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Freitag, den 7. August 1896.
23. Jahrgam
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Deutsches Reich.
Berlin, 6. August.
* Von feinet Nordlandfahrt hat der Kaiser den Entwurf eines neuen Gemäldes fast vollendet mit« gebracht. Durch dasselbe wird der Schutz der Künste und der Industrie durch die Armee dargestellt. Unter einem gothischrn Thorbogen stehen die idealen Frauen« gestalten, welche die Künste und Gewerbe personifiziren, gegen welche eine drohende Wolke heranzieht, aus der mcheimliche feindliche Gestalten auftauchen. Ein germanischrr Kriegkr tritt den Schreckbildern machtvoll entgegen. Professor Knackfuß in Kassel ist mit der Ausarbeitung einiger Einzelheiten beauftragt, und man glaubt, daß bald auch dies Werk der Oeffentlichkeit übergeben wird. — Der Kaiser leidet, wie aus Schloß WilhelmShöhe gemeldet wird, an einer leichten katarrhalischen Halsasfettion und hat daher die Reise nach Wesel, Ruhrort und Essen auf ärztlichen Rath aufgeben müssen. Die Kaiserin wird auf dieser Reise daher vom Prinzen Heinrich als Vertreter des Kaisers begleitet sein.
* Der Handelsminister Brefeld ist zum BrmdeS« rathL bevollmächtigten ernannt worden.
* Infolge Kündigung seitens der muguayschen Regierung wird ter Handelsvertrag zwischen Deutschland und Uruguay am 1. August 1897 außer Kraft treten.
* Wie der ,Reichsbote' meldet, ist von den evangelischen Geistlichen des SaarvereinS bei dem König!. Konsistorium gegen Freiherr« v. Stumm wegen der Behauptung von 15 angeblich nachgewiesenen Unwahrheiten sofort Verwahrung eingelegt worden. Die Geistlichen haben sich bereit erklärt, den Wahrheitsbeweis für die Ausführungen der Broschüre anzutreten. Auch der .Köln. Ztg.' ist betreff- der Zuschrift der Freiherrn v. Stumm eine Berichtigung zugegangen.
* Im .Reichs anz' wird der bereits bekannte Erlaß des Kriegsministers gegen die Verbreitung Von Drucksache« und Waaren innerhalb von Truppen- cherlrn veröffentlicht. Der Erlaß richtet sich gegen die sozialdemokratische Agitation im Heere.
* Zum Petroleum-Monopol. Aus Homburg meldet der offiziöse Telegraph: Zu der gestern von der .Hamburgischen Börsnchalle' gemeldeten Fusionirung der drei Petroleum-Firmen Göpel und Trübe (New- Wrk), Poch (Mannheim), Raffow, Doung u. Cvwp. (Bremen) wird heute eme Mittheilung gemacht, nach der unzweifelhaft die Bereinigung des Petroleum- Handels der ganzen Welt jetzt bewirkt sei, indem die genannten Firmen der allgemeinen Vereinigung der Standard Oil Company beigetreten sind. Vom 24. Mai d. ZS. ab sei da» Petroleum für dir genannten Firmen au» den Tank» und aus den Werften der Standard Oil Company geladen worden.
* Strenge Di-eiplinar-Matzuahmeu kommen zur Zeit in Potsdam gegen die Mannschaften des 2. Garde-Feldartillerie-RegimentS zur Anwendung. Sie
Stromaufwärts.
Roman von Cl. Lötschert (M. Brechten).
14] ------- (Nachdruck verboten.)
4. Kapitel. Geschlossene Lippen.
Der kleine braune Salon war hell erleuchtet. Affor, der LicblmgShund der Hausherrn, hatte seine Vorderpfoten auf dessen Kniee gelegt und blickte ihn treuherzig an, während er sich geduldig an den Ohren zausen ließ.
„Wenn ich nicht wüßte, daß Sie immer zuerst auf mein Beste» bedacht sind, so müßte ich wirklich vermuthen, Sie hätten einen besonderen Grund, der Sie bestimmte, mich gar so sehr zu dieser längeren Reise zu br fingen/
Frau Hochberg strich glättend über die schweren Falten ihre- schwarz-seidenen Kleide-, ehe sie antwortete: „Aber Sie stud hoffentlich von meiner guten Absicht überzeugt; auch glaube ich nicht, Sie gerade gedrängt zu haben/
„Verzeihung, Frau Schwägerin, da» thaten Sie dennoch/
Eine leichte Verlegenheit prägte sich in ihren fein geschnittenen Zügen au». „Sie sind zu aufrichtig, um aus Höflichkeit anders zu sprechen, als sie denken. Sagen Sre selbst, ob ich nicht Recht habe: wenn Sie
I wurden dadurch Lervorgerufen, daß sechs Artilleristen, die vor einigen Tagen im Jungfernsee badeten, einige Damen, die am Ufer vorbeifuhren, arg belästigten. Ta» Regiment erhielt nach der Anzeige de» Vorfalles Kasernen - Arrest. Zur Ermittelung der Schuldigen ist, nach der P. K, angeordnet worden, daß ein jeder Artillerist, einschließlich der Chargirten, aufschreiben soll, wo er zu der Zeit, als der Vorfall geschah, sich aufgehalten hat. Diese Angaben sollen dann auf ihre Wahrheit geprüft werden. Inzwischen durchziehen zur Aufrechterhaltung des verhängten Kasernen« ArresteS Patrouillen von früh bis spät die Stadt und \ nächste Umgebung, um jeden Artilleristen, den sie | treffen, nach dem Ausweis zu fragen, ob er sich dienst- i lick aus der Straße befindet. Sämmtliche auf Urlaub - befindlichen Artilleristen haben auf drahtliche Anweisung ä sofort zurücklehren müssen. Eine Entdeckung der Schul- I digen ist noch nicht erreicht worden. ÄWWK
* Erlangen, 5. Aug. Hier ist laut Regiments- I befehl ein Soldat mit vierzehn Tagen Mittelarrest bestraft worden, weil er in Uniform auf der Heimreise nach Erlangen in einem Eisenbahnkoupee erklärte, er sei Sozialdemokrat, welche Aeußerung Aergerniß er« | regte.
Arrslmrd.
* Wien, 6.Aug. Zum Reiseprogramm des Zarenpaares wird au» Petersburg gemeldet, daß noch in manchen Punkten Aeriderungen vorfallen dürften, nicht allein mit Rücksicht auf die Politik, I sondern auch auf das Befinden der Kaisers und der Kaiserin. Daß die Reise mit Wien beginnen werde, habe ohne Zweifel eine besondere politische Bedeutung. Ein Besuch des Zarenpaares am dänischen | KönigLhofe wird nach neuester Melvung aus Kopen- Hagen in diesem Jahre unterbleiben. Daher sei bereits « von einer Verlegung der dänischen Residenz nach ] Fredeusborg Abstand genommen. Natürlich wird auch « die angekündigte Zusammenkunft des Königs Oskar II. 5 von Schweden - Norwegen mit dem Zcrrerprare in l Fredeusborg nicht stattfinden.
* Paris, 6. Aug. Bei der Reise des Präsi« ! benten Faure treten überall die gewöhnlichen Er- ■ schemungen zu Tage: Auf der einen Seite große Be- k geifterung und Lobeserhebungen, während man auf l der anderen ganz kühl und frostig bleibt. In Saint- 1 Malo wurde ein Mann verhaftet, weil er aus allen i Kräften „Rieder mit dem Prstdenten, Hoch Orleans, f Hoch dar Königthum" gerufen. Bon den Abgeord- ' neten des Departements Ille-et Bilaine bleiben dem ; Präsidenten zwei royalistisch Gesinnte fern, ebenso die drei Senatoren btS Departements AlS dec Dechant i von Samt-Malo Fel x Faure in seiner Begrüßung den Segen GorteS über den höchsten Vertreter der | Staatsgewalt herabflehte, antwortete dieser: „EZ ist $ mir sehr angenehm, daß die Geistlichkeit Saint Malo'» ; mir mit den Worten vorgestellt wird, deren Sie sich
$ sogleich hierher zurückkehrten, würden Sie Ihr Töchter- | chen ungemein vermissen/
„Allerdings Obschon Sie mir das ernst so drr- t ödete Heim schon feit langem Zu einem lieben, arge- ? nehmen Aufenthalt machen, so werde ich mein Kind \ dennoch sehr entbehren/
„Run sehen Sie, da» ist ja selbstverständlich. Eine ; Fortsetzung der Reise dagegen wird Sie zerstreuen. Auch haben S'e eine längere Erholung nöchig. Wie < mancher wäre froh, wenn er so auf seine Leute sich verlassen könnte!"
„In der Beziehung kann ich allerdings ruhig fein, ‘ aber Sie /. . "
„O denken Sie nicht an mich! Doch beiläufig . . ■ wir sprachen heute Morgen schon davon: haben Sie ' etwas dagegen, wenn ich Gerti's Bonne hier behalte? •- Für meine persönlichen Zwecke heißt da»."
„Durchaus nicht; verfügen Sie über dieselbe rach - Ihrem Belieben. Hegen Sie sonst noch einen Wunsch? : Möchten Sie nicht eines der unteren Zimmer beziehen? Sie hätten alsdann die Veranda und den Garten > näher."
„Aber ich müßte Morgens die lästig- Treppe hinab. Danke, bester Schwager, ich b:n vollkommen zufrieden hier oben."
Er lächelte. „Ei, Sie werden ja ganz vornehm
bedienten. Ihre Gesinnungen gegenüber der Staatsgewalt entsprechen den konkordatischen Ueberlieferungen. E» freut mich auf dem Boden der Bretagne von einer Geistlichkeit empfangen zu werden, welche die Liebe zur engeren Heimath nicht von der Liebe zum großen ftanzösischen Baterlande trennt/
* Paris, 6. Auz. Die hiesige Münze ist jetzt vollauf mit der Prägung russischen Silbergelder beschäftigt. Wohl erst in etwa zwei Jahren wird sie damit fertig werden, so großartig ist die Bestellung. Die russische Regierung benutzt den niedern Preis des Silbers, um davon in London zu kaufen und es hier auSmünzcn zu laffen.
* London, 6 Aug. Am Schluffe der gestrigen Audienz in Osborne verlieh die Königin dem Bize- köniz Li-Hung-Tschang die Auszeichnung eine» Ehrenritters des Grohkreuzes des Royal Biktoria- OrdenS und seinem Sohne die eine- ChrenkomthurS desselben Orden». Li-Hung-Tschang besichtigte heute früh mit Gefolge die Docks von Portsmouth.
* Lern, 6. Aug. Da» eidgenössische Departement für Landwirthschast hob mit dem heutigen Tage das am 24. Januar erlassene Verbot der Einfuhr von Klauenvieh über die schweizerisch-elsässtscheGrenze auf.
* Haag, 6. Aug. Hier hat dieser Tage ein glär-zendcS Fest seinen Abschluß gefunden: DaS 50- jährige Jubiläum der Vincenz-Vereine Holland», das sich zu einer großen Kundgebung katholischen Lebens gestaltete. Bei der Festversammlung zur Vorfeier, die von 2000 Personen besucht war, hielt der gefeierte Parlamentarier Dr. Schaepman die Festrede. Am Hauptfesttage fand ein feierlicher Hochamt statt, celebriri vom Hochw. Herrn Bischöfe von Hartem, mit General-Kommunion der aus allen Theilen der Lander zusammengrkommenen Mitglieder, und Abends ein großer Festessen. Zum Feste waren u. a. anw:ser-d, der Hochw. Herr Erzbischof und die Bffchöfe von Hartem, Herzogenbusch und Breda, außerdem der Präsident des Hauptracht» zu München Dr. Ruping. Ein Telegramm an den Hk. Btter, sowie ein» an die Königinnen, wurde huldvollst beantwortet. Dem Präsidenten des Hauptraches in Haag, Bnrret, ist au» Anlaß der Feier daS Ritterkreuz des Niederländischen Löwen verliehen. Die in Haag erscheinende Zeitung ,Residentrebode' hat eine p-achtvolle Festnummer heraus gegeben. Während biefer Woche ist Ausstellung vrn Kunst- und anberen Gegenstänben mit Berloofung, beten Reinertrag den Vincenz-Vereinen zugeweubet wirb.
* Ernste Unruhen siub in Spanien aus gebrochen. BefonberS in bet Nähr von Valencia treiben revolutionäre Banden ihr Spiel. Man hat bei denselben Briefe aufgefunden au» den Bereinigten Staaten u.ib au» Argentinien, woraus ersichtlich ist, daß die ganze Bewegung von Freibeutern auSzcht, um die Absendung von Truppenverstärkungen nach Kuba zu verhindern ; selbst ein Waffen-Depot hat man bei Valencia aufgefunden. Der Füyter der Banden wat ein pen-
bequern und sind dabei doch genügsam, wie stet». Run, wir können ja manche» ändern, wenn ich wieder« komme."
„Wenn Sie wiederkommen," wiederholte Frau Hochberg eintönig gedankenvoll. „Haben Sie schon alle Ihre Vorbereitungen unten getroffen?"
.Alle, auch unsern Reisetag auf übermorgen end-' giftig festgesetzt."
„Ah!" Es ging wie eine unendliche Erleichterung über ihr Gesicht.
„Affor wird unruhig", bemerkte Herzog. . . „Sieh da, Herr Sanitätsrath! Endlich. Ich fürchtete schon, wir würden Sie heute Abend nicht mehr bei un» sehen .... Warum schließen Sie die Thür nicht, Franz?"
„Ein Arzt braucht sein Zuspätkommen niemals zu entschuldigen, glaube ich," entgegnete Jener mit herzlichem Handschlag und verneigte sich gegen die Dame der Hauses.
„Desto mehr muß es Ihr Wirch jetzt ihun wegen seines unhöflichen Weggehen-. Sehen Sie . . . da erscheirtt gerade mein Stellvertreter hinter Ihnen. Was gibt kS, Herr Rohrbach?"
„Eine Drahtnachricht... die Sendung nach Boston, betreffend, Herr Prinzipal."