23. Jahrgang
Dienstag, den 28. Juli 1896.
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Bunde- Geltung, nicht auch deren ruhige und eingehende Widerlegung durch den Bochumer Klerus?
Angesicht- solcher Betätigung des „Wohlwollens" für die Katholiken wird er immer schwerer, dar „Knirschen deS ganzen inneren Menschen" wir sagm nicht zu unterdrücken, sondern nur zu ertragen. Wie lange noch?
Deutsche- Reich.
Berlin, 27. Juli.
* Der Kaiser wird nach der .Post' schon am Freitag dieser Woche von seiner NordlandSreise wieder zurückkehren. ES sei deshalb nicht unmöglich, daß der Kaiser Anfangs August (am 5. oder 6., meldeten west- preußische Blätter) nach Westpreußen fahren werde. — Am 6. September trifft das Kaiserpaar in Görlitz ein.
* Ueber die nächsten gesetzgeberischen Aufgaben tu Preußen bringt der ,Hamb.Korr.' einen offiziösen Artikel. Danach wird im Reffort der Handels- und Sewerbeverwaltung auf gesetzgeberische Ruhepause um so mehr zu rechne« sei«, als Regierung und Volksvertretung in der Auffassung einig zu sein scheine«, daß man zunächst der Sozialgesetzgebung Zeit laste» soll, sich vollständig einzulebe«, ehe man an dir Lösung neuer Aufgaben herangeht. Umgekehrt wird sich der Minister der Innern mit der nächsten LandtagSsestion sicher vor eine Reihe gesetzgeberischer Fragen gestellt sehen. AlS ganzssicher darf auf eine L andg em eind e- und Städteordnung für Hrssen-Nassau und auf eine Aevderung der BereinSgesetzeS vom 11. März 1850 gerechnet werden. Die erstgedachte Vorlage war schon für die letzte LandtagSsesfion vorlagereif und ist nur au» Zweckmäßigkeitsgründen zurück- gehalten worden. Betreff» der Berein»recht» hat der Reichskanzler wegen Aufhebung der Verbots der Verbindung der politischen Vereine im Reichstage einen Wechsel gezogen, den Frhr. v. d. Recke ohne Verzug einlösen dürfte. Er ist indeß wenig wahrscheinlich, daß er sich mit einer entsprechenden Aenderung deS § 8 de» gedachten Gesetzes begnügen und nicht die sich barbietende Gelegenheit benutzen wird, um auch noch einige andere veraltete Bestimmungen durch zeitgemäßere Vorschläge zu ersetzen. DaS Sparkassengesetz scheint ftüherer Annahme entgegen aber «och nicht vorlagereif zu werden. Der ursprüngliche Entwurf ist bei der Begutachtung durch die Betheiligten übrigens ungünstig beurtheilt worden, ohne daß doch aus dem Gutachten eine sichere Unterlage für dsS Gesetz gewonnen wäre. Schwerlich wird auch die Wahlordnung für da» Abgeordnetenhaus und für die Gemeinden Gegenstand einer Vorlage werden. Aber die Erhebungen über die Wirkungen der Steuerreform von 1893 werden, nachdem diese seit dem 1. April 1895 in Kraft getreten ist uud namentliche zahlreiche Kom- munalwahlen auf Grund dr8 Nothgesetzes von 1893 seitdem vorgenommen sind, soweit abgeschlossen sein, daß Stellung zu der Frage zu nehmen sein wird, ob gehört, als daß ich nicht gern damit zu thun haben möchte."
„W-r kann Gerüchte und unnützes Gerede gänzlich, vermeiden?" sagte Herzog mit spöttischem Lächeln. „Also Sie werden die Streitfrage von heute an zu Ihrer eigenen machen und mit den betreffende» fran- zöfischrn Sachwaltern sich baldigst in Verbindung setzen. Tinen genauen Einblick kann ich Ihnen nicht gebe«; den müsten Sie durch sorgfälttge Durchsicht der Papiere sich zu vrrschaffm suchen. Auch wünsche ich, daß Sie sich ein ganz unbefangenes Urthül bilden. Da wir uns indessen näher stehen, will ich Ihnen eine kleine Vorgeschichte geben, beziehungsweise Ihnen mitthrilen, wie eS kommt, daß ich als Vormund meiner kleinen Tochter einer der Hauptbetheiligten bin; vielleicht kann Ihr Interesse durch diese Einzelheiten noch erhöht werden . . . Hier, mein lieber Weise, bedienen Sie sich, eS plaudert sich bester dabei."
„Bin nicht abgeneigt." Mit verbindlichem Lächeln griff jener in den dargebotenen Cigarrenbehälter.
„Wie Sie wiste», bin ich mehrere Jahre in Spanien und Südsrankreich gereist," nahm Herzog wieder da» Wort und rückte seinen Stuhl so, daß er durch davon einer einzigen riesigen Scheibe gebildete Fenster bequem den ganzen Garten überschauen konnte. Auf meiner letzten Fahrt durch die Pyrenäen beschloß ich,
bischof, der Klerus und dar katholische Volk. WaS nun z. B. die Redemptoristen-Riederlassung in Trier angeht, so wissen wir, daß schon im Oktober 1894 der Hoch». Herr Bischof seine Bitte an de» Herrn Kultusminister gerichtet hat. Der Pfarr- kleru» vo» Trier hat um Weihnachten 1895 um Beschleunigung der Zulassung gebeten. Will Herr Dr. Bosse den übrigen DiözesankleruS hören, so frage er an bei jenen zahlreichen Herren, welche um Aushilfe oder Bertretung sich bisher an die Redemptoristen im Auslände wenden und doch noch wegen Mangels an Kräften oft genug eine abschlägige Antwort erfahren mußten. DaS Volk aber wollte schon mehrmal» in großen Volksversammlungen seinem Verlangen nach Rückkehr der Redemptoristen Ausdruck geben; nur durch Dazwischenkunft deS Klerus geschah dies bis heran nicht, weil man einer raschen Rückkehr ohnehin glaubte sicher sein zu dürfen.
DaS Merkwürdigste an der Sache aber ist, daß eS sich gar nicht um neue Niederlassungen handelt, bei denen man allenfalls noch nach dem Be> dürfniste fragen könnte, fondern eben nur um die Rückkehr in die alten Niederlassungen. Als im Jahre 1851 der Hochselige Bischof Arnold! in Trier mit vielen Opfern dar Redemptoristenkloster errichten half, war gewiß ein Bedürfniß dazu vorhanden, sonst hätte er eS nicht gegründet, da seine Theilnahme und Thätigkeit schon hinlänglich durch so viele andere Bedürfnisse der Diözese in Anspruch genommen war. Seitdem ist die Bevölkerung Triers um rund 20 000 und die der Diözese um rund 650 000 Seelen, also nahezu um dar Doppelte gestiegen; an 130 Pfarreien sind vakant; dir soziale Frage ist hinzugekommen — und -a fragt uad untersucht man noch zwei Jahre lang nach dem Bedürfniß! Das begreift das katholische Volk nicht und kann es nicht begreifen; e» sieht darin nur eine kränkende Borenthaltung seiner Rechte.
So viel wir wissen, liegen die Verhältnisse für Bochum ganz ähnlich. Der Herr Kulturminister könnte die dortige Bedürfnißfrage leicht aus den Akten des Reichstages erledigen. Unter denselben findet er Jahrgang 1872 Rr. 64, II, 21 in dem Bericht der PetitionSkommisfion verzeichnet: „Fabrikdireklor My:r und Genossen zu Bochum protest-ren gegen die alle Katholiken Deutschlands aufr Tiefste verletzenden Bexatiorren des Ordens der Redemptoristen, dessen Thätigkeit zum Wohl der Kirche und des Staates, insbesondere auch auf dem sozialen Boden den destruktiven Tendenzen entgegenwirkend, sie aus eigener Erfahrung kennen." Sollten diese „destruktiven Tendenzen" in Bochum sich seither gemindert haben? Gelten nichts in den Augen deS Herrn Ministers die 13- oder 15 000 Unterschriften, welche er einer Zeitungsmeldung zufolge von dort zu Gunsten der Redemptoristen vor etwa 7 Monaten erhalten hat? Haben in seinen Augen nur die jämmerlichen, durchaus unberechtigten Angstrufe der Vertreter des Evangelischen wünsche. ... A. propos, hat der Laufbursche eine bestimmte Antwort von Herrn Doktor Weise gebracht?"
„Der Herr Rechtsanwalt wird vor zehn Uhr hier sein."
Zu der angegebenen Zeit saßen beide Herren an dem mit Papieren bedeckten Tische.
Doktor Weise war ein noch sehr junger Mann. Sein fast weibisch hübsches Gesicht, unter dessen durchsichtiger Haut die Farbe beständig ging und schwand, war eben über die vor ihm liegenden Urkunden und Briefschaften gebeugt, während er mit unverhohlenem Eifer darin umherstöberte.
„Schon vor dem Tode unseres guten JustizratheS war eS meine Absicht gewesen, Ihnen dir ganze Sache zu übergeben," eröffnete Herr Wolfgang Herzog da» Gespräch, „theilS wett wir mit einander befteundet find, theilr weil ich die Angelegenheit gerne in den Händen einer jungen, regen Kraft wissen wollte."
Der Angeredete verneigte sich dankend. Dann sagte er mit einem gewisien lustigen Aufblitzen in den gut« müthigen Zügen: „Und ich verhehle nicht, daß ich den Prozeß sehr gern übernehme. Der Fall interesfirt mich durch feine Eigenartigkeit in einem Grade, wie noch keine bis dahin in meiner Praxis vorgekommene Streitfrage. Ich habe schon viel darüber „munkeln"
Die Redemptoristen in Preußen.
WMm" 9. Juli waren eiT zwei Jahre, seit der BundeSrath die Wiederzulaffuig der Redemptoristen erklärte. AlS da» Jesuitengesetz im Jahre 1872 er« laffen wurde, erfolgte in kurzer Frist die Erklärung des BundesrathS, daß die Redemptoristen zu den „verwandten" Orden gehörten; in wenigen Monaten waren alle Missionen verboten und die Rieder« laffungen aufgelöst. AlS nun endlich nach einundzwanzig Jahren der Bundesrath fand, „nach wiederholter Prüfung", wie der Herr Minister Miquel sagte, daß eS mit der „Verwandtschaft" nichts sei, da hätte man meine« sollen, daS Unrecht — al» solches betrachtet eS das katholische Volk — würde wenigstens ebenso rasch wieder gut gemacht. Doch nach vollen zwei Jahren haben die Redemptoristen in Preußen nur Aachen zurückerhalten. Der Abgeordnete Darbach hat in der Sitzung der preußischen Abgeordnetenhauses vom 2. März d. I. den Kultusminister Dr. Boffe gefragt, warum sich die Rückkehr der Redemptoristen verzögere? Ein Gesuch um Wiederzulassung sei schon vor einem Jahre an den Kultusminister ergangen, eS sei aber bisher noch keine Antwort erfolgt. Darauf erwiderte Herr Dr. Boffe:
Was die Redemptoristen anlangt, so möchte ich den Herrn Abg. Dasbach bitten, damit zu warten, bis eine Entscheidung getroffen ist. Ich mache aber darauf aufmerksam, daß ich nicht allein über die Sache zu entscheiden habe, sondern nach dem Gesetz zusammen mit dem Minister des Innern, und daß wir zwar jetzt die Ermächtigung haben, die Redemptoristen zuzulassen, daß aber die Frage im einzelnen Falle, ob es im öffentlichen Jntereffe ist, sie zuzulaflen oder nicht, unserer pflicht- mäßigen Prüfung nach wie vor unterliegt. (Unruhe im Centrum.) Die Erörterungen sind noch nicht abgeschlossen; darüber müssen die Provinzialbehörden gehört werden. Die Frage wird gewissenhaft nach den Verhältnissen der einzelnen Orte, um die es sich handelt, entschieden werden.
Merkwürdig ist, daß mau 2 Jahre schon gebraucht hat und doch nicht zu Ende gekommen ist. Jede Verschiebung einer Genehmigung ist eine Ablehnung auf Zeit und zwar so lange, bis schließlich die Zusage er« theilt wird. Der Herr Minister muß eS sich gefallen lassen, daß wir erklären, bis auf eine später zu erfolgende Zusage ist den R dewptoristm eine ablehnende Antwort ertheilt worden, und vir nehmen für uns daS Recht in Anspruch, die einstweilige Antwort zu kritisiren. Die Bedürfnißfrage soll also erst geprüft werden. Wer aber, so fragt die .Trier. LandeSztg.', soll denn diese Frage beantworten? Doch wohl nicht der Evangelische Bund? Fürst BiSmarck hat einmal gesagt: „Benn die Katholiken sagen, wir haben Orden nöthig, so müssen wir uns darnach richten und nicht «ach unserer protestantischen Anschauung." So ist es auch ganz selbstverständlich: eS fällt keinem Katholiken ein, den Protestanten vorzuschreiben, welche oder wie viele Diakonen- und Diakoniflen-Anstalten sie errichten wollen. Befähigt und berechtigt zur Entscheidung der Bedürfnißfrage «ach einer katholische« Ordensniederlassung ist doch wohl nur der Diözesan-
Ktrornarrfwärts.
Roman von El. Lötschert (M. Brechten).
5] ------- (Nachdruck verboten.)
Das Privat - Komptoir des Gutsbesitzers lag im ersten Stock, ebenfalls auf der Gartenseite. Es stieß an die Geschäftsräume, in welchen die beiden Buchhalter und der ihnen unterstellte Schreiber mit der ganzen Pünktlichkeit und dem Fleiße, welche in diesem streng geregelten HauSwrsen das oberste Gesetz bildeten, schon seit einer Stunde ihre Federn rastlos über dar Papier kritzeln ließen.
Die untere» Scheiben nach der Veranda hin waren dmch grüne Blenden geschützt. Als jetzt der Prinzipal die Thür öffnete und einen Blick hineingleiten ließ, erschien der zweite Raum angenehm kühl in seinem gedämpften Lichte.
„Herr David Holster!"
Bon einem d:r Pulte wurde der Stuhl zurückgeschoben und ei« junger Mann näherte sich dem inneren Kabinet.
„Sie haben die sämmtlichen Verzeichnisse zusammengestellt und die einzelnen Angebote gesondert?"
„Jawohl, Herr Herzog."
„Sagen Sie Ihrem Kollegen Rohrbach, daß ich vor Mittag dar Buch-„Abtheilung II" m mein Zimmer
iildilkrWZeitlliig
mit Nutrrhaltrmgs Keila-e „Sterne und Klrmrerr".