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Dienstag, den 4. August 1896.

23. Jahrgang

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mtt LtuterhaltongsKeilage „gterne U«L Kiume«".

Steife 25 Hf., Sei

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noch erfüllt werden könnten.

O, Sohn, wie magst Du Deine alte Mutter nur

Hast Du schwere Fälle gehabt, viel Trübe- ge-

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nur für einander. DaS Wohlbefinden der Sohnes

erfülle und ihre Friedenspolitik uneigennützig unter­stützen wolle, und nehmen wir andererseits an, daß die Kretenser in Verbindung mit Griechenland jetzt offenkundig bewiesen, daß eS ihnen auf einen Ausgleich nicht mehr ankäme, und daß sie vielmehr nach einer gewaltsamen LoStrennung Kretas von der Türkei strebten, würde daraus dann folgen, daß die Mächte nunmehr nicht nur diplomatisch, sondern auch mit Waffengewalt dem Sultan gegen die Kretenser helfen müßten? Sanz gewiß nicht! Fühlten sich dir Mächte seither nicht verpflichtet und nicht berechtigt, den Kretensern anders als durch diplomatische Vor­stellungen ihre moralische Unterstützung zu leihen, so

Diese Folgerung ergibt sich schon bei formell recht­licher Betrachtung der Angelegenheit. Geht man materiell näher auf dieselbe ein, so ergibt sich nicht minder deutlich, wie ungerechtfertigt und verhängniß- voll eine bewaffnete Emmischung der Mächte zu Un- gunsten der kretischen Christen wäre. Für die recht-

Strorrranfrrmrts.

Roman von Cl. Lötschert (M. Brechten).

äaderter Form vorführen und RcLmand dabei erwägt, ob nicht selbst Deine Geduld einmal ein Ende habe«,

Nehmen wir einmal an, der Sultan wäre wirklich Reichs und seine bürgerliche Eheschließung. . vtw yct WU!)I uuiull[(CUui1HCllcli tut nm oori

bet brave Mann, der den Machten f-.den billigen Wunsch Thema wird jetzt auch im jüngsten Hefte der .Stimmen \ ihre Familie Armenunterstützung auS öffentlichen Mit-

^Wetterleuchten im Orient, i.

Die europäischen Großmächte scheinen in der kretischen Frage eine bedeutende Schwenkung vollziehen zu wollen. Die Londoner ,Times' bringen die überraschende Meldung, daß hauptsächlich auf Be­treiben Oesterreichs der Gedanke einer Blokode der

Er bejahte kurz und fuhr sich mit der Hand über die Stirne, als wolle er einen unangenehmen Eindruck hinwegwischen. Hier für die Zeit unseres Zusammen­seins soll'- vergesse« sein."

„Ja, wenn da- so ginge," sagte sie mit ungläu­bigem Lächeln. „Weißt Du, Ernst, daß, wenn ich, Dich erwartend, hier sitze, gar oft etwas wie Bitter­keit in mir aufsteigt?"

„Wie? . . . Du, Du könntest bitter sein? DaS mach einem Andern weiß. Inwiefern denn?"

„DaS ist leicht erklärt. Wenn Du nach einer völlig schlastosen Nacht auch noch den langen Tag über abwesend bist, da denke ich, daß Du sicherlich zuweilen endlose Klagen auch über Nichttgkeiten anzu­hören habest, von mancher nervenschwachen Dame zu« Beispiel, während Du selbst mit unbeweglichem Gesicht vielleicht einen starken körperlichen Schmerz nieder- kampsest. Ich sage mir ferner, daß Alle, jahraus, jahrein an Deiner Kraft und Kunst zehren, indeß keiner ihrer Gedanken Deinem eigene« Befinden gilt, daß Dir Hunderte dasselbe Gebrechen in kaum ver-

auS Maria Laachs von Pater A. Lehmkuhl ein­gehend behandelt. Einleitend bemerft der Berfaffer: Hätte dar Centrum von Seiten der andern Parteien dasselbe wohlwollende Entgegenkommen gefuttben, mit welchem es selber sich an dem große« gesetzgeberischen Werke betheiligt, so hätte dasselbe unzweifelhaft eine für die Katholiken Deutschland» viel beftiedigendere Gestaltung erlangen können, a!» bei jetzt tatsächlich der Fall sei. Niemand werde indeß dafür dar Cen- tmm verantwortlich machen wolle«. Erst nach An­erkennung seiner die eherechtlichen Bestimmungen be­treffenden grundsätzlichen Verwahrungen und Proteste seitens der Regierung und ihres Bevollmächtigten sei die Gesammtzustimmung von dem fast vollzähligen Centrum für berechtigt gehalten worden, aber auch dar nicht ohne anderweitige wichtige Gründe. Größten- theilr würde diese in den Verbesserungen zu suchen sein, welcher der Gesammt-Abschnitt über die Ehe und einzelne Paragraphen derselben vorzüglich durch dar Bemühen des Centrom» erfahren habe». P. Lehmkuhl erörtert dann die Tragweite jener Verbesserungen unter dem Gesichtspunkte der kirchlichen Lehre und der kirch­lichen Praxis.

| so necken!" rief die Greisin vorwurfsvoll und streckte i sehen? ; ihm beide Hände entgegen. \ Er

* Der,Reichsanzeiger' veröffentlicht heute den Ent­wurf eine» Gesetzes, betreffend die AbSndenmg der Gewerbeordnung. Er nimmt im.Reichsanzeiger' eine« Raum von über 10 Spalten ein. Artikel I bestimmt: Zur Wahrnehmung der Jntereffen des Handwerk» und zur Regelung des LehrlivgSwesen» im Handwerk sind Innungen, Handwerk-aurschüsse und Hand­werkskammer« zu errichten. Die Innungen werden für örtliche Bezirke in der Regel für ein Gewerbe auf Anordnung der höheren Verwaltungs-Behörde errichtet. § 84. Aufgabe der Innung ist: Die Pflege de» Sv- meingeistes, sowie die Aufrechterhaltung und Stärkung der StandeSehre unter den Mitgliedern, die Förderung eines gedeihliche« Berhältnifles zwischen Meistern und Gesellen (Gehilfen), sowie die Fürsorge für das Herberg», wesen und den Arbeitsnachweis; Durchführung und Ueberwachung der Vorschriften über da» Lehrling», wesen, die Einrichtung von Schiedsgerichten zur Ent­scheidung von Streitigkeiten, die Bildung von Prüfung»- auSschüssen zur Abnahme der Gesellenprüfung. Von den Mitgliedern de» Vorstandes und der Ausschüsse müssen mindestens zwei Drittel da» Recht zur Anleitung von Lehrlingen besitzen und in der Regel Geselle« (Ge- Hilfen) oder Lehrlinge beschäftigen. Die Handwerks- auSschüsse haben die gemeinsamen, gewerblichen Inter- essen der gesammren Innungen eines Bezirkes zu ver- taten. Die Handwerkerkammern werden auf Verfügung der Lande» - Centralpehörde errichtet. Die Mitglieder werden von den HandwerksauSschüffen gewählt. Wähl- , bar sind nur solche Personen, welche zum Amte eine»

I Deutsches Reich. \ Schöffen fähig sind, da» 30. Lebensjahr zurückgelegt

~ m ; haben, im Bezirke der Handwerkskammer ein Handwerk

| Beru«, Z August, f mindestens seit drei Jahren selbstständig betreiben, die

; , * »DaS neue Bürgerliche Gesetzbuch des Deutschen j Befugniß zur Anleitung von Lehrlingen besitzen, in Reichs und seine bürgerliche Eheschließung." Dieses s* dem der Wahl vorangegangenen Jahre für sich ober

kretischen Küste erhoben wird, um der Waffen- und LebenSmittelzufuhr aus Griechenland entgegenzutaten. Die.Times' melden zugleich, daß England an einem solchen Schritte sich nicht betheiligen würde, weil eS sich dafür bedanke, die Rolle der Gendamerie de» z pcuungen iqre morauWe untetpuyung zu leiden, w Sultan» zu spielen. Wir halten diesen Standpuntt sind sie jetzt ebenso wenig verpflichtet und berechtigt, England» für vollkommen gerechtferttgt, und wenn ; dem Sultan statt wie bisher auf diplomattschem Wege offiziöse oder halboffiziöse deutsche Blätter au» diesem f durch Aufwendung militärischer Macht beizuspringen. Anlasse von einer Schwenkung Englands sprechen, so - Darau» ergibt sich, daß die Mächte, indem sie die ist das eine völlig haltlose Behauptung; im Gegen- r moralische Einmischung mit der militälifchen ver- thm kann man von einer Schwenkung der europäischen z tauschen, int eigentliches Sinne des Worte» eine Festlandsmächte sprechen, wenn sich der Plan einer » Schwenkung vollziehen. England dagegen, da» er- Biokade verwirklichen sollte. ? klärt, keine Panzerschiffe für den Zweck, dem Sultan

WaS war denn bt» jetzt die Politik Europa»? Es f Gendarmen-Menste zu leisten, übrrg zu haben, hält galt eine friedliche Lösung der krettschen Frage Md ; sich in Wahrheit völlig auf der VerhaltungSlinie, die einen billigen Ausgleich zwischen den berechtigten s bis dahin die Mächte in ihrer Gesammtheit einge- Forderungen der kretischen Christen und den Herr- - halten hatten. So wenig wir sonst in vieler Hinsicht schaftS-Ansprüchen der Türkei herbeizuführen. Dabei i mit der auswärtigen Politik Englands un» befteunden ~L 4 können, müssen wir doch um der Gerechtigkeit willen

erklären, daß in diesem Falle da» Recht und die Konsequenz durchaus auf Seiten Englands, das Un­recht und die Inkonsequenz auf Seite der Festland»- Mächte find.

ober galt e» selbstverständlich, daß die Mächte lediglich als Rathgeber einerseits des Sultan», anderer­seits der Kretenser austraten, sich also auf diplo­matische Einwirkung beschränften und die letzte Ent­scheidung selbstverständlich den nächstbetheiligte Faktoren, der Türkei und den Kretenser«, überließen, in anderen Worten: es handelte sich lediglich um einen morali­schen Druck auf die Gegenparteien. In diesem Sinne waren die Vorstellungen gehalten, welche die Bot­schafter an die Pforte machten, um diese zu billigen Zugeständnisse« zu bewegen. Man kann auch nicht . .................UKL vtt

sagen, daß diese Polit k erfolglos war. Wenn auch J liche Auffassung sind zwei Momente maßgebend: einer- nach langem Sträube« verstand sich die Pforte schließ- ; seitS dar unbestrittene Hoheit! rech: der Türkei, andrer- lich doch zu recht weitgehenden Konzessionen in den ; seit» aber die innere Berechti^Mg de» Bestreben» kretenstschen Unabhängigkeits-Bestrebungen; es gelang ; Kreta», sich nach Möglichkeit der barbarischen Gewalt- auch einen Waffenstillstand herbeizuführen und die I Herrschaft des Sultans zu entwinden. Beide Gesichts- kretische Nationalversammlung zum Auiharren in ? punkte können von beit Großmächten gleichzeitig offen- Kanea zu vermögen. < bar nur auf diplomatischem Wege vertreten werden;

Diese Erfolge wurden allerdings beeinträchtigt durch ; denn in dem Augenblicke, in welchem sie mit Waffen- den Mangel an gutem Willen auf beiden Seiten. Die - gewalt gegen die Kretenser Partei ergreifen, übrr- Zugeständnisse der Sultans waren offenbar zunächst i liefern sie dieselben wieder der alten Roheit und nicht ernst gemeint, und auf der anderen Seite wuchsen $ Niedertracht der türkischen Herrschaft und einer blinden die Ansprüche der Kretenser allerding» in einem Maße, i Christenverfolgung, ohne daß sie sich damit entschuldigen da» den Mächten ein Eintreten für dieselben sehr er- - könnte«, daß nach Niederwerfung de» kretischen Auf- schwerte. Wir können sogar zugeben, daß die kreti- l stände» die berechtigten Forderungen der Kreter ja doch schen Ansprüche zuletzt derart waren, daß die Mächte < noch erfüllt werden könnten.

nicht gut thätig für sie eingreifen konnten. Daraus — .

folgt aber noch lange nicht, daß die Mächte nunmehr gegen die Ikrrtenser auftreten müßten, selbst dann nicht, wenn sie überzeugt wären, daß der Sultan einen Ausgleich wolle.

111 (Nachdruck verboten.) ; @r lachte und nahm die Brille ab, deren Gläser

An der nach dem Marktplatze führenden Straße > in dem schon schwach geheizten Zimmer angelcmfen lugt recht- ein altes steinernes Eckhaus. Seine Vorder- ' waren. „Wie gemüthlich hast Du'» wieder hier innen," fette ist dem Rhein zugekehrt. * meinte er dann und sah sich in dem sauber gehaltenen

Hter wohnte der al» Arzt in Stadt tntb Umgegend Raume um.

sehr geschätzte SanttätSrath Dr. Ernst Röder mit seiner

sehr geschätzte SanttätSrath Dr. Ernst Röder mit seiner Obschon mit den altmodischen Möbeln au» dem verwittweten Mutter. Diese zwei Mensche« lebten Elternhause auSgestattet, hatte derselbe dennoch für nur für einander. DaS Wohlbefinden deS Sohnes feinen anspruchslosen Sinn täglich neue Reize, von "achte den Inhalt ihres zur Neige wendenden Daseins dem über dem Sopha hängende« Abbild de» idyllisch auS; jein Behagen war für sie der Endzweck eine» gelegene« Landgutes seine» Vater» an bis zur Mutter jede« Tage». Er hingegen fand in der Unterhaltung l Nähtisch int Erkerfenster.

mit ihr die einzige Erholung nach der aufteibenden ; Die alte Fran nickte vergnügt Md betrachtete den Berussthättgkett. Und wenn er wie heute einmal ' Sohn nachdenklich, während er noch immer an den früher nach Hause kam, so war da» allemal ein Fest- ; Brillengläsern und ihrer GoldfassMg herumputzte.

tag für sie Beide. f SS war ein hagerer Mann in den besten Jahren;

„Wie, schon wieder da, Ernst?" fragte sie beim $ sein kluges, bartloses Gesicht hatte einen vertrauen- Aufgehen der Thüre und ließ baS blendend weiße j erweckenden, wenn auch ttefernsten Zug.

Strickzeug in den Schoß finken. i „Du siehst müde au« und kalt, Ernst!"

„Ja, liebe Mutter. Komme ich etwa zu ftüh? | „Wohl, Mutier, ich komme von drüben; e» liegt

Ich habe da soeben ein erwartetes Pocket mit einem f ein abscheulicher Nebel über dem Rhein. Steh nur",

neuen wissenschaftlichen Werke auf meinem Schreib- j — er schob die Vorhänge ein wenig zur Seite — „er

tische unten liegen gesehen. Soll ich vielleicht . . ." i fällt fast sichtbar."