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-Al 191 Freitag, den 21. August 1896. 23. Jahrgang

FiildaerMZeiliiiig

mit Unterhaltungs-Beilage „Sterne und Klumen".

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnements preis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

& Zur 43. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands.

Immer näher rücken die Tage, wo in Dortmund die diesjährige Generalversammlung der Katholiken Deutschlands tagen soll. Schon ist et höchste Zeit für alle diejenigen, die noch schwanken, nunmehr end- S'tiq sich zu entschließen. Auf denn, ihr katholischen änner, aus ohne Zögern und Zagen und hin nach Dortmund, damit auch ihr beitraget, die diesjährige Generalversammlung würdig an die früheren anm- reihen! Allerdings, es ist wohl wahr, diefrS Mal wird nicht in der Hauptstadt Bayerns oder im „rhei­nischen Rom" getagt, nein dieses Mal sollt ihr mitten in daS Land der Arbeit kommen, in eisen der in- dustrieretchsten Bezirke unseres Vaterlandes. Und in der Tbat, wie hätte man für dieses Jahr einen besieren Ort finden können, da ja gerade die diesjährige Katholiken-Bersammlung „unter dem Zeichen der sozialen Frage steht", wie eS schon in dem Aufrufe deS LokalkomtteeS heißt. Auf denn, ihr Alle, und helfet müarbeiten an der großen Aufgabe, die ihr sämmtlich mitlösen sollt. Die Religion und die Kirche ist eS aber gerade, die zur wahrhaft gedeihlichen Lösung deS sozialen Problems berufen sind. „Je lebhafter und writer ausgedehnt die soziale Bewegung sein wird," sagt schon der protestantische Staatsmann Guizot, „desto weniger wird die Politik hinreichen, die in Bewegang gesetzte Menschheit zu leiten." Drum auf denn, ihr Alle, denen das wirthschastliche Wohl unseres Vaterlandes noch am Herzen liegt. Dieser Jahr erfüllt ihr eine doppelte Aufgabe durch den Besuch der Generalversammlung: einmal tragt ihr bei zur Verherrlichung deS Katholikentages, dann aber auch betheiligt ihr euch an der Lösung jener Frage, die jetzt so mächtig die ganze Welt bewegt und sie a«S ihren Angeln zu stürzen droht. Auf drum, ihr Katholiken Deutschlands, ihr Katholiken unseres engeren HeimathlandeS, ihr besonders, die ihr «och schwanket und zaudert, eilet hin nach Dortmund, ihr werdet sehen, kS wird euch nicht gereuen. Doch nun grüß Gott! Auf Wiedersehen in Dortmund!

Zum Rücktritte des Kriegsministers von Bronsart

nimmt nunmehr auch der ,RkichSanzeiger' das Wort. Er will in allem Ernste glauben machen, Herr von Bronsart habe nur aus Gesundheitsrücksichten seinen Abschied erbeten. Zu diesem Zwecke wird erzählt, daß General von Bronsart schon „gegen Ende diese» Früh­jahr»" seine Entlaflung unter Berufung auf seinen angegrisienen Gesundheitszustand nachgesucht habe. Um den Minister möglichst im Amte zu erhalten, sei ihm ein Urlaub bis Ende August ertheilt worden. Roch vor Ablauf derselben habe der bisherige SriegSmiuister sein Abschiedsgesuch unter der Begründung erneuert,

Stromanfmarts.

Roman von Cl. Lötschert (M. Brechten).

25] ------- (Nachdruck verboten.)

Er nimmt ihre Hand in die seine: „Hier Komtesse, vertraue ich Ihnen meinen Wildfang an. Ich habe einige Bekannte noch immer nicht begrüßen können, und muß leider daS Fest auf eine kmze Zeit ver- lasien."

Sie erröthet freudig und zieht den Arm des hüb­schen Mädchen» durch den chren. „Dank... und darf ich mit chr machen, was ich will?"

Seine schmalen Lippen öffnen sich zum verbind­liche« Lächeln und zeigen für eisen Augenblick die weißen ftauenhaft kleinen Zahnrechen. „Gewiß, Kvm- tefle; denn daS kann ja nur Gute» fein."

Die beiden jungen Damen schmiegen sich eng an- einander. Dann flüstert die eine derselben: „Wollen wir Freundinnen sein? (Berti, Theuerste, sprich . . . könntest Du „Du" zu mir sagen? Sieh', ich thue eS bereits."

„O nein, Gräfin. Ich bin so viel jünger al» Sie, so unbedeutend und . . . und auch noch so kindisch!"

„O geh', Liebe, da» kann ich doch auch bem- cheUen, und ich habe Dich gern, gerade so wie Du bist. Aber nicht hier unten in dem bunten Gedränge sollst Du'» lernen . . . laß uns auf die Böschung

daß fich sein Gesundheitszustand nicht so gekräftigt habe, um die Funktionen der arbeitsreichen und ver­antwortungsvollen Stellung als Kriegsminister wieder übernehmen zu können. Infolgedessen habe der Kaiser fich genöthigt gesehen, dem Gesuche des Generals zu entsprechen. Der ,ReichSanzeiger' meint, für jeden Unbefangenen müßten „diese einfachen und klaren Thal- fachen" genüge», den Rücktritt des bisherigen KriegS- ministerS völlig motivirt erscheinen zu lassen; er ver­gißt dabei aber, daß „diese einfachen und klaren That- fachen" auch bisher schon bekannt waren, ohne daß Jemand darauihiv wirklich je geglaubt hätte, daß nur Gesundheitsrücksichten Herrn von Bronsart zu seinem Abschiedsgesuch bewogen haben.

ES sind über die Gründe deS Generals von Bron­sart zu seinem Entschluffe doch viel zu genaue Mit­theilungen gemacht worden, und zwar in Blättern, die anerkanntermaßen Fühlung mit den Regierungskreisen haben. Besonders ist bekannt geworden, daß in mehreren wichtigen Prrfonalfragen die Entscheidung deS Kaisers gegen die Meinung deS KriegSministerS ausfiel. DaS wird auch in der Mittheilung des,ReichSanz.' nicht bestritten. Er wendet fich in seiner weiteren Darlegung gegen die Behauptung, daß der KrirgSminister dem Einfluss; deS MilitärkabinetS unterlegen sei. Zu diesem Zwecke betont er sehr stark, daß da» Militär- kabinet keine selbstständige Behörde sei, sondern nur eine Kanzlei der Kaisers, in welcher dieser diejenigen persönlichen Militär-Angelegenheiten bearbeiten laste, welche als Ausfluß der dem Könige zustehenden Kommando- Gewalt anzufehen seien, so daß der Chef deS Militär­kabinetS selbstständige Verfügungen nicht treffen könne, fondern nur die Ausführungen der Befehle des Kaisers zu vermittel» habe. Der Chef der MilitärkabinetS komme daher gar nicht in dir Lage, einen Einfluß auf die kaiserlichen Entschließungen in denjenigen militärischen Angelegenheiten zu üben, welche zum R-ssort deS KrtegLmimsterS gehöre». Am allerwenigsten aber wäre dem Chef deS MilitärkabinetS ein Einfluß in politischen Dingen gewährt.

Daran knüpft der ,Reich»anzeiger' die Hoffnung, daß diese Darlegung dazu beitragen werde, „die mannigfachen Mißverständnisse, welche sich an den im KriegSministerium vollzogenen Personenwechsel ange­knüpft haben, zu zerstreuen." Wir können dem,Reichs- anzeiger' leider nicht die Freude mache», unsererseits feinen Hoffnungen zu entsprechen, denn bei Licht be­sehen, bestätigen seine Ausführungen gerade die bisherigen Angaben unterrichteter Blätter. Mit der Berufung darauf, daß die persönlichen Angelegenheften im Milftärkabinet bearbeitet werden und nicht zur Zu­ständigkeit des Kriegsminister» gehören, kommt der »ReichSanzeiger' nicht durch, denn bei den persönlichen Fragen, welche einen Hauptgrund für das Rücktritt»- gefuch de» KriegSministerS bildeten, handelte cS sich gerade um Mitglieder des Kriegsministeriums, um ganz hervorragende Mitarbeiter der KriegSministerS. S^S^SSWS^SSSSSSSSSSSSSSSSSS^SSSS hinaufgehen. Sieh', Biele, die müde find vom Tanz, prorneniren da."

Sie klimmen die breiten festgeftorenen Stufen hinan und verschwinden bald in dem Kreis der roth- glühenden Lichter.

Wie schön ist'r hier oben! Der Mond steigt lang­sam hinter dem Mauththurm empor und beleuchtet den Sttom, der ganze Blöcke hell schimmernden Eise» hinabführt; denn nur der Hafen ist zugeftoren. Mit dumpfem Anprall stoßen dieselben gegen den Damm. Nach und nach wirkt dar fortdauernde rollende Getöse ganz unheimlich.

Irmgard von RaSfeldt zeigt nach einer nahen Insel, deren hohe Weiden und Pappeln deutlich er­kennbar find. „Sie gehört Deinem Vater, nicht wahr?"

„Die „Au?" Ach ja, und denke Dir: ich bin noch niemals dort gewesen."

Irmgard lächelt, weil da» kleine begehrte Wörtchen nun doch so leicht über die Lippen gekommen. „Siehst Du, hier oben ging'S."

Sie faßt (Berti’» Kopf zwischen beide Hände und biegt ihn sanft zurück — nein, eS find andere Züge, aber in den weichen Armen, die zutraulich ihren Hal» umschlingen, pulfirt dasselbe Blut! DaS liebliche Gesicht fest an sich ziehend, nennt sie einen Namen — leise wie ein Hauch. Gertrud versteht ihn nicht, aber eS ist auch nicht der ihre.

In einem solchen Falle versteht e» sich doch wohl von selbst, daß der KrirgSminister auch ein gewichtige» Wort mitzusprechen hat.

Da» ist auch der Punkt, an welchem die vorliegende Personalftage in Verbindung mit der Frage der Mili­tärprozeß-Reform steht; denn wenn der KriegS- minister eine Reform nach den Grundsätzen der mo­dernen Rechtsanschauungen dem Reichstage glaubte ver­sprechen zu können, so kann eS ihm durchaus nicht gleichgiltig fein, was für Mitarbeiter er zur Aus­arbeitung der Vorlage in feinem Ministerium zur Verfügung hat, und ob die Anhänger der Reform durch Gegner derselben nach dem Herzen deS Generals von Hahnke ersetzt werden.

Formell ist e» ja ganz richtig, daß da» Militär- kabinet im Auftrage deS Kaisers verfährt und daß der Kaiser in allen die Kommando-Gewalt betreffen­den Angelegenheiten persönlich die Entscheidung hat. Daraus folgt aber keinesweg», daß e» gleichgiltig wäre, welche Rathgeber er bei Entscheidung dieser An­gelegenheiten um sich hat. Die Auslastung des,Reichr- Anz.' ist ein merkwürdiger Versuch, das Milftärkabinet durch die Person de» Kaiser» zu decken. Daß die» dem Ansehen der Krone förderlich fei, kann Niemand be­haupten. E» find au» Anlaß de» „Falle» Bronsart" sogar in nationalliberalen Blätter» schon sehr scharfe Worte gefallen, die sich ziemlich unverhüllt gegen daS Hrrvortreten deS persönlichen Regimmt» selbst richteten. Wenn nun auch in dem amtlichen Blatte der Regier­ung der Kaiser selbst zur Deckung deS Milftärkabinet» vorgeschoben wird, so kann dies die Folge haben, daß die öffentliche Kritik noch allgemeiner und schärfer sich gegen die Person de» Monarchen wendet. Und daS ist ein Zustand, den wir gerade vom monarchischen Standpunkte au» nur bedauern können.

Deutsches Reich.

Berlin, 20. August.

* Nicht da» Auswärtige Amt, sondern der Reich-- kanzler hat, wie die ,Nordd. Allg. Zig.' betont, wegen der Beschuldigung gegen de» Gouverneur v. Putt- Urner gegen da» Berliner .Tagebl.' Strafantrag gestellt.

ti. Der neue KriegSminister General v. Gotzler ist heute Abend 8 Uhr in Berlin eingetroffen und im „kaiferhof" abgestiegen, v. Soßler wird dort fo lange Wohnung nehmen, bi» die Dienstwohnung für den Kriegsminister durch die Uebersiedelung v. Bronsart'» frei geworden ist, was erst Ende dieser Monats ge­schehen wird. Der Großherzog von Hessen hat dem Kriegsminister v. Goßler da» Großkreuz des Philipp- orden» verliehen.

O Der Berbaftd deutscher BSckerinnungen hat auf dem BerbandStage in Breslau eine Resolution be­schlossen, welche die Organisations-Vorlage der preußi­schen Regierung als Grundlage einer dem Handwerk

Sie sind wieder unten, eifrig plaudernd und fich zur Feier des eben geschloffenen Bündnisse» streng von den andern jungen Gefährtinnen abschließend.

„DaS ist immer so eine Art Hochzeitsreise, um gleich besser vertraut mit einander zu werden," meinte Gertrud. Sie ist sehr froh; denn sie hat feit dem letzten Jahc Jemanden vermißt, dem sie all' ihre kleinen Selben mittheilen könnte und glaubt, diesen Jemand nun gefunden zu haben.

In der Nähe de» Mufiktempel» sucht Herzog seine Tochter auf. Dieselbe theilt ihm athemloS da» chr so wichtig scheinende Ereigniß mit, indeß da» schöne Edelftäulein mit feinem Lächeln beifügt: „Sie hatten mir erlaubt, mit meiner Schutzbefohlenen zu machen, was mir beliebte, Herr Herzog. Nun wohl, so habe ich dieselbe denn zu meiner Freundin gemacht."

Er verneigt sich tief; aber das in Haltung und Mienen ihm eigenthümliche, stolze, unnahbare Wesen bleibt sichtbar, trotz dem verbindlichen Tone in seiner Antwort.

„Sie find sehr güttg, Komtesse. Ich hoffe nur, daß meine kleine halbfranzöfische Blume fich auch der fie so hoch ehrenden Auszeichnung würdig geigen wird."

„O Papa, Gräfin Ra»fe!dt muß ja Angst vor mir bekommen! Bin ich denn gar so schlimm?"

„Richt immer, aber doch zuweilen. Weißt Du,