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Mittwoch, den 22. Juli 1896.

23. Jahrgang

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sich jetzt auch die .Kreuzztg. .

Antwort der türkischen Regierung auf die jüngsten Vorstellungen der Botschafter kritisirt. Die Pforte antwortete, sie habe den Befehl zur Einstellung der Feindseligkeiten „erneuert" und das Einver­nehmen zwischen dem Generalgouverneur und dem Militärkommandanten „angeordnet". Erstauntstagt man sich in politischen Kreisen — so bemerkt die .Kreuzzeitung' hierzu —, ob es die Pforte denn als selbstverständlich betrachte, daß sie einen an einen Kommandanten ertheilten Befehl erst „erneuern" müsse, damit derselbe befolgt werde. Hat Abdullah Pascha dm Befehl aus Konstantinopel ignorirt, so verstand es sich von selbst, daß er zur Rechenschaft gezogen werden mußte. Nachdem die» nicht geschehen, bleibt

nebst der illustrirten Sonntagsbeilage ,T1erne mtb Blumen' von allen Postanstalten, sowie Landbrief­trägern, Zeitungsträgern und von unserer Expeditton (Harmonie) zum Preise von 1 Mk. (nebst Bestellgeld) jäierzeit entgegengenommen.

liegen neuere Nachrichten vor, welche klar beweisen, daß der Sultan gar nicht daran denkt, der christlichen Bevölkerung ihr Recht werden zu lasten, sondern nur bezweckt, die Kretenser und die abendländische» Mächte durch ein trügerisches Spiel an der Rase herumzu­führen. Im Bezirk von Apokorona bemühten sich, wie das amtliche österreichische Telegraphenbureau meldet, die türkischen Truppen, einige strategisch wichtige Punkte zu besetzen, wobei sie zwar zwei Schlappen erlitten, jedoch auch theilweise einen Erfolg zu ver- zeichnen hattm. Wettere Meldungen au» KalywrS, Rethymo und Herakleion zeigen ebenfalls, daß die türkischen Tcuppm noch fortwährend angnffrweise vor­gehen und alle möglichen Schandthaten verüben. In Rethymo wollten sie sogar das Chnstenviertel mit Dynamü in die Luft sprengen; dieser scheußliche Plan wurde nur durch das Eingreifm der englischen Kon­suls vereitelt. Die türkischen Truppen kümmern sich also nicht im Mindchm um den Befehl der Sultans, währmd der FriedenSunterhandlungm mit bett christ­lichen Führern sich mhig zu verhalten.

Für das Verhalten der türkischen Truppen auf Kreta ist zunächst der MilttärbefehlShaber Abdullah Pascha verantwortlich, in letzter Linie aber der Sultan selbst. Denn eS ist ganz undenkbar, daß Abdullah die Metzeleien unter den Christen sortsetzen würde, wenn er nicht wüßte, daß der Sultan ihm zwar offiziell, i der Mächte wegen, Ruhe anbefehlen mußte, insgeheim j aber die Fortsetzung der Fttndseligketten gegen die I Christen wünscht. Dieser unserer Auffassung schließt j ®*«’***y a», indem sie scharf die I

Herr jorem.

(Schluß.)

Wer sich jemals schon um Mitternacht auf dem Kirchhof befundm hat, im Begriff, sich in sein eigenes Leichentuch einzuwickeln, wirb begreifen, wie unan» gmehm diese Unterbrechung war.

Der Sprecher war der Todtmgräbrr, Vater Thomas, ein in allen Schenken der Umgegend bekannte» Origi­nal. Er schaute Herm Lorenz dicht in'S Gesicht und rief dann: „Was? Sie find'-, Herr Lormz? . . . Schon?"

Herr Lormz suchte fich aus der Berlegenhrtt zu ziehen, indem er schweigmd und düster das Leichentuch Über bett Kopf zog. Allein bem alten Thomas impo- nirte da- nicht. Er klopfte ihm wohlwollenb auf bie Achsel mtb umhüllte ihn bann als Sachverständiger mit dem Leichentuch nach der neuesten Gespenster« Methode.

„Ich komme aut dem Grabe!" begann Herr Lorenz «tt hohler Stimme.

„Das lehr ich," unterbrach ihn Thomas; „Sie haben es eckiger alt die Andern . . . ."

Herr Lormz antwortete nicht mehr; mit langen Bespensterschrittm, auf dm Fußspitzm stieg er durch dm Kirchhof. Aber Thoma- ging fortwährend dicht

! nur die Annahme übrig, daß Abdullah Pascha ent- I weder instinktiv (von selbst) oder infolge einer geheimen I Benachrichtigung vorauSsetzte, daß er sich an | den offiziellen Befehl aus Konstantinopel | nicht zu halten brauchte. Die,Kreuzztg.'folgert I daraus ebenso wie wir, daß die Pforte ein Doppel- | spiel spielt.

Auch die „Anordnung" des Einvernehmen- zwischen I Civil- und Militärbehörde ist ja höchst sonderbar; | man könnte sie belustigmd finden, wmn die ganze I Sache nicht so ernst wäre. Dmn so etwa- sollte doch I so selbstverständlich sein, daß eS nicht erst „angeordnet" I zu werden brauchte. Und meinte die Pforte doch, sie müsse das extra „anordnen", so mußte sie diese An­ordnung von vornherein treffen und nicht erst jetzt. Am grellsten aber wird da- betrügerische Doppelspiel | der Pforte dadurch beleuchtet, daß sie sich unter einem I überaus lächerlichen Vorwande weigerte, Abdullah ! abzuberufen. Nur ein Marschall, sagte der Sultan, könne nach der Rangordnung in Kreta kommandirm, nun habe er aber augenblicklich keinen anderen General mit diesem Titel zur Verfügung, folglich müsie Ab­dullah in Kreta bleiben. Al» dürfte hier die Rang­ordnung ausschlaggebend sein! Und al- wenn eS unmöglich wäre, bei dieser Gelegmheit einem anderen General den MatschallStttel zu geben! Und mit solchen faulen Ausreden, die geradezu wie ein Hohn auf die christlichen Mächte klingm, wagt der Sultan diese abzuweisen!!

Inzwischen wird freilich auS Athen gemeldet, Ab­dullah'» Ersetzung „bestätige fich", aber diese Meldung widerspricht den Nachrichten au» Konstantinopel selbst. Sollte sie in Wahrheit „fich bestätigen", so wäre auch noch nicht» gewonnen: Der Sultan würde, bem Drucke ber Mächte nachgebend, einen anderen Militärbefehls­haber nach Kreta entsendm, diesem aber in-geheim wieder zu verstehen gebm, daß er nur „feste drauf loshauen" solle — um einen Berliner Ausdruck zu gebrauchen —, ohne sich um die amtlichen Gegen­befehle im Geringsten zu kümmern. Wir bleiben dabei, daß es schließlich nicht ander- gehen wird, als daß der verrotteten Türkenwirthschast überhaupt ein Ende Ötoirb. Es ist eine Schande für das christliche mb, daß ihm das Muselmanenthum mit all' i seinen Schandthaten noch immer Hohn sprechen darf, j

Deutsches Reich.

Berlin, 21. Juli.

* Während ber diesjährigen Kaisermanöver wirb bem ,Hann. Cour.' zufolge eine Mmttiverober- 1 leituug gebildet werden. Diese wird der Ches des ! GmeralstabeS General der Kavallerie Graf Sch lieffen ! nach den Befehlen des Kaiser- führm. Da» Haupt­quartier der Oberleitung wird aus verschiedenen 86- i theilungm bestehen. Die Stunde, wo da- kriegsmäßige Berhältniß der Manöverpartnen beginnt, wttd beson­der» festgesetzt und dar Berhältniß dauert dann bi» zur Beruhigung der Manöver fort.

nebm ihm her, indem er fortsuhr: „Ja, die Andern, über die kommt e» nicht gleich; gewöhnlich erst nach em oder zwei Monatm."

Herr Lorenz hielt plötzlich an und hob beide Arme in die Höhe: „Hinweg, Frevler, hinweg!"

„Na, na," sagte Thomas in begütigend väter­lichem Tone. „Ich gmtte Sie ja nicht . . . Wollen halt auch ein bi-chm spazieren gehen, wie bie Rome- toben.“

Verwirrt, schweigend schritt Herr Lorenz auf bie offene FriebhostthÜr zu; allttn Thomas, ber ihn nicht aus ben Augen ließ, sprang plötzlich vor ihn hin nnb stellte sich ihm mit auSgebrettetm Armen in ben Weg.

„Halt!" ries er, „Du willst hinaus!" (Jetzt bntzte er ihn.) „Ein schöner Einfall! Daran» vttb nichts!"

Und mit Blitze»geschwiubigkett verschloß er bie FriebhostthÜr mtb steckte ben Schlüssel toieber in bie Tasche.

Aber Herr Lorenz wat ein vorsichtiger Mann; er trug ein wohlgefüllter Portemonnaie bei fich.

„Keine RebmSartm!" sagte er, inbem er bem Tobtmgräber zwei Golbstücke hinhielt; „bm Schlüfiel!"

„Du!" versetzte ber Tobtengräber brohenb, „komm mtt nicht so, oder e» setzt Prügel! Daß Du au» Deiner Gruft herauskommst mtb spazieren gehst, ba-

!W B—■!

> * Der ReichSanz. veröffentlicht bie kaiserliche Ber-

- orbuung betr. Unterstellung bet afrikanische» i Schntztrnppe« unter ben Reichskanzler, bezw. unter bie Civilverwaltnng ber Kolonien.

* Neue Torpedo-Stationen sollen nach bem Be­richt verschiebener Blätter an ber deutschen Küste in An»ficht genommen sein. Rach der Host' bestätigen sich diese Gerüchte nicht, wenngleich da» Blatt zugibt, daß die Errichtung solcher Stationen schon öfter» in Erwägung gezogen worden sei. Die häufige Anwesen- beit von Kommissionen deutscher Marine-Offiziere an der Küste erklärt fich a»S dem baldigen Begin» der Flotten-Manöver.

* ES hat naturgemäß großes Aufsehen erregt, daß den Parlamentarietn, welche bei der Ausarbeitung de» Bürgerlichen Gesetzbuches hervorragend thättg gewesen seien, keine Auszeichnungen verliehen wurden. Ein ähnliche» Verfahren ist auch vor einiger Zett beliebt worden, nämlich bei der Eröffnung de» neuen ReichStagSgebäude» sowohl wie bet derEröffuung de-Rordostseekanal». Währmd die erstgenannte dieser Feiern kaum besoudem Anlaß zur Dekoration bot, so doch unstreitig wohl die letztere; es würde dann bie Volksvertretung, bezw. dar Volk eine Anerkennung für die Theilnahme an dem großen nationalen Werke in der Ehrung de» ReichStagSprä- fidium» erblickt haben. Das Reich verleiht keine Orden oder ordensähnliche Au»zeichnungen; wenn solche seitens de» Kaisers verliehen wären, würde das tijot- lich nur seitens de» Königs von Preußen geschehen sein. Bei ber Berabschiebung bei Bürgerlichen Gesetz­buches lag bie Sache aber noch anbers. S» siub bet­riebene Auszeichnungen erfolgt unb zwar an Per­sonen, welche persönlich thättgeu Antheil an bem Werke genommen haben, jeboch siub auch bie Parlamentarier, einschließlich beS Vorsitzenden und Berichterstatters ber Kommission, hier übergangen worben, obwohl sie zweifellos bie Hauptarbeit gethau haben. Welche Grünbe hierbei maßgebenb gewesen finb, ist nicht klar. Die Ansicht, baß ber Kaiser an sich ber Dekorirung von Parlamentariern abholb sei, läßt sich nicht fest­halten, wenn man sich erinnert, daß er z. B. den ReichStagSpräsidenten v. Levetzow hervorragend aus» : zeichnete, sowie ebenfalls, daß er dem Frhrn. v. Huene ■ eine» Abends ben Kronenorden 2. Klaffe mitbrachte unb überreichte. Eine persönliche Stellungnahme be» Kaiser» ist, abgesehen von ber gänzlichen Unwahrschein­lichkeit, also nach Lage ber Dinge ausgeschlossen, eS muß somtt an einen Ministerial-Beschluß ge­bucht werben, ber offenbar in aller Form gefaßt worben ist, ba einige Tage vor ber Veröffentlichung ber Au»zeichnungen im .Staat» - Anzeiger' gerade ber offiziöse Berichterstatter zutreffende Angaben machen konnte, welcher über StaatSmmisteral - Sitzungen stets orientirt ist. Man mag sonst über Ordensbänder u.s.w. denken, wa» man will; angesichts ber bie-mal vor­liegenden Umstände gewinnt die Sache politischen Beigeschmack. WaS für Gründe das Staat»-

gegen habe ich nichts. Die Andern kommen auch —"

„Welche Andern?"

Thomas machte eine majestätische Geberde: „Run, die Tobten!"

„Die Tobten ... wer spricht von Tobten? Ich bin ja lebenbig, hörst Du, ledeubig!"

„Ha, ha, ha! Der Spaß ist nicht schlecht! Aber, siehst Du, ich bin ein vernünftiger Mann . . . komm, trink ein Glas Schnap» bei mit!"

Seine Haub faßte Herrn Lormz um'» Gelenk wie ein Schraubstock, unb ehe Jener e» sich versah, hatte Thoma» ihn nach bem TobtengräberhäuSchen gezogen unb m dessen ebenerdige» Stübchen hineingeschoben. Dann langte er eine Flasche vom Wandgcsim», füllte zwei Gläser an» derselben und reichte eine» davon feinem Gaste, während er ihm zutrank: „Auf Ihre Srsundhett, Herr Lorenz!"

„Höre, mein Lieber," sagte dieser, „Da willst Dir einen Scherz machen. Sei'»! Aber Alle» hat seine Zett. Du weißt recht gut, daß ich lebendig bin. An» persönlichen Sründm ließ ich mich begraben. Aber mm muß ich durchaus hinaus. Du kannst ganz ruhig sein, ich werde Dich gut bezahlen."

Wchrmd er sprach, war Thoma» langsam um bei Tisch herumaegangen unb hatte fich mit bem Rücken