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Mittwoch, den 29. Juli 1896.

23. Jahrqam

mit N«trrhattimg«-KrUagr ,Ltrr«e «ud Klmne«'.

noch nicht eia Viertel der Meister Von de» 27 000 hotJm bmchStage oder Abgeordnetenhaus- äußerst willkommen I hi. 7=LT;;‘P"r. .. I - der wird sich wohl hüten, frank und frei im Interesse seiner

Melstern, bie oa der Enquete als solche mit Hilfs- I Wähler gegen den Strom zu schwimme». Diese Ansicht herrscht

personal festgestellt wurden, arbeiten nämlich 13,000 I in weiten Kreisen unseres Volkes vor und Niemand kann ihr

nur mit Gesellen, 6000 nur mit Lehrlingen. Von I eine -'wisse Berechtigung absprechen. Man stelle deshalb freie,

diesen letzteren halten 1455 Meister zwei und noch ""d politisch geschulte und gehörig vorgebildete

-„L Q-fL«*«. Tq Manner als Kandidaten auf, bte auch entschlossen sind, ohne

5 "khrlinge, aber kernen Gesellen. Das ist gewiß f irgend welche Hintergedanken und streberische Gelüste zu Nutz ; nicht m der Ordnung, aber man sieht doch, daß die und Frommen ihrer Wähler im Parlamente zu wirken. Männer

Ifte so abgeschieden leben müsie und auch noch nicht da» kleinste Vergnügen ihrer Alter»g«vflm habe theilen dürfen. Herr Duchesne selbst fragte mich viel über

dar Leben in meinem Baterhause, über meine Pläne für die Zukunft, und vor allem — vielleicht schon zum zehnten Male — ob ich nie vorher in Pau gewesen und auch jetzt noch keine näher» Bekannten dort habe. Beide» konnte ich verneinen. Kurze Zeit darauf hielt ich um seine Tochter an und wurde mit Freuden al» Sohn begrüßt. Zugleich wurde mir über vieler bi» dahin Unklare» Aufschluß. Ein Verwandter värer- licherseitS war ohne recht-giltige» Testament gestorben.

lingSwesen» verhindern könnt«. Da die ,Post' nun leine weiteren „Schwierigkeiten" mehr au»zuführen weiß, so können wir nut feststellen, daß sie nicht eine einzige ernstere Schwierigkeit zu nennen wüßte, welche das Organisationrwerk in Frage stellen oder verschlepp« könnte. Hebe man die Zwang» - Innungen nur erst einmal in den Sattel, reiten werden sie schon selber können!

** Der Gesetzentwurf über die Organisation des Handwerks,

„Ah . . . mit Ihrer später« Frau Gemahlin?"

„Ja, der lieben verstorbenen Mutter meiner Gerti. Jener ersten Einladung folgten immer häufigere. Da» ältliche Ehepaar fand offenbar Gefallen an dem ge­raden Wesen feine» deutschen Gaste», und Gertrude liebte mich längst so innig, wie ich sie. Sie erzählte mir von ihrer eigenthümlichen Erziehung und sagte, ich würde vielleicht bald oder auch nie erfahren, warum

„So fürchteten Sie sich also vor mir?" fragte ich. Sie nickte. „Ja, konnte ich denn wiffen, daß Sie so gut und fteundlich seien?" E» hätte ja auch leicht anders sein können."

„So, mein lieber Doktor, begann meine Bekannt­schaft mit Getrnde Duchesne."

***** ■*8««** eetgawmieaL — BterteljShriicher Abonne me»t*»reis ohne Briaaerish» mfc »

Inserate koste» bte edsipaltige ober deren Ramn 15 Pf., Reklamen die PetitMeNPf., bei

Die ,Post' verrechnet sich übrigen», wen« sie die 6500 Betriebe mit nur Lehrlinge« al» die „Hälft- der Sesammtzahl" bezeichnet. Sie bilden nur ein Viertel der Zahl der Betriebe, in denen überhaupt Hilfskräfte beschäftigt werden. Ss ist daher nicht zu befürchten,

nicht »n der Ordnung, aber man sieht doch, daß die I und Frommen ihrer Wähler im Parlamente zu wirken, Männer' Ausdehnung der übergroßen Lehrling-züchterei bisher I b‘e iebe Katzbuckelei verachten und deren politische Gesinnung sich meist übertrieben wmde. I As treu und zuverlässig erwiesen hat. Dann dürsten auch die

Di« ,W »««*« sich torig!1», wm si, di-

6500 Betriebe mit nur Lehrlinge« als die „Hälfte der I Wir wiederholen: So etwas schreibt em konser­vatives Blatt!

der nach den wiederholten offiziellen und offiziösen Ankündigungen schon längst im .Reichsanzeiger' hätte veröffentlicht sein solle», ist bis heute noch nicht bekannt- gegeben worden. Diese Verzögerung wird doch immer auffallender, so sehr man sich auch bemühen mag, eine harmlose Erklärung dafür zu suchen. ES scheint denn doch, al» ob der Entwurf, obwohl er längst fix und fertig ist, irgendwo noch auf Schwierigkeiten gestoßen wäre oder einer nochmaligen Umarbeitung unterzogen würde. Daß die Bundesregierungen in der Frage nicht einig sind, woraus fich also politische Schwierig­keiten für den Entwurf ergeben könnten, hat die frei­konservative ,Post' kürzlich mitgetheilt. Jetzt bringt dasselbe Blatt einen Artikel, der a« der Hand der Ergebnisse der Handwerker-Enquete auch die sach- lichen Schwierigkeiten möglichst groß darzustellen sucht. Da die ,Post' Mitarbetter in verschiedenen Ministerien u. s. w. hat, so wäre er wohl möglich, daß sie im vorliegenden Falle benutzt wird, um die Oeffentlichkeit entweder auf eine weitere Verschleppung der Organisationsfrage oder auf erhebliche Amber- »ngen de» Berlepsch'schen Entwürfe» vorzubereite». ES mag deshalb nicht überflüsfig sein, die Zahlen fich ein­mal anzusehen, auf die fich der letzterwähnte Artikel der ,Post' stützt.

BorauSzuschicken ist, daß die Enquete mittel- söge- nanntet Stichproben vorgenommen wutde, d. h. eS wmde» die Bethältniffe im Handwerk nicht im ganzen Reich, sondern nur in 156 au-gewählten Zähl- bezirken untersucht, die zusammen nur etwa den 30. Theil de- Reiche- au-machten, unter fich aller» dmg» so mannigfalttg und verschiedenartig wie möglich gewählt warm. Die auf diese Weise gewonnenm Er­gebnisse könne» natürlich kein vollständig genaue- Bild der im ganzen dmtschen Handwerk bestehenden Ver- hältnifle biete», nach Lage der Dinge muß man sich indeffen mit ihnen begnüge«.

War zunächst die Zahl der selbständigen Hand­werker angeht, so berechnet man diese auf Grund der Enquete, die durchschnittlich 27 Meister auf 1000 Ein- wohner ergab, auf rund V[* Millionen. Auf dem Lande kommen schon 28, in dm Städtm nut 23 Meister auf 1000 Einwohner, wofür ober die Betriebe ht den Städten durchschnittlich auch größer sind. Da- Letztere geht daran- hervor, daß die Handwerker, die ohne alle Hilfskräfte arbeite», 61 Prozent bet @e» fammtzahl der ländlichen Handwerk-bettiebe ausmachen, während im Ganzm für Stadt und Land durch- schnittlich die Zahl der Meister ohne Gesellen und Lehrlinge nur 55 pCt. der Gesammtzahl bettägt. Be» merken-werth ist dabei freilich, daß sogar in den Städten etwa die Hälfte aller Handwerksmeister weder Gesellm noch Lehrlinge beschäftigt. DaS ist bet Grund, warum die Regierung ihren ursprünglichm Gedanken, die Zwang-Organisation auf diejenigen Meister, welche

Strornarrfmörts.

Roma« von Cl. Lötschert (M. «rechten).

6) ------- (Nachdruck verboten.)

Ich »ahm eine» Wagen, der UNS nach der von ihr bezeichneten, in einem parkähnlichm «arten gelegenen Villa brachte, an berat EingangSthor ich meinen Schütz­ling einem herbeieilendm allen Dimer übergab. Die junge Dame flüsterte ihm etwas zu. Er näherte sich mir darauf mit der Bitte: „Votre carte, monaieur, ■’il voua plait.“ Gleich darauf fuhr ich nach meinem Gasthof.

Gegen Abmd brachte mir der Kellner eine in dm verbindlichsten Ausdrücken gehaltme Einladung nach dem betreffend« Landhause. Ich hatte lernen Grund, derselben nicht zu folgen. Hier, unter dem Schutze ihrer Eltern, eine» Greises von aristokratisch feinm Umgang-formm und einer sehr lebhaften, lieben», würdigm Mutter, erschien das reizmde Wesm wie au»gktauscht. Zwar noch schüchtem und von einer «ht weiblichen Bescheidenheit, benahm sie fich indeffm Sanz mit der Würde, welche der einzigen Tochter bei Haus;» zukam. Auf mich zutretenb, reichte sie mir bte Hand und sagte, leicht erröchenb: „Vergeben Sie wir, ich hatte mir da» Alleinreisen so gefährlich ge­dacht."

a I gut konservativ gesinnt sind, kopfscheu und gehen in andere . I Parteilager über, sobald sie für einen Regierungs-Beamten ftint» jl bet @e» I men sollen. Nicht mit Unrecht sagen sich die Wähler, daß sie »et Meister I f°Id>e Abgeordnete nicht wollen, denen es von vornherein strikte ungefähr aleichkornrnt." Jene Hilfskräfte" verteilen fitfi ?"boten ist, in politische« Dingen anderer Meinung zu sein, al» v.cSS“* JT9 I bie leweilig am Ruder sich befindliche Regierung. Zwar steht e» aber, tote oben bemetft, auf nicht ganz bte Halste aller I jedem Abgeordneten frei, seine Meinung zu sagen, doch wer ei« Meister. Die Zahl bet Lehrlinge betrug etwa halb I Streber ist und um jeden Preis Karriere machen will — so viel tote bte bet Gesellen. Sie Vertheilen fich auf I und zu diesem Zwecke ist in der Regel diese« Herren ein Ma«. ' ■*' ■ ...... — '* rönn den 27000 I bot im Reichstage oder Abgeordnetenhause äußerst willkommen

I Gesellen unb Lehrlinge halten, zu beschränken, fallen I

ließ; die größere Hälfte der Handwerker ließ sich un- meity.

möglich von einer allgemeinen Organisation de« Hand- I Berlin, 28. Juli.

werk- ausschließ«. Wenn nun bie .Post' meint, bie ♦ Der Kaiser fuhr gestern an Borb bet „Hohm- ! Einbeziehung bet „lehrlmgslosen" Meister würbe bie zollern" nach Bergen und kehrt bereits am 31. bM. ! Ausgaben ber Fachinnungen bezüglich einer Reform I nach Kiel zurück, von wo er sich nach WilhelmShöbe be« Lehrlingswesens erheblich gefährden, fo halten begibt. «9 9«

wir bie» minbesten» für übertrieben. Jedenfalls läßt * Dem ordentlichen Professor in ber philosophisch« sich doch gegen etwaige Mißbräuche oder Mißstände Fakultät ber Universität Würzburg unb Vorstand »«folge der Eingliederung jmet Kleinmeister von vorn- des dortigen phystkalifche» Institut» Dr. «Röntgen, fjerem Vorsorge treffen. I wurde der Königliche Kronen-Orden zwettet Klasse

Bon den 98 verschiedenen Handwerkm erwiesen sich I verliehen.

bei der Enquete 46 al» zu schwach, um überall die * Der türkische Botschafter Salib Bey, der be- Unterlage für Ortrmnungen mit wenigstens 10 Mit- teitS Urlaub genommen hatte, hat seine Urlaub»- gliedern zu gewähren. Für diese müßten entweder I reife verschoben und bleibt vorläufig in Berlin. KrelSinnnngen geschaffen ober aber e» müßten mehrere I Offenbar hängt bieS mit dem zunehmenden Ernst ber Lage solcher Handwerke zu gemischten Ort»innungen zusammen- in der Türkei zusammen, der ei erforbert, daß der gefaßt werden. Darauf nimmt dmn auch nach der Botschafter auf feinem Posten bleibt.

kPost'der preußische Organisation».Entwurf Bedacht. * Segen die Aufstellung eine» Landrathe» al» ES ist richtig, daß KreiSmnungm und gemischte In- Reichstags-Kandidaten im Wahlkreise Westhavelland nuugen nicht so viel leiste» können, wieOrtSinnungen wendet sich — man staune! — das konservative derselben Gewerbe», aber der Nachtheil ist doch nicht Elbinger Blatt. Die Konservattven - so meint da­to bedeutend, daß man hierin eine ernste Schwierigkeit konservative Blatt — hätten doch an den bisherige« für die ganze Orgavisatio« sehen könnte, «ft möchten schlechten Erfahrungen bei den Nachwahlen genug. E» nur noch betonen, daß wir den gemischten Innungen heißt in dem Blatte:

nur dort, wo die BerkehrSver hältnifle eine nähere Füh- Bei der jetzigen unklaren Regierungs-Politik, in der leere lung ber Meister desselben Gewerbe» in einem Kreise I Worte statt der Thaten an der Tagesordnung sind, werde« deS gleichen Gewerbes geben können.

Die Enquete ergab weiter, baß bie Zahl selten und Lehrlinge zusammen ber Zahl be

• Bor Kurzem machte eine von offiziöser Sette | stammende Rittheilung die Runde durch die Presse, daß im Zusammenhänge mit dem Inkrafttreten be» bürgerliche» Gesetzbuches in ber nächsten Zeit eine vollständige Lrneueruug de» gesammten Richter- personal» im ganzen deutschen Reiche, vorn Reichsgericht angefangen, stattfinden foll. Dazu wird jetzt geschrieben: Man weiß nicht recht, wa» man fich dazu denken soll. Die deutschen Richter find unabsetzbar. Rur unter bestimmten, im Di»ziplinargesetz vorgesehenen Be­dingungen können fie vo« ihrem Posten entfernt werbe«.

In Folge dessen hatte fich ein Prozeß entspanne« zwischen drei Parteien: ber Familie meiner Brant, einem jungen entfernten »etter berselben unb einer Dame, welche als Erzieherin nach Englanb gegangen unb fich bort verheirathet hatte. Die ftagliche Summe belief fich auf etwa breiviertel Millionen Frank». Ganz Pau wußte natürlich bavon. Herr TwcheSne fürchtete nun, feine Tochter könne fich in ihrer Uner­fahrenheit in einen Glücksritter verlieben, ber «ach dem ihr möglicher Weife zufallenden Erbe strebte. Er fühlte fich daher erleichtert, al» er ihre Neigung zu mir bemnkte, der ich von dem zweifelhaften golden« Hintergründe nicht» gewußt und deflen Charatter ihm die Bürgschaft für ein ruhiges, sichere» Glück ferner Tochter zu biet« schien."

„Er hat Menschentemttniß bewies«," warf der Anwalt artig ein unb wiegte leicht ben lockigen Kopf. „Immerhin war der seinem Kinde auferlegte Zwang etwa» tyrannischer Art."

„Vielleicht nicht so ganz. Gertrude DucheSne wäre höchst wahrscheinlich daS Opfer eine» eigennützig« Be­werber» geworden, ober aber im Falle der Vater seine Zustimmung verweigert hätte, an einer unglücklich« Liebe zu Grunde gegaug«. Sie sehen, ich huldige noch ganz ber alt« Ansicht: nicht bie Töchter ver­mög« den richtig« Weg zu ihrem Glücke zu erkenn«;