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200 Dienstag, den 1. September 1896. 23. Jahrgang

FiildlierWZkitlliig

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•f* Unsere Katholikentage

find, wie wir mit berechtigter Freude über die Leist­ungen sagen können, glänzend »erlaufen. Aber je erfolgreicher und glänzender fie waren, desto ver- haßter müssen sie unsern Gegnern erscheinen. Mit gefälltem Bayonette stürzen darum auch die Sozial­demokraten in chrem ,Vorwärts auf dir Schwarzen, die ihre Weishett von jenseits der Berge holen, los und schütte« ihren Geifer auf un» aus, indem sie den Werth der Versammlung nach Möglichkeit herabsetzen. Da- Programm, heißt e» bei ihnen, habe nicht- Neue- geboten. Es sei »Alle- schon dagewesen." Freilich so viel UeberraschendeS wie der letzte sozialdemokratische Parteitag in London, wo die Herren Sozialdemokraten chre eigenen Brüder, die Anarchisten, wegen einer geringen Abweichung im politischen Slauben-bekenntniß an die frische Luft setzten, werden unsere Katholiken­tage nicht bieten. DaS Randaliren und Skandaliren ist eben nicht Jedermann- Sache. Au- gle ch-rn Grunde erscheint die Versammlung auch anderen Blättern „un- interessant", „monoton" und nicht besonder- „beachten»« werth." DaS Bild der Einigkeit und Beharrlichkeit, de- unabänderlichen Festhalten- an denselben Zielen, da» die lange Reihe dieser Versammlungen immer und immer wieder geboten, mag dem der Lache fernstehenden Beobachter vielleicht allmählich da- Gefühl der ermüdenden „Eintönigkeit" aufnöthigen. Aber wir, mit Begeisterung für unsere Ziele erfüllt, halten nicht- destoweniger an dem Grundsätze fest: l’unitö fait la force.

Dar Hannover',che nationalliberale Blatt liebt e- in seiner Kritik, unseren Katholikentag einen „Parteitag der Centrums" zu nennen. Hierin liegt ein grober Jrrthum, die Katholikentage sind keine Parteitage im strengen Sinne de- Worte-; vielmehr in vollkommener Uebereinstimrnung mit ihrem Namen „Katholiken"« Tage verfolgen sie da» Wohl der Gesammtheit, ohne Sonderinteressen im Auge zu haben. Dar 6e; trum ist ja allerding» gleichen Prinzipien getreu, und so wollen wir einmal diesen falschen Ausdruck „Parteitag" passiren lasten. Aber bann dürfen wir an die nationalliberalen Blätter wohl die berechtigte Frage richten: Wird Euer Parteitag interessanter fein ? Ist er mit zahlreichen und pikanten Streitigkeiten 8espckt? Rach dieser Seite hin kann man ja aller- ingS die höchsten Leistungen erwarten, denn au in­teressanten und hestige« Auseinandersetzungen wird eS ja wohl nicht fehlen. Aber ob die Herren Rational- liberalen ihre Erörterungen coram publico pflegen werden, w sten wir nicht. Wir habe» das Licht der Oestentlichkeit durchaus nicht gescheut und brauchen e» auch nicht zu scheuen. Ferner bleibt e» noch recht zweifelhaft, ob durch ihren Parteitag eine Partei­stärkung ober Parteizersplitterung herbeigeführt werden wird. Wir können ohne Selbsttäuschung von einer

I Parteistärkung durch den letzte« „Parteitag de-ICen- j trnmS" reden. v 4

Aber auf dem Katholikentage gab ei doch auch | „geschlossene Versammlungen!" Zur Beruhigung ; unserer Gegner, die hier vielleicht eine Attion bei , CentrumSführer hinter den Koulissen mitten: könnten, 5 sei eS gesagt, daß auch zu diese« „geschlossenen Ber- I sammlungen" nichtkatholischen Berichterstattern freiet I Zuttttt gewährt war. So stellten fie sich selbst unter * die Kontrolle der Presse und bewiesen damit, daß chre ; Thätigkeit jeder Kritik gewachsen sei. Wit wollen nun ; einmal abwarten, ob die Rationalliberalen ein Gleiche» l von ihrem Parteitage werden sagen können.

Im Uebrigen klammert sich die gegnerische Kritik an einem einzelnen Vorgang in einem einzelnen I Ausschüsse, wa» gewiß schon allein ein offenkundige» ArmuthSzeuguiß für da» Verständniß de» Ganzen auf Seiten der Gegner liefert. Im sozialen Ausschuß ist ’ nämlich bet Theil de» HeroldschmAntrages, bet auf f verschiedene Einzelheiten .n bet Agrarfrage näher einging, u. A. alle Monopolbkstrebungen verwarf, aus« i geschieden worden. Daraus zieht man nun den Schluß, < als habe da» Centrum oder bet Katholikentag seine « Gegnerschaft gegen beit Antrag Kunitz aufgegeben. Für bie» Borkommniß können wir eine bündige Erklärung ! abgeben. Die Sache liegt einfach so: Der Katholiken- > tag, eben weil er kein Parteitag de» Centrums ist, \ hat gar nicht die Aufgabe, zu Detailfragen der Gesetz­gebung Stellung zu nehntrn, zumal wenn eine, sei es auch kleine Minderheit in diesem Punkte anderer An- ! sicht ist. In diesem Falle hätte sich der Katholiken­tag ja auch mit der Militärstrafprozeßreform, der ! militärischen Neberrregierung, den Marineplänen u.dgl. m. beschäftigen müssen, die jedenfalls in nächster Zeit aktueller und bedeutungsvoller find als der Antrag ; Kanitz. Die Politik als solche ist eben von den Ka- । tholikentagen auSgeschlosien. Diese beschäftigen sich 5 vielmehr, ihrem ganzen Wesen entsprechend, mit Prak« । tischet, religiöser, moralischer, sozialer und wirthschast- 1 licher Reformarbeit. Dahin gehört der Antrag Kanitz, l der schon infolge der Handelsverträge absolut keine A nsicht hat, praktische Bedeutung zu gewinnen, am aller­wenigsten. DaS Centrum lehnt nach wie vor den An­trag Kanitz ab, w-il eS keinen Jnteresienkampf will, ionbera einen billigen Ausgleich der Interessen, ein i Programm, bem burch die in Dortmund versammelten ! Tausende katholischen Männer wiederholt begeisterten l Verfall spendeten.

I -

DelMHeS Reich.

Berlin, 31. August.

* Wie die ,Post' vernimmt, werben unter ben neuen Vorlagen, bie bem Bundesrath im Anfänge 5 seiner nächsten Sitzung zugeher-, sich befinden: ei« Ge- ; setzentwntf über bie Abänderung der Gewerbe- \ ordnung, sowie ein Gesetzentwurf über die Abänderung

der Arb eiter - Versicherungsgesetze. Diese beiden sollen dem BundeSrathe schon zugegangen sein. Ferner soll noch die SeemannSordnung vom 27. Dezember 1872 einer Abänderung unterzogen werden, zu der die technische Kommission für Seeschiff­fahrt Vorschläge gemacht hat, und welche dem Bunde»- rath bald zugehen dürfte.

* Gemäß der im Frühjahr angenommenen Novelle zur Frieden-präsenzstärke des Heere- werden mit 1. April de» nächsten Jahre- je zwei vierte Bataillone zu einem Vollbataillon vereinigt und diese durch ge­ringe Abgaben der drei alte« Bataillone auf eine Stärke von 500 Mann gebracht. Je zwei Bataillone werden ein I ufanterie-Regiment, die beiden Regimenter eines Armeekorps eine Infanterie-Brigade bilden. Wie offiziös versichert wird, bedingt die Neubildung keine Erhöhung der fortlaufenden Ausgaben der Militär- Verwaltung. W -MW --HW

* Die Hauptergebnisse der Berufszählung vom 14. Juli 1895 im deutsche« Reiche macht der,Reichsanzeiger' in kurzer tabellarischer Uebrrsicht bekannt. Danach be­trug die^ ff;r der ErwerbSthätigen überhaupt 51770284 Personen. Davon waren beschäftigt in Landwirth chast, Gärtnerei, Thierzucht, Forstwirthschast und Fischerei männliche Personen 5539538, weibliche 2 753154; in Bergbau, Hüttenwesen mb Industrie männlt ie 6 760097, werbliche 1521133 Prsonen; im Handel und Verkehr s männliche 1758900, weibliche 579608, in häuslichen ; Dienste (einschließlich persönlicher B Sienung, auch von j Arbeiiwechselnder Art) 198 626 männliche, 233865 > weibliche Personen. In Militär-, Hof-, im bürger- ' lichen und kirchlichen Dienst und in ben freien Berufs- f arten waren beschäftigt 1249521 männliche, 176648 weibliche Personen, ohne Beruf unb Beruf»» agaben wurden gezählt 1027052 männliche und 1115549 weibliche Personen. An Dienstboten für häusliche Dienste im Haushalt der Herrschaft wurden gezählt inSgesammt 1339 318. Schlußfolgerungen lassen sich au» diesen Zahle angaben einstweilen noch nicht ziehen, weil vor Allem die Bergleichrpuntte der in der vor­jährigen Zählung ermittelten Z ffrrn mit ben Ergeb­nissen früherer Zahlungen fehlen. Die ausführliche Veröffentlichung des Materials ist erst in einigen Wochen zu erwarten.

h Bei bem LandwirthschastSminister ist man jetzt vorstellig geworden um ein Verbot der Gänseeiufuhr aus Rutzlaud. Als Begründung hat man aligefühtt, daß bie russische« Gänse bie Maul- und Klauenseuche, sowie bie G-flügelpest einschleppten. Zur Prüftmg dieser Begründung ist eine Kommission eingesetzt worden. Liese hat die Einschleppung der Maul- und Klauen- I' seuche verneint, dagegen bie der Geflügelpest für sehr leicht möglich erklärt. Da biefe sich aber außerordent­lich schnell entwickle unb von ihrer Entstehung bi» znm , Eudverlauf nur eine »Zeit von 36 Stunben liege, so i genüge, um bie Einschleppung bet lest zu verhindern, daß dir Gänse an der Grenze einer breitägigen Qua«

Stromaufwärts.

Roman von Cl. Lötschert (M. Brechten).

33s ------- (Nachdruck verboten.)

Herzog und Komteffe Irmgard lächetten, Cäsar zur Tenne aber fiel taktvoll ein und fragte, was seine liebenswürdige Zuhörerin wohl besonders interessiren dürste.

„Soll ich Ihnen von unseren Urwäldern erzähle«, bie au» ben ebelsten Holzarten, bem Sandel-Ebenholz unb ben Acaju-Bäumen zusammrngefttzt find, von den herrlichen Palmen mit ihren schlank«, fünfzig bi» sechzig Meter hohen Stämmen oder von . . . V

„Bon Ihrer Blumenwelt, bitte!"

„Gut, da» ist ein ganz für Sie paffender Gegen­stand. Sumatra'» unb Java'» Flora ist gegen un» um bie Riesenblume Rafflesia Arnoldi, mit chrer einen Meter breiten, stiellosen Blüthe reicher, boch finb bie abenteuerlichen (Battuegen der Orchideen mit ihrem wunderbaren Farbenspiel auch auf Celebe» heimisch, und unter den brennenden Strahlen meiner heimatlichen Sonne veredeln fich bie Säfte der Pflanzen unb kochen zu Balsam unb Gewürzen. Den- noch ist unser Klima nicht ungesund. Wir haben regelmäßige Regenzeit; die Monsune scheiden die trockene von der »affen Jahreszeit."

„Ja, e» muß wunderbar schön fei« in dieser

vulkanische« Natur im ostindischen Meer", sagte Graf Dohna.

Der Plantagenbefitzer antwortete nicht, fondrrn sah nachdenklich auf bie Ranken unb Blätter der schwanengleich neben ihm her gleitenden Kleider hinab — fie mochten ihn an bie mächtigen Farne bet fernen Jnfrl erinnern.

Mit einem Male hob er ben Kopf unb sagte tief aufathmenb: „Als ich zuletzt bort wat, hatte ich plötzlich kein Berständniß mehr für all' die tropische Wnnberwett. Bei den Besuchen bei meinen Nachbar« traf ich jene unter ihren schattigen Zeltdächern, Scherbet schlürfend, unb schetzenb unb tofenb mit ihrer Kindetschaar, gehütet von den Sluthangen einer schönen indischen Frau. War ich dann wieder in meinem prächtigen, aber öden Hause, so fühtte ich mich müde und überdrüssig, well einsam."

Graf Dohna lächelte ungläubig. „Unb ba» sagt ein neunfacher Millionär?" staub in feinem gutmütig jovialen Gesichte geschrieben.

„Unb ich begann zu träumen", fuhr jener fort, „von einem wunberholden Wesen an meinem Herbe, einer lieblich waltenbeu Fee mit . . ."

Womit, mußte ungesagt bleiben, denn in dem­selben Augenblick fuhr bet Ziegenhofer Wage« vor bem «ferne« Gitterthote vor.

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KüustliHeS Zwielicht lag über zweien dec chöasle» Zimmer der Schlöffe» Dohna zu Ziegenhof. Dennoch unterschieb man beutlich, daß zwischen ben eleganten Möbeln der Jetztzeit Stücke von orientalischem Luxus fich ausbreiteten: köstlich schillernde Decken über oen Polstermöbeln, handdicke Teppiche und Pantherselle auf bem Boben.

Zu beiden Seiten bet Thür standen wie zur hier­her gehörenden Staffage zwei athletische schwarzbrau« Gestalten. Dieselben trugen kurze Beinkleider von einem kostbaren Äeweb, in dessen Farbenspiel Schar­lach uno Gold vorherrschten. Die Oberkörper war« unbekleidet bis auf eine ebenfals bunte faltige Schärpe, welche von der rechten Schulter laufend nutet der link« Hüfte geknüpft war.

Stumm unb unbeweglich wie bie alten Rüstung« im Rittersaale der Raunburg standen fie da. Nur manchmal zeigte fich «was Lauschende», eine auf« horchende Miene in den fremdartigen Gesichter«, unb zwar, wenn bie volltönenbe Stimme im Seitenzimmer einen andern, einen heiteren unb erregteren Klang an­nahm.

Hier saß Graf Kurt von Dohna, jetzt Dffigier, mit einem jener gutmütigen AlltagSgefichter, bie sofort für sich einuehm«. Er hatte röche» Haar unb über dem breit«, häufig lächelnden Mund mit ben dichten weiß« Zahnreihen wölbte fich ein feurig rother Schnurrbart.