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Montag, den 20. Juli 1896.
23. JahrgMg
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Der Wilderer.
Line wahre Begebenheit auS dem bayerische« Hochgebirge.
(Schluß.)
„Die ganze Gegend ist in Aufregung", berichtete nach einer Weile die Frau unter Schluchzen und Thränen, „nach all« Seiten spüren Förster und Gen»- darmm Dir nach; — er ist sogar ein Preis auf Deinen Kopf gefetzt; dar ist entsetzlich. Zu Hause waren die Beamten und haben da» Oberste zu unterfi gekehrt und in allen Winkeln nach Dir gesucht. Der Förster ist heute Mittag begraben worben."
Da- Kind war erwacht, und Sepp nahm sein« herzigen Buben auf den Arm und freute sich, daß derselbe ihn so munter und herzlich anlachte und sich nicht vor dem Mörder fürchtete, . . . ei brannte noch fein Kainszeichen auf feiner Stirn. Und das Kind krabbelte fröhlich in dem Batte de-BaterS, schlang fein Aermchm um den Rack« und rief zu« erst« Male: Papa!
„Mutter", wandte sich Sepp an seine Frau, „sag' dem Kinde nie, waS sei« Bater gethan!"
Anna Maria schüttelte den Kopf.
„Wir können in dieser Nacht nicht Weiter", fuhr er fort, „Du bist total erschöpft, der Bube ist müde und da» Wetter ist für einen Hund zu schlecht; wir «äffen unter jenem Felsen übernachten."
gemeine Anweisung an dir Behörden ergehen zu lassen, und zu solchen Versuch« noch mehr anzuregm."
Ein freiwilliger Religion»-Unterricht, von der Geistlichkeit der Orte» eingerichtet, könnte ohne Bedenken, auch von den Vorständen dieser Religions- Anstalt« den Schäle« empfohlen werden. Jnzwisch« ist Herr v. Berlepsch gegangen, es steht aber zu hoffen, daß im Handelsministerium auch unter seinem Nachfolger dieselben Prinzchien vertret« werd«. Damm möge die Geistlichkeit in den Städten immerhin einmal den Versuch mach«, einen Religions-Unterricht, wenn auch kein« obligatorischen, in den Fortbildungsschulen einzuführen. E» wird der Jugend nicht schaden und den Sozialdemokrat« nicht nütz«.
fünf Sklavm über Bord zu werfen, wurde aber an feinem Vorhaben durch den Rajabu Wadi Schaka verhindert. Mit Rückficht hierauf ist die gegen dm Letzter« erkannte Todesstrafe in fünfjährige Kettenhast umgewandelt worden. Die Urtheile find bestätigt worden.
* Der Kall Bashsord, der eben zu Grabe getrag« war, lebt noch einmal auf, um, wie man erwarten muß, wiedemm für längere Zeit die Preffe zu beschäftig«. Die ,D«tsche Postztg.', dar Organ bei Verbandes deutscher Post- und Telegraphenassistentm, veröffentlicht eine Erklärung, welche die Ausführungen des Generalpostmeisters v. Stephan, durch die dieser im Reichstag dar Borkommniß abzuschwächen suchte, Lügen straft. Rach dieser Erklärung besteht keine Verfügung, Vorschrift oder Bestimmung, nach welcher bei länger« Telegrammen von bekannten Personen die Zählung der Worte und die Einziehung der Betrage» durch dm Annahmebeamtm nicht gleich nach der Aufgabe, sondem erst nach der Abtelegraphimng zu geschehen habe. Dergleichen sei die Behauptung der Staatssekretärs v> Stephan unrichtig, daß der Postbeamte Kaiser an jenem Tage nur vertretungsweise den Schalterdienst versehm habe. Kaiser habe vielmehr vollbeschäftigt und vollvetanttvottlich dm Schatterdienst versehen, für den er in den vorangehenden vier Wochen besonder» ausgebildet worben sei. Demnach sei im Gegmsatz zu ber Behauptung bei Herrn v. Stephan in bet Versetzung be» Beamten Kaiser in b« Apparatsaal eine Rückversetzung zu erblicken. Der Staatssekretär behaupte, Bashford habe mit ben Telegrammformularen nicht geschlagen; er glaube biefem also mehr als ber amtlichen, durch zwei Beamte vollinhaltlich bestätigten Anzeige beS Obertelegraphen- Assistent« Kaiser. Endlich sei eS unwahr, baß Kaffer protokollarisch auSgesagt habe, er sei von keinem Vorgesetzten u. s. w. veranlaßt worben, ba» gerichtliche Verfahren zu inhibitm. Wohl habe Kaiser be« Ober» vostrath Hennicke und anderen gerade daS Gegentheil davon gesagt. Der Generalpostmeister wird aus diese Angriffe nicht schweigen können; durch ein Schweigen würde er sich selbst deSavouiren.
* Die Kandidatur Aron» hat bei den „Gmoffm" im Wahlkreise Brandenburg-Westhavelland, Wie jetzt mehrfach gemeldet wirb, „wenig Anklang" gefunden. Der .Vorwärts' berichtet, daß nunmehr über die Kandidatur mit dem „Gmoffm" PeuS, Redakteur eines fozialdemokratifchm Blattes in Deffau, verhandelt werde.
* Der sozialdemokratische Abg. Joest-Mainz erläßt jetzt eine öffentliche Erklärung, wonach er „wegen geschäftlicher Inanspruchnahme" demnächst seine Mandate nieder!egen will; dem Parteivorstande habe er verschiedene- Material zur Entkräftung ber gegen ihn erhobenen Beschuldigung« übergeb«. „Rann über Bord!"
* Damit da- neue Gesetz gegen den unlauter« Wettbewerb auch Erfolg habe, muß vor allem da»
die blau gewordenen Lippm des armen Würmchen», al» ob fie au» ihrer Brust in die seine Leben hauchm könnte, — daS Kind war tobt. Blöden Blicke» sah Sepp bem Gebühren ber Mutter zu, stumm, mit wilbem Entsetzen; biese rief ihren Liebling mit bem zärtlichsten Namen, küßte ihn und drückte ihn krampfhaft an ihre Brust. Da» Kind blieb tobt, fein Funke von Leben war mehr in bem kleinen Körper; fie hatte eine noch warme, aber doch eine Leiche m den Händen.
Da sprang die Frau mit entsetzlichem Lachen auf, rauste sich da» Haar au» und schlug fich Gesicht uttb Brust. ES war zu viel für fie gewesm, was fie in dm letzten Tag« erduldet: die Flucht ihre- Manne», die Schande, die Haussuchung, fottwährende Angst, Schrecken, Enffetz« und Aufregung, — jetzt dieser letzte furchtbare Schlag, ber Tod ihre» einzigen Kinde» von der Hand ihre» Manne» — dieser em zweifacher Mörder. — da» überstieg da» Maß deffe», wo» fie al» Frau und Mutter ertragen konnte; die kleine Leiche, da» herabhängende Köpfchen des klemm Liebling», der kalte Mund, der nur einmal „Papa" gerufen, und die roch« Bäckchm, auf denen noch die Thränen perlt«, da» Alle», Alle» tobt, ba» war zu viel für fie, — ihre Sinne unmachtetm fich, unb em wohlthätiaer Irrsinn ließ fie bie schreckliche Wirklichkeit vergess«. Sie nahm die Leiche auf ihre Anne
Der Religionsunterricht in den Fortbildungsschulen.
Bekanntlich hat bie katholische Geistlichkeit in ben Stäbten wiederholt den Wunsch geäußert, in den Fortbildungsschulen möchten ReligionSstunden eingerichtet werden, um auf die Jugend einen größeren Einfluß zu gewinnen zum Segen für ihre religiöse Erziehung.
Bei der Berathung des Etats für daS gewerbliche Unterricht-wesen im preußischen Abgeordnetenhause am 20. und 21. Februar d. I. brachten die Abgeordneten Kropatschek und Diitrich diese Wünsche vor, vorauf der Minister für Handel und Gewerbe, Frhr. v. Berlepsch bie Bedeutung eine» Religionsunterrichte» für die Heranwachsende Jugend anerkannte und er- I Harte, nicht abgeneigt zu sein, ihn in einer allgemeinen I obligatorischen Fortbildungsschule einzuführen. In I Bezug auf bie Fachschulen, wo der Einführung fach- s liche Bedenken mtgegenständen, äußette er: „. . . ich \ habe aber immer bie Anweisung gegeben, wenn Geist- i liche fich bereit erklären, Religion-unter richt ben gewerblichen Fachschülern zu ertheilen, baß bie Lehrer bann nach Möglichkeit ihre Schüler zusammmhalt« soll« unb bie bett. Lokalitäten ben geistlichen Herren zur Verfügung gestellt werb«." Am 2. Tage äußerte hin- sichtlich be» Religionsunterrichte» bet Abgeordnete v. Schenkendorff, baß et al» Erster dahin strebe, Idealismus und wahre Gefittung zu verbreiten, daß aber Religion al» Lehrgegenstand nur hindernd auf da» Gedeih« ber Schulen einwirken würde.
Abg. Dr. Frhr. v. Heereman erhob nochmals nachdrücklichst die Forderung des Religionsunterrichtes unter der Leitung der Kirche, die allein daS Recht, bie Pflicht und bie geeignet« Organe besitze, Religion»- unterricht zu ertheilen. Abg. Dr. Glattfeiter for- berte in Rücksicht auf bie Gefahren durch bie Sozialdemokratie erziehliche Einwirkung auf bie Jugend durch ReligionS-Unterricht. Der Minister kennzeichnete hierauf nochmal» feinen Stanbpunkt zum Religionr-Unterrichte unb sagte u. A.: „Ich habe «ich bahin ausgesprochen, baß ich eS nicht für richtig hatte, ben ReligionS-Unterricht zu einem obligatorischen Lehrgegenstanb ber gewerblichen Fortbildungsschulen, auch nicht der Fachschulen zu machen, baß ich eS aber sür durchaus wünschenSwerth hatte, baß an biefem Unterricht sich ein freiwillig erteilter Unterricht, ber von ber Kirche einzurichten ist, anzuschließen habe. Ich habe etklätt, baß ich in allen FÄlen, wo man an «ich hetangettet« ist, Anweisungm gegeben habe, baß ber Lehret bie Schüler so lange zusammenhalten I soll, bi» bet Geistliche, bet ben Religions-Unterricht! gibt, kommt, daß bie Lokale geöffnet bfeiben sollen, I daß überhaupt allen Bestrebung«, bie von geistlicher Sette au» hervottreten, an bie Heranwachsende gewerbliche Jugend ReligionS-Unterricht zu ertheilen, durch- au» entgegengekommen werden soll. Ich bin gern bereit, in demselben Sinne fortzufahren, ja eine all-
Deutsches Reich.
Berlin, 19. Juli.
* Die Ergebnisse de» RetchShauShaltS für da» ElatSjahr 1895/96 haben sich nach dem Final- abfchluffe der Reichshauptkaffe, abgesehen von d« auf außerordentliche Deckungmittel angewiesenen Ausgaben, im Vergleich zum Etat (Etatsansätzen) sehr günstig gestaltet. Im Ganzen find an ordentlichen Einnahmen, soweit sie dem Reiche zustehen, im Vergleich mit dem Etat 26,227,487,48 Mark mehr aufgekommen, wovon 1,357,795,49 Mk. zur Deckung der Mehrbedarfs bei den Ausgaben unb 13,000,000 Mark in Gemäßheit beS Gesetze» vom 16. April 1896 (R.-Ses.-Bl. S. 103) zur Betminbetung bet Reich»schnld verwendet sind, so baß ein Ueberschuß von 11,868,690,99 Mark verblieben ist. Auf baS überaus günstige Er« gebniß börfen wir mit nm so größerer Befriedigung Hinweis«, attdaSselbe eine glänzende Rechtfertigung der Budget- und Finanzpolitik de» Centrum» enthält.
* Die Ergebnisse be» HeereSergänznngSgeschSsts für 1895 stellen sich im Deutschen Reiche nach ben osfiziell« Zusammenstellungen in folgender Weise bat. Aurgehoben würben 227,212 Mann gegen 235,649 Mann im Jahre 1894, freiwillig eingetreten finb 19,112 Militärpflichtige gegen 18,161 im Jahre 1894; vor Beginn be» militärpflichtigen Alters finb eingetreten 20,387 Mann gegen 19,345 im Vorjahre. In b« Ziffern finb auch bie in bie Marine eingetrefenen Personen enthalt«. Dem Lanbsturm ersten Aufgebot» unb ber Etsatzreserve würben 184,820 Mann gegen 178,096 im Iahte 1894 überwies«.
* lieber die Bestrafung von SkladenrSubern wirb im .Deutschen Kolonialblatt' aus Dmtsch-Ostaftika gemeldet: Wegen Sklaventanbe», begangen an fünf Sklaven jugendlichen Alter», find von dem kaiserlichen BrzirkSamte in Bagamoyo die auf frischer Thai ergriffenen Munimooa wadi Majuta, Rajabu Wadi Minimkun und Rajabu wabi Schaka zur Todesstrafe verurtheilt worden. Al» die Sklavenräuber sich von dem GouvernementS-Dampfzollkreuzer verfolgt sahen, versuchte der zuerst @«annte, die geraubten
Er führte feine Frau seitwärts, bettete da» Kind in einen Hanf« weichen Moo» und kaum hattm sie fich niedergelassen, al» Pferdegetrappel an ihr Ohr schlug. SS kam immer näher und näher; Sepp wagte kaum zu athmen. „Die @«»barmen", flüsterte er; „man ist un» auf ber Spur."
Plötzlich erwachte ba8 Kind unb fing laut zu schrei« an; ein niebergefalfener Zweig hatte sein Gesicht getroffen. Die Pferbe hielten, bie Reitet hatten alfo ba» Schreien gehört unb lauscht«.
„Beruhige ba» Kinb!" sagte Sepp in höchster Angst unb Aufregung zu feiner Frau, „e» gilt mein Leben!"
Aber vergeb«» war bie Mutter bemüht, ba» Schreien be» Kleinen zu beschwichtigen, ttotz all« Zuspruch» schrie ba» Kinb weiter. Da riß ber Bater sein Söhnchen an sich unb fegte seine breite Hand auf ben Mund be» Schreier» unb erstickte jeden Laut unter bem eisernen Drucke.
Zehn Minut« lang hielte» bie Verfolger in bet Nähe, zehn Minuten lang untetbtückte bie feste Hanb ba» Schreien be» Kinder.
Endlich ritten bie Gensdarm« weiter; Aller blieb M unb stumm, kein Ton btang mehr an ihr Ohr, sie mußfen sich wohl getäuscht haben. Die Mutter nahm ihrm Klemm wiebet, auch ba» Kind wat stumm und still gewotb«, lange preßte sie ihrm Rund aus
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mit Mrrterhaltrmgs Beilage „Kterrre mrd Klwnen".