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23. IahrqMq

Montag, den 3. August 1896.

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mit Uuterhaitttngs-KriiüKe „Sterne und Klnmen".

tiiakiL <5ew *efc geiaiage üirfgenoinnwx. — BvrieiKhrttK-r Abono« me»1»»r«iS «hne SrinsetMa safe BestÄgeW in F«Sa u»d cuSg^xtB 1 Mar? 50 Pfennig. Inserate kotzen Nt eraspaltigc t*tt drrr/i Raum 15 Ps. Reklamen bi« Pettheil- 25 M, bei Wickerhvlmrgen entsprechendcr Rabatt.

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□ Die Sozialdemokraten treiben auf ihrem Londoner internationalen Kongresse dreierlei mit größtem Eifer: sie prüfen ! die Mandate der Delegirten, sie halten unzählige Reden ; und sie — prügeln fich gegenseitig mit Ans- ? dauer und Hingebung. Nebenbei werden dann, gewöhn- Z lich von der lärmenden Versammlung kaum brachtet, z einige Resoluttonen befchlosfen, u. A. solche zu Gunsten ! des allgemeinen Wahlrechts, der Loslösung der „Sir* betterparteim" von den alten „bürgerlichen" Parteien, ; der Frauen-Emauzipation, gegen alle Kolonialpolitik s u. dgl.

Den breitesten Raum in den Verhandlungen nehmen | die Prüfungen der Mandate in Anspruch; es ist gar ; nicht abzusehen, wann dieselben zu Ende kommen i werden, vermuthlich erst dann, wenn der Kongreß i selbst geschloffen wird. Dieses Geschäft geht keiner- - Wegs ruhig ab, und obwohl alle Tage die (stets i wechselnden) Vorsitzenden ihr Amt mit Vermahnungen ; zur Ruhe und Ordnung antreten, wird alle Tage; lustig weiter gelärmt und geprügelt. Am Donnerstag | z. B. eröffnete der Engländer Hyndman mit einer » sehr energischen Rebe gegen die Ruhestörer die Sitzung. I Kaum aber hatte man darüber zu debattiren begonnen, ? ob JauröS und die beiden anderen stanzösischen - Kammerdeputirten, die gar kern Mandat zum Kongresse > haben, als rechtmäßige Delegirte anerkannt werden sollen, da brach der Wirrwar aufs Neue los. Eine volle Stunde wurde (so wird aus London berichtet) hin und her geredet und schließlich die Sache an die französische Delegation zurückverwiesen. Um nun endlich einmal auch zu anderen schönen Dingen zu kommen, wurde der Antrag gestellt, alle übrigen noch ungeprüften Mandate ohne Weiteres als giltig anzu- ' erkennen. Dieser Antrag veranlaßte eine neue lange | Debatte, bei der von den einzelnen Reden kein Wort zu verstehen war, weil Alles durcheinanderschwatzte. ] Das Ende vom Liede war eine große Keilerei, und ' aus dem Anträge wurde nichts. |

Wie man sieht, ist bei dem Londoner Kongreß die vielgerühmte sozialdemokratische Disziplin völlig in die 5 Brüche gegangen. Was soll mau da erst von den Anarchisten erwarten, die am Freitag ihren eigenen ' Kongreß eröffnet haben! Die Anarchisten können sich s aber darauf berufen, daß sie als Feinde jeglichen? Zwangs und aller Gesetze auch gar keine Disziplin j wollen, während umgekehrt die Sozialdemokraten s fich viel auf ihre Disziplin zu gute thun. z

UebrigrnS trifft auch sonst auf die sozialistische? Disziplin und Einigkeit da» Sprüchwort zu: „ES ist nicht alles Gold, was glänzt." Immer schärfer werden namentlich die Gegensätze zwischen der politischen Par­tei, d. h. den Herren Führern und Partei-Großmogulen ’ ä la Singer, Bebel, Auer einerseits und den soziali- s stischen Gewerkschaften anderseits. Besonders die Buch- ; drucker-Organisation liegt mit der „Partei" — wie i in diesen Kreisen schlechthin der Oberbau der politi- s scheu sozialistischen Organisation genannt wird — und ,

Strowanfwarts.

Roman von Cl. Lötschert (M. Brechten).

10] ------- (Nachdruck verboten.) :

Nun hatte fie's gesehen. Hu — er war alles viel : weiter und größer, als sie gedacht hatte. Jedes auch ' noch so leise gesprochene Wort hallte unheimlich wieder, und die letzten Silben strichen in langgezogenem Flüstern ' über die abgebrochenen Zinnen hin.

„Doch mit Dir fürchte ich mich nicht," sagt sie j nun und schlingt kindlich zärtlich den Arm um den \ Hals des größeren Mädchens, „es ist fast so, als ob i mein Papa bei mir wäre. Aber komm jetzt, laß uns ! eilen, mich fröstelt plötzlich. Halt. . . was war daS ' für ein Thier, das da gerade über den Weg lief?" I Erbleichend schauert sie zusammen.

„Nein, nicht zu schnell," warnt Hanna, „sonst - fällst Du auch! Halte Dich au meinem Kleide fest, l der Boden ist so abschüssig und schlüpferig."

Gott sei Dank, nun waren sie unten! Tief auf- t athm- nd lehnt Gerti daS blaffe Gesichtchen an Hanna's - Schulter; still fügsam läßt sie fich den Hut adnehmen s und tn ein große- wollenes Tuch einhüllen, daS Jene bi» dahin getragen hatte. t

Keine Menschessrele zeigt fich auf der hart am Ufer ;

dem Parteiorgan, dem ,Vorwärts', in grimmer Fehde. Die Angriffe des ,Vorwärts' haben den Vorsitzenden der Buchdrucker-Verbände«, E. Döblin, zu einer geharnischten Entgegnung veranlaßt, die in Grwerk- schaMreisrn großes Aufsehen hervorrust. Herr Döblin verlangt darin, daß die politische Partei die Buchdrucker in ihrer gewerkschaftlichen Thätigkeit ungeschoren lasse und bemerkt u. a, daß sogar die Setzer des,Vorwärts' mit der Kampfesweise dieses Blattes gegen die Ge­werkschaft sehr unzufrieden seien. Die,Post' weiß hierzu zu berichten, daß die .Vorwärts'- Setzer sogar so erbittert gewesen seien (auch über daS herrische Auf­treten der stellvertretenden Chefredakteurs Dr. Adolf Braun), daß ein Streik der Setzer deS .Vor­wärts' bedenklich nahe gerückt gewesen sei. In aller Eile sei Herr Auer als Vermittler herarigeholt worden, dem es dann nach vielen Reden und höflichen Entschuldigungen gelungen sei, zu verhüten, daß die „bürgerlichen" Blätter von einem General-AuSstand in der Druckerei der „Organs zur Vertretung der Arbeiter- Jntereffen" berichten konnten.

Diese Blamage blieb also den Leuten, die sich an­maßen, die einzig wahren Arbeitervertreter zu sein, noch einmal erspart; jedenfalls c-ber wirst der Fall auf die sozialdemokratische „Einigkett" wieder einmal ein recht bezeichnendes Schlaglicht. Die Sozialdemokratte hat das „Schweineglück" — um mit dem Abg. Gröber zu sprechen —, daß ihre Gegner in den „oberen Re­gionen", amtliche sowohl wie außeramtliche ü la Stumm, bei ihrer Bekämpfung gar zu große Dummheiten machen und dadurch der Sozialdemokratie nicht nut neue An­hänger zuführen, sondern auch ihre Riffe immer wieder zusammenflicken. Ohne diese Thorheiten der Gewalt­politiker gäbe eS heute schon keine einheitliche sozial­demokratische Partei mehr.

Deutsches Reich.

Berlin, 1. August.

* Der Kaiser hat am Freitag Vormittag in Kiel an Bord der Dicht „Hohenzvlleru" den französischen Marine-AttachS, Lieutenant zur See Burchard em­pfangen, welcher beauftragt war, dem Kaiser die Theil- nahme des Präsidenten der französischen Republik an dem Untergänge deS Kanonen­bootes „Iltis" auszusprechen. — NamenS der österreichischen Marine drückte Admiral Freiherr v. Sterneck dem Staatssekretär Admiral Hollman« telegraphisch feine tiefgefühlte Theilnahme ans.

fi. Die ReichSfinanzeu zeigen auch im neuen Etats- jahre die günstige Entwickelung, welche bisher schon neue Steuern als gänzlich überflüssig erscheinen ließ. Jrn ersten Vierteljahr (April, Mai, Juni) des Etats- jahres 1896/97 sind eingegangen abzüglich der Aus­fuhr Vergütungen und BerwaltungSkosten: an Zöllm 91 Millionen Mk. (gegen denselben Zeitraum der Vor­jahrs mehr 8*/s Mill. Mk), Tabaksteuer 2 Mill. Mk. (+ 97,000 Mk). Zuckerstmer 22 Mill. Mk. (4- Via Mill. Mk.), Salzsteuer 11 Mill. Mk. (+ 1 la hinziehenden baumlosen Landstraße, kein größeres Schiff auf dem trübgelben Wasserspiegel.

Da kommt es: tramp, tramp, hinter den hastig vorwärts eilenden Mädchen her — noch ganz in der Ferne zwar, aber doch immer näher und merkwürdig hell auf dem gepflasterten schmalen Außemande auf­klingend. Man kann nicht erkennen, was e» ist; denn die ganze Wegstrecke ist in Rebel gehüllt.

Tramp, tramp — ganz regelmäßig wie im Taste.

„Halt, Gerti, Du darfst nicht laufen, sonst kommst Du in Hitze!

Allem Gerti läuft doch und zieht Hanna mit sich, welche, die Zähne auf die Lippm pressend, mit wild schlagendem Herzen folgen muß. Wetter, nur weiter!

Jetzt ist die Monarchen - Halle erreicht, und da» eiserne Geländer setzt dem ungestümen Laufe ein Ziel.

Gerti'» kleine Hände umklammerten da» Gitter, sie kann nicht weiter, aber sie drückt den schwache» Körper fest gegen die weit durchbrochenen Eisenstangen — da tönt e» ganz nahe: Tramp, tramp — ein starkes, straff ungezogenes Seil zieht vorüber.

„O Hanno, sich', was es war: drei Hüfterpferde! Wir sahen da» Schiff nicht, da! sie zu Berg zogen."

„Was hätte eS auch anders sein können? Du hattest Dich in den Ruinen geängstigt."

Mill. Mk.), Maischbottich- und Branntweinmaterial­steuer 5 Mill. Mk. (+ 95,000 Mk.), Verbrauchsab­gabe von Branntwein und Zuschlag zu demselben 25 Mill. Mk. (— 265.000 Mk.). Brennsteuer, 632,000 Mk. (4- 632,000 Mk ), Brausteuer und UebergangS- abgabe von Bier 7 Mill. Mk. (+ 277,000 SRI.), Summa 163'/. Mill. Mk. (+ IVIa Mill. Mk.). Dazu kommen noch an Stempelsteuern IS1/« Mill. Mk. (— '/. Mill. Mk.), Post- und Telegraphenein­nahmen 70'/» Mill. Mk. (+ 2»/. Mill. Mk.) und Reichseisenbahn-Einnahmen 17 Mill. Mk. (+ 450,000 Mark).

* Nach einer telegraphischen Meldung des Gou­verneur» vonDar-er-Salaam wurde der PflanzungS- toter Friedrich Schröder wegen der von ihm geübte» Grwaltthätigketten vom kaiserlichen Gerichte zu Tanga zu 15 Jahren Zuchthau» verurtheilt. (Da können Leist und Wehlau von Glück sagen.) Wenn ein Gerichtshof, der sicherlich in der Lage war, die strafbaren Handlungen, deren Schröder angeklagt war, objektiv zu würdigen und der sich wohl der Anerkennung und Berücksichtigung mildernder Umstände, wenn sie hätten geltend gemacht werden können, nicht versagt haben würde, wenn ein solcher Gerichtshof auf dar höchste Maß der entehrenden Freiheitsstrafe erkennt, so muß dieser Schröder Schandthate» verübt habe», die wett über das hinausgingen, was von seinem Treiben in Deutschland bekannt geworden war. MM versteht jetzt, warum Schröder in Ketten gelegt wurde; er war ein großer und gefährlicher Verbrecher, den man für immer unschädlich machen mußte. Da war strenge Justiz geboten im Interesse des Ansehen» und der Jntereffm des Deutschen Reiche», die ohne Zweifel durch Schröder» Gewaltthaten schwere Einbuße er­litten haben; daß solche Justiz erfolgt ist, wird mm in Europa nicht minder wie in Aftika al» eine Wohl- that empfinden.

* Der Untergang des deutschen Kriegsschiffes „Iltis" gibt dem .Bert. Tgbl.' Veranlassung, die Totalverluste au Schiffen, welche die preußische bezw. kaiserlich deutsche Marine seit ihrem Bestehen erlitten, wie folgt zufammenzustellen: Am 2. September 1860 ging der damalige preußische Segelschoner „Frauenlob", 1855 erbaut, der sich mit der gedeckten Korvette „Arkona" auf der Fahrt nach I-ddo befand, in einem Taifm unter, und 4 Oifiziere, 1 Arzt und 41 Mann fanden dm Tod in dm Wellen. 1861 ging die al» Kadetten- schulschiff in Dienst gestellte, 1848 erbaute Segel- korvette „Amazone" auf der Fahrt von der Elbe »ach dem Mittelmeer an der niederländischen Küste mit Rann und Rau» unter, 5 Offiziere, 1 Arzt, 19 Ka- betten und 120 Mann fanden ein Seemannsgrab; nur wenige Wrackstücke brachten Kunde von dem schreck­lichen Unglück. Rach langer Pause folgte 1878 der vielerörterte Untergang de« Panzerschiffs „Großer Kurfürst," welcher der „König Äügeim" in den Grund rannte. 260 Personen ereilte dabei der Tod. An Jütlands Küste, in der sogenannten „Jammer- bucht", strandete 1884 die Schiffrjungenbrigg „Uadi«"

Hanna nimmt ihre Schürze ab und legt fie um Gerti's Schultern, diese zur Heimkehr mahnend; in kaum zehn Minuten würdm sie ja in der Nieder­burg sein.

Doch das Kind ist erschöpft und bittet so flehentlich, noch rasten zu dürfen, daß sie endlich schweigt. Bange unbestimmte Sorge prägt sich in ihrem ernsten Gesichte ans.

Den Arm schützend um Gerti gelegt, blickt sie einem kleinen, schwer beladenen Fahrzeuge nach, das, hart gegen die Fluth amkämpfend, Imm merklich vor­wärts kommt.

„Harma, sieh', wie schneckengleich der Nachen sich hindurch windet ... ob er jemal» anlangt?"

„Ich denke wohl; doch wie oft werfen die Welle» ihn wieder zurück! So ähnlich mag e» auch manchen Menschen gehen; die kämpfen auch, aber Niemand hilft ihnen vorwärts. Dann werden sie zuletzt müde, und Biele kommen wohl niemals an's Ziel."

„Das verstehe ich. Wie schön ist eS doch, seit Du bei u»S bist! Wie lange ist das eigentlich schon her? Ach eS war in dem Sommer, da wir so viel in der alten Burg waren und dis junge Gräfin mit Papa laS und spielte . . . doch ich kann nicht mehr denken, mein Kopf wird auf einmal so sonderbar ..."