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Samstag, den 1. August 1896.
23. Jahrgang
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Hier;« eine Keila-e
Ausland
keine trikolore Nationalfahne zu kaufen, sondern sogar während der Nationalfeste die rothe Fahne auszuhängen. Ein Schöffe begründete sein Votum mit der Erklärung, er sei Sozialist und Republikaner. Er wolle mithin mit der Nationalfahne nichts zu thun haben.
* Paris, 31. Juli. Die katholische Presse wendet sich mit Entrüstung gegen einen Vorschlag der
«ro Cleve, 31. Juli. Bei der Ersatzwahl für Freiherrn v. Loe erhielten Pfarrer Dr. Heveling- Pfalzdorf 120, Gutsbesitzer v. Monschaw-Goch 56 Stimmen. Beide Kandidaten gehören zur Centrums- Partei, die im hiesigen Wahlkreise allein in Frage kommen kann. Wenn hier zwei Kandidaten derselbm Partei aufgestellt waren, so liegt deshalb doch keine Spaltung der Partei vor. Man hat eben geglaubt, sich den Luxus zweier Kandidaturen gestattes zu dürfen.
* Mainz, 31. Juli. Man schreibt dem ,M. Anz/: Ueber die Bertheilung der von den beide« hessischen Kammern zur Abfindung der gegenwärtig« Direktoren der Hessischen LudwigSbahn bewilligte« 810 000 Mark ist man sich bereits schlüssig geworden. Damach sollen den beiden Mitgliedem der Spezialdirektion, RegierungSräthen Dr. Reinhard imb Maschmann, je 180000 Mark und den übrigen drei Direktoren Hildebrand, Troß und Baurath Heyl je 105 000 Mark zugedacht sei«. Wie mar wiffen will, seien einzelne der Herren mit der angedeuteten Bertheilung nicht recht zufrieden (!!), indem sie glaubten, höhere Beträge beanspruchen zu können.
* Brüssel, 31. Juli. Die sozialistische Gemeinde- Verwaltung von H e r b e m o n t hat beschlossen, entgegen
* An die Justizminister aller deutschen Bundesstaaten, wie an die Senate der freien Städte beabsichtigt der Deutsche Fleischer - Verband eine Eingabe zu richten, in welcher um Schaffung einheitlicher BeurtheilungS- Grundsätze in Sachen der Fleischschan gebeten wird. Gleichzeitig wird auch der Herbeiführung einer gleichmäßigen Rechtsprechung bei Uebertretung der für dar Fleischergewerbe geltmde« Polizeivorschristm da» Wort geredet.
* Auf Antrag der Ministerr für Landwirthschaft, Domänen und Forsten ist Allerhöchst genehmigt worden, daß die Ftscheret-AuffichtSbeamteu weiße Ueber- zöge über die Dienstmützen oder weiße Mützm, bestehmd aus einem leichten Gestell mit weißem Leinwand- oder Baumwollenbezug von demselben Schnitt wie die Tuch- mützen, mit dem vorgeschriebenen Rande und den regle- mmtSmößige« Abzeichen tragen Mrfen.
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aufblickend und lehnte sich bequemer zurück. „Nun, eS sah bei unfern Nachbarn natürlich etwas anders aus, wenigstens in Bezug auf die Familienglieder. Reich und in gewissem Sinne distinguirt waren sie immer, weißt Du. Aber eS war eben doch nm ein bürgerliches HauS, eine Weingroßhavdlung wie auch jetzt. Dein Großvater aber wm ein stolzer Man«, der alle» auf seinen unbefleckten alten Ramm hielt, und so sehr wir Geschwister un» mitunter auch härmtm und langweilten, so hätte doch keine» gegen seine» Willen einen näheren Verkehr mit Stuten unter unserem Stand anzuknüpfen gewagt. Dazu lebte« wir damals i« beschränkten Berhältnisien — Onkel Kurt und die andern Söhne waren zu versorge», die etwa unverheirathet bleibenden Töchter mußten m Stiften untergebracht werden. Jetzt brauche ich diese kleineren Rücksichten längst nicht mehr zu beobachten. Ich bin alt und einsam, da wäre eS thöricht, wem ich die Bortheile, welche eine nahe und dazu sehr annehmbare Nachbarschaft gewährt, nicht endlich benutz« wollte."
„Du denkst an Frau Hochberg, Tante?"
„Ja, liebes Kind. Ich habe mir die Dame kürzlich in unserm Vereine näher angesehen und gefunden, daß sie eine ganz vortrefflich erzogene, hochgebildete Frau ist — in Wahrheit eine prächtige Acquifition für die langen Abende deS nächsten Winter»; der letzte ist mir doch gar sauer geworden. Die Niederburg zeichnete
Berlin, 31. Juli.
,* Der Kaiser gedenkt bis zum 7. August in Wilhelm-Höhe zu bleiben. Am 7. August wird er sich nach Ruhrort, Wesel und Essen begeben. Ob er von dort noch einmal nach WrlhelmShöhe zurückkehrt, ist noch nicht bestimmt. Mitte August dürste er wieder im Neuen Palais in Potsdam eintreffen. Ueber die von einigen Blättern gemeldete Absicht deS Kaisers, in den Tagen vom 5. und 6. August nach Danzig zu gehen, ist an maßgebender Stelle nichts bekannt. E-MsZg
* Die konfessionellen Verhältnisse im höhere« UuterrichtSwese« Deutschlands stellen sich wie folgt: SS kommen auf je 10,000 Einwohner im ganzen Reiche 50 Schüler höherer Lehranstalten, auf je 10,000 Prote- stauten 55, auf je 10,000 Katholiken 32, auf je 10,000 Dissidenten 49, und auf je 10,000 Israeliten 333. Die sechs größten Staaten weisen im einzelnen noch auf: Wenn von 10,000 Bayern 53 eine höhere Schule besuchen, so kommen auf 10,000 katholischen Bayern 42, auf 10,000 protestantische Bayern 67, auf 10,000 israelitische Bayern 370 Schüler einer solchen. Bon 10,000 Preußen besuchen 45 eine höhere Schule und hierbei kommen auf je 10,000 Katholiken 27, auf je 10,000 Protestanten 50, auf 10,000 Israeliten 333. Dieselben Berhältnißzahlen sind für Württemberg: 84; 53, 93, 590; für Baden: 64; 41, 86, 417; für Hessen: 68; 50, 67, 333; endlich für dar Königreich Sachsen: 40; 23, 40, 357. Die relativ geringere Betheiligung der Katholiken am Genusie der höheren Schulunterricht», die in diesen Zahlen sich aurspricht, tritt übrigens in Verhältnis stärkerem Grade bei den Realanstalten als bei den privilegirten humanistischen Gymnasien hervor. — Ein neuer Beweis für dar erschreckende Ueberwuchern der JudenthumeS und die geringe Betheiligung der Katholiken am Besuche der höheren Schule!
* Eine neue Berthrtdigung de» Duells wird aus Süddeutschland gemeldet. Die Burschenschaft „Germania" feierte neulich in Tübingen ihr 60jährigeS Stiftungsfest. Dabei mußte natürlich auch wieder das Duelliren verherrlicht werden. Der Festredner, Rechtsanwalt Kraut in Stuttgart, legte eine Lanze ein für das Satisfaktionswesen. Rach dem.StaatSanz.' f..W. sagte er wörtlich: „Wer dazu erzogen werde, daß er auch mit der blanken Waffe die Verantwortung über- nehmenmußfür sein Thun und Lassen, der gewinne
Stromaufwärts.
Roma» vo» Cl. Lötschert (M. Brechten).
9] ------- (Nachdruck verboten.)
Komtesse Irmgard schaute sinnend zum Fenster hinaus. Dann legte sie ihre Zeichengeräche zusammen, nahm eine Handarbeit und setzte sich neben da» Sopha.
„Du hast eine lebhafte EinbildungSkast, Kind", bemerkte die alte Dame. „Auch mir gefällt mein Heim zu jeder Zeit. Nur im Winter ist eS mir immer sehr einsam gewesen. Da fahre ich denn lieber zu DohnaS hinau», bis die strenge Kalte sich etwa» gebrochen. In zwei, drei Jahren, wenn Du völlig erwachsen bist, will ich Seite Mutter bitten, Dich statt deS Sommer» einmal in der kalten Jahreszeit kommen zu lassen. Doch bis dahin werden die Breslauer Bälle und alle dortigen Vergnügungen schon so lockend an Dich herangetreten fei», daß die Einsiedlerin in der Raunburg und Dein vielleicht kindischer Wunsch längst vrrgeffen sein werden. SS würde übrigens auch verzeihlich sein."
„O nein, gewiß nicht. Bitte, stelle mich auf die Probe, liebe Tante Ella. Es war ja auch gerade in ihrem achtzehnten Jahre, daß Mama mit Dir und ihren übrigen Geschwistern hier bei den Großeltern lebte. Welchen eigenthümlichen Reiz wird dieser Ge- .< danke für mich Haden! Wenn ich dann im Rittersaale, < dessen tiefe Fenster auf die Niederburg hinauSgehen, '>
auf und ab wandele, werde ich mir wie ausgetauscht Vorkommen, fo ganz zurückversetzt in die alte Zeit . . . Sage, bin ich Mama sehr ähnlich?"
„Nein, Irmgard, ganz und gar nicht, und Du wirst auch nie werden wie sie."
„DaS glaube ich wohl, . . . die arme Mutter mit ihrem qnälenden Nervenleiden. Sie friert immer. Fräulein Wohlmann und Zoo tragen ihr beständig Kissen und Deck« nach. Mir aber wird'» nicht zu kalt hier Bei Dir sein. Habt ihr damals viel Verkehr unterhalten, Tante?"
„Mit Ziegenhof allerding». Das kleine Städtchen war immer von vielen adeligen Familien bewohnt. Da lebten die Unheim», Baron von WaldkottS, die Freiherren von Elmhausen hatten ihr Schloß da und, nicht zu vergesse», unsere nächsten Verwandten Graf Dohna. Ziegenhof war stets der Sammelplatz für die feine Gesellschaft; auch die Konzerte und Privatbälle fanden meisten» dort statt."
„Und hier war nicht» „Umgangtfähige»"?" lächelte die junge Komtesse.
„In der That nur eine oder zwei Familien. Da» Kasino war damals noch nicht das, was eS jetzt ist."
„Und die Bewohner der Niederburg, Tante? Bitte, ich höre Dich so gern erzählen . . . steh' der Regen hat ganz aufgehört, und die Sonne bricht durch die Wolken."
„DaS ist ihr Scheidegruß", sagte Gräfin Raunheim
innere Festtgkert und Muth der Ueberzeugung." Die i erhöhen dieseben sich um 5 Mark. Die Pilger, welche .Germania bemerk dazu mit Recht: „Wir meinen, nachträglich verhindert sein sollten, an dem Pilgerzuge wenn em Bauernbursche oder Arbeiter dazu „er- ? theilzunehmeu, können ihre Einzahlungen an dm zogen wird, daß er mit seiner blanken Waffe, d. h. ; Unterzeichneten bis zum 25. August zurücknehmen, mit Prügel oder Mesier, „die Verantwortung für sein ; Man ist gebeten, genaue Adreffe, Name, Vorname. Thun und Lassen übernehmen muß," so kommt er al» ) Stand und Postbureau bei Einsendung des So6t- Raufbold mit Recht in Strafe. Sollte er bei Burschen- - Preises anzugeben. — Anweisungen für die spezielle« schaftlern anbei» sem? Das ist die Billigung des religiösen Uebungen werden später erfolgen An-
Faustrechtes. Was dem einen, d. h. dem Studenten, » Meldungen nimmt bis zum 25. August entgegen und
recht ist, das ist dem andern auch billig, d. h. dem ? ist zu jeder Auskunft gern bereit der Direktor de»
gewöhnlichen Jungen. Aber jede Rechtspflege und i Pilgerzuges, Herr Birkhäuser. (Indem wir da, Pro-
Rechtssicherheit hört dann auf." I gram« zur Pilgerfahrt nach LourdeS wie alljährlich
Für Hetligenbeil-Pr. Sylau ist in Folge | hier veröffentlichen, bemerken wir, daß die Ueberschüffe, der Ernennung de» Abg. von Siern (kons.) zum - welche die Fahrt ergeben sollten, dazu bienen, arme« Landrathe beS Kreise» Pr. Eylau eine Landtags- ; Kranken au» Deutschland kostenfreie Fahrt nach Ersatzwahl nothwendig geworden, die auf den 19. S-pt. LourdeS zu ermöglichen.)
anberaumt ist. . °g= Cleve, 31. Juli. Bei der Ersaüwabl für
kttllng
mit Unterhaltungs-Anlage „Sterne und Ktrrrrrerr".
* Aachen, 31. Juli. Ein Pilgerzug deutscher Katholiken nachLourdeS wird mit Genehmigung der geistlichen Behörde im August d. IS. unter der; Leitung des Herrn StiftSkaplan Birkhäuser in . „ , , , „ ________ _ _________
Aachen (Chorusplatz 6) stattfinden. Abfahrt von > Von obengenannten 5 Mitgliedern der Spezialdirektio« Aachen nach Lüttich Montag den 31. August um 1 werden wahrscheinlich nur zwei, und zwar Kommerziell- 5.36 Nachmittags. Sogt» daselbst. Abfahrt von Süttich ' rath Maschmann und Baurath Heyl, in den Staat»- nach Sourde» am 1. September, Morgen» 5.30. An- < dienst treten, während die übrigen drei Herren e» kauft zu Sourde» am 2. September Abends. Abfahrt i vorziehen, ihrer seitherigen Bahnthätigkeit zu entsag« von Sourde» am 6. September, Morgen» nach Bor- ; beziehungsweise von ihren Renten zu leben, deaux. Sozis daselbst. Abfahrt von Bordeaux am --
7. September, Morgens nach Paris. SogiS daselbst. Abfahrt von Paris am 8. September, Abends nach
Aachen. Ankunft zu Aachen am 9. September, vtuvuuuiiy w«.ytivcwvui yui vtjaiiv]]en, entgegen Morgens 10 Uhr. — Die Pilger können die Reise, volle dem formellen Ersuchen de» Ministers des Inne«, Verpflegung und SogiS in Süttich, SourdeS, Bordeaux * ------- - -
und Pari», sowie die Rückfahrkarte von Aachen bi» Sourde» einbegriffen, zu folgenden Preisen machen: I Klaffe 210 Mark, II. Klasse 140 Mark, III. Klasse HO Mark. Diese Preise gelten nur für die Personen, welche ihre Betheiligung vor dem 15. August bei dem Unterzeichneten anmelden. Nach Ablauf dieser Frist