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JK 184

Mittwoch, den 12. August 1896.

23. Jahrgang

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de- „neuen Geistes", die Sehnsucht nach einer Versöhnung de-Wissen» und Glauben». I« dieser Hinficht erscheint vielen die religionslose Laien» schule mit ihrer Betonung des Irdischen und Materiellen al» die Vorschule der Sozialdemokratie und fie möcheen ihre Reform im gläubigen Sinne an» bahnen."

i» Fvws in» auStofc« 1 Kerf 50 Pfemng. ivbulgen entsprech«»« Sakitt.

Dentsches Reich.

Berlin, 11. August.

und höher gebildeten Klassen entgegenstehe», eu» dem Wege zu räumen, um der drohenden sozialistischen Revolution zu begegnen. Daher die Beschwörung

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Die Früchts dieser Laienschulen, mit deren Ein­richtungen Frankreich in den Augen der,Rat.-Ztg/ wieder an der Spitze der Civilisation vorauSmarschirte, traten im Anfang ihres Bestehens naturgemäß noch nicht so kraß hervor. Aber je länger fie bestanden, um so deutlicher zeigte sich, daß die Laienschule nicht allein jeden Funken religiösen Gefühl» in den Kinder- Herzen zerstörte, sondern auch jedes andere edlere Ge­fühl, jedes sittliche Empfinden, jede ideale Anschauung vernichtete und dem reinsten Materialismus, d. £ in den revolutionären Volksschichten dem revolutionären Soziali-mu» die Wege ebnete. So lange der Librralismu» glaubte, durch die Verbannung der Religion au» der Erziehung sich selbst in den breiten Massen de» Volke» festzusrtzen, war alle» gut und fand die geistige Verödung, welche die Laienschulen mit sich brachten, keinerlei Beachtung. Nachdem sich aber jetzt herauSgestellt hat, daß die Laienschulen nicht dem Liberali»mu», sondern der Sozialdemokratie zu gute kommen, fangen dieselben Leute, die einst die Urheber der Laienschule waren, an, sehr bedenklich zu werden und sich wieder nach der Religion, als der Hüterin und Schützerin der staatlichen Ordnung, umzusehen. Man findet auf einmal, daß man in der ReligionL- lofigkrit der Schulen zu weit gegasgen ist und entdeckt zahlreiche Mängel und Nachtheile des LaienschulwesenS. ■

Dieselbe ,Rat. Ztg/, die einst den Sinrichtusgen der Laienschulen zugejubelt, hat in letzter Zeit eine Reihe von Korrespondenzen au- Pari» gebracht, in welchen auseinangesetzt wird, daß und warum die leitenden Kreise der republikanischen Partei sich immer mehr von der Leienschule abwrnden. Diese Entwick- lungeu sind so lehrreich, daß wir lebhaft bedauern, fie nicht im Wortlaute mfttheilen zu können, aber einige charakteristische Stellen mögen wenigsten» hier ihren Platz finden. Die ,Rat. Ztg/ schreibt z. B-: „DaS Geschlecht, da» dann auf der Bühne der Welt den entscheidenden Einfluß besitzt, ist in der Laienschule I unter den Ferry'schen Gesetzen öbne Religion»-' unterricht aufgewachftn. Seiner überwältigenden Mehrzahl nach fehlt ihm die höhere Bildung, eS beruht in seinem Wissen und Denken durchaus auf elemen- tarenKenntnisien und bürgerlicherMoral, jede religiöse Färbung hat e$ abgestreift. ... Der bildende und erzieherische Werth d-S ReligioaS- Unterrichts ist von den französischen Gesetz­gebern völlig verkannt worden. ... Bei Lehrern und Schülern bildet sich unter dem Banne und Druck de» unmittelbar Nützlichen und Zweck- mäßigen eine Abneigung gegen jede religiöse und idealistische Anschauung heran», die Ernst Renan und

Rat.-Ztg." schl eßt hieran, vermuthlich um . ile»" Prinzip zu wahren, zwar die Warunng an die Franzosen, nur nicht au» der Scylla (!) der Laienschule in dir „Charybdi» de» KlerikaliSmuS" zu fallen, aber dem legen wir keine Bedeutung bei. E» versteht sich ja bei einem nationlliberalen Blatte von selbst, daß eS nicht mit einem Male für ein Schul­wesen auf religiöser, christlicher Grundlage sich begeistern kann. Jedenfalls bilden jene Auslassungen der,Rat.- Ztg/ eisen neuen Beweis für die alte Erfahrung, daß unsere liberalen Blätter, wenn sie über Erscheinungen im AuSlande schreiben, oft ziemlich objektiv der Wahr- heit Ausdruck zu geben sich nicht scheue», während sie in ihrer inneren Politik aller entgegenstehenden Er- fahrung ungeachtet an ihren alten „liberalen" religionS- feindliche« Idolen festhalten. Um so gewichtiger ist bei der sonst so unzweifelhaften kirchrnfeindlichen Ge­sinnung der ,Bofl. Ztg/ für uns das Zeugniß, dar sie jetzt bezüglich der ftanzöfischen Laienschule gegen die religionslose Erziehung abgegeben hat.

ft Nachdem kürzlich der bayerische Ritt­meister von Stetten, bi» zum 6. d. Kommandeur der Schutztruppe für Kamerun, m einer Zuschrift an die .Münchener Allg. Zig/ ausdrücklich erklärt hat, allen Ausstreuungen Über einen neuen Kolonial- Skandal fervzustehe», bringt das ,Berl. Tag bl/ unter der Ueberschrist „Rittmeister von Stetten contra Gouverneur von Puttkamer" eine Art Anklageschrift, in der unter Hervorhebung de» i Bestehens einer alten Gegensatzes zwischen den beiden l Genannten gegen H-rru JeSko von Puttkamer schwere Beschuldigungen dienstlichen und privaten Cha­rakters erhoben werden. Wir halten eS mit der .Post' angesichts de» Umstandes, daß die Regierung zu den hier angebrachten Thatsachen wird Stellung nehmen müssen, für angebracht, uns einstweilen auf diese Notiz zu beschränken. Erwähnt sei nur noch, daß in einer vom 7. d. datirten Zuschrift an die ,Boff. Ztg/ Herr Franz Giesebrecht Enthüllungen an- kündigte, wobei er al» seinen Gewährsmann den „Kommandeur einer Schutztruppe" bezeichnete.

O Wie wenig man in manchen Kreisen da» In­teresse de» Handwerk» im Auge hat, sondern sich lediglich von Parteirückfichten letten läßt, zeigt wieder einmal in Sachen des vefShiguugSuachwetse» dre^Post', wenn fie schreibt:

Zur 43. Keneralversammlung der Kat-oMm

* AmtschÄLds. — ----

" Dortmund, 11. Äug. Die'Anmeldungen für die 43. Generalversammlung der Katho­liken Deutschlands laufen au» allen Theilen Deutschlands und de» Auslandes schon jetzt sehr zahl­reich ein. Die Zahl der gelösten Mitgliederkarten belief sich bereit» gestern auf rund 600, eine Zahl, wie fie vierzehn Tage vor Eröffnung einer solchen General-Bersammlung noch wohl nirgends erreicht ist. Besonders stark wird in Dortmund der Adel au» ganz Deutschland vertreten sein. Der Verein deutscher kathol. Edelleute hält nach Schluß der Katho­likentage, Freitag, den 28. Aug, hier noch eine be­sondere Sitzung ab, die mit Gottesdienst in der Propstei­kirche eingeleitet wird. — War die Presse angeht, so haben sich bi» jetzt etwa 60 Vertreter derselben angemeldet. Richt bloß die kathol. Presse, sondern auch die hervorragendsten liberalen Blätter Deutschland» werden Vertreter hierher entsenden. Ferner sind be­reit» holländische und französische Zeitungen angemeldet, endlich sogar eine bedeutende spanische Zeitung. ES dürfte wohl das erste Mal sei«, daß auch die spanische Presie auf einer deutschen Katholikenversamm- hing sich einfindet. — Bemerkt sei ferner, daß dem Lokalkomitee eine Reihe wichtiger Resolutionen vorliegt, namentlich auf dem Gebiete der sozialen Frage und der Presse. Es sei nochmals darauf hin- gewiesen, daß Anträge b-S zum 15. d. M. eingereicht sein müsien.

«X Die Laienschule u.der Liberalismus.

Jule» Ferry, dem jüngst in seiner Vaterstadt ein Denkmal gesetzt worden ist, hat als Ministerpräsident unter dem Zeichen des Kampfe- gegen da» geoffen- barte Chriftenthum Frankreich die religionslose Laien- schule gebracht. Damals war auch unser deutscher Liberalismus und an seiner Spitze die ,Rat.-Ztg/, da» Berliner nationalliberale Hauptorgan, voller Be­geisterung; denn ihr Ideal war e» ja seit Jahrhunderten, „außerhalb des Schatten» der Kirche leben und sterben zu können". Bei dieser Gesinnung mußte unser« Liberalen natürlich die franzöfische Laienschule vorzüg­lich gefalle«; denn aus ihr wurde alle» verbannt, wa» auch nur entfernt an die Kirche oder Religion erinnern konnte, nicht nur daß eS keinen Religionsunterricht mehr gab, sondern jede Erinnerung an eine Religion und an das Dasein Gotte» wurde auch au» dem i übrigen Unterricht ängstlich ferngehalte«. In den i_____vn vtcuu

französischen Lehrbüchern für die Laienschule wird man j Jule» Simon nicht ohne Besorgniß bemerkte«. . . . ta» »ort „Gott vergeblich suchen. Und wo im ! Die Nachdenklichen unter de« Franzosen suchen alle H^uptihatsachen der Religion»- - Hindernisse, die einen Zusammenschluß der bürgerlichen geschrchte doch mcht ganz übergangen werde« können, ' ~-v ~ ■ -• - a * •

da werden fie so flüchtig und man kann sagen, ver­ächtlich als möglich abgemacht.

Stromaufwärts.

Roman von El. Lötschert (SR. Brechteu).

18} ------- (Nachdruck verboten.)

(Betti’» Genesung machte nur sehr langsame Fort­schritte.

So wurden denn die nun folgenden Men Tage zu Wochen und Monaten.

Erst als die Bäume zum zweiten Male seit ihrer Heimkehr blühten, war ihre Gesundheit völlig hergestellt, und von dieser Zeit an wetteiferten ihre runden Wangen mtt den Rosen in ihre» Vaters Garten.

Gertrud Herzog war sehr hübsch geworden. Sie hatte eine zierliche, meist in helle, luftige Stoffe ge- kleidete Gestalt, eine zarte Hautfarbe und hellbrauner Haar, da» den weißen, schlanken Hal» nicht in steifen Fleckten, sondern in kurzen, natürlich gelockten, krausen Flocken umgab. Ihre braunen Auge« blitzten von fast französischer Lebhaftigkeit, ihre Bewegungen waren leicht und anmuthig — ihr Köpfchen aber durch die lange Zett der aufmerksame« Schonung, deren Mittelpunkt fie gewesen, launischer und verdrehter al» je.

Ost seufzte Hanna darüber, denn fie hatte den schwerstes Staad dabei.

Fräulein Brüuning aber lächette.

Sie war viel klug, um der verwöhnten, reichen Richte offen zu widerstehen.

Ihr Endzweck ging dahin, durch die Tochter den Errrfluß auf den Vater zu gewinne« und alle da­zwischen liegenden störenden Elemente zu entfernen.

Gegen ihren Vater war Gertt immer gleichbleibend | liebenswürdig und fügsam.

Bon Tag zu Tag sah fie mit steigender Verehrung

• zu ihm aus; fie nannte ihn im Scherz ihren „schönen i Papa," während er eine an Schwäche grenzende Be- j sorgniß für seinen Liebling zeigte.

Da Dottor Röder fich entschiede« gegen eine noch- ; malige Entfernung aussprach, so wurde jeder dahin s zielende Plan aufgegeben.

I DaS junge Mädchen sollte im kommenden Winter l mtt ihren früheren Freundinnen und «lter-genofien I an den Tanzvergnügungen theilnehme«, dazwischen aber i «och Privatunterricht in der Literatur, Geschichte u.s.w. I erhalten. Sie wünschte da» letztere dringend, den» ste : hatte von ihrem Baler eine große Reizung sttr geistige ; Beschäftigung geerbt, und liebte eS, wenn er fie dann | und wann in ernste» Gespräch hineinzog und sie chm Berständniß entgegrnbringe« konnte.

Der Hausarzt hatte einen jungen Lehrer em­pfohlen, welcher, an dem Realgymnasium in Ziege», dorf angestellt, mehrmals in der Woche »ach der Stadt herüberkomme« konnte.

Herr Bernhard war da» vollkommene Abbild einer angehenden junge« Gelehrten, schlicht im «enßern,

I fein und zurückhaltend im Benehmen und, allem An- I schein nach, kein andere» Jntereffe, keine Sache von größerer Wichtigkeit kennend, al» nur da» Studium, da» gänzliche Aufgehen in dem wetten Felde der Wissen- schäft.

Der Mann gefiel Herzog. Ihm wollte er die ernste Aufgabe, die Ausbildung seiner einzigen Kinder zu vollenden, anvertrauen; um so lieber, al» der Be- treffende auch die beiden Komtessen von Dohna, welche längst ihrer Erzieherin entwachsen, noch in einigen Fächern unterrichtete.

Der ganze Wunsch seiner Tochter kam ihm über­haupt aus verschiedenen Gründen höchst gelegen.

Er wollte fie schon früh an allen Winterfreuden theilnehme« taffen; aber daß ihr Sinn durch die Heinen Studien etwas davon abgelenkt und Höherem zuge­wandt würde, dar war ihm sehr lieb.

8r dachte ost a« seines Schwiegervater- Ver­fahren und sagte fich, daß er nie so gehandelt haben würde.

Aber vor viele« Jahre«, in einer Men Abend­stunde, da war ihm von einem „findigen" Freunde ein Gedanke in des Kopf gesetzt worden, der den be- tannenen nüchternen Mann seitdem nie mehr ganz lorgelaffen hatte.

Au» dem flüchtigen, nut scherzhaft erwähnten Ge­danken wurde allmählig ein sich langsam gestaltete»!»« Plan und schließlich ein fester Vorhaben.