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192 Samstag, den 22. August 1896. 23. Jahrgang

FilldakrWZtitiiiift

mit Unterhaltungs-Beilage „Sterne und Klnrnen«.

| Hier?« eine Beilage.

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gerühmt.

* Der neue preußische Ätieglminifttr v. Goßler veröffentlichte 1894 im Militärwochenblatt' einen Auf« satz, worin et schrieb: „Vielleicht findet dereinst der einfache Gedanke Eingang, daß zwei Staaten eine un­kündbare Bereinigung schließen können, daß fte während eine» bestimmten Zeitraumes keinen Krieg miteinander führen." Auch fonst werden, wie die ,Dresd. Nacht.' mittheilen, dem neuen Minister von Personen, die ihn näher kennen, fortgeschrittene, humane Anfichten nach­

feine hochtönende „Erklärung der geistigen Unab­hängigkeit" in die Welt schicken. Mit dieser Unab­hängigkeit war volle Freiheit in Bezug auf Privat- eigenthum, Religion und Ehe gemeint. Owen war Gottesleugner, auch seine Gemeinde sollte atheistisch fein. Wie lange dauerte nun diese- kommunistische Gemeinwesen? Kaum etwa» über 2 Jahre, und da- waren nur Jahre de- Zankes, der Verwirrung und Enttäuschung. Sieben Berfafiungen hatte die Ge­meinde erhalten, und schon am 18. Juni 1827 wußte Owen die Reste der Seinen zur lktzten Abschieds- feier einladen.

Die Sozialdemokraten übersehen aber — oder sie wollen e- nicht sehen —, daß die Geschichte die Un­durchführbarkeit solcher Pläne bereit- zur Genüge be» wiesen hat. Das 19. Jahrhundert allein schon beweist durch die im Laufe derselben gemachten Versuche zur Lerwirklichung sozialistischer Ideen, daß die auf dem ' Prinzip deS Kommunismus aufgebauten Schöpfungen < lebensunfähig find und eine Bankerotterklärung * der Kommunismus bedeuten.

So kaufte im Jahre 1824 der reiche Engländer i Oven ein großes Gebiet in Nordamerika, um dort \

rh Zur Verwirklichung sozialistischer Ideen.

TaS Hauptbestreben der Sozialdemokraten ist er wohl, da- Privateigenthum ganz zu befettigen und alles Eigenthum zu verstaatlichen. In ihrem Wahne fehen sie schon die ganze menschliche Gesell­schaft nach ihren Wünschen und Vorstellungen umge­wandelt; sie sehen schon, wie der Unterschied zwischen Arm und Reich verschwunden ist, wie der Staat so fürsorglich für die Gütererzeugung und Güterver- theilung Sorge trägt, und wie jeder Bürger ein Recht hat auf seinen Antheil der erzeugten Güter, so daß dann kein Mensch mehr zu darben brauche.

Sine solche Gesellschaftsordnung herbeizuführen, bildet das Hauptziel der Sozialdemokratie. So schrieb kürzlich die sozialdemokratische Nürnberger ,Fränkische Tagespost': „Der Gedanke kommunistischer, nach allen Richtungen hin auf dem Grundsätze der Gemeinsamkeit und Gesamminützlichkett beruhenden Organisation aller Bolkr- und Weltwirthschaft bildet den Kern unserer sozialdemokratischen Bestrebungen, soweit sie nicht nur kritisch da- Alte auflösend und zerstörend, son­dern neu schaffend und aufbauend wirken wollen."

kommunistifchen Gemeinden nach Dutzende« ins Leben.

Tausende setzten ihr Vermögen ei«, um in Freiheit s " * Freiherr von Berlepsch hat in einem Schreiben und Gleichheit al- Brüder miteinander zu hausm. ■ an die philosophische Fakultät der Berliner Universität Roch kennt man 30—40 solcher Versuche, die im Bei« ' derselben für die Verleihung der Doftorwürde gedankt, laufe weniger Jahre in den Bereinigten Staaten gr- ' Er schätze diese Ehre um so höher, je tiefer er von wacht wurde«. Sine dieser sozialistischen Gemeinden \ den Verdiensten der deutschen Wifienschast um die bestand dreizehn Jahre (e- war die „Nordamerikanische ! wichtige Frage der Zeit, der sozialen, durchdrungen Phalar x" im Staate New-Jersey), eine andere bestand i sei. Sie habe die unerläßliche Vorarbeit für jede- sech-Jahre, zwei je vier, eine drei Jahre; die meiste« ’ verständige Gesetze-weik geliefert, Belehrung und Klärung aber erlebten nicht einmal den Jahrestag ihrer Grün« < über soziale Fragen in weite Kreise der Bevölkerung düng. i getragen und die öffentliche Meinung seiner Zeit b reit

Im Jahre 1848 gründete Labet in Texas seine ! gestimmt, die gemäßigte Sozialreform als eine uner- berühmte, später nach Iowa verlegte „Jkarier-Ge- 1 läßliche Aufgabe der Staat- anzusehen. „Sie hat

eine Niederlassung für eine kommunistische Gemeinde \ zu gründen. Owen war ein erprobter Organisator, • ein gewiegter Geschäftsmann und Großkapitalist, der " über bedeutende Hilfsmittel sowie Verbindungen jeder Art verfügen konnte. Am 27. April 1825 gab er seiner neuen Gemeinde die erste provisorische Ber- fafiung; ein halbe- Jahr später zählte sie bereit- 900 Mitglieder. So konnte der Gründer am 4. Juli 1826

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* Der neue Krieg-Minister, General v. Goßler, t hat nunmehr die Geschäfte de- Krikgtministrrii m- ’i übernommen. In dem Armee-Berordrung-blatt macht s er unter dem heutigen Datum folgende KabiuetSordre ' des Kaiser- dem Heere bekannt:

Ich habe den General der Infanterie, Bronsart v. Schellen­dorf, in Genehmigung seine- Abschiedsgesuche- vom 15. Juli d. I., in Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand, unter Ent­bindung von dem Amte als Staats- und KriegSminister, Be­t' lassung ä la suite des Grobherzoglich Mecklenburgischen Grena- s dierregiments Nr. 89 und Ernennung zu meinem Generaladju- i tauten, mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt, m , welchem Berhültniß derselbe auch ferner in der AnciennetätSliste | der Generale zu führen ist. Dagegen habe Ich den General- । lieutenant v. Goßler, Kommandeur der großherzoglich hessi­schen (25.) Division, zum Staats- und Kriegsminister ernannt. An die betreffenden General-Kommando- habe Ich dem dement-

meinbe“ «ach kommunistische« Grundsätzen. Aber auch diese Gründung verfiel nach wechselvollem Schick­sale dem Untergang. Am 13. März v. I. kam au» Corning in Iowa die Mittheilung: „Nach langen, aber vergeblichen Kämpfen ist nun die etwa 3 Meile« östlich von hier unter dem Namen Jcaria Community bestehende Kommunistengemeinde doch in die Brüche gegangen. E» soll ein Kurator eingesetzt und da- vorhandene Vermögen an die Mttglieder oder deren Erbat vertheftt werden."

Aberm:l» entstand im Jahre 1883 in Californien eine „Ikarier-Gemeinde" nach sozialistischen Grundsätze«. Die äußeren Bedingungen waren glänzend für eine Kommunistengemeinde: ein herrlicher Grundbesitz in überau» schöner und fruchtbarer Gegend, Geldmittel und billige Arbeitskräfte in Fülle, intelligente, gebildete Männer und Frauen an der Spitze, Berständniß der sozialistischen Pläne und Systeme, und mit der Er­fahrung vergangener Jahrzehnte noch die urrgeschwächtr Begeisterung für den Kommunismus. Deshalb schrieb „Spaw" im Jahre 1894: „Es muß entweder ein brillanter Erfolg toetben oder ein kläglicher Bankerott." Der Bankerott ist längst eingetreten, die Gemeinde ist untergegangen.

Darum schrieb das „Twentieth Century" in New- Iork, da» sich ganz und gar znm Kommunismus be­kennt, im Februar 1895 mit Recht, eS sei eine allge­meine Erfahrung, daß bis jetzt alle fäkularistifch en Kommunistengemeinden elend untergegangen feien mit der einzigen Ausnahme der Ruine von Cadets ehemaliger Gründung „Jkaria" in Corning in Iowa. Doch auch diese „Ruine verschwand ja schon bereits im März 1895 ebenfalls vollständig vom Erdboden. Eine Chicagoer Zeitung bemerke beim Untergang der „Jkaria" mit Recht: „So lauge nicht der Schöpfer der Welt durch ein allmächtiges „Es werde" die Natur der einzelweSlichen Menschheit nach einer rein kommu- ! nistischen Theorie umschaffen wird, muß uothwendig daS Schicksal de- Jkaria-Experimente» in jedem neuen Falle sich wiederholen, so lauge GraS wächst und Wafier fließt."________________________________________

Deutsches Reich.

Berlin, 21. August.

aber auch durch ihre gründlichen Forschungen und logischen Schlüffe nachgewiesen, daß mit dem Berlafle« der gewachsenen Boden- nur unerfüllbare Forderungen und unhaltbare Versprechungen entstehen, die wohl zum Zerstören, aber nicht zum Aufbaue« führen tonnen. Diese Erwägungen lassen eS mir ganz besonders werthvoll erscheinen, daß die philosophische Faknttät der Universität der Reichshauptstadt mir die Anerkennung zu Theil werde« läßt, daß meine amtliche Wirksamkeit vor dem Richterstuhl der Wifienschast be­stehen kann."

# Bloßer Zufall? Wie die ,Freis. Ztg.' erfährt, hat gleichzeitig mit dem Kaiser auch der ehemalige Ministerpräsident Graf Botho zu Eulenburg in Be­gleitung seine-Vetters, des Grafen Dönhoff, eine Nord­landreise unternommen. Trotzdem die beide« Genannte« sich nicht im Gefolge de- Kaisers befanden, waren sie dem Kaiser doch stets so nahe, daß er fte immer leicht erreichen konnte. Es fand auch wirklich während der Reise in Norwegen ein lebhafter telegraphischer Verkehr zwischen dem ehemaligen Ministerpräsidenten und seinem in der Umgebung de» Kaiser» fich befindenden Bruder, dem Botschafter Grafen zu Eulenburg, statt. Die ,Freis. Ztg.' bemerkt hierzu: „Für eine etwaige Kon­ferenz in Betreff einer anderweitigen Besetzung des Reich-kanzler-PostenS wäre also Graf Botho jederzeft zu haben gewesen."

* Heber die MUttärstrafgesetzreform berichtet ein Blatt, da- von guter Seite unterrichtet sein will, daß dieselbe bi- jetzt noch durchaus unentschieden ist. In eingeweihten Kreisen will mau wifien, daß die kommandirende« Generale e» find, welche den Kaiser in seinem Gegensatz zur Reformfordernug be­stärken. Die Generäle fürchten eine Schädigung für die Disziplin.

* Da» Königliche Staat-Ministerium hat im Jvs tereffe der Laudwirthfchaft den Chefs aller Ressort- i die Weisung zugehe« lafiea, bei allen ihnen unterstellte« Verwaltungsorganen anzuregen, soweit die» ohne Schädigung Malscher oder allgemeiner Interessen und ohne grundsätzliche Ausschließung de- legitimen Handel- au-füchrbar erscheint:

a) die Bedürfnisse der Verwaltung an landwirthschastlicheu Erzeugnissen thunlichst direkt von den Produzenten zu erwerben;

b) zu diesem Zwecke insbesondere auch direkte Bezieh­ungen zu bereit- bestehenden Berkauf-genossenschafteu anzuknüpfen, auch möglichst — um den Anforderungen der Ber- waltungsorgane bester al- zur Zeit genügen zu können — auf den Zusammenschluß der Produzenten zu Berkaufsgenossenschaften an geeigneten Orten hinzuwirken und die Bildung solcher Ge- nostenschaften durch Berücksichtigung bei der Vergebung von Lieferungen zu fördern

c) sofern eine öffentliche Submission für die Lieferungen der in Frage stehenden landwirthschastlicheu Erzeugniste statt­findet, Zwischenhändler nur dann zu berücksichtigen, wenn sie sich von vornherein am Submissionsverfahren betheiligt und günstigere Gebote bezüglich der ausgeschriebenen Lieferung ab­gegeben haben al- die übrigen Bewerber.

Die Befugniß der Verwaltungsorgane, daS Berdingungs- verfahren unter Umstünden aufzuheben und eine anderweite Be­darfsdeckung eintreten zu lasten, soll hierdurch nicht berührt werden. .

Diese Anregung hat ber Minister ber öffentliche« Arbeite« zunächst an bte Behörben ber allgemeine« Bauverwaltung gerichtet.

* Wie von offiziöser Sette mitgethettt wirb, soll bem Reichstag in seiner nächsten Session ein AuS- wanderunzsgesetz vorgelegt werben.

* An ver'chieoenen Orten Deutschland- ist eine epidemische Augenkrankheil ausgetreten. In Kiel wurde ein ganzes Bataillon davon befalle«. In an­deren Sädten mußten sogar die Schulen deshalb ge­schloßen werden.

O Der Vorstand de» evangelischen Bunde- in Hessen, Landgericht-rath Küchler in Darmstadt, ver­sandte kürzlich eine« Aufruf, worin ernstlich vor dm barmherzigm Schwestern gewarnt wird. Dem Auf. ruf ist ein Fragebogen beigelegt Über die Berhältnifie ber Krankenpflege in ben einzelne« Orten. In bem Aufruf heißt er wörtlich: „Wir bürfen in dieser wichtige« Sache (in der Krankenpflege) nicht länger in dem bisherigen Maße auf die Hilfe bet Barm­herzigen Schwestern und anberer katholi­schen OtbenSaugehörigen uns stützen und hierdurch zu ihrer »eiteren Ausbreitung beitragen. So wetthooll bieselbe zwar in manch« Krankheitsfällen war, wofür wir dankbar sind, so zeigt ei fich aber doch, daß diese Hilfe nicht frei ist

sprechend verfügt.

Mlhelm-höhe, den 14. August 1896.

Wilhelm.

Au da- Kriegsministerium.

Gleichzeittg mit Owen- Schöpfung warm in Amerika noch viele andere ebenfalls kommunistische Bereinigungen ins Leben getreten, eine auch in Schott­land; aber keine dieser Gründungen überdauerte drei Jahre, die meistm gingen nach wenigen Monaten z« , Grunde. Später griff die Begeisterung für komm«- ; «istische Experimente noch weiter um fich, und auch l Frankreich sah solche Gerneindm entstehen (so bei; Ctteaux 1847), Algier 1848, Brasilien 1849.

Jrn Sommer 1844 traten in Nordamerika die '