M 163
Samstag, den 18. Juli 1896. 23. Jahrgang
illdlierWZeitllng
mit UrtterhaLtungs-Hettage „Sterne uud Klwnen".
Erscheint tägkich, 6* *m« tmb Vertage -mSyenomwe». — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn intb BestrSgeld in Fulda imb auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Sarmemdzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
i
s
niwiiwimnuuHutnuwnnnii ■ I
f y"
! Hierzu eine Beilage
Giuluduug
zur
43. Heneral-Aersamuttung der KathottKen Deutschlands in Dortmund 1896.
Ein herzlicher Willkommen zu der in den Tagen vom 23. bis 27. August in Dortmund statlfindenden 43. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands!
Eine hohe Ehre, ober zugleich eine schwere verantwortungsvolle Aufgabe ist unS zu Theil geworden; doppelt schwer, nachdem in dm letztm Jahren die Katholikentage in Städten abgehalten find, welche durch große katholische Vergangenheit ruhmreich, durch herrliche Denkmäler kirchlicher Kunst ausgezeichnet oder dmch reiche Naturschönheit bevorzugt, mächtige Anziehungspunkte für Deutschlands Katholiken bildete».
Und doch auch in dem gastlichm Dortmund leben wir der frohen Erwartung, daß die diesjährige Generalversammlung gegen ihre Vorgängerinnen nicht zurückstehen wird.
Sind auch jene glanzvollen geschichtlichen Tage, in welchen der Name der altehrwürdigen freien Reichrund Hansastadt Tremonia in der damalige« Welt bekannt war und mit Achtung genannt wurde, längst dahin, so haben doch neue Zeitvrrhältniste aus unserer Stadt Dortmund den bedeutsamen Mittelpunkt einer mächtigen, unablässig aufstrebenden Industrie geschaffen und ihr ein hervorragendes Interesse für die bevorstehenden Verhandlungen gesichert. Unsere Zeit steht unter dem Zeichen der sozialen Frage. Sie beschäftigt jeden, der au dem öffentlichen und kirchlichen Leben unfereS Vaterlandes thätigen Antheil nimmt. Ganz der Zeit und dem Orte der Generalversammlung entsprechend wird daher die soziale Frage den Mittelpunkt der diesjährigen Verhandlungen bilden.
Aber nicht nur in gewerblicher Beziehung bietet unsere Stadt ihre intereffanten Seiten. Hier, wo der gleichmäßige Gang der Maschinen keinen Stillstand duldet, wo der nächtlich geröthete Himmel ein Wahrzeichen irdischen Schaffens des rastlosen Menschen- geisteS ist, pulstet auch ein frische-, kirchliches Lebm. Hier bietet sich unseren Glaubensbrüdern so recht Ge- legmheit zu sehen, welch' schwierige Aufgaben die Religion in ihrer segensreichen Wirksamkeit zu lösen berufen ist.
Vor wenigen Jahrzehnten hatte Dortmund noch nicht 1000 Katholiken und nur ein katholischer Gotteshaus, heute zählt die Stadt unter 115 000 Einwohnern an 50000 Katholiken, die drei große Pfarrkirchen, mehrere Kapellen und blühende WohlthängkeitS-An- staltrn besitzen. Mehr denn 20 katholische Vereine
Der Wilderer.
Line wahre Begebenheit aus dem bayerischen Hochgebirge.
(Fortsetzung.)
ES konnte S-pp, der mit der Gegend auf- Genaueste bekannt war, nicht schwer fallen, auf Wild zu stoßen, und eS dauerte nicht lange, da rollte ein Schuß dmch den schweigenden Wald, und ein Kapitalhirsch wälzte sich in seinem Blute. Aber in demselben Äugen» oltde^ als Sepp im Begriffe war, da- verendete Thier
Seite W schaffen, stand, kaum zehn Schritte von ihm entfernt, der Förster in feiner verhaßte« grüne« Uniform vor ihm.
Dre Kunde, daß Falkner Sepp dem „Kasino" einen Hirsch versprochm, hatte sich rasch verbreitet und war auch zu den Ohren der Forstbeamten gedrungen, die sich du Gelegenheit natürlich nicht entgehen ließen, dm lange verfolgten Wilddieb aus'- Korn zu nehmm.
donnerte der Förster, „hätten wir den schlauen Burschen endlich entdeckt! Keinen Schritt Wetter!"
Sepp war bei der plötzlichen und unerwarteten Begegnung zuerst zurückgkprallt, hatte sich aber schnell Maßt. Das war ihm noch nicht passirt, daß ei« Grünrock ihn überlistete, und nur der Unvorsichtigkeit,
sind bestrebt, unser Boll vor den Gefahren und Jrr- lehrm einer Gort entfremdeten Zeit zu schützen.
Mögen zahlreich unsere Brüder zu un- eilen, damit ihre Anwesenheit unserem braven katholischen Volke eine greifbare Erscheinung de- machtvollen einen Gedankens von der Göttlichkeit unseres hl. Glaubens sei, der kraftvoll und siegreich die Roth unserer hart bedrohten bürgerlichen Gesellschaft überwinden wttd und unS Allen strtS einen Rückhalt bietet in dem Wellenschläge stark bewegter Zeiten. „Da- ist der Sieg, der die Welt überwmdet, unser Glaube."
So finde denn unsere Einladung ftmdigen Widerhall in Schlöflern und Hütten, in der stillen Klause ernster Denker und in der geräuschvollen Werkstatt thätiger Arbeiter, in Städten und Dörfern, kurz in allen Gauen unserer schönen Vaterlandes, wo immer die Herzen für die Interessen unserer Kirche schlagen.
„In Treue fest, der Kirche und dem Baterlande", dar soll auch die Devise des diesjährigen Katholikentages sein.
Und so werden wir denn in den bevorstehenden festlichen Tagen unseren lieben Gästm von Nah und Fern die Hand entgegen strecken nach guter alter Westfalenart: ti
„Fromm, sinnig, rein, nicht überzart, Zäh, treu, auch trotzig, deutsche Leute, So waren sie, so sind sie heute." (F. W. Weber.)
Dortmund, den 15. Juli 1896.
Der Vorstand de- Lokal-Komitee- *) zur Vorbereitung der 43. Generalversammlung der Katholikm Deutschlands.
I. Ehrenpräsidium: LöherS, Propst.
H. Präsidium::
1. A. Wulff, Rentner und Stadtverordneter. 2. E. Tilmann, Bergassessor a. D. und Stadtrath. 3. Frhr. v. Lilien-Opherdicke.
III. SchrisMhrer:
1. Wilhelm Westhosf, Rechtsanwalt und Stadtverordneter. 2. Hub. Bonzel, Rechtsanwalt. 3. Ehr. Stück, Rechtsanwalt.
8IV. Schatzmeister:
Mchard Niemeyer, Rendant.^
V. Ehrenmitglieder:
Frhr. von der Borg-Westhusen. Dechant K e w e l o h - Castrop. Freiherr v. WeichS zur Wen ne-Bladenhorst.
VI. Vorsitzende der Kommissionen
a) Redner-Kommission: ~
A. Rand e,Justizrath. L. Leasing, Verleger und Stadtverord.
b) Preß-Kommission:
L. Lensing, Verleger u. Stadtverord. A. Coböken, Rektor.
c) Finanz- und Anmeldungs-Kommission: Mchard Niemeyer, Rendant. H. H. Kröger, Kaufmann.
d) Wohnungs- und Begrüßungs-Kommission: August Bickhoff, Kaufmann. Karl Doll sen., Buchhändler.
e) Bau- und Ausschmückungs-Kommission: Düchting, Architekt. W. Walch, Stuckateur.
f) Ordnungs-Kommission:
Dr. med. Funke. H. Siecaup, Bäckermeister.
g) Fest-Kommission:
Joseph Cremer, Brauereibesitzer und Stadtverordneter.
Dr. med. Schmitz.
h) Kunst-Ausstellungs-Kommission:
Walter, Pfarrer. Anton Sinn, Kaufmann.
*) Das Lokal-Komitee besteht aus 200 Bürgern der Stadt Dortmund, die den verschiedenen Ständen angehören.
daß er gestern Abend fernen Plan verrathen, konnte er dieses Zusammentreffen zuschreiben. Er sah ein, daß er verloren war, daß nichts ihn vor dem Zucht- Hause retten konnte, denn wenn eS ihm auch gelang zn entkommen, der Föister hatte ihn erkannt, und die Folgen ließen nich: auf sich warten. ES kam wie Scham und Wuth über ihn: Scham vor seinem Weibe, das ihm das Heim so behaglich gemacht, daß ihn der Wald mcht locken sollte, und Wuth, weil das elende Gespött eines betrunkene« Menschen ihn in diese Lage gebracht hat und er, nachdem er zwei Jahre lang standhaft geblieben, beim erste« Fehltritt sich gefaßt sah. DieS alles durchzog blitzschnell seinen Gedankenkreis, — aber noch war er frei, noch hatte ihn der Grünrock nicht! „Ein elender Wilderer, der sich fassen läßt!" knirschte er durch die Zähne.
Der Förster schritt, ohne zu berück fichttgen, daß er dem kühnsten und verwegensten 8B Iberer gegenüber stand, auf Sepp zu und forderte ihn auf, die Flinte hinzuwerfen. Dieser aber lachte höhnisch und rief mit vor Ingrimm zitternder Stimme:
„Wenn Ihr Leben Ihnen lieb ist, — zurück!"
Gleichzeitig legte er die Büchse an seine Wange. : Ohne fich hierdurch schrecken zu lasten und die Worte , nicht in vollem Ernste nehmend, machte der Förster -
Deutsches Reich.
Berlin, 17. Juli.
* Der russische Kaiser hat, wie die .Kreuzztg.' gegenüber französischen Ableugnungen bestimmt versichert, in Wien bereits formell seinen Besuch für den 27. August ansagen lasten, und ebenso stehe eS fest, daß der Zar von Wie« aus nach Deutschland kommen werde, um hier mit dem Kaiser Wilhelm zu- sammenzutreffen.
* Zur Berliner Kirchevnoth wird der .Köln. Bolk-ztg.' aus Berlin geschrieben: Wer mit der Eisenbahn nach Berlin fährt, erblickt, ob er von Süden, Norden, Osten oder Westen kommt, schon fünf bis sechs Wegestuuden von der Hauptstadt zahlreiche Fabriken. In der Stadt dürfe« keine mehr angelegt werden, wenigstens solche nicht, welche die Lust verderben, und deshalb geht man „aus'S Land". In Berlin selbst werden viele Fabriken aufgehoben und auf da- Land verlegt. Jeder Fabrikant sucht billige Arbeiter zu bekommen, und die billigsten in Berlin sind die Polen und die Oberschlesier, welche fast sämmtlich katholisch sind. Die Folge« i« kirchlicher Beziehung kann man sich leicht auSmalen. Die Arbeiter ziehen in Gegenden, wo sich weder eine katholische Kirche noch Schule befindet, senden ihre Kinder in die protestantischen Schulen, und so wüt sie unverheirathet find, gehe« sie fast ausschließlich Misch-Ehen mit protestantischer Trauung ein. So wurde uns von einer Fabrik, um die sich schon in einem Jahre eine „Ortschaft" von Arbeiterwohnungen gebildet hat, von protestantischer Seite berichtet, daß dort seit kürzester Frist nicht weniger al» 120 Katholiken lebten, ohne daß den „römischen Geistlichen" von chrer Existenz etwa- bekannt sei. Die katholische Kirche hat diese Leute sicherlich nicht gerufen, so daß von „Propaganda" keine Rede sein kann, aber sie muß doch für sie sorgen. Wenn eS nicht geschieht, so liegt die Ursache an dem leidige« Priestermangel, der in der Stadt selbst noch immer in alter Weise fortdauert. Wann wird eS beffer? Wenn aber die geschätzten „Provinzialen" unter unfern Glaubengenossen nicht selten sagen: „Die Berliner sollen sich selbst helfen, wie wir eS auch thun." so sieht man, was von einer einer solchen Behauptung zu halten ist.
* Der freikonservativ: Abg. v. Kardorff nimmt in der .Post' das Centrum grgm die von den BiS- marckblättern erhobenen Anschuldigungen der Reichs- feindschast in Schutz. Gerade der gegenwärtige Zeitpunkt sei zu kulturkämpferischen Angriffen am wenigsten geeignet, zumal ohne die thätige Beihilfe des CentrumS auch der wettere schwere Kampf gegen Sozialdemokratie und Ranchesterthum überhaupt nicht mit Erfolg geführt werden könne. Und in derselben Nummer enthält die .Post' einen ebenso gehässigen als lächerlichen Ausfall auf das, Centrnm, die CentrumSpreffe und die „Kaplanokratie!" Danach scheint der Einfluß dcS Herrn v. Kardorff auf sein Parteiorgan doch nicht allzu viel zu bedeuten. UnS läßt das Lob
noch einige Schritte, — da aber krachte ein Schuß und der Beamte stürzte, in'S Herz getroffen, lautlos zu Boden.
„Er wollte ei nicht anders", murmelte Sepp, „er oder ich, — einer von uns beiden mußte fallen."
Und das Echo der nahen Berge warf den Donner des unheilvollen Schüsse- laut krachend zurück . . . . Der Mörder verlor sich in den Klüften.
* * ♦
Da- letzte Viertel bei Monde- blickte zuweilen dmch die dichten Wolkenmaffm, welche der Nordwind in rasender Eile vor fich hertrieb. Oft zu schwarzen Knäueln geballt, oft zu den wunderlichsten Figuren und Formen in- und durcheinander geschoben ober jäh zerrissen unb gespalten, zogen die Wolken am nächtlichen Himmel dahin, der, wenn fich auf Augenblicke der schwarze Schleier thettte, tiefe- Blau und einzelne goldfunkelnde Sterne, sowie die melancholische Mondsichel blicken ließ.
Ja den Kronen der Bäume heulte der Sturm und unbarmherzig rüttelte er an de« Testen und Zweige« und peitschte da- Laub wirbelnd durch die Lüste; einzelne Regentropfen klatschten zur Erde nieder, aber der Wind trieb die Wolken immer wieder von dannen