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Freitag, den 17. Juli 1896.
23. Jahraana
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________ mit zl«trrhalt«ngs KeitaKe „Kterne mü> Klmnen".
tete und dar tägliche Steigen aus der Tiefe einen zu großen Zeitverlust mit sich gebracht haben würde. Denn der junge Mann war jetzt fleißig und arbeitete von früh bis spät mit Lust und Liebe; er schaffte ja für seine Frau und sein gvldlocktgeS Bübchen, dar diese ihm nach Jahresfrist schenkte; und wenn er Abends spät erschöpft und ermüdet nach Hause zurücktehrte, dann fand er sich belohnt durch ein glücklich zufriedener Lächeln seiner braven WeibrS und das Jauchzen des Kindes, dann dampften die Schüsseln auf dem weiß» bedeckten Tische, und wenn drei Menschen diesen Umsätzen, dann gab er allerdings weit in der Runde kein glücklicherer, zufriedeneres Paar.
Denn Anna Maria war auch dar Muster einer tüchtigen, rechtschaffenen Hausfrau. Sie legte weniger Werth darauf, sich ihrem Manne gegenüber prahlend zu rühmen, was sie Alle« geleistet und den Tag über vollbracht habe, al- sie vielmehr darin ihren Ruhm suchte, die Arbeiten selbst, die Ordnung und Reinlichkeit, die blanken Zinnteller und die blühenden Wangen der pauSbackrgen Knaben für ihren Fleiß und ihre Unermüdlichkeit reden und Zeuguiß ablegen zu kaffen.
So flogen die Tage und Monate dahin und beiderseits nährte man nur den einen bescheidenen Wunsch, daß ei doch immer so bleiben möge.
Sonntag- Abends versammelten sich in der Wirth- schäft „Zum Lamm" die Einwohner der umliegenden Ortschaften, um dort bei einem Kruge Bier Ruhe und Erholung zu suchen von den Mühsalen des Alltage», um die Neuigkeiten, wenn er solche zu melden gab, miteinander auszutauschen und die politischen unb sonstigen Tagesereignisse zu besprechen. Da- „Lamm" galt als der Mittelpunkt und Versammlungsort von Rah und Fern und durfte sich kühn als Kasino der Gegend betrachten, wenn auch der steif vornehme Ton, wie er sonst in Kafinv'S zu herrschen pflegt, nicht vertreten war. Aber gute Getränke waren vorhanden und da- war den Leuten die Hauptsache; da» schaumende Bier hätte der bestm Restauration in der Stadt Ehre gemacht.
Auch Joseph Falkner pflegte Sonntags dort einzusprechen, denn da er die ganze Woche über fast allein thätig war und nur selten mit Anderen zusammentraf, so war eS ihm Brdürfniß, sich hier au-zusprechev, mit alten Bekannten zusammenzukommen und zu erfahren, was sich in der Welt von Bedeutung ereignet habe.
Eines Sonntags ging es laut im „Lamm" her; eine Schützenzesellschaft hatte sich den Nachmittag über mit Vogelschießen vergnügt, und wie e- bei solchen festlichen Gelegenheiten zu geschehen pflegt, hatte man dem «mge tapfer zugesprochen, und die Köpfe waren
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Deutsches Reich.
Berlin, 16. Juli.
Der Milderer.
Eine wahre Begebenheit aus dem bayerischen Hochgebirge.
(Fortsetzung.)
Monate waren seitdem verfloffen, Sepp und Maria ein Paar geworden und lebten so glücklich mit einander, daß sie allseitig beneidet und al- Muster des ehelichen Glückes aufgestellt wurden. Falkner hatte feit jenem Abend keine Flinte mehr angerührt und auch letzt als Mann seiner Frau dar feierliche Versprechen wiederholt, die Leidenschaft ganz in sich zu ersticken, xienn, toemt auch manchesmal und mit heftiger Gewalt
Mu Sogen in seiner Brust sich regte, so fand « doch m der Liebe zu seiner Braut und später zu & $teue und Anhänglichkeit, welche
25 den Tag legte, weil sie ihn ^brachte Opfer entschädigen wollte, und auch m dem Schwur, den er nicht brechen wollte, um nicht in den Augen seiner Frau als Schwacher und Meineidiger dazustehen, Halt und Stütze genug, um diese aufloderndrn Regungen niederzukämpfen.
Sepp hatte mit seiner wackeren Frau ein Häuschen bezogen, da» wie em Vogelnest am Bergrücken Lebte, über einen Blick m die Tiefe und auf die heimathliche Mühle gestattete. Er hatte absichtlich diese Höhe ge- wählt, weil er in der Nähe feine Holzarbeiten verrich
• Bon der Nordlandretse des Kaisers berichtet die ,Boff. Ztg.' unter dem 13. d. M. aus Christiania: Bom Kaiserschiffe „Hohmzollern" ist gestern auf Lär- dalSören ein Telegraphenkabel ans Land gebracht und mit der Leitung nach Christiania verbunden worden, wo durch eine Umschaltung eine eigene Verbindung mit Berlin hergestellt werden kann. Da» Schiff hatte selbst das Telegraphenkabel und alle uöthigen Apparate an Bord. Ein kaiserlicher Leibgendarm besorgt das Telegraphiren. Die Verbindung mit Berlin erwies sich heute als vorzüglich.
* DaS ,Armee-Berordn.»Bl/ veröffentlicht da» Gesetz, enthaltend Aenderunqen des Gesetzes, betreffend die FrtedeusprSseuSstLrke des deutschen Heeres vom 3. August 1893. Danach werden vom 1. April 1897 ab die Infanterie in 624 Bataillone, die Kavallerie in 465 Eskadron-, die Feldartillerie in 494 Batterien die Fußartillerie in 37 Bataillone, dte Pioniere in 23 Bataillone, die Eisenbahntruppen in 7 Bataillone, der Train in 21 Bataillone formirt.
* Der .Reichsanzeiger' veröffentlicht daS „Depotgesetz", sowie gleichzeitig in derselben Nummer daS „Schutztruppeuaeiek".
* Der Unterstaatssekretär der Südaftikanischen Republik Herr von Boeschoteu hat infolge der Plötz» lichen Erkrankung seines Söhnchens sich von Berlin nach Hamburg begeben. Wie wir von der ,Post' er- fahren, hat Herr von Boefchoten über den ungeheuren Aufschwung Deutschlands und insbesondere Berlin« während der letzten Dezennien seine Bewunderung ausgesprochen. Auch über die mehrfach von ihm besuchte Gewerdeau-stellung äußerte er sich schmeichelhaft.
* DaS neue LehrerbesolduugSgesetz, welcher zu demselben Zeitpunkt wie die Verbesserung der Beamtenbesoldungen dem Parlament wieder zugehen dürfte, nimmt nach den ,«. Pol. Nachr.' einen staatlichen Mehraufwand von 6,6 Millionen Mark zur Ber- mehrung der Dienstalterszulagen und Erhöhung des MoximalbetragrS auf 720 Mark in Aussicht. Da» offiziöse Blatt bemerkt hierzu: „Man kann, wenn im Herbst daS Lehrerbesoldungsgesetz zu Stande kommt, annehmen, daß der Staat rund 10 Millionen jährlich M Verbefferung der Diensteinkommens der Lehrer verwendet. Ts darf aber nicht unbeachtet bleiben, daß der Staat nicht allein oder auch nur in erster Linie dar Diensteinkommen der Lehrer bestreitet, sondern daß grundsätzlich verpflichtet find die Gemeinde, Schulgemeinde und -Verbände, denen die Unterhaltung der Volksschule obliegt, und daß der Staat nur aushilfsweise einen Theil des Diensteinkommens beisteuert. Seit 1890 ist von den leistungsfähigen Trägern der Bolksfchullast, insbesondere den größeren Städten, größtencheils auf Anregung und unter Einwirkung der StaaiSaufstchtSbehörde nicht Unwesentliches für die Verbi fstrung der Lehrergehälter geleistet worden. Wei-
Klaffe IV eingeschätzt, legte aber wiederum Berufung und Beschwerde ein und erzielte endlich Steuerfreiheit. Der erwähnte Artikel enthält die wichtigsten Aktenstücke diese- langwierigen SteuerprozeffeS wörtlich; sie dürsten für alle Anstalten ähnlicher Art sehr lehrreich sei».
C.V.C. Vom Wein, 16. Juli. Ueber eine Entlassungsfeier in einer Frankfurter Simultanschule schreibt der dortige evangelische .Kirchliche Anzeiger': „In einer „simultanen Mädchen-Bürgerschule mit katholischen Klassen" in Sachsenhausen wurden nach Schluß der Prüfungen die abgehenden evangelischen und katholischen Schülerinnen in Gegenwart der erschienenen Angehörigen mit einer Feier entlasten. Diese Feier, die von dem Rektor (kath.) der Anstalt geleitet wurde, schloß mit einer kurzen Ansprache und einem gemeinsam gesprochenen Gebet. Al» solches wurde da» Vaterunser in katholischer Form (d. h. ohne den Schluß) und daran anschließend das Ave Maria gewählt. So war da» letzte Gebet, das die abgehenden Schülerinnen in der Schule beten sollten, ein Ave Maria!" Damit soll allem Anscheine nach eine schreiende Verletzung der Parität durch den katholischen Rektor konstatirt werden. Run geben wir gerne zu, daß der Natur der Simul- tanschule nach das Ave Maria in eine solche nicht hinein gehört. Aber wie soll eS der Lehrer machen, ohne Anstoß zu erregen? Soll er dar Vaterunser in protestantischer Form beten? Dann würden sich wieder die Katholiken mit Recht beklagen. Der .Kirchliche Anzeiger' hätte daher die Gelegenheit benutzen sollen, um gegen die Unnatur der Simultanschule zu Felde zu ziehen und auf deren Abschaffung zu dringen. Im Uebrigen könnten wir Katholiken froh sein, wenn wir über keine schreienderen Parität-Verletzungen zu klagen hätten, wie hier der »Kirchliche Anzeiger'. Maria ist doch auch für die Protestanten die Mutter Gotte», und ihr eine Huldigung dargebracht zu haben, wird keinem Kinde Schaden bringen.
* Düffeldorf, 16. Juli. Bor einiger Zeit ereignete sich in einer hiesigen spiritistischen Versammlung der Umstand, daß eine absichtliche Störung der Veranstaltung vorkam, obwohl alle Erschienenen ihr Ehrenwort abgegeben hatten, die Sache durchaus ernst zu behandeln. Der Thäterschaft wurde ein Referendar beschuldigt, der sich dagegen wehrte und verschiedene Forderungen erließ. Einer der von ihm Geforderten erklärte, daß er die Forderung nicht annehme, weil der andere sein Ehrenwort gebrochen habe, worauf der letztere ihn thätlich insuMrte. Hierfür hat der betreffende Herr, ein Gerichtsreferendar, der mittlerweile von hier verschwunden ist, laut ,K. Ztg.', eine Geldstrafe von 10 Mk. erhalten; über den Bruch des Ehrenworts fällte das Gericht keinen Spruch. Unter den Geforderten befanden sich auch ein Rittmeister a. D. und ein Premier- Lieutenant der Landwehr a. D. Dieserhalb hatte sich der Ehrenrath zunächst mit der Sache zu befassen, der den Herausforderer als fatissaktionsfähig erklärte. Die beiden genannten Herren lehnten gleichwohl die Annahme der Forderungen ab, und so fand nochmals unter Aufbietung deS ganzen Apparats eine mehrere Tage dauernde Sitzung des Ehrenraths statt, deren Ergcbniß nunmehr bekannt wird, und zwar durch die davon Bettoffenen selber. Heute veröffentlichen die beiden Herren, Frhr. v. Ehrhard, früher Rittmeister, und v. Kamptz, Premier-Lieutenant der Landwehr a. D., eine Erklärung in der .Düsseldorfer Zeitung', in der es heißt: „Im Vollgefühl unserer
tere» steht in Bezug auf die am schlechtesten dottrten Lehrerstellen durch die in dem Lehrerbesoldungsgesetz vorgesehene Festsetzung eine» Mindestbetrage» für da« Anfang»- (Grund-) Gehalt und durch die Ausführung der Bestimmung in Aussicht, inhaltS deren zu prüfen ist, ob das Diensteinkommen der Vorschrift der Gesetze» entspricht, daß jeder Lehrer ein nach den örtlichen Verhältnissen und der besonderen Amtsstellung äuge- meffene» Diensteinkommen beziehen soll. Diese Leist- nngen fallen in erster Linie dm SchulunterhaltungS» pflichtigen zur Last, doch ist bei Finanzirung de» LehrerbesoldungSgesetzeS zm Unterstützung leistungsschwacher Gemeinden u. s. w. die Einstellung einer Mehrausgabe von jährlich 400000 Mark in den Staatshaushaltsetat in Aussicht genommen.
ft. An die Nachricht, daß der Erzbischof von Posen und Gnesen die Errichtung eines Kuaben- feminars beabsichtige, hatte dar hiesige Bi-marckblatt gehässige Bemerkungen geknüpft und den Kultusminister um seine Ansicht in der Sache interpellirt. Mit gutem Recht weist ein offiziöses Blatt au» diesem Anlaß auf unsere RechtSbestimmuugm hin, wonach die kirchlichen Obern befugt sind, Konvikte für Gymnasialzöglinge rc. zu errichtm und zu unterhalten, ohne hierzu einer vorhergehenden staatlichen Genehmigung zu bedürfen. Dagegen sind sie dazu verpflichtet, dem Minister der geist- lichen Angelegenheiten die für diese Konvitte geltenden Statuten und die auf die Hausordnung bezüglichen Borschristm einzureichen, sowie eine Liste der Leiter u»d Erzieher, welche Deutsche sein müffen, mitzutheilen.
* Da» sozialdemokratische Centralorgan hat den AuSschlutz der Aruachtsteu vom internationalen Sozialistenkongreß verfügt; daS treibt dieAnarchisten dazu am 30. Juli in Baden einen Sonderkongreß abzuhalten, der gleichfall» den Charakter einer internationalen Konferenz annehmm soll und auf dem neben den berüchtigten Agitatoren Cipriani und Merlini Fürst Kropotkin und der Brüsseler Professor RekluS erscheinen werden. Die Errichtung einer festen Or- ganisatton nach dem Muster der von London au» die Direktive ertheilenden „Associated Anarchist»“ ist jetzt da» nächste Ziel.
+ Trier, 16. Juli. Betreffs der Besteuerung wohlthätiger Anstalten ist ein von Dr. Görtz verfaßter Artikel de» ,Pastor bonus‘ (Zeitschrift für kirchliche Wissenschaft und Praxi») im soeben au-gegebenen Julihefte sehr interessant. Die Krankenbrüder in Trier besitzen keine Korporationsrechte, haben aber, damit fu nicht ihre Vermögen »-Objekte auf die Namen einzelner Ordens-Mitglieder stellen müffen, eine Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht gemäß dem Gesrtze vom 1. Mai 1889 gegründet. Sie wurden zu f einem außerordentlich hohen Gewerbesteuer - Satze in Klasse I eingeschätzt, legten aber dagegen Berufung ein. Die Sache ging bis zum OberverwaltungS - Gerichte, welche» die Berufs-Entscheidung aufhob und die Vorder- Instanz mit anderweitiger Entscheidung beauftragte. Nun wurde die Kongregation in der Gewerbesteuer-