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Samstag, den 8. August 1896.
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Schon 1853 war die „Viktoria" als eine Transport- und Valorenverficherung gegründet. Neben vielen anderen B-rsicherungSwcifen nahm sie 1892 auch die besagte BolkSverstcherung auf und ist seit dieser Zeit eine der ersten DeutsLlands geworden. An Prämien und Zinsen machte sie 1895 ca. 26,000,000 Mark Einnahmen. DaS Gesammtvermögen der Gesellschaft betrug Ende 1895 = 113,165,199 M. 54 Pfg. Schon vor Jahren stand die „Viktoria" in gutem Rase, sodaß 1875 der Fürstbischof von BreSlau seinen BiS- thumlangehörigen die Versicherung wiederholt empfahl. 1882 wiederholte daS sein Nachfolger Fürstbischof Robert. Seit 1892 hat die „Viktoria" über 650,000 Policen auSzefertigt mit über 86,000,000 Mk. Ber- stcherungSsumme, die sich zusammens-tzt aus kleinen Beiträgen, welche später oder bei frühem Tode der Versicherten schon vorher zur Auszahlung kommen und so die Angehörigen vor der ersten Entbehrung schützen. Wer daS Versicherungswesen einigermaßen kennt, wird sich leicht überzeugen können, daß die Prämien für die Versicherungssummen durchaus angemeflen und niedrig find, wenn in jüngeren Jahren rechtzeitig versichert wird. Die „Viktoria" betheiligt ihre Versicherten mit 75 pCt. am Gewinne und vertheilt denselben vom zweiten BerficherungSjahre ob Dieser ist ein überaus günstiger und beträgt seit 1892 jedes Jahr 25 pCt. der Prämie, d. h. von jeder gezahlten Maik 25 Psg. Alljährlich wird drr Gewinn feftgestellk und mit 31/* pCt. Zins angelegt und mit der Versicherungssumme bei der Fälligkeit mit ausbezahlt So kommen stets die Gewinrancheile zu den V-rsicherungrsummm und dadurch vermehrt sich dar Kapital bis zum Schluffe ganz beträchtlich. Bei frühem Tode des Versicherten ist noch lange nicht eingezahlt, was die Versicherungssumme mit den bis dahin angelaufene« Gewinnantheilen ausmacht.
einem eventuellen Verfall der Versicherung vorgebeugt. Der Unterschieb zwischen den beiden Arten besteht darin, daß die Versicherungssumme der letzten Art etwas niedriger ist als die der elfte«.
Die verschiedenen Versicherungen habe» an de» meisten Orten Agenturen, an dir man sich wende» kann. Wo solche nicht bestehen, sollten Männer sich um eine solche bewerben, um auch ihrerseits diese Wohl- fahrtSkiarrchtuag zu fördern suchen. Auch dieses ist ein Theil drr sozialen Frage, denn wie viel Roth und Elend ist schon durch die Versicherungen gehoben worden. Auch die Regierung hat längst und wiederholt darauf hinzewiesen und sucht sie auch zu söcdrrn, indem die LebenSverficherungSprämien nicht unter daS steuerpflichtige Einkommen fallen.
H. lieber Volksversicherungswesen.
Ueberall bekommt man in den letzten Jahren den Name» Volk-Versicherungswesen zu hören,und er dürste daher von Interesse sei», die hohe wirth- schaftliche Bedeutung desselben einmal näher zu beleuchten.
Der Name BoUSverficherung wird im Allgemeinen für Versicherungen auf daS Leben gebraucht, für welche eine ärztliche Untersuchung nicht verlangt wird. Die Prämien können in monatlichen ober wöchentlichen Raten entrichtet werden. Die Berfichr- rungSsummen können entsprechend der Zahlungsfähigkeit der Versicherungsnehmer von den höchsten bis zu den kleinsten Beträgen gestellt werden. Diese werden dann «ach einer Reihe von Jahren ober bei früherem Tode sofort ausbezahlt.
In England wird dieser Zweig von LebenSverfiche- rung schon seit Anfang der stebenziger Jahre betrieben. Such in Deutschland wußte man sich bald dafür zu erwärmen und so entstanden eine ganze Reihe von derartigen Versicherungen. Wir greifen hier auf daZ Gerathewohl einmal eine derselben heraus, um an dieser die innere Einrichtung und die Bedeutung solcher Versicherungen etwas näher vor die Lugen zu führen. 1892 nahm z. B. die „Viktoria" in Berlin die Volks- veificherung in ihren Betrieb und zwar mit dem besten Erfolge.
Dir St Frmyislurs Mtd Elisadkth-Kirche M Haie a. d. S. (Schluß.)
Aus dem Jahresberichte der Hanauer Handelskammer.
ii.
, dem schlanken, edelen Thurme ruft der alte Hahn feinen Schrei 5 der Wachsamkeit und Buße allen zu, die er überschaut.
Drei Glocken^ die den Namen Franziskus, Elisabeth und ( den des Märtyrers um die Kirche in Halle, Wilhelmus, tragen, - rufen nach ihren Inschriften die Gläubigen auf zum seraphischen 5 Liebesjubel des hl. Franziskus, zur Liebe des Mitleids der hl. j Elisabeth und zur Buße des hl. WilhelmuS. Das Siegelbild ! der neuen Kirche, Christus am Kreuz, mit den Bildern der Patrone der Kirche, Scenen aus ihrem Leben, schauen in wundersamen Gebilden der Kunst von Meister GligeS in Freiburg aus den Chorfenstern auf den Hochaltar, der ein Werk der bekannten Wiedenbrücker Künstler ist. Ein alter renovirter Klappaltar aus dem 15. Jahrhundert, den die Nonnen des St. GeorgiklosterS, das nur wenige Schritte von der neuen Kirche entfernt lag, und das mit den Franziskanern am längsten in Halle dem heiligen Glauben treu blieb, in ihrer Kirche hatten, ziert einen Seitenaltar, während ein anderer seine drei Bildnisie, die hl. Mutter Gottes, St. Katharina und St. Barbara, aus dem alten Kloster ManSfeld durch glücklichen Zufall erhalten
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Die „Viktoria" versichert auch gegen Wochenbeiträge, die monatlich und vierteljährlich bezahlt werde» können und zwar schon mit Beiträgen von 10 Pfg. an.
Bei der Kinderversicherung werden zwei Arten unterschiede». Rach bet einen Form wird bie Summe fäDij, wenn daS Kind am Ende ber BsrfichrrungS- bauer roch lebt; wenn es aber früher stirb', so wirb bar volle Kapital nebst den Gewinnantheilen bis zu dem Tage der Todes sofort ausgezahlt, .denn «■ Kind aber schon in den ersten brei Jahren stirbt, w wird nur das bis zum Tobe b;S KiobeS einbezahlte Geib, aber voll ohne irgenb welchen Abzug wieder aoSgehändigt. Rach ber zweiten Art kann bar Kind so versichert werben, baß beim Tobe beS LaterS das Kind feine Prämien mehr zu zahlen braucht, baS . Kwb jedoch daS volle Kapital nach Ablauf ber Ber- ; ficherungsbauer nebst ben Gewinnantheilen erhält. Es i •|t dadurch jede Last von ber Wittwe genommen und ?
In dem ganzen großen Gebiete des RegieruugS - Bezirkes Merseburg war bis 1858 Halle die einzige Mission, hier der einzige Priester für all' die dort zerstreuten Katholiken. Eine Tochter-Gemeinde nach der andern, bis ihre Zahl das Dutzend überstiegen hat, ist seit 1858 im alten Psarrbezirke Halle entstanden: Torgau, Liebenwerda Eilenburg, Delitzsch^Wtttenberg, . WPHPVt in u«i yaun uicu muji uuu nut itui ,mwei Zappendorf, Giebichenstern, Alsleben, EiSleben, Helbra, Mansfeld - nitSo(S ,r;x*n tof>Xn kannten In, h
und Hettstädt, Gerbstedt, Merseburg, Zeitz, Lützen, Weißenfels ’ auSge^Uche-r werbtti lonnien. Im v-rbst Netz Der Ad- und Naumburg, alle hatten sie mit Hilfe deS BonifatiuS-Bereins ( wtz Wesentlich nach, da bte große Kartoffelernte eine ihre K rche, die Mutter aller hat bis zuletzt gewattet. Alle ' Einschränkung deS MehlkonsumS gut Wirkung brachte.
__________________________________ _____, \ eine Kreuzkirche mit niedrigen Seitenschiffen, von Meister i Güldenpfennig entworfen, in allen Theilen mit Sorgfalt und ? feinem ästethischem Geschmack durchgeführt, leuchtet der Bau in i dem Hellen Brenn- und Sandstein freundlich dahin, und auf j hent fAfnnfptt ehefett Thitrmp ntff hnr nffp Delfin ?
s gönnen ihr nun, daß das Ziel der mehr als 300jährigen Sehnsucht erreicht ist. Die Katholiken der ganzen Provinz Sachsen freuen sich deffen mit und die Freude theilen auch die viele« Wohlthäter in Deutschland und über deffen Grenzen hinaus, die zu dem Bau ihre Gabe geschenkt haben. Denn alle Theile Deutschlands haben Söhne und Töchter ihres Landes nach Halle gesandt, die sich zu ber jetzigen Gemeinde vereinigen und in ihrem Glauben sich fest aneinanderschmiegcn, um dem Ansturm widerstehen zu können, der von allen Seiten ihren Glauben bedroht. Sie saßen zusammen an dem Abend der Konsekratton, um sich gemeinsam deS Errungenen zu freuen, versammelt um ihren Bischof und ihren Seelsorger, ein Bild der christlichen Familie, der Bater umgeben von seinen dankbaren, getreuen und gehorsamen Kindern. Kein Mißton hat die Feier der Konsekratton gettübt, alle, selbst die Andersgläubigen, haben sich nur gefreut, das blaffe Gesicht des Neides war verschwunden, die Masse« des BolkeS, daS sich ansammette, verhielten sich tadellos. Auch bei dem ganzen Bau hat der Himmel seinen Segen gespendet, kein Unglück ist geschehen, kein Finger verletzt. Alle Bauleute waren mit seltenem Eifer und wahrer Freude bei ihrem Werke; darum ist auch aus den Augen starker Männer manche ThrSne gefloffen, als der Bischof durch die Konsekratton dem Werke die Krone aufsetzte, und als in dem darauf folgenden Hochamte die einige Lampe nun entzündet wurde. Da wurde der Funken deS heiligen Feuers, den die fliehende« Franziskaner int Jahre 1546, wie JeremiaS das heilige Feuer aus dem zerstörten Tempel, davonttugen, ber nun endlich vor einem wirklichen Altäre und in einem wirklichen deS Herrn würdigen Tempel im ewigen Lichte brennt, da wurde er zu einer Lohe heiliger Begeisterung und Freude, kräftiger Borsätze und heller Dankbarkeit gegen Gott und alle Wohlthäter der Kirche in dem Herzen der wirklich und im Geiste Anwesenden und der ganzen Gemeinde. Nun steht da daS neue HauS des Friedens inmitten des Gewoges einer Großstadt, inmitten einer Bevölkerung, die zumeist diesen Frieden nicht kennt, aber in den religiösen und sozialen Jrrthümern der Zett ganz gewaltig nach demselben ringt und leider ihn da sucht, wo er nimmer zu finden ist. Und doch ist nur der Friede aus dem Heiligthum GotteS das einzige Heilmittel.
All' dem und vielen anderen hohen Gedanken gab der Hochw. Herr Bischof und andere Theilnehmer deS Festes in ihren Reden in herrlichen Worten Ausdruck, und die an die Gemeinde gerichteten Ermahnungen des Hochw. Herrn werden sicherlich ihre Frucht tragen.
Nur Eines liegt noch wie ein schwerer Stein auf der Gemeinde und Allen, die das Werk angeht: Die Gemeinde kann nach dem Entscheid der Bischöfl Behörde die Schuldenlast nicht tragen. Sie wollte sie ganz auf sich nehmen, 100,000 Mark anleihen und amortisireu. Nur die Hälfte konnte ihr nach ihrer Steuerkraft aufgelegt werden. Aber sollten die alten Wohlthäter alle gestorben sein? Biele sind heimgegangen. Sollten sie nicht noch einmal ein Scherflein beisteuern? Sie werde« eS jetzt mit mehr Freude thun als vordem. Sollten sich nicht neue fittben? Ganz gewiß. Möchten fie erstehen aus den Lesern dieser Zeilen, auch der jetzige Pfarrer Schwermer zu Halle hält seine Hand ihnen entgegen mit demselben Bettelstäbe der großen heiligen Bettler St. Franziskus und St. Elisabeth.
Inzwischen ist nun die Zahl der Einwohner auf 120 000 und der Katholiken auf 5000 gestiegen. Der Bauplatz ist 1882 erworben, aber erst 1894 konnte der Bau in Angriff genommen werden. Dies letzte Harren, so nahe vor dem Ziele, war für die Gemeinde und ihre Hirten eine Probe der Geduld, eine harte Prüfung, die aber ihre Früchte getragen hat. In einem 7jährigen Rechtsstreit mit dem königlichen FiSkuS mußte erst die Anerkennung von dessen Bauverpflichtung erstritten toe ben, bie er mit bent seit Anfang des Jahrhunberts beanspruchten und auSgeübteu Patronate übernommen und überkommen hatte. Dann vergingen Jahre mit den Verhandlungen über die Höhe dieses Patronatsbeitrags und über den auszuführenden Bauplan, dessen Feststellung wiederum sich verzögerte, weil der Bau- platz durch eine Straßenanlage verändert werden sollte, deren Feststellung die des Bauplanes bedingte. Die Patronatsbaulast hat dabei der FiSkuS mit 80 000 Mark für immer abgelöst; leider hat der Finauz-Minister '/- von der Summe (120 000 Mark) gestrichen, welche die Regierung festgestellt hatte, indem er behauptete, die Kirche bedürfe keines Thurmes, und dem Bedürfniß könne abgeholfen werden, wenn die Gemeinde die auf sie entfallende Quote von zwei Dritttheilen der ganzen Bausumme hinzu thue. Aber immer noch keinen Thurm, keine Glocken? Der Thurm steht jetzt da, Kirche und Pfarrhaus daneben, eine wahre Zierde ber Stadt, ein ber katholischen Kirche würbiges Gotteshaus — die alte Sehnsucht ist gestillt.
Und so muß es auch sein. Halle ist der geistige Centralpunkt der Provinz Sachsen, der Mittelpuntt des deutschen Protestantismus, namentlich seitdem die Universität Wittenberg, seine Wiege und Mutter, nach Halle verlegt ist und in neuerer . Zeit alle Fäden der protestantischen Polemik gegen unsere Kirche l hier, an dem Hauptorte deS evangelischen Bundes, zusammen- laufen. Kein Luxus, kein Ueberfluß zeigt sich an der neuen Kirche, aber was mit wenigen Mitteln bie Baukunst erreichen kann, bas ist an dem Bau geschehen. In spätgothischem Stile,
j Bestimmungen über bie Arbeitszeit brr l sympathisch gegenüberstehe.
Urber der-GrschästSgavginFabrikaten brr Müllerei ' sind ber Handelskammer mehrere Berichte aus Geln- Hausen und Fulda zugegangr». Im Ganzen über» | einstimmend wirb von ben Firmen ber Absatz in Mehl ■ bis zu« Herbst deS Berichtsjahres als normal bezeichnet, f Die Preise waren im Allgemeinen größeren Schwank- : ungm nicht unterworfen, sodaß Bertheuerungen der • Rvhwaaren Roggen und Weizen durch eine entsprech nde ; Avance in den Fabrikaten nicht ober nur sehr schwer
Die Lohnverhältniffe blieben im Berichtsjahre nach i übereinstimmender Mitthrilung ber berichte:stattenden ] Firmen die gleichen, allerdings rait der T-»denz nach - . ~ ,. . ■.. . ■ , -- "ben. Ein Mangel an Arbeitskräften zeigte sich auch
hat. So birgt bte Ktrche auch herrliche Reste alter Höllischer s j h i-n
und sächsischer Kirchenkunstwerke unter dem neuen sich hoch- ! !B ^5- »»Lästeren Geschäftszeit Nicht, da pejlell i» wölbenden Gebäude. Die Orgel steht im «reuzschiff, das Pottal- | öet TadakSbrarche für bic regelmäßig Wiederkehr ende fettster ziert das letzte Gericht, der Thurm steht an der Sette l lebhaftere Saison im Große« und Ganzen entsprechend b -Iä^ba.ä Xrej.cTb ^ÖJ* en,ttojtfrtn: ®®”äe i to-gearbeitet werden kann Eine der Firmen fügt S1 Ä Ss»- st-
würdig dargestellt. Nun braucht sich der katholische Christ i« 1 Bestimmungen über bie Arbeitszeit der Arbiter nnen dieser Stadt seines Glaubens nicht mehr zu schämen, neues Leben ist in die Gemeinde geströmt, jetzt erst wird jeder Katholik in dieser von allen deutschen Großstädten bie größte protestantische Majorität besttzenben Stadt an diesem merkwürdigen Orte sich mehr seiner Würde fbewußt und seiner Aufgabe, die GotteS Fürsehung ihm hier gestellt hat.
Ueber den Geschäftsgang der Fabrikation von i Cigarren und Rauchtabak, liegen mehrere Berichte f vor. auS welchen sich ergibt, daß, wenn die Absatz- ■ Verhältnisse diese» Branche rm Berichtsjahre noch nicht t ganz rrgelmäßtg waren, doch im Allgemeinen eine Besserung gegen dar Vorjahr eintrat. Im ersten Halb- | jahr litt bie Industrie noch unter den Nachwirkungen s der S:eus>p ojekte; im Hochsommer u.ib Herbst aber wurde dar Geschäft bedeutend lebhaf ee, »üchde-n die i Ansicht mehr Boden gewonnen hatte, daß von ferneren i Beunruhigu-igen der Branche durch Steuerprojekte end- gütig Abstand genommen sei.