Weilsge Mv Wulösev Zeitung,
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JK 186
IreiLcrg, öen 14. August 1896
23. Jahrgang
der Centrumr im
Vermischtes.
* München, 13. Slug. Infolge eines gestern Nachmittag in der Gegend von Garmisch niedergegangenen kolossalen Wolkenbruches führt die Loisach der Isar gewaltige Wassermassen zu. Letztere steigt noch immer rapid und dürste den höchsten Wasserstand seit Jahren erreichen. Der angerichtete Schaden ist bedeutend. In der Nähe von München wurde ein Damm eingerissen. Die Feuerwehren der Umgebung sind zur Beseitigung der Schäden thätig. In München reicht die Isar beinahe in die Gewölbe der einzelnen Brücken. Große Zuschauermengen halten die angrenzenden Straßen und Ufer der Isar besetzt.
* Graz, 13. Aug. Bei Dörfel (Kärnthen) sind Professor Schmal aus Berlin, ehemaliger Leibarzt des Schahs von Persien, und Lehrer Stephan Horazdze abgestürzt und tobt geblieben.
* Merkwürdig. „Darf ich bitten um Ihren Namen?" — „Bin der Warschauer aus Bamberg." — „Ist das e merkwürdiges Zusammentreffen; iach bin der Bamberger aus Warschau."
* Neuer Bers. Folgendes Berschen macht jetzt in Berlin die Runde und erregt viel Heiterkeit. Es stammt von einem Berliner Theaterdirektor, der sich augenblicklich in Ischl aufhält, und lautet:
Das Jodeln liebt der Steyermärker, Im Jüdeln ist der Meyer stärker.
Dar sind aller ja recht interesiante Eingeständnisse, aus denen klar wird, daß Fürst Bismarck sich mit seinem Kulturkämpfe noch weit mehr bloßgestellt hat, als man bisher wußte. Jedenfall» hat Visconti Benosta sich als der klügere der beiden Staatsmänner bewährt. Für den Einsiedler im Eachfenwalde mag das sehr bitter sein, allein man sieht hier wiederum , daß große Energie nicht stets «it staatsmännischer Weitsicht gepaart zu sein braucht. Bismarcks innere Politik war kaum mehr als eine Reche mißglückter Versuche. Bom Sozialistengesetze b>S zum Tabaks- und Branntwein-Monopol-Entwurfe, vorn Kulturkämpfe bis zum Klebegrfetz sisßt man auf Mißlungenes, und eine Ausnahme macht fast nur die «rf Andrängen und mit Hilfe ' _ ______ "...
Aahre 1879 erfolgte Schwenkung in der WirthfchaftS- Politik.
* Bismarck und der Kulturkampf.
Gar zu gerne möchte Bismarck dir Schuld an dem Kulturkampf dem früheren Kultusminister Falk in die Schuhe schieben. Doch dar wird ihm schwer gelingen. Schon dar in einer der letzte« Nummern der ,Fuld. Zeitung' veröffentlichte Bruchstück aus dem Briefe an Roon gab uns darüber Aufschluß. Doch noch gar manche andere Zeugnisse lassen sich dafür beibringcn. So erzählt die ,Reue freie Presse' über BiSmarck und dessen Berhältniß zum Kulturkampf u. A. Folgender:
„Gegen BiSconti Benosta («in italienischer Staat»- mann) regte sich einst BiSmarck'r gewaltiger Unmutb. ES war die Ze;t der Kulturkampfes. Fürst BiSmarck, dem die Kurie, weil er die italienische Politck unter- stützte, dreifache Schwierigkeiten machte, wollte Italien zum Kampfe wider die Kirche an Deutschlands Seite haben. Visconti Benosta schien dies unmöglich, denn er war stets der Ansicht gewesen, daß die römische Frage eine rein politische bleiben müßte. Der Reichs- kanzter ließ seinen Zorn in markigen Depeschen au», die ebenso viele Losungsworte enthielten: „Vouzavez rendu le pape inaaisissable; voua l’avez emboite dana du coton.“ (Sie haben den Papst unfaßbar gemacht; Sie haben denselben in Watte gepackt.) Und er hätte am liebste« die Frage des Garantiegrsetzes :m umgekehrten Sinne aufgeworfen, um des greifen AnathemrnschleudererS im Vatikan habhaft zu werde«. Al» Kaiser Wilhelm im Jahre 1875 in Begleitung des Ministers v. Bülow (sei Vaters bei gegeuwärtigen deutschen Botschafters am italienischen Hofe) nach Mailand kam, bemüthe sich BiSconti Ve- nosta, seinen Standpunkt zu erkläre« und zu rechtfertigen. Sr sagte Herrn v. Bülow, daß der Reichskanzler bei seiner Forderung einer Umstander nicht gedachte. Der Kampf gegen die Kirche stützte sich in Deutschland auf eine geschloffene begeisterte pro- tchanüfche Mehrheit und auf die gesammte Geiste»- weit der Nation, in Italien dagegen hätte er mit Hilfe radikaler und revolutionärer Elemente geführt werden müssen, und die Mehrheit der Volkes würde ihn nicht verstanden haben. Visconti Benosta schloß seine Darlegung mit den Worten: „Zwischen Deutschland und der Kurie steht zudem nur ein Nothgesetz, dal binnen kurzem aufgehoben sein wird. Zwischen Italien und der Kurie steht Rom al» Hauptstadt des Reiche». Der Unterschied ist zu groß, als daß er von einem Staatsmanns nicht wahrgenommen werden müßte. Deutschland wird schon lang; seinen Kirchenfrieden haben, wenn Italien die Schwierigkeiten feines Verhältnisse» zum Batikan erst recht wird durchkosten müssen." Hr. v. Bülow war vielleicht nicht überzeugt worden, aber die Ereignisse haben dem Marchese BiSconti Benosta nur zu sehr Recht gegeben. Niemand wird leugnen können, daß sie für die Nothwrndigkrit emer Kontinuität und sozusagen traditionellen Führung der Kirchen- und auswärtigen Politik Italiens eine beredte Sprache sprechen. „Man hat darin" — — fuhr der Staatsmann fort — „in früheren Jahren arg gesündigt, aber e» ist nun schon seit einiger Zeit nach beiden Seiten hin ander» geworden. Die Pfaffenfresser sind im Nebel untergetaucht."
Herr Falk war nur eine ministerielle Waffe in der Hand Bismarcks, wenn auch eine scharfe, denn er war zweifellos ein bitterer Feind des „Ulrramontanis- wus". Mit vollem Recht hat darum auch Windrhorst immer an der Ansicht festgehalten, daß BiSmarck der einzige „verantwortliche Redakteur" bei Kulturkampfes sei. Die Aulsprache del Marchese BiSconti Benosta bestätigt diese von int» stet» gehegte Ansicht unwiderleglich. Oder hat Bilmarck nur in Falt'» Auftrag versucht, de» Papste» „babhast zu werden"?
Stromaufwärts.
Roman von Cl. Lötschert (M. Brechten).
20) ------- (Nachdruck verboten.)
Sabine hatte am Tage vorher der Wittwr Will- bruch wie gewöhnlich den Lohn ihrer Tochter gebracht und dabei von ihrer Tante bestell?, daß dieselbe von morgen an ein Drittel mehr erhalte, weil ihre Be- schäftrgung nun angestrengter sei.
Früh schon auf die No:h»endigkeit angewiesen, ihr Hab und Gut ohne männliche Hilfe zusammen zu halten, hatte Margareth Willbruch seit ihrer gänzlichen Zurückgezogenheit von ihres Gleichen eine an Geiz grenzende Sparsamkeit sich bemächtigt. So kam ?hr denn diese Aenberung sehr erwünscht und sie nickte beifällig zu Sabinen'» Bemerkung, daß die neue Herrin so ganz anders für des Mädchens Zukunft sorge, als die alte.
Durch ihren langen Aufenthalt im Damenhrim war Fräulein Brüning an eine pünktliche Zriteintheilung gewöhnt und so hielt sie auch jetzt mit wahrer Pedanterie an einer strengen Hausordnung fest. In den ersten Morgen- und in den späten Abendstunden durfte Hanna um ihre junge Herrin sein, während der übrigen Zeit gehörte sie in's Nähzimmer.
Bei dieser Einrichtung ließ allmählich, aber sehr sicher, Gertruden'» Hingebung an Hanna nach; der vertrauenden Ergießungen wurden immer weniger, und je mehr bas Interesse an vornehmem Umgang stieg, desto kühler, launischer und herrischer wurde sie gegen jene.
Als Hanna sich am ersten Morgen stumm über ihre Arbeit beugte, empfand sie eine sonderbare Enge in ihrem Halse. Ihr Kopf pochte, während die Maschine fort und fort raffelte.
Trinchen Magnus war ein gutmuthige» ältere» Mädchen. Sie sprach zuweilen, aber sie konnte nicht leicht eine Mittheilung empfangen oder ihren Gedankenkreis durch neue Gedanken erweitern: denn sie war taub. Anfangs erzählte sie noch von den ersten traurigen Jahren ihrer Jugend, und wie der Sanitätsrath Röder und seine herzensgute Mutter sich für sie verwandt, so daß sie den schönen Platz in der Herzog'- scheu Villa erhalten habe. Aber als dieser Gegenstand endlich erschöpft war, da schwieg auch sie. Nur dann und wann ließ sie noch ein Wort fallen, etwas vom „Geduldig sein", vom „Sich fügen" in das, was Gott nun einmal über Einen verhängt hab?. Sie dachte dabei wohl nur an ihr eigene» Loos; als aber der Sturm in dem jur-gen Herzen ihr gegenüber sich mehr gelegt hatte, da fiel manche ihrer Reden wie ein spät keimende» Samenkorn in dasselbe.
Die Maschine raffelte fort und fort. Ihr widerwärtig eintöniger Klang erzählte stets die nämliche Weife: daß Jemand seine Rolle im Vorderhause zur Hälfte auSgespielt!
6. Kapitel. Winter-Zauber.
An einem kalt?« Oktober-Abend kommen zwei junge Männer an» der Rn; de Rivoli in Pari». Um dem Gedränge der Gefährte und Fußgänger zu entgehen, biegen sie in eine der breiten Avenuen ein in der Richtung von St. Antoine. An einem stattlichen Gebäude stehen Beide still und reichen einander die Hände.
Komm dennoch einen Augenblick mit hinauf, Achillc»!" „Ich kann kaum," entgegnete der Größere. „Du weißt, die Meinen erwarten mich, und ich habe mich ohnehin schon im Atelier verspätet."
„Nur eine Minute, bitte; ich möchte Dir'» so gern zeigen."
»Eh bis, aber nicht länger." Damit ist Achilles auch schon halb die Stufen de» hell erleuchteten, in vornehmem Schweigen liegenden Treppenhause- hinauf. Sein Freund sucht einen Schlüssel hervor und öffnet eine Thür des ersten Stockwerke».
„Warte, hier ist Feuerzeug . . . so . . .und nun sieh' Dir'» an."
Zwei hochgeschraubte Gasflammen blitzen in einem Gemache auf, da» mit aulgesuchtem, fast weichlichem Luxus auSgeftattet ist. Ueberall auf den Etagören, Säulen und Borten stehen oder liegen Kunstgegenstände und kostbare Nippe». Sogar jene nichtlsagenden Spielereien, welche man sonst nur in Damen-Boudoir» antrifft, zeigen sich in Menge vorhanden. Nur die schwellenden Polstermöbel mit ihren seltsam vielfarbigen Seidenbezügen waren freigeblieben und in phantastischer Anordnung in die Mitte geschoben. Auf einem derselben fitzt jetzt der Besitzer der hier aufgehäuften Schätze; die hübsche, geschmeidige Gestatt ist nach seiner Gewohnheit in unbeachteten Augenblicken etwa» zusammen» gesunken.
Plötzlich schnellt er wieder empor nnd legt die Hand mit einer auffordernden Miene auf die Schulter seine» Freunde».
Dieser hatte bisher schweigend vor einem Tische gestanden, welcher die m weicher Thsnmasse aulgeführte Nachbildung der Aphrodite von Melos trug. Jetzt tritt er prüfend einen Schritt weg und wirft den Kopf etwas zurück — ein echtcS Künftlerhaupt mit wallendem dui-klen Haar.
„Und das soll wirklich Original sein?" fazt er endlich.
„Du zweifelst?"
„Kun. nicht eben sehr. Ich erkenne an, daß sogar die kleinsten Einzelheiten, z. B. an den Stellen, wo die Arme fehlen, : icht außer Acht gelassen sind. Sich' hier ... der Bruch an der linken Schulter ist deutlich erkennbar, der ein wenig nach vorn geneigte Kopf ist vortrefflich und dennoch . . . das soll ein Werk Tanagra'» sem? Immerhin, wenn die Statue auch nur als eine Nachbildung sich ausweist, so ist sie doch schon als vorzügliche Imitation ein Kunstwerk."
„Wahr, aber damit ist mir nicht gedient. Da» Ding hat mich eine schöne Summe gekostet."
„Dal glaube ich gern. Weißt Du was? Wir wollen cs morgen im Athenäum meinem Maestro zeigen .... was er all echt anerkrnnt, das fft e» auch."
„Ich dachte an Deinen Vater."
„Er würde Dir nur dasselbe sagen: e5 gibt nur einen Carp a x in Pares. Und nun, gute Nacht, mein Freund!"
„Nicht doch, tuf Wiedersehen! Du gehst nur voraus."
„Wi', Du kommst noch? Run allo: Au revoir! Aber bald!"
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Literarisches.
Tafchenatlas des Deutschen Reichs. 1. Th eil, von Prof. A. L. Hickmann. Verlag von G. Freytag und Berndt, Wien VII1.
Ein wahrer Schatz von Wissen ist in dem schmucken, in Deutschlands Farben gekleideten Büchlein auf 24 farbenprächtigen Karten und zwei Bogen Text niedergelegt. Die vergleichende Gröhe der Deutschen Staaten nach Flächenraum und Bevölkerung — Flußlängen und Stromgebiete der Flüsse — Höhenprofile der bedeutendsten Erhebungen über dem Spiegel der Nord- und Ostsee — Staats-Einnahmen und Ausgaben — Organisation des Heeres und der Marine — Größe und Eintheilung der einzelnen Armeetheile im Frieden und im Kriege — Größe der bedeutendsten Städte nach ihrer Einwohnerzahl — Stamm- und Regententafel der deutschen Fürstenhäuser — die Porträts der deutschen Kaiser — die Wappen der Länder und Städte, die Flaggen und bergt mehr. Wir empfehlen daher Jedermann die Anschaffung des Merkchens, zumal da der Preis nur 2 Mark beträgt.
Große Modeuwelt mit bunter Fächer-Vignette, Verlag John Henry Schwerin, Berlin W. 35.
Gleich in dem das Titelblatt zierenden Damenkopfe kommt der Wiener Chic und mehr noch in den größeren Moden-Genre- bildern zu bewundernSwerther Veranschaulichung. Das herrliche, mehrfigürliche Moden-Kolorit, die große Handarbeiten-Beilage, der doppelseitige Schnittmusterbogen, die reich illustritte, fesselnde Belletristik und vieles andere zeichnen diese Nummer ganz besonders aus. Der Abonnementspreis für „Große Modenwelt" mit bunter Fächer-Vignette beträgt nur 1 Mark vierteljährlich. Abonnements durch alle Buchhandlungen und die Post. Gratts-Probenummern durch erstere und durch den Verlag: John Henry Schwerin, Berlin W. 35.
Der Postdampfer „Westernland" der „Red Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 11. August wohlbehalten in New-Fork angekommen.
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