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Donnerstag, den 13, August 1896, 23. Jahrgang

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Meister und Innung.

Ferner müßte man auch dahin streben, daß diejenigen j Unternehmer, welche nicht zu den Innungen heran- ?

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beachtenswerthe Bemerkungen, denen wir folgendes entnehmen: Der neue Entwurf dazu will auch die- lenigen Handwerker, welche keine Gesellen oder Lehr­linge halten, zu Mitgliedern der Zwangsinnungen machen. Dagegen hat sich ein Widerspruch erhoben. Auf einem BerbandStage der deutschen Stellmacher- und Wagner-Innungen ist diese Frage auch zur Sprache gekommen; über die Aeußerungen der Berichterstatter- Beutel liegt uns bir jetzt nur folgender Bericht vor: „Aller in die Jnnusgen aufnehmen zu müssen, könne den Handwerkern nicht erwünscht sein. Aber auch nicht die Bestimmung in dem Entwurf (?), daß die- jentgen, welche in die Innung ausgenommen werden müsien, wieder aus derselbe« ausscheiden können, fallr sie keine Gesellen und Lehrlinge mehr beschäftigen: sonst würden die Innungen schließlich die reinen Taubenschlage werden, was mit Rücksicht auf die Jnnungskrankenkassen und sonstige WohlfahrtSeinrich- Angen zu unerwünschten Zuständen führen müßte.

| kelt Unterstützung bei der JrmungS - Versicherung von Rechtswegen zu fordern hat. Ferner sind die Innungen bevollmächtigt, „Veranstaltungen zur Förderung der gemeinsamen gewerblichen und wirthschastlichen Inter- sstEn ihrer Mitglieder, wie die Errichtung von Bor­schußkassen, gemeinsamen Ein- und BerkaufSgeschäften und bergt anzuregen und dieselben durch Aufwendungen aus dem gesammelten Vermögen zu unterstützen." Für den kleinen Mann ist eS oft von höchstem Nutzen, wenn et sich an solchen Kreditkassen, Rohstoff-Bezug,quellen, Verkaufs-Magazinen betheiligen kann; und wenn die neuen Organisationen überhaupt den gehegten Erwar­tungen entsprechen wollen, so werden sie in dieser Weise auch dieJnteresie« der Meister wahrnehmen müssen.

Smd nun die kleinen Meister auch Mitglieder der Innung, so können sie ihre besonderen Inter­essen gebührend geltend machen und erscheinen sofort alS vollbürtige Theilnchmer bei allen gedachten Veranstaltungen.

die Nr. 1 der gesetzlichen Innungs-Aufgaben — „Pflege des GememgeisteS" und „StandeSehre" — legen manche Realpolitiker keine« Werth. Aber wer überhaupt an die Erziehung der Volker zum korporativen Leben glaubt, der kann nicht die große Masse der mlein arbeitenden Handwerksmeister bei Seite schieben. Dle schwächeren «rüste zu sammel« und durch Eintracht stark m machen, das ist gerade der Zweck der christlich-sozialeu Organisation. An sehr vielen Orten im Lande werden übrigens die Innungen in emer gedeihlichen Stärke erst dadurch möglich, daß auch die gesellen- und lehrlingSlose« Meister sich 6e- thnligen.

russischen Kaiserpaare» in BreSlau soll u. A. auch eine Festlichkeit unter Theilnahme der Damen im Breslauer Stadtthater mit Festvorstellung geplant sein. Da» Alexander-Regiment und das 2. Gardedragoner-Regi- ment Kaiserin Alexandra von Rußland werden am 1. September mit der Bahn nach BreSlau abrücken und beide dort an der Parade theilnehmeu. Der Kaiser und die Kaiserin von Rußland werden ihre Regimenter persönlich vorbeiführen. Die Truppen kehren am 7. September mit der Bahn nach Berlin zurück.

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an ihrer Arbeit Rundung und Schwung gänzlich ein- büßte«. Ueberdies hat Tante Bertha sie gn« gehabt", setzte sie noch hinzu.

Diese letzte Redewendung haßte Fräulein Brüning geradezu. „Meine Schwägerin" oder „Tante Bertha wollte da» so haben" — wie oft hatte sie diese »orte nicht schon vernehmen müssen! Allein sie gehörte nicht zu denjenigm, welche nach dem ersten mißlungenen Versuch die Flinte ins Korn werfen; sie verstand er, ihr Ziel klug und beharrlich zu verfolgen.

„Meine Gertrud", began« sie nach einer längeren Pause, „Du hast mich ganz und gar mißverstanden. 3ch verlange ja nicht, daß Du Deinen Günstling gänzlich aufgibst; ich möchte sie nur ihretwegen nützlich beschäftigt wissen. Glaube mir, Du stehst ihr ganz und gar im Lichte. Er wird hier bald anders zu­gehen, als zu der seligen Tante Bertha ruhigen Zeiten. Du bist erwachsen; Burg Raunheim wird künftig immer bewohnt sein, wir werden Diners, Abend- Gesellschaften ... und Verkehr in Menge haben. Da brauche ich denn Jemanden, der daS Silber und Leinen besorgt, und hatte eben jene» Mädchen für den Platz auSersehen."

„O Tante, sollte Hanna dafür geeignet fein? Du glaubst nicht, wie hübsch dieselbe französisch spricht! Ich habe sie da» schon al» Kind gelehrt, damit sie mich bester überhöre« konnte."

Stromaufwärts.

Roman von Cl. Lötschert (M. Brechten).

1®) ------- (Nachdruck verboten.)

„Aber lieber Kind," sagte Fräulein Brüning an demselben Abend zu ihrer Großnichte, „ist ei denn durchaus nolhwendig, daß Du überall eine Jungfer mit Dir herumschleppst?"

„Eine Jungfer? O, Du meinst Hanna, Tante? Aber die ist gar nicht meine Zofe, sie ist vielmehr . ."

„Run, war denn? Doch nicht Deine Gesellschafterin? Afür bist Du nachgerade noch nicht alt und, ent­schuldige, auch nicht vereinsamt genug ... bin ich doch da und Dein Papa."

„ "Dar wollte ich auch nicht genau sagen. Aber Hanna Willbruch ist mir eben alles: Freundin, Schwester und . . . wa» weiß ich!"

. „O still, ich bitte Dich!" wehrte die Dame mit einer Seberde wahren Entsetzens. „Sin Mädchen von solcher Herkunft . . . wenn Dich Jemand gehört hatte!"

„Run, was wäre denn dabei, da es doch wahr lst? Auch ist Hanna gar nicht so gering, al» Du oenkst, liebe Tante. Gib nur einmal darauf Acht, wie gut sie sich benimmt, und wenn ich mich nur ein «lSche» darauf verstehe, so sieht sie interessant, wen« wcht geradezu schö« au». Bettelarm ist sie auch nicht;

* Der .Reichsanzeiger' veröffmtlicht da» Schreibe« des Kaisers an den Ober-Präsidenten dn Rheinprovinz, in welchem er seinem lebhaften Bedauern einerseits, daß er, durch Unpäßlichkeit genöthigt, die schon seit Monaten geplante Reise nach Wesel, Ruhr- ort und Esten habe aufgeben müssen, sowie seiner Freude und Befriedigung über die lebhaften Huldigungen, die man feiner Gemahlin und feinem Bruder dem Pnnze» Heinrich bereitet, Ausdruck gibt.

* Am 18. August wird im Neuen Palais in der Jaspis-Galerie zu Ehren des Geburtstages des Kaiser- von Oesterreich eine Frühstückstafel statt- finden, zu welcher sämmtliche Mitglieder der hiesigen österreichisch-ungarischen Botschaft geladen sein werden.

* Der XU. allgemeine Beretnstag der land- wirthschastltcheu Geuoffeuschafteu ist heute in Stet tin nöffaet. Im Sufttag der Regierung waren Geh.-Rath Conrad und Landrichter Fritze erschienen. Auch Frhr. v. Huene, der Präsident der Preußischen Central- Genossenschaft, war anwesend.

. * Die Berliner philosophische Fakultät ernannte den frühere« Minister Freiherrn v. Berlepsch zum Ehrendoktor. I« der Begründung wird seine bei der Beilegung der Bergarbeiterunruhenbewiesene Humanität, Festigkeit und Weisheit, sowie seine Mit- Urheberschaft und feine Mitarbeit an der Arbeiter­schutzgesetzgebung besonders hervorgehobe».

* Die Bereinigung deutscher Margarine-Fabri- rameu hat an die Bundesregierungen eine Eingabe emgereicht, in der sie dieselbe ersucht, Butter-Prüfungen im ganzen Reiche durch sämmtliche bestehenden Nahrung»- mittel-UntersuchungSämter häufiger als bisher vornehmen zu lasten und auf «rund der vorhandenen «W^it äußerster Strenge gegen Betrügereien und Fälschungen vorzugehe«.

(*) Bismarck und Kreta. Bor Kurzem sagte Fürst BiSmarck zu einem Interviewer, daß ihn ganz Kreta weniger intereffire, als der kleinste Sand- hqufen in seinem Garten. Daraufhin hat ein Engländer bei dem Fürsten angefragt, ob er sich wirk­lich so herzlos'über ein mißhandelte» Volk auiqe« drückt habe. Al» Antwort erhielt er folgende« Brief, der jetzt bekannt gegeben wird:

. Nau wird also die Heranziehung der Kleinmeister fest zu halten haben, wenn sie auch finanziell nicht» einbrmgen sollten. Vielleicht läßt sich aber für sie WA em kleiner, fester Beitrag festsetzen, der mehr psychologische, al» finanzielle Bedeutung hat. Die geplante Organisation muß unbedingt da» ganze Handwerk umfassen, und die Kleinmeister gehören wahrlich als integrirender Theil des Handwerk» dazu.

gezogen werden dürfen, doch zu WohlfahrtSeinrichtungen derselbe» wie bisher herangezogen werden dürfen, da sie ja doch auch Gesellen bezw. Sehllfen beschäftigen, denen die Einnchtungen zu Gute kommen." Die letztere Forderung, daß alle Betriebe, welche HandwerkS-Gesellen und Handwerks-Lehrlinge benutzen, auch zu den Blldung»-Ei«richtungen für solche Gesellen und Lehr- lmge beitragen müssen, ist bei der Ziehung der Grenz- scheide zwischen Handwerk und Industrie gebührend « betracht zu ziehen. Im Uebrigen verstehen wir Herrn Bmtel dahin, daß er zu vollberechtigten JnnungSmitgliedern alle Meister machen will, auch diejenigen, welche ohne Gesellen oder Lehrlinge arbeiten.

ES ist zwar richtig, daß die allein arbeitenden Handwerk-meister an manchen Innung».Einrichtungen nicht dasselbe Jnteresie haben, wie die mit Hilfs­kräften arbeitenden Kollegen. Aber doch kann man nicht sagen, daß die allein stehenden Meister mit den auf die Gesellen und Lchrlinge bezügliche« Veranstal- tungen der Innung gar nichts zu schaffen hätten.

Daß keinem Kleinmeister durch Heranziehung zu Fachschulen rc. Unrecht geschieht, ist durch die grbüh- rende Anwendung de» § (87 deS Entwurfes wohl zu erreichen. Dort steht die vielfach übersehene Bestim- mung, daß durch daS Statut die ohne Hilfskräfte arbeitenden Mitglieder von der Verpflichtung zur Zah- lung von Beiträgen befreit werden können.

Wir glauben sogar, daß diese Bestimmung zu weit geht, indem sie die ganze BeitragSlast aufheben will. Wer Mitglied ist, muß auch etwas zahlen, und man kann eS auch von ihm fordern, da die Innung dem

Deutsche- Reich.

Berlin, 12. August.

. * Der Aufenthalt des russischen KatserpaareS m Schlesien wird sich nicht auf BreSlau allein be­schranken , sondern dasselbe wird auch mit Kaiser Wilhelm zur Truppenschau nach Görlitz kommen. Der Magistrat dieser Stadt ist amtlich davon benachrichtigt worden, daß da» deutsche Kaiserpaar am Montag den 7. September, Vormittag» 10'/. Uhr mit dem Zaren­paare in Görlitz eintrifft und sich mit ihm vom Bahn- stkzwird einmal ein Haui haben und einen Weinberg

„Wirklich? Ah, Du meinst die Hütte da hinten mit dem Fleckchen Land. Aber was besitzt sie noch mehr? Gewiß eine Kuh?" w

-Nein, ich glaube, sie habe« nur eine Ziege," ant­wortete Gertrud naiv, „«a» sollten sie auch mit emer großen Kuh machen?"

„Ach geh' mir doch, Kind! Da» taugt nicht zu einem näheren Umgang für Dich. Oder meinst Du in der That, Komtesie Irmgard und Deine Freundinnen m der Stadt würden e» billigen?"

„®aröuf lege ich wenig Werth, Tante. Sie Alle wissen übrigens, daß ich noch sehr klein, schwach und ost krank war, als Hanna zu un» kam, und daß sie mich gepflegt und behütet hat. Auch tritt sie sehr bescheiden zurück, wenn Andere mich besuchen..."

„Gewiß, und mit einem unnachahmlichen vor­nehmen Air; ich habe daS bewerft," sagte Fräulein Brüning spitz.

„Nun also: wenn eS Jenen nicht recht wäre, so würde mir daS ganz gleich fein. Will Komtesie Irm­gard, trotzdem sie älter ist, näher mit mir umgehen, so »erde ich mich sehr freuen; aber ich lafle Hanna ihretwegen noch lange nicht."

Gertrud stickte bei diesen Worten so hastig darauf los, daß die Fäden sich verknoteten und die Ranken