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Dienstag, den 21. Juli

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1896.

23. Jahrgang

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mit Unterhalt«»-» KrilaKk .Lterue

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Zwei Stunden nach der Beisetzungs-Feierlichkeit konnte man in dem Gruftgewölbe, welches die sterb­lichen Uebrrreste des Herrn Lorenz barg, ein leise»

In den nächsten Tagen werden wir mit dem Abdruck der spannenden Erzählung

„Stromaufwärts" von Cl. Lötschert (M. Brechten) beginnen.

Deutsches Reich.

Berlin, 21. Juli.

* Der LandwirrhschaftSminister Frbr. v. Hammers stet« hat seine Informationsreise nach Ostpreußen am Sonntag angetreten und sich zunächst nach Allen- stein begeben.

Natürlich wagte jetzt, wo Herr Lorenz tobt war, Niemand, ihm UebleS nachzusagen, und eS würde dem­jenigen schlecht bekommen sein, der ihn, wie man die» wohl bei seinen Lebzeiten gethau, einen Wucherer rmd -------v— ------0 —a, .......

Halsabschneider hätte nennen wollen; oder der ihm 1 Geräusch, wie von einer Feder, vernehmen. Der Sarg'

deckel öffnete sich wie eine Schrantthür und der Todte setzte sich auf.

Er dehnte sich, gähnte, wie Jemand, der auS dem Schlafe erwacht, rieb sich die Augen und die ein wenig steif gewordenen Gelenke und stieg dann aus dem Sarge. Im Uebrige« fühlte er sich vollkommen wohl. Die sorgfältig abgewogene narkotifche Dost» hatte bi» auf die Minute ihre Schuldigkeit gethan. Man hatte ihn tobt geglaubt unb begraben; Aller ging rach Wunsch.

Ein burch bai vergitterte Gruftfenster hoch oben in bet Band hereinfallenber Lichtstrahl zeigte Her« Lorenz ben Weg zu einem in'S Mauerwerk eingelaflenen, wohlverborgenen Schrank in einer Ecke de» Gewölbe». Tort befand sich alle» zu einem unterirdische» Aufent­halte Rolhwendige: Kleider, Wäsche, Mundvorräthe, auch eine stattliche Reihe Maschen. Und da Nickst» hungriger macht al» ein Begräbniß — sei e» auch da» eigene — so kehrte Herr Lorenz bald mit einer an­sehnlichen Stärkung beladen nach seinem Platze zurück, und, in einen warmen Schlafrock gehüllt, auf dem Rande de» Sarge» fitzend, brach er einer Flasche dm Hals und trank auf dar Wohl der Zukunft.

ES dürfte nun Zeit fein, zu sagen, warum er sich an diesem für Lebende ungewöhnlichen Orte befand.

Selbstverständlich handelt c» sich um eine Frau. 43 Jahre war Herr Lormz, ein durch seine Pillen

an» der Art, wie er zu seiner Frau gelangt war und au» allerlei unheimlichm Gewohnheiten, denen er fich in seinen Mußestunde« überließ, z. B. der Fabrikation chemischer Gifte, deren Wirkung er bann an K tzen, Hunden und Kaninchen erprobte, hätte einen Borwurf machen wollen. Er war tobt. Friede seiner Asche!

Woran war Herr Loreuz gestorben? Ein Schlag­fluß, so erklärte ber alte Dottor Steiner, hatte in wenigen Stunden dem Leben des krästigm Manne» ei» Ende gemacht, der »och vor einige» Tagen in einer fast brutalen SesundhritSfülle unter feinen Mitbürgern herumgrwandelt war. E» blieb nicht» andere» übrig, al» ch» zu begraben, war man den» auch mit allem Pompe that, den man feinem Reichthum schuldig war. Und nachdem man den Prachtsarg, ei» riefige» Möbel, groß genug, daß Herr Lorenz sich darin hätte um- drehen können, wenn e» ihm beliebte, in die Familien­gruft hatte Hinabfenken sehen, ging man traurig unter den Klängen eine» Triumphmarsches nach Hause und sprach von allen feinen Bürgertugenden — die einzige Leichenrede, welche einem reichen Manne geziemt.

* Unsere Kolonien.

Durch da» Erscheinen deS .Statistischen Jahrbuch» für da» Deutsche Reich' ist un» Veranlassung gegebm, unsere überseeischen Schutzgebiete durch lichtvolle Ziffern« bilder tarnen zu lernen.

Der Flächeninhalt derselben beläuft sich auf ca. 2 641400 Quadratkilometer, b. h. fast genau fünfmal so viel, als ber Gesammtumfang bt» Reichs­gebiete» (540 483 6 Quabratkilometer). Währenb jeboch das Mutterland 52 2 Millionen an Bevölkerung zählt, finb tri ben deutschen Kolonien inSgesammt nur 3135 Europäer anwesend, wovon etwa» mehr al» die Hälfte, nämlich 1743 deutscher Nationalität waren. Den größte« Theil dieser deutschen Bevölkerung der Kolonial- gebiete machen jedoch die Schutztruppe» au», deren Zahl nicht weniger al» 1148 betrug. Rechnet man die zu einer geregelten Verwaltung erforderlichen Be­amten, die hier nicht naFgewiesm find, dazu, so bleibt nur eine ganz verschwindende Ziffer von Deutsche» übrig, die hier wirklich kulturelle Aufgabm besorgen können; wir dürfen die deutschen Schutzgebiete mithin al» Militär- und Berwaltung-kolonien bezeichne». Welche „Leistungen" diese Verwaltung bisher aufzu­weisen hatte, lehren die Fälle Leist, Wehlan, Peter» e tutti quanti.

Betrachten wir die hauptsächlichsten Kolonien ge­sondert »ach dm Ergebnissen de» Voranschlag» str 1896/97, so balancirt nur der Etat der kleinsten, von Togo, mit einer Summe von 380000 Mark, die e» durch eigene Einnahmen deckt. Den größten Zuschuß erfordert Deutsch-Ostastika mit 4,3 Millioum Mark bei einem Gesammt-Etat von 5,9 Millionen Mark, d. h. fast 73 Prozent der Gesammterfordemiffk» für da» laufende Etatsjahr werden durch Reichsmittel gedeckt. Roch schlimmer steht es für Deutfch-Süd- Westafrika, da« nur 386 000 Mark zu feinem Etat in der Höhe von 4,4 Millionen Mark an eigenen Ein­nahmen beisteuert, mithin nicht weniger al» 92 Prozent des GefammterforderniffeS an ReichSzuschuß aufbraucht. Endlich Kamerun, das 640 000 Mark selbst aufbringt und 679 000 Mark vom Reich erhält.

Jndeffe» auch diefe für die Fortsetzung de» Kolonial- Abmteuer» sehr ungünstigen Ziffer» ergebe« »och nicht den vollen Bedarf und die ganze Leistung der Reich-kaffe. Unter verschiedenen Titeln, die sich jeder Berechnung entziehen, gelangen diese Ausgaben zur Verwendung. So nennen wir beispielsweise die Subvention an die kostspieligen Post-Dampfschiffe, die erheblichen Kosten für ben unbedeutenben Postverkehr der Kolonien, viele Aufwendungen für die Marine u. A. m.

Wenden Wir un» zu dem Handel der deutschen Schutzgebiete und zwar zunächst zu dem mit dem Mutterlande, so find die Resultate so erbärmliche gerade für da» abgelaufene Jahr, daß wir die Kühn­heit der Verwaltung, immer neue Lasten deshalb dem deutschen Steuerzahler aufzubürden, einfach nicht ver­

stehen. Im Ganzen ist die Ausfuhr kolonialer Pro­dukte in das deutsche Zollgebiet von 1894 auf 1895 von 4,7 auf 3,4 Millionen Mark dem Werthe »ach unb von 12,4 auf 8,3 Millionen Kilogramm der Menge »ach zurückgegange». Das will besagen: die ohnehin minimalen Erzeugnisse ber brutschen Kolonien find nunmehr kaum noch mit ber Lupe wahrnehmbar geworden. Die Schulb baran trägt Deutsch-Ostafrika, welch » in Folge der Heuschreckenftaßes nur für 373 000 Mark (gegen 1,3 Millionen Mark im Vor­jahre) Maaren nach Deutschlanb importirte Deutsch- Westaftika (Kamerun, Togo und Sübwestafrika) bat fich um etwa 70 000 Mark besser gestanben (2 993 000 gegen 2 919 000 Mark) unb Deutsch-Neu-Guinea ist glücklich von 470 000 auf 121 000 Mark Werth ber Einfuhr nach Deutschland gelangt, was durch da» Aufhören der Exports von Palmkernen, Kopra unb Tabak bewirkt wurde. Für diese Kolonie ist eigentlich jede Anschreibung de» Handelsverkehrs übertriebener Luxus.

Nu» hat sich aber auch der Werth der deutschen Einfuhr »ach den Schutzgebieten im abgelaufenen Jahre vermindert. Er betrug in-gesammt 5.4 Million« Mark gegen 5,5 Millionen in 1894. Ost­afrika hat in dieser Beziehung eine nicht unbeträchtliche Erhöhung von fast 900 000 Mark und 2 Millionen Kilogramm zu verzeichnen — 1,9 Millionen Mark unb 8,1 Millionen Kilogramm gegen 1,8 bezw. 6,1. In Westafrika ist der beutsche Import bem Werthe nach von 3 452 000 auf 3434000 Millionen Mark gesunken, währenb er ber Menge nach von 7,4 auf 7,9 Millionen Kilogramm amvuchS. Dagegen hat eS Ren-Guinea fertig gebracht, von 250 000 Mark unb unb 0,9 Millionen Kilogramm in 1894 noch auf ganze 144 000 Mark Werth unb 0,4 Millionen Kilo­gramm zu fallen.

Die Ausfuhr ber Kolonien in baS Mutterland umfaßt nur Wenige Arten von Produkten. In Oftafrika Palmkerne unb Kopra, Welche in ben beiden letzten Jahren von 2,9 Millionen Kilogramm und 837 000 Mark Werth auf 0,9 Millionen Kilogramm und 247 000 Mark fiel. Tabakblätter, die 1894 noch eine Rolle fpielten und 14 000 Mark erbrachten, fielen im vorigen Jahre ganz auf. Dagegen ist Vanille im Werthe von 48 000 Mark mit 1200 Kilogramm hin- zugekommen und Rohkaffee hat fich von 7000 nuf 21000 Mark bezw. von 4900 auf 10 000 Kilogramm gehoben, während die Ausfuhr an Kautschuk die un­veränderte Menge von 3000 Kilogramm und 12 000 Mark Werth auf wie».

Herr Kore«;.

Wer das Gruseln lerne» will, der lese die nach­stehende wirkliche und wahrhaftige Geschichte; aber auch derjenige, der e» nicht lernen will, lasse sich vom Lesen nicht abhalten, namentlich die Eifersüchtig« unter un­sere» Lesern und geschätzten Leserinnen mögen fich an Herrn Lorenz ein warnende» Beispiel nchmen. Run zur Sache!

SS gab eine allgemeine Ueberraschung im Städtchen, al» man den Tod des Herrn Lorenz erfuhr. Ein Mann.von kaum 46 Jahren, rüstig, kerzengrade, and ber zu alledem vor kaum zwei Jcchren sich mit ber 18jährige» Katharina, ber Tochter des Steuereinneh­mer» im Orte, vrrheirathet hatte, einem reizenden Ge­schöpfe, um da» ihn alle Männer beneidete».

* 3» einer Unterredung, die Major v. Wißmamt dem Berichterstatter eines Berliner Blattes gewährte, bestätigte er, daß eine Entscheidung darüber, ob er nach Deutsch Ostafrika zurückkehren werde oder nicht, noch nicht gefallen ist. Für ihn komme e» lediglich darauf an, ob seine Gesundheit, über die er gegenwärtig nicht klage» könne, fich in hinreichende»! Maße kräftigt. Auch darüber habe er sich noch nicht schlüssig gemacht, ob er nach Ablauf seines Urlaub» geneigt sein wird, auf seinen Posten zurückzukehren.

* Die Erhöhung der Beamten- und Offizter- gehälter soll, wie die Mil. P. Korr.' mitgethält hatte, nur eine Summe von etwa 12 Millionen Mark erfordern. Die ,Schief. Zkg.' dagegen will erfahr« habe», daß die erforderliche Summe ganz erheblnh höher fei, fo daß die durch eine Konvertirung der vierprozentigen Anleihen zu beschaffende» Mittel (etwa 15 Millionen Mark) dazu bei weitem nicht a»j- reichten. Die Frage der Gehaltserhöhung hänge des­halb vor allem davon ab, ob e» möglich fein werde, die übrigen Forderungen der Verwaltungen entsprechend zu beschränken. Das ist bai richtige offiziöse Fangball­spiel in der SauregurkenzeU. Macht es den Offiziös« Freude und bringt eS ihnen zugleich Geld ein, so wollen wir nicht so unmenschlich fein, da» schöne Spiel zu stören.

<Q) Vor eisigen Tagen brachte der nationalliberale ,Hann. Kour.' au» Berlin eine Meldung, wonach ber preußische protestantische Oberkirchen­rath vor Kurzem ein vertraulicher Rund- schreiben an bie Superintendenten ge­richtet hab« soll, „worin bie Aufmerksamkeit biefer Herren auf die überhandnehmende großartige Pro­paganda der römisch-katholischen Kirche gelenkt wird." Dann heißt eS in jener Meldung weiter: „Ueberall, ganz besonder» in großen Städten, suche die römische Kirche mit allen ihr zu Gebote stehend« Kräften die Sphäre ihrer Macht auSzubreitm." Dann Wird in dem Rundschreiben u. A. auf zwei Punkte verwiefen: in den katholischen Krankenhäusern würdm überall die besten Kräfte angestellt und die in ge­mischter Ehe lebenden Gatten würden von katholischen Priestern wegen ber katholischen Taufe unb ber katho­lischen Erziehung ber Kinder häufig besucht. Der preußische OSerkirchenrath verlangt, daß bie pro­testantische Geistlichkeit und bie Presbyterien ein offener Auge haben für biefe Gefahr. ES sollen Berichte eingeschickt werben über bie Maßregel», bie ergriff« worben finb ober ergriffen werben soll«, um ber wachsenbm Gefahr der Propaganda der katholisch« Kirche zu begegne». — In verschiedene» katholisch« Blättern erfolgte darauf eine entschiedene Abwehr mit bem Nachweise, wer Propaganda treibt, wobei dem Oberkirchenrath verschiedene kräftige Sprüchlein gesagt wurden. Jetzt kommt nun bie ,Kreuzztg.' und erklärt, da» vom ,Ha». Kour.' erwähnte Rundschreiben sei von dem Konsistorium der Provinz Branden­burg und nicht von dem „Evangelische» Oberkirchen­

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