durch Polo und MeSra ein wenig minderwerthig gewordenen LieblingSschmuckr verbleibt."
Bei R«nung seines Ramm» hatte Polo aufgehorcht, während der junge Offizier mit siegreichem Lächeln nach seinem Freunde blickte, der angestrmgt d« Rheiu hinunterschaute. Run kam er zurück, stützte
Auch wir möcht« d« Kretensern ernstlich rathm, bei dem jetzigen Stande der Dinge, wenn nur irgend möglich auf einen Ausgleich einzugehen, bamit endlich Rah und Frieden im Lande hergestellt werde. Sollte der Sultan feine Vorschläge nicht ernst gemeint haben, so kann das ja nicht lange verborg« bleib« und, mit Spott und Schande bedeckt, wird er dann vor aller
Stromaufwärts.
Roman von TI. Lötschert (M. Brechten).
34] ------- (Nachdruck verboten.)
und als Gouverneur von Berlin ausersehen.
* Als Todesursache des Fürsten Lobanow wird ein Herzschlag angegeben, der ihn auf feiner Rück- reise nach Kiew getroffen habe. Schon seit längerer Zeit litt der Fürst an Verkalkung der Venen, wovon er durch eine Maffagekur in Dresden Heilung such« wollte. Sein Schwächezustand in Wien war hochgradig. Bei einem Besuche der italienischen Botschafters wurde er von einer Ohnmacht befall«. Sein Befinde« veranlaßte ihn auch zu der plötzlichen Rückreise. An- gesichts der bekannten Friedenspolitik können wir de« Heimgang des russischen Premiers nur aufs lebhafteste bedauern. Wt, 'WW M
* Das Polizeipräsidium übt in Breslau anläßlich desZarenbksnchS ««dauernd eine scharfe Kontrolle über die Besucher Breslaus au» Russisch- Pol« auS. Die betreffenden Person« werden angewiesen, nach Protokollirung ihrer Personalien und des Aufenthaltsortes, des Zwecks chrer Anwesenheit und ihrer hiesig« Wohnung die Stadt bis zum 1. Sept, zu verlassen.
* lieber die NnregelmStzigkeil« bei der Ver- kündigvng de- Depotgesetzes macht die ,Deutsch. Jur. Zig.' folgende Mlttheüung«: Am 16 Juli wurde daS Depotgesetz pudlizirt (R-G.-Bl. Rr. 19, S. 183) Dabei ereigneten sich sonderbare Zufälle. Nach den stenographischen Berichten der Reichstages wurd« 14Gesetzes-Paragraphen vomReichS- tage angenommen (vergl. Apt., Depotgesetz S. 6), das publizirte Gesetz enthält nur 13. Wir bemerken hierzu, daß diese Klage „über Unregelmäßigkeiten" auf einem Jrrthum beruht, da in der Reichs- tagSsitzung allerding« über 14 Paragraphen berathen, § 4 jedoch bei der Beschlußfassung ausgeschieden wurde.
h Die vertchttguug der Bolksschnllehrer zu« einjährig« Di«st wird «ach der Ansicht der frä- konservativen „Post" nicht oft in Anspruch genommen »erben. Den lebhaften Wünsche» der Lehrerstande» sei bereit» in anderer Weise genügend Rechnung getragen, nämlich durch die Bildung besonderer Lehrer-
FuIdlikrWZkitiliiß
____________ mit Urrterhattrmgs Beilage „Sterne und Flamen".
schlagen worden. Wenn wir also die Vorgänge in
ihrer Sesawrnlheit betrachten, so könnte da» Ganze Welt im Unrecht fitzen. Die „christlichen" Mächte vielmehr al» eine wohlüberlegte Machination von hab« dann keinen Anlaß mehr, für die Türkei Partei mvhamedanischer Seite gegen die christlich« Armenier zu nehm«, vielmehr angesichts der armmischen Greuel- erscheinen. Zn verschiedenen Blättern findet man auch scenen müßt« fie energisch gegen solche Christenschlächtreien Spuren einer solch« Ansicht, wmn man hier von und ihren Urheber Front mach«.
einem türkischen Komitee spricht, das schon seit langer - Wir könne« u«S überhaupt mit der Rath- und Zett gegen die Armenier gearbeitet und bei Unterdrückung Thatlofigkett der europäischen Mächte in dieser orien- deSAtfstandesmitEnergieeingegriffmhabe. Willmansich talisch« Frage ganz und gar nicht befteund«. Man ganz unserer Ueberzmgung anschlreß«, dann muß man wttst uns Katholik« nur zu oft Mangel an Rational- allerdings auch den Angriff auf die Ottomanbank al» gefühl vor. Aber wo zeigt sich dieser deutlicher, als i« ei» Scheinmanöver betrachten, wo türkische Bravo» der knieschlotternden Politik der freisinnigen unter der Marke von Armeniern thättg war«, um Presse? UnS treibt solch' würdeloser Vorgehen die d« Fanatismus des Volkes von neuem anzustacheln. Schamröthe ins Gesicht nnd auf dem Dortmunder Katho- Und dies ist d« Kreaturen der Sultans, welche hinter "* " * — ----- - • — - -
der Szene thätig waren, nut allzu gut gelungen. Angesichts solcher betrübenden Eteigniffe können wir uns nicht enthalten, ein scharfes Wort gegen den Herrscher selbst auszusprechen, der nicht fähig ist, Ruhe und Ordnung in seinem Reiche aufrecht zu erhall« und,
In Konstantinopel scheint allmählich die Ruhe wieder Christenblut düngt. vvlH ________
hergestellt zu fein. Der „Putsch der Armenier", der i Mann"!
b« Nachrichten gemäß von einem wohlorganifirt« Man wird unserer scharfen Kritik entgegen hall«, Komitee der Armenier seit langer Hand vorbereitet [ daß ja die neueste Jrade de» Sultan» für Kreta, war-, dürfte für die Zukunft daS Interesse Europas welche unter Invention der europäischen Mächte zu nicht mehr ernstlich in Anspruch nehmen. Aber jetzt, Stande gekommen, doch ernstlich für seine Fried«»- wo wir wieder Äthern schöpf« können und mit Un- liebe spreche; denn sie enthalte ein« völlig« Reform- befangmheit auf die Situation blick«, bilden wir un» plan und weitreichende Zugeständnisse an die Auf- ein wesentlich andere» Unheil, al» zur Zeit, wo der ständischen. Hierin wird allerding» den Kretmsem, Telegraph die Nachricht in die Welt sandte von dem was wir mit Freuden begrüßen, die Einsetzung einer Angriff auf dieOttomanbank, von denGrenelscenen in ? christlichen Regierung auf 5 Jahre unter der Pera und Galata, von den Unmengen von Bomben Garantie der Mächte mit einem Beto gegenüber und Dynamit, die von den Armenier« überall auf- ? den Befchlüffen der Nationalversammlung gehäuft fein füllten. Dazu bietet un» vor allem der in Aussicht gestellt. Ferner garautin man ihnen die Umstand eine Handhabe, daß man so schnell Meister r wirthschaftliche Unabhängigkeit der Insel mit deS Aufstande» geword« ist. Zn einer ernstlich« jährlichem Tribut, Reorganisation der Gensdarmerie, Aktion von Seiten der Armenier gegen die Türk« ist ' "
e» ja gar nicht gekommen. Merkwürdigerweise wurde gerade in dem Augenblicke, als die Bombe die Ottoman- bavk in die Lust sprengen sollte, da» verbrecherische Manöver entdeckt, und damit war das Zeichen zu einem allgemeinen Massacre gegen die arme- vifche Bevölkerung gegeben, daS ja einen erschrecklichen Umfang angenommen hat. Such die Haltung der türkisch« Polizei war bei dem allgemeinen Blutbade, soweit e» sich um Schutz der armenischen Mitbürger gegen die mit Knütteln und Messern drein- schlagenden rohen BolkSmaffe« handelte, tyeilnahmlo» und kühl. Freilich kann man ja wohl von dem Scharfsinn der muselmanischen Polizisten nicht viel erwart«, aber so weit hätte ihr Pflichtbewußtsein doch reich« uni ff’n, daß die Aufrechterhaltung der öffentlich« Ordnung ihre erste Aufgabe ist. Und während Zaufenbe und Abertausende von Christen niedergemetzelt wurd«, find nur circa 40 Türken theils verwundet, theils er-
' al» es fich sprungbereit auf die Hmterprauken setzte. Mit einem kurz« Messer bewaffnet, erwartete ich e».
; Schon hebt e» den mächtigen gestreiften Körper, mein Ä . Pferd bäumt fich und stößt einen langgezogen« angst-
Der junge Offizier nickte verständnißvoll. „Dachte : voll« Laut au» . . . da raschelt und klettert e» herab eben auch an Jemand« in derselben dmch eine merk- an dem schlanken Stamme einer Sago-Palme . . .
würdige Gedanken-Berbindnng zwischen ihr und Metra'» zwei nervige schwarzbraune Hände krall« fich von
Armband." ; 6mt« in die Tigerkehle . . . es find MeSra'S Hände.
^Ah, menw Setr«« intereffir« Dich. . Soll Mein Meffer ist mir «ttounden, und ich sehe, wie
PoloS Faust es der Bestie zwischen die Rippen stößt. *,ituc : .... un» nun, icuri, emare nut xjeine aber tu der TodeSuoth grab« fich die gewaltigen : Bemerkung von vorhin!" Äit diesen Worten sprang Tatzen derselben in den Oberarm ihre« Besieger». der „ruhmde Löwe" auf, streckte seine athletische Figur, MeSra und ich befreiten ihn. Doch keiner meiner i schlug dem Freunde leicht auf die Schulter und durch- Retter will mir folg«, kennen fie doch zu gut die maß mit großen Schritten da» Zimmer.
auf chre Flucht gesetzte Strafe. Da züchtigte ich de« „Run wohl, mein Cäsar, znm Entgelt sür Deine einen von chuen iwch einmal und erklärte, daß die» Geschichte! Doch begnüge Dich mit einem einzige« Satz; a« Stelle de» gefürchteten geschehe und daß fie Beide b«n mein Gedanke war kurz. Mir fiel der etwa» von aller Pflanzung»arbett befreit feien. Nun ge- .......
horchen fte furchtlos und freudig. An demfelben Abend wurden ihnen die Reisen, auf welche fie stolz sind, angefchmiedet. Du fragtest mich kürzlich, woran ich ; fie unterfcheide. Je nun . . . Polo hierher!" Der @erufene trat ein und stellte fich grinsend, aber einer Bildsäule gleich an daS Ende der Ottomane.