& 196 Donnerstag, den 27. August 1896. 23. Jahrgang
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□ 43. General-Versammlung der Katholiken Deutschlands zu Dortmund.
Dortmund, 25. August. IV.
(Schluß der zweiten öffentlichen Versammlung.)
In trefflicher, durchdachter «nd klarer Weise verbreitete sich hierauf der Bergmann Brust-Alteneffen über die Organisation der Berufsvereine, wobei er mit AnerkenvuAg der darauf gerichteten Thätigkeit de» C-ntrum» gedachte. Eine Zwangtor^anisation wies er zurück, da fie nur die berufsmäßigen Schreier und Agitatoren an die Spitze Bringen würde. Den sozialdemokratischen Gewerkvereinen könne kein christlicher Arbeiter beitreten. Er hatte interkonfesfionelle christliche Gewerkvereine für das Richtige und empfehle dm christlichm Brrgarbeiter-Gewerkverein dem Wohlwollen der Bersammlung. Pofitiv arbeiten und un» organistren, dann »erben wir unser Theil zu der Lösung der sozialen Frage bettrogrn. (Leb. Beifall.)
Nachdem Vizepräsident Frecherr Dael v. Köth dem Redner, der neben seiner hartm Arbeit noch soviel Zeit gefunden, um sich zu einer glänzenden Rede über sein schwierige« Thema vorzubereiten, gedankt hatte, sprach
Professor Dr. Mausbach-Münster i. W. über die Bedeutung deS OrdenSwesen» für unsere Zeit. In begeistertm Worten schilderte er die hohen Segnungen, die von dm Klöstern in sozialer wie in religiös-sittlicher Hinsicht auSaehm, und erntete damit wiederholt so stürmischen Beifall, daß sich darin offenbar wieder die treue Liebe der katholischen BotteS zu seine» OrdenSlentm aussprach.
Die letzte Rede, die Fabrikant Wogeno-Aachen hielt, galt dm Bestrebungen für Arveiterwohl. Warm trat er insbesondere für Verkürzung der Arbeitszeit und so weit ^hende Besserstellung der Arbeiter aus, daß sie auf bte Mitwirkung ihrer Frauen beim Broterwerb verzichten könnten. Er schloß mit der sehr beifällig aefgenommmm Aufforderung, dm Verband Arbeiterwohl nach Kräften zu unterstützen.
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An 2700 Mitgliedskarten waren bis DimS- tag Mittag ausgegeben. Der Andrang wird immer größer, die Stimmung immer begeistetter.
Dortmund, 26. Aug. Auch heute ist hier trotz schlitt» Wetter» ein gewaltiger Andrang. Von Köln und Paderborn sind Extrazüge eingetroffen. Die Anmeldungen erreichen bereit» die Zahl 3000. Da der Bersammlung»saal alle angemeldeten Personen nicht mehr faßt, so wird eine Parallelversammlung geplant.
Dortmund, 26 Aug. Heute fanden Parallelversammlungen im Fredmbanm (Präsidium Gröber), HobertSburg (Präsidium Würmeling) statt, die beide überfüllt waren. Die große Tribüne im Fredenbaum war so überlastet, daß baupolizeilich eine theilweise Räumung veranlaßt wurde, nachdem Weihbijchof Schmitz die erste Rede gehalten. In Ho» bertrburg sprach zuerst Prinz Arenberg über Kolonialpolitik mit der entschiedmm Erklärung gegen exorbitante uferlose Marinepläne. Da» Wetter ist schlecht, da» Gartenfest ist in Folge dessm verregnet.
I Der AugustiuuS-Verein zur Pflegt der katholischen Preffe
| hatte Sonntag Vormittag eine zahlreich besuchte Sonder- < Versammlung im Lindenhof abgehalten, in der in in« l teressanter und hoffentlich auch recht fruchtbringender z Weise über berufSgenosicuschastliche Fragen der katho- l I schen Presse und auch über die politische Lage ver- ä handelt wurde. Zwei weitere Versammlungen sollen f' Dienstag und Mittwoch abgehallen werden.
Der Augustinusverein hat seinen Ursprung auS - dem Rheinlande genommen und bort ständig schon * seit mehr al» 10 Jahren al» ein Sammelpunkt der s katholischen Presse unserer katholischen Sache und j Politik, sowie auch der Förderung der Interessen i der Prrffe im engerenSinne tteffliche Dienste geleistet. Im l Laufs der letzten zwei Jahre hat fich der Verein über i das ganze Deutsche Reich auSgrbreitet; in einer Reihe -von Gruppen, die für einzelne Kragen öttlicher j Natur oder für die Jntereffen einzelner Länder als i einzelne Theile, in der Hauptsache aber in innigem | und festem Zusammenhänge al» Ganzes arbeiten, Z bildet er nun, so kann man sagen, eine berufsgenossen- } schaftliche Organisation der deutschen katholischen Preffe. '' E» gehören dem Vereine nicht nm ausschließlich die- 5 jenigen an, die als Redakteure, Mitarbetter oder Brr- ; leger in dem engsten Verbände der katholischen Preffe < stehen, sondern auch zahlreiche solche Mitglieder, die zwar nicht al» eigentliche Federmänner von Beruf tontet, aber von ihrem Standpunkte al» katholische Politiker auch doch ein ganz aktuelles Interesse an unserer Preffe haben und fast ebenso sehr wie die , eigentlichen Männer der Presse selbst berufm find dazu, an dem Wirken und Gedeihen derselben mitzuarbeiten.
Die Zahl der BereinSmitglieder, die vor 2*la Jahren wenig mehr al» 100 betrug, ist jetzt dem siebenten Hundert sehr nahe gekommen. Die Gruppen- orgamsation ist in den Gruppen Beyern, Ostdeutsch- ! land, Südwestdeutschland, Westfalen, Hannover-Olden- ' bmg und in der jüngsten Gruppe, der Gruppe Hessen» Hessen-Nassau Mtttett hein-Mosel beinahe vollendet. E» fehlt nur noch bet letzte Abschluß in der Bildung l einer Gruppe, die auch noch denjenigen Bezirk in ■ diese Organisation einschließt, in dem die Wiege deS ! Vereins stand: die Regierungsbezirke Köln und Aachen.
Bon allgemeinerem Jntereffe dürste el sein, daß auch in mehrere« Nachbargebieten deS Deutschen Reiche» neuerdings der längst vorhandene Wunsch, entsprechende Bereinigungen innerhalb ihrer Grenzen zu schaffen, greifbare Gestalt zu gewinnen beginnt — so besonders in Oesterreich-Ungarn, wo freilich gerade im gegenwärtigen Augenblicke die Herstellung eines solchen allgemeinen Zusammenschlusses besonders schwierig ist. ♦ * ♦
Kestversaurmlnng katholischer Lehrer Deutschlands.
Dank den Bemühungen des Lokal-KomitL's hatte man den architektonisch schönsten Saal Dortmund'S, den Konzert-Saal der Kronenburg erhalten. @d)on
lange vor Beginn der Festlichkeit hatten sich die wetten Räume dieses Saalbaues mit Damen und Herren von nah «nd fern gefüllt. Man frente sich be» Wiedersehens alter lieber Bekannten «nd tauschte in lebhaftem Gespräche die Erlebniffe vergangener Tage. Nach dem Festmarsche von Lachner und der Ouvertüre zu der Oper „Fernste" von Auber begrüßte Herr Schulte ; (Dortmund) Namen» der Lokal-Komits'» die zahlreich Erschienenen mit herzlichen Worten. Herr Rettor i Brück (Bochum) kennzeichnete in eingehender Weise i die Bestrebungen der heutigen Humanismus und der > jetzigen naturalistischen Welt-Anschauung in Bezug auf j die Erziehung, denen er die christliche gegenüberstellte, ! al» deren machtvolle Vertreter er Papst und Kaiser in beredten Worten pries. In das von ihm auSge- । brachte Hoch stimmte die Versammlung jubelnd ein. < Den Glanzpunkt be» Abends bildete die, wenn auch | kurze, Anwesenheit de» Präsidenten der 43. Seneral- ■ Versammlung, Herrn Landgerichtirath Gröber au» i Heilbronn, und deS Vicepräfidenten, Hrn. Dr. Wärme- ■ ling an» Münster, die von der Versammlung auf» lebhafteste begrüßt wurden. Herrliche Sorte der Anerkennung und Aufmunterung richtete der verdiente Parlamentarier an die Lehrer, die er zu eifriger idealer Thätigkeit ermunterte. Hr. Dr. Würmeling zeigte die
Berechtigung der Bestrebungen nach einer immer bester en materiellen Stellung der Lehrer, für die er al» Decerneut be» Schulwesen» in Münster recht Ersprießlicher geleistet hat. Begeistert stimmten alle in ba» Hoch ein, ba» Hr. Rettor Brück biefen wahren Freunben be» LehrerstanbeS ausbrachte.
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Versammlung katholischer Pole«.
Am Sonntag fanb im katholischen Gesellenhause zu Dorimunb eine Versammlung katholischer Polen statt, welche so zahlreich erschienen waren, baß ber geräumige Saal bis auf be« letzten Platz gefüllt war. Mehrere Rebner besprachen bie Verhältnisse ber katholischen Polen Westfalen» unb be» RheinlanbeS und ermahnten bie Versammelten, fest am katholischen Glauben zu halte». Einer ber Redner sprach über die OrdenSfrage und betonte unter großem Beifall, daß das katholische Volk nicht früher ruhen darf, bis die letzten Ueberreste de» unheilvollen Kulturkämpfe» aus der Welt geschaffen find. Er wurde ein Huldigungs- Telegramm an den Herrn Bischof Dr. Hubertus Simar zu Paderborn gesandt. Außerdem beschloß die BersammluNg, an die 43. General-Bersammlung ber Katholiken Deutschlands folgendes Schreiben zu richten: „®ie im katholische« Gesellenhause zu Dortmund am 23. Aug. 1896 versammelten katholischen Pole» übersenden der 43. General-B-rsammlung ber Katholiken Deutschland» Gruß und Segenswunsch und ersuchen ergebenst um wohlwollende Erwägung folgender Resolution: Die brutschen Katholiken halten die Befriedigmg der religiöse» Bedürfnisse ihrer polnischm Glaubensgenossen im Jntereffe der Kirche und ber Moral für nothwenb'g. Die Kirchenvorstänbe mögen bie gerechtfertigten Wünsche ber katholischen Polen bei be« kirchlichen Behörden in geeigneter Weste unter- stützen «nd bei Feststellung des Kirchen-Etat» auch die Kosten der Polevpastoration berücksichtigen. Die versammelten katholischen Polen treten den Beschlüsten der 43. General-Brrsammlung der deutschen Katho- liken bei."
Deutsches Reich.
Berlin, 26. August.
* Zur Kaiserbegegnung in vreSlan meldet der ,Pol. Korr.', der russische Zar beabsichtigte zuerst den deutsche» Kaffer in Berlin zu besuchen. Der deutsche Kaiser habe jedoch selbst, mit Rücksicht auf seine Anwesenheit bei den Manövern, gebeten, bet Zar wöge nach Brerlan kommen, wozu der Zar ohne Zaudern seine Bereitwilligkeit erklärt habe. Somit sei der Versuch haltlos, die Wahl Breslau» al» Ort der Begegnung in einem für Deutschland ungünstigen Sinne zu deuten.
* Aus Görlitz erhält bie fföreSlauer Leitung' die Meldung, daß samuttliche Dispofittonen, bie für den Empfang der beide« Kaiserpaare am Montag, den 7. September ausgegeben worden sind, geändert wurden. Der in Görlitz vorgesehene feierliche Empfang ist gänzlich abbestellt worden und die Dauer der Parade über das 5. Armeekorps ist auf höchsten» zwei Stunden beschräntt.
(*) Der sogenannte „ttppesche Schiedsvertrag" wird nunmehr in Kraft treten, da König Albert von Sachsen da» ihm von den für die Erbfolge im Fürstenthum Lippe in Betracht kommenden Linien de» Hauses Lippe angetragene Schiedsrichteramt angenommen hat. Dar Schiedsgericht setzt sich nach den Bestimmungen dieser Vertrage- zusammen aus dem Könige Albert von Sachsen und sechs von diesem nach freier Wahl zu berufenden Mitgliedern der Reichsgericht». König Albert wird voraussichtlich die übrigen Mitglieder bei Schiedsgerichts erst nach ben Gerichtsferieu berufen.
* In feiner heutigen Nummer bringt ber .Reichsanzeiger' folgenbe Warnung: Ein angeblicher Nicola» be Pokttonoff erbietet sich feit einiger Zeit von London au» in Zeitungen des Festlar d:», geeigneten Bewerbern Anstell-mgen in englischen Gasthöfen zu verschaffen. Da er e» augenscheinlich nur daraus abgesehen hat, sich die von den Bewerber» zu stellenden Kautionen anzueignen, so können StellungSsuchende nur d r i n g e n d davor gewarnt werden, sich mit ihm einzulaste«.
* Mit Rücksicht darauf, daß der Reichstag i» diesem Jahre früher als in ben letzten Jahren zu. fammentritt, soll auch ber Kylvuialrath, bem e» ob.