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Mittwoch, den 19. August 1896.
23. Jahroma
* Der ExkriegSmInister General Brvnsurt vv« Lchellendorf hat sich am Dienstag von den Offizieren und Beamten bei Kriegsmimsteriums verabschiedet. Der neue Krieg-Minister wird in den nächsten Tagen zur Uebernahme seiner Amtsgeschäfte hi'r eintreffen.
"h. Dal Auswärtige Amt hat Klage gegen dar »Berliner Tageblatt' wegen der Anschuldigungen desselben gegen den Kameruner Gouverneur v. Putt- kamer erhoben, von deren Grundlosigkeit er, der »Franks. Ztg.' zufolge, überzeugt ist. Wie man jetzt hört, waren die Anklagen gegen v. P. in der That grundlol. Dar ,Berl. Tagebl.' hust auch bereit« zurück. Die Sach- war von Anfang an sehr zweifel-
* Der Kaiser hielt gestern Dienstag, wegen bei Jahrestage! ber Schlacht von Gravelotte, über baS erste Garberegiment in Potsdam Parade ab. Rach derselben hielt er eine kurze Ansprache und begab sich darauf nach dem OsfizierSkasino des Regiment!.
„Ja, aber wohl Niemand, der am folgende» Tage ernste Pflichten zu erfüllen hat oder doch schon am
Deutsches Reich.
Berlin, 18. Augvst.
Stromaufwärts.
Roman von Cl. Lötschert (M. Brechten).
23] ------- (Nachdruck verboten.)
Die junge Dame fuhr leicht zusammen. „Sie haben sich klar und verständlich aulgedrückt, wie immer, aber ich hatte nicht Acht gegeben", entgegnete sie und sah voll zu chm auf. Sie besaß die ganze schrankenlose Offenheit ihre! Baterl.
„Sind Sie mir böse?" fragte sie dann. Schon im nächsten Augenblick sagte sie sich, daß ihre Frage unbeschreiblich kindisch und einfältig und doch auch wieder tfitn aeaenüber fäbn fei.
„Böse . . . worüber? Ich wüßte nicht, daß ich ein Recht dazu hätte, Fräulein Herzog."
„Doch, weil ich mich heute so sehr verspätet hatte. Ich werde Ihnen nachher sagen, wodmch el kam."
„Bitte, einer näheren Erklärung bedarf el kaum", wehrte Herr Bernhard ab. „Wenn ich, wie Sie sehr richtig annehmen, auf Pünktlichkit einen Werth lege, so geschieht dal ja nicht meinetwegen. Aber Sie triff en: Zeit nnd Eisenbahn warten auf Niemanden, ich muß zur festgesetzten Minute schließen und möchte doch gern die übernommene Aufgabe so gut durchführen, al! nur immer möglich."
„Ich verstehe," sagte Gertrud. „El war da!
| Maße. Wer einen armen, erschöpften Burschen, der I hast. Sollte v. Puttkamer trotzdem schuldig fein, so
ost den ganzen Tag nicht! Warme! genossen hat, mit I wird sich da! ja früh genug au! der Berhandlung
| Thränen in den Augen vor sich gesehen, der begreift I gegen dal ,B. T.' ergeben.
da! große Liebelinstitut bei Gesellenvereinl. Im Ge- I * lieber die Strandung des „IM!" bringt der
sellenhosprze ist der Bursche daheim. Del Abend! I.Reichlauz.' aus Grund ber bisherigen Nachrichten, j sieht er sich umgeben von munteren Gesichtern, imb I insbesondere der Aussagen der Geröteten, eine amtliche wie einen Bruder empfängt man den Fremdling, der I Darstellung, die bestätigt, daß der „Iltis", dessen jetzt unter Seinesgleichen neu auflebt. Der Geselle, I Maschinen und Kessel in gutem Zustande waren, I der grübelnd und grollend feine! Wege! zog, fern I bei nebeligem Wetter auf Grund gerathrn ist, und daß
von ber Heimath, vielleicht sogar elternlos: im Ge- I bei ber Wahl bei Kurse! ber in Bezug auf Richtung
sellenherm ist er wieder auSgesöhnt mit seinem Ge- I und Stärke ganz ungewöhnliche Strom nicht ausreichend
schicke. Und wie viele sind schon durch die Gesellen- I berücksichtigt worden zu sein scheint. Da! Schiff sei
vereine den Händen der Sozialdemokraten entrissen I durchaus seetüchtig und sicher gewesen.
! worden! I * Der .Reichkanz.' veröffentlicht da! „Gesetz be-
i Drum auf, Gesellen, aus zum goldenen Jubelfest! I treffend die Abänderung der Gesetze! über die ErwerbS- ! Und ihr, d,e,'hr nicht pnsönlich daran theilnrhmen nnb WttthschastSgmossenschaften vom 1. Mai 1889, könnt, ,m Gerste seid ihr sicher daber. Auf aber auch I sowie den Geschäftsbetrieb von Konsum an stalten". ihr übrigen katholischen Männer alle! denn auch an I Da! Gesetz ist vom 12. August datirt.
euch geht der Ruf zur Unterstützung der großen | Da» vollständige Programm der Zareu- Schöpfung KolpingS. Drvm auf; alle, die ihr könnt, I reise wird von der .Post' jetzt mitgetheilt. Danach eilt nach Elberfeld und nehmt persönlich an dem I erfolgt am 25. August die Abfahrt nach Wie», von Jubelfeste therl! Allerdings hat man schon behauptet, I dort die Abfahrt nach Kiew am 29. August. Darauf daß die Jubelfeier im störenden Wettbewerb stehe mit I folgen die Besuche in BreSlau (5.-7. September), ber Dortmunber Generalversammlung. Doch brat I Kopenhagen (8 —19. Sept.) wohin da! Zarenpaar dürfte mcht so sein, sondern die Elberfelder Feier j von Kiel au! auf seiner Yacht fährt, Balm oral dürfte nur eine recht gute Einleitung zur Katholiken- I (England, vom 21. Sept. -- 3. Oktober), Cherbourg verfammlung sein. Die Entfernung von Elberfeld I und Paris (5.-8. Okt.) und Darmstadt. Weber m« »ntanb ist ja nur eine geringe, sodaß die I die Dauer des Aufeuthals in Damstadt wird nicht, FeMheilnehmer recht bequem am Montag von Eider-1 gesagt. Nach Berlin also kommt der Zar nicht,
selb »ach Dortmund sich begeben und dorten noch die I wohl aber nach Pari»!
ganze Katholikenversammlung mitmachen können. Also! * Der Einjährig-Freiwtlltgeudienft der Voltt- °“f denn, ihr katholischen Männer, auf I schullehrer. In sämmtlichen 114 preußischen Volks-
zum Gesellenjubiläum nach Elberfeld und I schullehrerseminarien, welche ihren Abiturienten be»
öon ba direkt zur Katholikenversammlung I Berechtigungsschein für beu Einjährig-Freiwilligendienst wacg Dortmunb! z ausstellen dürfen, hat nicht ein einziger Kandidat
Gebrauch von diesem Rechte gemacht. Sie verzichten aus die „Ehre" bei Einjährig-FreiwilligendiensteS wegen der hohen Kosten unb bienen lieber 10 Wochen ohne Schnüre. In Württemberg ist ganz dalselbr ber Fall. Allein mit beut Jahre 1900 hört biefe freie Wahl auf, unb bann tritt bat harte „Muß" an bie Lehrer heran. Dann müssen sie sich eben Trost holen bei ben liberalen Schulblättern, bie burch ihr Geschrei bie Zulassung zum „Einjährigen" errungen haben. Auch bei bett in dm letzten Tagen am Lehrerseminar in Korneliminster entlassenen Abiturienten hat sich kein einziger ttotz einbringlicher Aufforderung del Schulrath, dazu bereit erklärt, all Einjährig-Freiwilliger im Heere zu dienen.
Rl Zum Jubiläum der Gesellenvereine.
Fünfzig Jahre find nunmehr ins Land gegangen' seitd-m dec unvergeßliche Kolping in Elberfelr da! Fundament legte zu jenem großen sozialen Bau der katholischen Gesellenvereine. Nächsten Sonntag und Montag begeht der katholische Gesellenverein zu Elberfeld und mit ihm alle übrigen Gesellenvereine der ganzen Wlt bie erhabene Feier bei golbenen Jubiläum!. In Elberfeld war es, wo Kolping da! junge Bäumchen pflanzte, da! nun mit seinen Aesten unb Zweigen schon über 2000 Gesellenvereine zählt. Gewiß wirb fich baher auch biefe Jubelfeier wieder zu einer großartigen Kundgebung del katholischen Bereinslebra! {gestalten und gewiß dürste el nicht zu verwundern ein, wenn auch die aulwärtigen Theilnehmer unb Gäste nach Tausenden zählen werden.
Groß ist bie soziale Bedeutung von Kolping! Schöpfung und Lebenswerk, und die Grenzen bei Hanbwerk! sind für sie schon längsten! viel zu enge geworden. Die Gesellenvereine und ihre Er-i folge zeigen uni recht deutlich das Bedürfniß von Stanbesvereinen auf religiösem Boden. Die gegenseitige Unterstützung in sittlicher uud wirthschast- j kicher Buchung, ba! ist die Grundlage, auf ber sie aufgebaut find; Herzens- und Charakterbildung, sowie gesellige Lebensfreude, und vor allem ein rechtschaffenes, gedeihliche! Fortkommen in der Arbeit und im Ge- I w:rbe, da! sind die Hauptbestrebungen derselben. Auch I sie tragen nicht zum geringsten Theile bei zur Lösung I ber „sozialen Frage". Das beweise» ja auch bie vielen I ähnlichen Organisationen, bie im Lause ber Zeit rat- I standen und nach dem Muster der Gesellenvereine au!-1 gebildet worden find. So sind es vor allem die Ar» I beitervereine, die ganz auf dem Boden der Gesellen- I vereine begründet find unb bie wohl nie eine solche I Bedeutung in unserem Wirthschastsleben erlangt hätten, | wenn sie nicht bie Erfahrungen ber Gesellenvereine I hätten zu Rache ziehen können, besonber! in Bezug I auf bie inbustriellen Hilfskräfte.
Gerade da! katholische Bereinlleben war ei, was I in*ber KulturkampfSzeit bei unseren Gegnern so viel I Anstoß erregte. Die katholischen Vereine sollten eS I sei», welche den Samen der konfessionellen Feindselig- leiten immer von neuem au,ftreuen. Doch dessen sind I wir alle überzeugt, daß dies nur leere Borwürfe sind, I daß besonder, auch in ben Sesellenvereinen Kolping, I Geist, ber Geist ber Liebe gegen alle Mit- I christen wie von jeher so auch noch heute fortlebt I unb fortwirkt. Doch jetzt erkennt man auch auf pro- I testantischer Seite bie soziale Bedeutung der Gesellen- I vereine immer mehr unb mehr an. Und in ber That | müßte man ja auch mit Blindheit geschlagen fein, wenn | man bie reiche Wirksamkeit der Gesellenvereine über- I sehen wollte.
Wie viele Tausende werden von den Gesellenver- I einen jährlich unterstützt. Bon Jahr zu Jahr wächst j bie Zahl brr hilfrbedürstigra Gesellen in erichrecklichem I
FiiIdaerWZkitiüig
_________________mit Unterhaltung» Keil«,» „Sterne nnd Klnmen«.
[ erste Mal, baß sie etwa, zusammen gesprochen hatten, wal nicht ausschließlich zum Unterricht gehörte, und sie war überrascht von bem weichen, seelenvollen Klang seiner Stimme, ber so ganz von bem trockenen Lehr- tone abwich. Aber rasch mieber in biefe» übergehend, knüpfte er gewandt ben abgebrochenen Faden a» die Namen ber Dichter während der RegierungSzett der Königin Elisabeth an. Und Gertrud merkte nur zu bald an ber veränderten Stimme und einer leichte» Bewegung, daß er den Kopf ein klein wenig nach dem Fenster hinwandte, unb sie wußte durch einen gegen- über hängenden Spiegel, daß da» kalte, ernste Gesicht ihrer einstigen «Spielgefährtin wieder seinen starren, $ uhiu yjna#icn zu njuuen gut vutt wu, um gleichmäßigen Ausdruck verloren, daß der stolze Mund ' frühen Morgen frisch an Körper und Geist auf dem lauschend halb offen stand, und bie dunkeln Augen . Lehrstuhl stehen muß. Komtesse Marie sprach mir wie festgewurzelt an bra Lippen ihres Lehrer! hinge». ] davon, allein r geht nicht. Eine halbe Nacht anf Sie hatte sich anfang, gegen diese Wahrnehmung ge- dem Eise durchschwärmen, dürfte wohl keine paffende sträubt; als dieselbe aber immer wiederkehrte, da hatte Borbereitung auf meine zahlreichen, zum Thtil sehr eS ihr ordentlich kalt ans Herz gegriffen. i anstrengenden Stunden sein."
Gott sei Dank, nun war Die Stunde, deren Ende „Wie schade! Aber gönnen Sie sich denn gar sie zum ersten Mal herbeigesehnt, herum. Herr Bern- keine Erholung, nie eine kleine Zerstreuung?" Hard legte langsam ein Zeichen zwischen die Blätter i „Vorläufig allerdings kaum. Ich wtdme meine seine, Buches. Ihn dauerte das reizende, heute so ganze freie Zeit privaten Studien, welche mir einen bekümmert aulsehende Gesicht. » etwas ausgedehnten Wirkungskreis erreichen helfen sollen.
„Sie wollten mir noch etwa, sagen", erinnerte Ist dieser erlangt, so gedenke ich meine Schwester zu er freundlich. • mir zu nehmen."
* Freimaurerische Beschwerden. Unter dieser Spitzmarke bringt die ,Köln. Bztg.' folgende interefiante Ausführung: Der Loge nahestehende Blätter gaben ihrer Unzufriedenheit darüber Ausdruck, daß vom kaiserlichen Civilkabinet auf die bekannte Beschwerde bei Protektor! der Berliner Großloge hin wegen „unsinniger Angriffe" aus den Freimaurerbund wohl hinsichtlich des Deutschen Adel,blatte! aber nicht hinsichtlich der CentrumSpreffe Schritte gethan worden seien.
Seine Schülerin nickte. „Rur den Grund meine, Zuspäikommen,: dasselbe wurde durch die Anprobe eine, neuen Kleides verursacht."
„Der gewöhnliche Abhaltungilgrund junger Damen."
„Ja, aber diesmal wurde die Sache noch etwas wichtiger genommen als sonst, de. Feste, wegen . . . Doch, wie ist es? Werden wir auch Sie übermorgen auf dem Eirfest sehe», Herr Bernhard? Wir »er« sprechen un, Alle so großes Vergnügen von dieser Veranstaltung, Gras Dohnas und viele Familien von Ziegenhof kommen auch."