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M 174 Freitag, den 31. Juli 1896. 23. Jahrgang

mit U«trrhatt«ngs-Heitage „Sterne und tHumett“.

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Der Fleischverbrauch in deutschen Großstädten.

Bon dem im Erscheinen begriffenen 5. Jahrgange bei Statistischen Jahrbuchs d utscher Städte liegt uns der Abschnitt über Vieh« und Schlachthöfe im Jahre 1894 bereits vor, dessen Verfasser Dr. T. Hirschberg, Dirrktvrial-Asststent am Statistischen Amt der Stadt Berlin ist. Die Wichtigkeit des Gegenstandes ist evident, zeigt doch kaum ein anderes Symptom mit der gleichen Deutlichkeit den Grad von Wohlhabenheit der Be­völkerung. Für das hier betrachtete Jahr 1894 ist vorab zu bemerken, daß die Fleischp reise in 1893 wegen des Futtermangels in einzelnen Theilen des Reiches im Ganzen sehr niedrig standen, woraus sich ein stark gestiegener Konsum ergab. Mtt dem An­ziehen der Preise in 1894 erfolgte auch allerorts ein Rückgang des Fleischverbrauchs. Leider ist es nur heute noch nicht möglich, die Ziffern des Fleischverzehrs in den Großstädten unter sich ver­gleichbar zu gestalten; bald wird bei diesen Berechnungen der Gesammtverbrauch abgeschätzt, bald nur die Schlach­tungen; dann werden in einzelnen Städten Geflügel- und Wildkonsum oder das eingeführte Fleisch nicht mit berücksichtigt. Allein für jede einzelne Stadt sind dennoch diese statistischen Daten für eine Reihe von Jahren fortgesetzt sehr bedeutsame.

AuS 13 Großstädten, nämlich Berlin (mit Umgebung), Leipzig, München, Breslau, Köln, Dresden, Stuttgart, Chemnitz, Bremen, Straßburg, Kassel, Magdeburg und Augsburg liegen nunmehr Berechnungen des Fleisch­verbrauchs pro Kopf der Bevölkerung vor, die für Straßburg bis auf dar Jahr 1870, für Stuttgart auf 1878 zurückceiche«, für Magdeburg jedoch nur erstmalige sind. Uebereinstimmend ergibt sich aus ihnen, daß das Jahr 1888 mit seinen ungemein niedrigen Fleischpreisen auch den bei weitem höchsten Fleischver­brauch im Allgemeinen aufwies; nur in Straßburg und Kassel wurde dieses Jahr von dem zweiten Maxi­mum in 1893 überholt. Gestiegen ist der Fleischver­brauch 1894 in folgenden Städten:—die eingeklammerten Zahlen beziehen sich auf dar Borjahr — Berlin und Umgebung: 72,9 (69,0) Gesammtverbrauch, Leipzig 53,8 (50,8) nur Schlachtungen, Breslau 44,5 (44,0), Dresden 69,7 (68,6) kg. Dir beiden sitzten Städte ohne Geflügel, Wild und Pferdefleisch. Dagegen trat eine Verminderung ein in München 76,8 (82,6) ohne Geflügel und Wild, Köln 64 (70) nur Schlachtungen, Stuttgart 62,4 (68,3) Gesammtverbrauch, Chemnitz 49,1 (51) ohne Geflügel und Wild, Bremen 59,7 (60,2) Gesammtverbrauch, Straßburg 70,9 (75,1) ohne Geflügel und Wild, Augsburg 59,9 (65,4) kg ebenso auf den Kopf der Bevölkerung. Im Ganzen scheint sich daraus zu ergeben, daß West- und besonders Süd­deutschland tn Folge der Futtcrnoth 1893 besonders niedrige Fleischpreise auswieS, war durch detaillirte Rotirungm aus Stuttgart und Straßburg noch ein­gehend belegt wird.

Stromaufwärts.

Roman von Cl. Lötschert (M. Brechten).

8] ------- (Nachdruck verboten.)

„Ganz so. Ich habe Jahre lang die verschiedenen Stufen der beiden Grammatiken, Jahre lang die vielen aufeinander folgenden Bände meiner Klavierschule durchzugehen. Und wenn ich jemals wünsche, ein neu erschienenes Lied einzuüben, oder mich auf ein endlich erlaubtes Werk freue, so führen Onkel Kurt und Mama vorher so lange Debatten darüber, daß ich dadurch den Inhalt schon bis zum Ueberdruß kennen lerne und die Lust daran verliere. Oder, wenn dies nicht der Fall ist, so erscheint Fräulein Wohlmann sicherlich t bald mit der Meldung, daß dar Buch schon zurück- | gesandt worden, weil Fran Gräfin dessen Lektüre doch t noch für etwa- verfrüht halte. Die einzige Ab- ? Wechslung, welche ich habe, besteht darin, daß ich, je | nach dem Wechsel der Jahreszeiten, von meinem Platze I an» die Sonnenstrahlen durch das Laub der Park­bäume oder die Schneeflocken hinter den Fensterscheiben vorüber wirbeln sehe. Hätte ich dagegen Jemanden, der mich mehr auf da8 Schöne in den einzelnen Fächern aufmerksam machte, der mehr Reiz herein­brächte ..."

„Der Sie überhaupt Ihrer geistigen Entwickelung

I Der Gesammtaustrieb hat sich auf den 23 Vieh- Höfen unbedeutend vermehrt; im Ganzen umfaßte er 1894 5,123,648 Stück Vieh (gegen 5,091,373 im Vorjahre), auf den 23 Schlachthöfen hat er sich von [ 4,058,997 auf 4,041,548 vermindert. Dagegen ist ? von großer Bedeutung als Symptom für die Wohl- 5 habenheit der Bevölkerung, daß unter je 1000 Stück ? in 1894: 452 (gegen 416 im Vorjahre) Schweine s sich befanden und die Zahl der Rinder gleich blieb i (je 136), während Kälber von 235 auf 204, ? Hämmel von 213 auf 208 sich verminderten. Dies ’ deutet noch mehr darauf hin, daß der im Ganzen ge- I stiegene Fleischpreis den Uebergang zu dem billigeren I Schweinefleisch bewirkte. DaS nämliche Resultat er­gibt sich bei einer Berechnung de? Fleischverbrauchs nach dem Schlachtgewicht. Im Jahre 1894 entfielen s in Berlin 47 pCt. des GesammtverzehrS aus Schweine­fleisch, in Dresden die gleiche Quote, in Augsburg | dagegen nur 29 pCt.; auf Rindfleisch dagegen nach ; dem Schlachtgewicht in Berlin 37 pCt., in Dresden s 35 pCt., in Augsburg 55 pCt.; auf Kälber in Berlin l 9, in Dresden 13, in Augsburg 14 pCt.; auf Hämmel * in Berlin 7, in Dresden 5, in Augsburg nur 2 pCt.

Bon dem größten Jntereffe ist endlich die letzte < Tabelle, welche den Verbrauch von Pferde-, Esel- ? und Hundefleisch darstellt. Für 39 deutsche Städte ist die Schlachtung von Pferden dargestellt für die beiden Jahre 1893 und 1894; in Bremen, Danzig, Barmen und Wiesbaden liegen uns Angaben für je ein Jahr vor, die Magdeburger Ziffern sind nicht ganz vergleichbare. Im Allgemeinen läßt sich daraus eine beträchtliche AbnahmedesPferdefleifchkonfums entnehmen, die am bedeutendsten in Breslau war: 2884 Pferde­schlachtungen gegen 4374 im Vorjahre. Weiter weisen sehr erhebliche Abminderunq auf: Krefeld 458 (731), i Dortmund 539 (711), Kassel 245 (398), Mainz 405 ; (533), besonders aber Görlitz 378 (604) und Düffel- ; darf 957 (1263). In den anderen Städten war das | Herabgeherr der Schlachtziffer an Pferden geringer oder i stationär, wie in Berlin 7620 (7638), woselbst 527 • (510) Pferde in die zoologischen Gärten gingen. Zu- | genommen hat diese Ziffer in Hamburg 951 (720), j Stuttgart 124 (119) und Augsburg 655 (567) Wo- I mit dieses relativ starke Sinken des PferdefleischkonfumS zu erklären ist, kann nur vermuthet werden. Höchst- > wahrscheinlich hat das Sinken der Fleischp reise in 1893 - die ärmere Bevölkerung, um welche eS sich hier fast r ausschließlich handelt, an einen Uebrrgang zu anderen l Fleischsorten gewöhnt, so zu sagen, dieses Fleisch de- (goutirt, derart, daß die Wirkung auch bei höheren Fleischpreisen fühlbar war. Uebrigens sind die Ber- brauchszrffern noch immer ziemlich hohe, und der i Nationalökonvm wird sie mit „einem heitern, einem nassen Auge" ansehen Denn an sich ist der Verzehr ■ von Pferdefleisch gewiß dem von anderen Konsumtibilien l der ärmeren Volksschichten vorzuziehen, während doch > das Ueberwinden des dagegen anerzogenen Vorurtheils l auf ein Herabsteigen in Kultmbedürfniffen hindeutet.

gemäß schneller über den engen Schulkreis hinauSführte," ergänzte ihr Begleiter.

„Ja. das wollte ich sagen. E» war mit auS diesem Grunde, daß ich mich auf die Vettern gefreut hatte. Kurt ist ja einige Jahre älter als ich, er hätte eS gekonnt ..."

„Wenn seine Gedanken nicht ausschließlich von seinem indischen Freunde in Anspruch genommen gewesen wären. Ran wohl, Komteffe Irmgard. . . meine Gerti braucht ihren Papa noch nicht indem genannten Sinne. Ich bin noch frei: nehmen Sir mich während der Dauer Ihres hiesigen Aufenthaltes zum Mentor Ihrer Studien an . . . wie?"

„Nein, o nein, das wäre zu viel verlangt. Und dennoch . . . wenn Sie wirklich Zeit hätten und es wirklich thun wollten?!" Sie wandte ihm voll da» feine, vertrauende Gesicht zu.

„Gewiß, und mit Freuden . . . unter der Ober­leitung Ihrer verehrten Tante."

„So meinte ich," sagte sie einfach.

„Gut, da? wäre also abgemacht. Mein Diener fährt ohnehin heute Über den Rhein, er mag uns einige neue Musikalien und auS der Römer'fchen Buch­handlung leichte englische Werke mitbringen, deren Ueberfitzen Ihnen Nutzen und Unterhaltung zugleich gewähren soll."

Die Gesammtziffer betrug 28,164 (31,558) Pferde­schlachtungen.

Esel werden in erwähnenswerther Zahl nur in Straßburg geschlachtet 21 (18) und etwa in Berlin (6) und Freiburg 6 (2), sonst ist nur gelegentlich dies be­richtet. Dagegen wird auS fünf Städten ein theilweife erheblicher Verzehr von Hundefleisch gemeldet, der keineswegs, wie man gelegentlich annahm, etwa mit der Höhe des Lösegeldes zusammenhängt, sondern in der That in Sachsen eine direkte Volksnahrung geworden zu sein scheint. Denn es haben in Chemnitz 186 (185), in Dresden 53 (53), in Leipzig 22 (20) Hunde ihr Leben zu Konsumzwecken lassen müssen, außerdem in BreSlan 116 (94), in Halle 3 (3) und in Barmen 1; im Ganzen 264 (261). Aus Chemnitz wurde im Vor­jahre berichtet, daß daselbst die geringeren Schank- wirthschasten zu erheblichem Theile Hundefleisch zum Verzehr entboten.

Alles in Allem lassen diese statistischen Säten er­kennen, daß e8 mit dem Wohlstand der Bevölkerung in 1894 nicht eben glänzend bestellt war. In jedem Falle sind sie höchst bemerkenswerthe und wichtige Resultate, die hoffentlich noch weiter ausgedehnt to erben, um so mehr, als die Reichsstatistik dieses Gebiet leider ganz vernachlässigt.

Deutsches Reich.

Berlin, 30. Juli.

* Die Feier des Sedantages zur Erinnerung an den siegreichen Feldzug von 1870/71 wird in jüngster Zstt immer mehr fallen gelassen. Tine Anzahl von Gemeinden, in denen bisher der Sedantag alljährlich festlich begangen wurde, hat beschlossen, diese Feier fernerhin nur noch nach einer bestimmten Reihe von Jahren eintreten zu lassen, und auf der Tagesordnung de» am 16. und 17. August stattfindenden Verbands- tager des Verbandes deutscher Kriegs-Veteranen, dem 40,000 Veteranen aus den Jahren 1848 bis 1870/71 angehören, steht sogar der Antraa, an Stelle des ScdiMtageS den 18. Januar und 10. Mai festlich zu begehen. Wir sind ganz derselben Ansicht wie die ,Köln. Bolksztg.', welche zu dieser Meldung bemerkt: „Wir können unsererseits diese Entwickelung nur mit Freuden begrüßen, da auf die Dauer für einen wirk­lich volksthümlichen Festtag die Erinnerung an die friedlichen Errungenschaften des Krieges von 1870/71 sich besser eignet, als das Andenken an eine, wenn auch sieg­reiche, so doch recht mörderische Schlacht. Um so weniger kann man versteh«, daß bei dieser anscheinend doch ziemlich verbreiteten Ansicht gleichwohl im vorigen Jahre an den meisten Orten der Sedantag als der angeblich geeignetste Zeitpunkt für die 25jöhrige Sänne» rungS-Feier aufrecht erhalten wurde.

* Wie gewisse Vorgänge in unserer Rechtspflege vom „gewöhnlichen Volke" beurtheilt werden, ersi ht man ans folgendem Artikel des .Vorwärts': „Zweierlei Rechts In Gießen hatte Assessor Schimmelpfeng

„O, wie schön wird das werden!" sagte daS junge Mädchen freiibig erregt. „Ich muß doch gleich nach- sehen, ob 3oe auch mein Zeichenzeräth mit eingepackt hat. ES werden nun keine „sogenannten", sondern wirkliche Ferien sein, obschon ich viel, aber mit Ver­gnügen zu arbeiten gedenke."

Der schlanke, sonst so ernstkalte Mann sah freund- sich auf die Sprecherin nieder — er hob seine rechte Hand empor und hielt sie eine Weile hoch über den zahlreichen Löckchen, welche ihre weiße Stirne beschatteten.

Dann griff er, wie nach einem Vorwand suchend, über ihren Kopf hinweg und brach eine herrliche Gloire de Dijon-Rose von einem an der andern Weg­seite in voller Blüthe stehenden Strauche.

„Damals war es Ihr Ball, den ich Ihnen reichen durfte, Komtesse, heute sei eS eine von meinen Rosen."

Es war die erste wirkliche Aufmerksamkeit, welche Irmgard von einem fremden Herrn erzeigt wurde. Sie dankte in ihrer feinen gewinnenden Weise.

Ein leichter Wind suchte den Regen zu vertreib«, und die Sonne machte kurz vor ihrem Untergänge noch eine aew lüge Anstrengung, um dar schon stellen­weise zerriffene Gewölk roch einmal zu durchbrech«.

Dos Gestrüpp und die wilden Pflanzen auf dem