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Montag, den 17. Äugust 1896.

23. Jahrgang

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z Die Entlassung des Kriegsministers.

Ter KriegSminister, General der Infanterie Bronsart von Schellendorff ist, wir uns schon am SamSiag Nachmittag telegraphisch gemelset wurde, entlassen und an seine Stelle General-Lieutenant von Goßler erraant worden. Leider können wir infolge des Feiertags „SRertd Himmelfahrt" unseren Lesern erst heute diese Nachricht mittheilen. Der .ReichSanzeiger' brir gt darüb r folgende amtliche Mit­theilung:

dauerns des Kaisers und eine warme Anerkennung der Verdienste des verabschiedeten Krieg-Minister- und es gibt der Hoffnung Ausdruck, daß der Kriegsminister dem Kaiser al- sein künftiger Generaladjutant persön­lich und auch der Armee fernere Dienste leisten werde.

Bei den Gerüchten über die MinisterkrifiS der letzten Zeit ist der Rückttitt de- KriegSministerS auf Diffe­renzen mit dem Militärkabinet wegen Per- s o n a l f r a g e n zurückgeführt worden. Die persönlichen Differenzen zwischen dem Krieg-Minister mit dem Chef de» Militärkabinet», General v. Hahnke, hatten sich ous'S schärfste zugespitzt. Seine Anordnungen und Wünsche in militärischen Personalftagen fanden in der letzten Zeit keine Berücksichtigung mehr, und die» ist wohl mit einer der Hauptgründe zum Rücktritt gewesen. Bekanntlich besteht aber auch in der Frage der Reform

Klarheit, dagegen trat Sozialdemokratie auf. Humor gewürzt, der

Wilhelm B.

An den Staats- und KriegS-Minister, General der Infanterie Bronsart von Schellendorff.

Die Krisengerüchte der letzten Z it fangen also nun­mehr an, sich in d'e Wirklichkeit umzusetzen. Der Kriegsminister hat dm Anfang gemacht. Wie au- d m Handschreiben de» Ka.srrS her vorgeht, hat der Kriegs­minister bere-tS am 15. Juli sein Abschiedsgesuch ein­gereicht. Am 9. August hat der Kaiser seine Absicht kund gegeben, diesem Abschiedsgesuche Folge zu geben. Am SamStag, den 8. August, war der Reichskanzler Fürst Hohenlohe in Wilhelm-hohe eingetrvffen. Die Besprechungen haben also sicherlich auch dem Wechsel im KriegSministerium gegolten. Neu ist die Begrün- düng bei Abschiedsgesuche». Bisher war von Gesund­heitsrücksichten, die den Kriegsminister zum Rücktritt veranlaßten, nicht die Rede. Da» Handschreiben des Kaiser» ist in den gnädigsten und anerkennendsten Aus­drücken abgefaßt. ES enthält den Ausdruck der Be-

Stromaufwärts.

Roman von El. Lötschert (SR. Brechten).

------- (Nachdruck verboten.)

Zwei Stufen auf einmal nehmend, eilte der junge Franzose denselben Weg zurück und bog dann in die | schwächer erhellten Straßen ein, bi- er vor einem hohen Thore anlangte. Im Durchschreiten grüßte er den ' in seinem Häuschen sitzenden Partner, der sich schlaf- trunken aufrichtete und thm zunickte. Aus einem ge­räumigen, im Viereck von hohen Gebäuden umschloffe- ne» Hof gelangte er durch eine gewundene Treppe auf einen weiten Vorplatz, der al- eine Art Vorhalle in einem Bildhauer-Atelier mit kleinen Marmorblöcken, * Gypr-Abdrücken und Stellleitern angefüllt war.

Tine alte Dienerin kam mit der Lampe heraus. »Alle- wohl, Herr," sagte sie leise.

„DaS ist recht, Anne." Damit schloß sich auch , Won die Thüre einer Zimmers hinter dem Ange- I wmmenen.

Inmitten der engen dämmerigen Raumes — er i ftljielt sein Licht nur von der in dem angrenzenden | Aale angebrachten Hängelampe — stand ein junges | "ädchen von ungewöhnlicher, fremdartiger Schönheit. ]

S e trug ein loser, dunkelviolettes Gewand, das, ! »ach griechischem Schnitt die eine Schulter und den -

einen Arm frei ließ. Unter den kleinen entblößten Füßen waren Sandalen befestigt, und dar dunkle Haar fiel in reichen Wogen fast bis zum Boden herab. Als fie fitzt mehr in den Lichtkreis trat, zeigten ihre Züge eine wahrhaft klassische Reinheit.

Den Finger auf die Lippen legend, winkte fie dem Eintretenden leise aufzutreten und begrüßte chn dann flüsternd: „Still ... er wird gleich wieder beginnen."

„Fehlt Dir etwas, Romanie . . . ober scheinst Du nur so bleich?"

Er zog fie in ben noch tieferen Schatten ber Fenster­nische zurück.

„Ich habe dem Vater Mobell gestanden," begann fie, „und da mein Kopf schmerzte, ließ ich mir gar nicht mehr von Anne dar Haar aufbiuden. ES thut einem so wohl, sich einmal frei und leicht zu fühlen. Nachher spielte der Vater ... o so wundervoll! Er ist, als ob er täglich herrlichere Töne seinem Jnstru- mente entlockte. Aber Du, Bruder ... Du kommst heute später all sonst. Warst Du bei . . .?"

„Bei ihm? Ja, Schwester."

„Und das sagst Du so düster? Ich kann Dein Gesicht nicht deutlich erkennen, aber mit ist, als ob er in diesem Augenblick sorgenvoll auSsehen müffe."

„Mein Herz ist eS wenigstens, Romanie."

Seine Majestät der König haben Aüer- gnadigst geruht: den General der Infanterie Bron­sart von Schellendorff auf seinen Antrag von dem Amte als Staats- und KriegS-Minister zu ent- binden, sowie den General-Lieutenant von Goßler, Kommandeur der Großherzoglich Hesfischen (25.) Division, zum Staats- und Kriegs-Minister zu ernennen.

Anläßlich der Verabschiedung Bronsart von Schellen­dorffs aus dem Amte al» Staats- und KriegSminifter hat der Kaiser nachstehender Handschreiben an diesen zu richten geruht:

Ich entspreche nunmehr der Ihnen in Meiner Ordre vom S. d. M. zu erkennen gegebenen Absicht, Ihrem Mir ^ge­gangenen, durch Ihren Gesundheitszustand begründeten Gesuche vom 15. Juli d. I. um Verabschiedung Folge zu geben da­durch, daß Ich Sie — nachdem Ich Sie in Meiner ander- weiten Ordre vom heutigen Tage von dem Amt als Staats­und Kriegs-Minister entbunden habe — unter Belassung L la suite des Großherzoglich Mecklenburgischen Grenadier- Reyiments Nr. 89 und unter Ernennung zu Meinem General- Adjutanten, mit der gesetzlichen Pension zur Disposition stelle. Ich spreche Ihnen zugleich gern meine besondere warme An- erkennung für die Verdienste aus, welche Sie sich in Ihrer fast dreijährigen Thätigkeit in der bisherigen schweren und verantwortungsvollen Stellung erworben haben. Lebhaft bedaure Ich, Sie aus derselben scheiden zu sehen, hoffe aber, daß Ihr Gesundheitszustand eS bald zulassen wird, Ihre bewährte militärische Kraft durch Ihre 'Heranziehung zum Dienst als Mein General-Adjutant, Mir und der Armee, in deren Anciennetätsliste Sie auch ferner geführt werden, noch weiter nutzbar zu machen.

WilhelmShöhe, den 14. August 1896.

Verschiedenheit zwischen bem KriegSminister Bronsart v. Schellenborff unb bem General v. Hahrke, ber sich beS Vertrauen- des Kaiser- erfreut. Im Zusammen­hänge mit ber nunmehr erfolgten Verabschiedung beS KriegSministerS gewinnt eine Mittheilung ber .Köln. BolkSztg/ an Bedeutung, wonach ber Kriegsminister, bevor et auf Urlaub ging, brfteunbeten Personen gegen­über kein Hehl barau- gemacht habe, daß er wenig Hoffnung für das Zustanbebringen der Milstärstraf- Prozeß-Reform habe. „Wenn in ber That ber tiefere Grund für den Rücktritt de» Generals Bronsart von Schellendorff die Frage der Reform der Militärstraf- Prozeßordnung ist, so sind auch die Tage der Reichs- kanzlerschaft des FürstenHoheulohe gezählt," so bemerkt wohl mit Recht die ,Freis. Ztg.' hierzu.

Der bisherige KriegSminister Bronsart v. Schellen­dorff wurde am 19. Oktober 1893 al» Nachfolger der General» v. Kaltenborn - Stachau an die Spitze des Kriegsministeriums berufen. Er steht jitzt im Alter von 63 Jahren. Nach glärzender militärischer Karriere war er im Jahre 1890 bereits in den Ruhestand ge­treten, bevor er zum Kriegsminister ernannt wurde.

Den scheidenden KriegSminister charakterifirte, wie die ,@erm.' schreibt, besonders eine große Energie, die nicht selten rücksichtslose Formen annahm. Seine Ent­schiedenheit schloß nicht aus, daß er selbst auch in militärischen Fragen anders Denkenden das Recht der eigenen Meinung nicht versagte. Ec hatte seine eigene geschlossene Ü berzeugung und wußte sie auch ziemlich lebhaft zur Geltung zu bringen. In der parla- ~ ' sprach er mit Offenheit und er als rücksichtsloser Feind der Seine Rede war mit jovialem jedoch namentlich ber Sozial­oft in Spott und W tze um- schlug, die Gegengründe und Gegenbeweise ersitzen sollten oder mußten. Seine Stellurg zum Duell im Heere fordert den lebhaften Widerspruch der CentrumS und aller Duellgegnec heraus. Die.StaatSbürgerztg/ behauptet, die Schärfe im Auftreten des Kriegs­minister» gegen die Sozialdemokraten im Reichs-

4* Auf nach Dortmund!

Nur noch wenige Tage trennen un» von der dies­jährigen Heerschau ber deutschen Katholiken; da ist e» an ber Zeit, allen benjenigen, die noch schwanken, recht düngend an» Herz zu legen, baß auch sie bazu bei­tragen mögen, da- Schauspiel, baS wir brutsche Katholiken in Dortmunb nicht nur Deutschland, sondern der ganzen Welt bieten wollen, zu einem so großartigen und imposanten zu gestalten, daß jeder christlich denkerde, ideal gesinnte Mensch seine Freude daran haben muß, wie wir Zmzniß ablegen für Jesu» Christus und seine heilige Kirche. In unserer materiell gerichteten Zeit ist e» doppelt nöihig, der Wett zu zeigen, daß e» einen Felsen gibt, an welchem die Brandung der materialistischen Weltanschauung, der Mächte de» Umsturzes zerschellen muß: den Felsen der göttlichen und darum unüberwindlichen römisch-katho- lischen Kirche; doppelt nöttzig auch, zu zeigen, daß die Wächter der Hauses Botte» — und da» sind wir alle, jeder an seinem Platze — in Wachsamkeit, Treue, Beharrlichkeit und Begeisterung nicht Nachlass.'«.

Wir müffen uns bewußt sein, daß wir berufe«

„Sprich . . . sag' mir alle»!" bat sie innig. „WaS drückt dich, Achilles?"

„Der Gedanke, daß Leon'» Charakter ander» ist, al» ich glaubte. Er scheint leichtsinnig, verschwenderisch und unbeständig zu sein."

„Und so sprichst Du, der Du sein Freund bist?" „Ich bin auch Bruder," gab er flüsternd zurück, »und die» ist em heiligere» Berhältniß, da» eine schwerwiegende Verantwortlichkeit in sich birgt"

Sie senkte den Kopf. Dann sagte fie vorwurfs­voll: „Wenn ich nun so von ihr, von Deiner süße« Athenai», wie Du fie nennft, spräche, wie bann?"

„So würde ich versuchen, die dadurch hervvr- gerusene bittere Empfindung zu bekämpfen, und in Deinen Worten die herzliche Liebe der Schwester er­kennend, vor allem Dich nach Deinen Gründen fragen?"

„Du bist ein Mann and . . . o, ihr liebt ni$t wie wir! Verständiger, bedächtiger vielleicht, aber darum auch minder vertrauend, hingebend und treu. Doch wie dem auch fei, so will ich dennoch das thun, was Du also gethan hättest: Dich fragen, worauf Du Dein Urtheil gründest."

„Hast Du au» Leon'S Erzählungen nie den Schluß gezogen, daß er beinahe jede Woche für ganz unnütze Dinge ein kleine- Vermögen ausgibt?"

„Wahr; aber er ist reich, sogar sehr reich."

tage habe ihn bei seinen Kollegen so mißliebig gemacht, daß er gehen mußte. Da» ist offenbar leere» Gerede; mit scharfen Ausfällen gegen die Sozialdemokratie macht man sich bei un» doch nicht unmöglich! In der ,Nationalztg.' wird außerdem angedeutet, Hr. v. Bron­sart habe nur denRücktritt deSFürstenHohen- lohe nicht abwarten wollen, alSdessen Nachfolger er vielleicht in Betracht komme. Such da» klingt sehr gesucht und unwahrscheinlich. Jedenfalls aber ver- dienen die üblichen „Gesundheitsrücksichten", mit denen der Rücktritt v. Bronsart'S amtlich begründet wird, keinerlei Beachtung.

Al» Nachfolger im Kriegsministerium ist der Generallieutenant von Goßler, der bisherige Kom­mandeur der Sroßh. Hess. (25.) Division, ernannt worben, obschon in der Presse seither immer der General Wittich als Nachfolger bezeichnet worden war. Welche Stellung der neue Krieg-Minister zu der Frage der Militärftrafprozeßreform einnimmt, wird abzu- warten fein. General v. Goßler ist ein Bruder des früheren Kultusministers und j tz gen Oberpräfi, deuten von Westpreußen. Er ist mehrfach als Re- gierungskommiffar im Reichstag auf getreten und hat 1893 auch die Vorlage über die letzte HeereSver- stärkung und die jetzt aufgegebene Organisation der vierten Bataillone in der Kommission vertheidigt, die nach ihm den Namen „Goßler-Bataillone" bekommen haben. An Gewand-heit des parlamentarischen Auf­tretens steht er dem verabschiedeten KriegSminister Bronsart v. Schellendorf nach.

Der jetzige Wechsel hat abermals die Unhaltbarkeü de» jetzigen Verhältnisse» zwischen Kriegsministerium und Militärkabinet gezeigt und man darf darauf ge­spannt sein, wie die Entwickelung weiter gehen wird.