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Montag, den 13. Juli 1896.
23. Jahrgang
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Diese Gefährlichkeit der außereuropäischen oder Welt-
land gebracht, sie ist aber doch zu beschränkt, um Wirk-
Nordamerika in gleichem Schritt wie unser Handel auch
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mit Unterhaltrmgs-Keilagr „Sterne mrd Klrrrnrrr"
oberung de» für ihr« Verbindung mit Indien um dar Kap der guten Hoffnung so wichtigen Madagaskar durch die Franzosen ruhig hätten gefallen lasten, wenn nicht hinter den letzteren — die Rusten ständen.
Die europäifchen Bündnisse bilden also nicht allein eine Versicherung für den europäischen, sondern auch für de« W e l t frieden. Daraus ergibt sich ber innere Zusammenhang zwischen Weltpolitik und europäischer Politik. Und wiedieeuropäische Politik, die überall auf die Erhaltung deS Friedens gerichtet ist, dazu dient, auch den Weltfrieden zu erhalten, so ist eben wegen jener inneren Zusammenhangs umgekehrt auch die außereuropäische „Weltpolitik", die überall auf Eroberung und Machtvergrößerung auSgeht, geeignet, nicht nur den Weltfrieden, sondern auch dm europäischen Frieden zu gefährden. Mit. anderm Worten: die europäische Politik nahezu aller Großmächte will dar Gleichgewicht in Europa und damit den Frieden erhalten, ihre außereuropäische Politik aber strebt nach Machterweiterung und ist daher gefährlich für den Frieden.
liche Kriegsgefahr zu verursachen; dagegen ist England dnrch seine bekannte koloniale Unersättlichkeit in den letzten Jahren mehrfach mit den verschiedensten Mächten in Streitfälle verwickelt worden, die, wenn er nicht schließlich das Hasenpanier ergriffen hätte, den Weltfrieden ernstlich hätte gefährdm können. Gesteigert wird die Gefährlichkeit der überseeischen Politik ferner dadurch, daß bei dieser die Jnterefsen der in
Standhaft und trerr!
Novelle von Tlarisse Borges.
------- (Nachdruck verboten.)
............. u politisch an dm entlegensten Punkten der Erde in Wettbewerb zu treten, so wäre er nur sehr schwer, wenn überhaupt zu verhüten, daß wir mit einer jener Mächte, vielleicht auch mit mehreren, in ernste, dm Wilfrieden gefährdende Streitigkeiten verwickelt würden. Solche Streitigkeiten »erben in letzter Linie aber stets, wie bie ,Nario»alztg.' mit Recht betont, in Europa auS- gefochten; so stark auch unsere Flotte sein mag, bie Entscheidung wirb immer auf bem Lande erfolgen. Sehr richtig hebt das genannte nationalliberale Blatt auch hervor, daß heute keine einzelne Macht mehr im Stande ist, au» eigener Kraft „Weltpolttik" zu treiben, weil sie dabei immer auf mehrere, also stärkere Gegner treffen müßte. Der Gedanke an eine deutsche „Weltpolitik" großen Stils mittels einer gewaltigen Hochsee-Flotte muß daher nicht nur der Steuerzahler, nicht nur des Gutes, sondern auch des Blutes wegen ans's entschiedenste zurückgewiesen werden.
* lieber ,,Weltpolitik" | finden wir in dem Berliner Organ der Nationalliberalen > einen Artikel, deffen Ueberschrist an die ähnlich überschriebenen Artikel der mittelparteilichen Presie erinnert, die nach der Rede deS Kaisers vom 18. Januar d. I. zugleich mit den phantasiereichen FlottengrÜndungS- plänen so viel von sich reden machten. Es läge daher von vornherein die Bermuthuug nahe, daß jener l Artikel der .Rationalzeitung' wiederum nur die Ein- 6 leitung zu einem Preßfeldzuge zu Gunsten der jetzt \ wieder so viel befprochenen „Flottenpläne" bilden | sollte. Bei näherem Zusehen jedoch zeigt sich, daß der i Artikel eine vorwiegend theorettsche Betrachtung über |
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Gelegenheit gibt, einem mittelparteilichen, marine- schwärmerischen Blatte neue Waffen zur Bekämpfung der „Flottenpläne" zu entnehmen.
Der Artikel deS nationalliberalen Parteiorgans legt dar, daß die B ü n d n i f f e der europäischm Großmächte, die doch die Grundlagen der europäischen Polittk bilden, für die Weltpolitik eine unmittelbare Bedeutung nicht besitzen. Mit Recht wird auf eine Aeußerung der Organs der konfervattven fpanifchm Regierung, der .Epcca', verwiesen, die gegenüber den Schwärmereien für ein spanisch-französisches Bündniß
Dr. Werdenbach beschattete seine Augen mit der Hand. O, wie gern hätte er an Stelle seiner Mutter der jungen Dame einige Worte in’8 Ohr geflüstert, Z freilich nicht Befehle, die für die Köchin bestimmt \
zufrieden? Hat sie Deine Erwartungen erfüllt, ober bist Du enttäuscht?"
. »Leo, Du hast eine gute Auswahl getroffen; bie junge Dame ist wirklich entzückenb. Ich liebe sie wie meine eigene Tochter unb fürchte schon jetzt bie Zeit, """ fi-«ich verlassen wirb."
„Will sie fort, Mama — warum — wann?" fragte er betroffen.
„Warum ? wie thöricht kannst Du boch fragen, um sich zu verhewathen, natürlich; sie wirb sich boch eme eigene Häuslichkeit gründen wollen!"
»Ich wußte es nicht, ich hatte wirklich keine Ahnung, daß Fräulem Rose verlobt war," stammelte er endlich, denn er zweifelte nicht baran, baß sie ver- lobt fet, balb hemtthen unb folglich sie verlassen werde.
Deutsches Reich.
Berlin, 11. Juli.
* Mit dem Centrum ist man in Friedrichs- ruh gegenwärtig wieder sehr unzufrieden. Nach dem so kläglich gescheiterten Versuche, ihm bei dem Bürgerlichen Gesetzbuche ein Bein zu stellen, begreift sich dar vollkommen. In FriedrichSruh findet man das Centrum noch immer reich-feindlich und phantafirt noch immer von dem Bündniß zwischen „Ultramontanen, Polen, Welsen unb Franzosen." Da bie alte Methode aber, wie bie jüngste Entwickelung gezeigt hat, nicht recht mehr zieht, so fängt man eS einmal anders an. Man übertreibt den Einfluß bei CentrumS auf bie Regierung unb sucht mit ber Aussicht auf eine vom Zentrum geleitete Regierung zu schrecken. „Klerikale BertrauenSmänner" überschreiben bie ,Hamb. Nachr.' einen Artikel, ber in boshafter Weife ben Ministern v. Marschall unb v. Bötticher Aussicht auf bie Nachfolgerschaft beS Fürsten Hohenlohe eröffnet, weil sie Vertrauensmänner ber kitenben Partei des Reichstages feien. Off mbar soll mit bieser Bosheit auch ben beiben, bem Fürsten Bismarck verhaßten Ministern ein Stein in ben Weg geworfen werben. Wirb boch ber Haß gegen sie wieber recht deutlich sichtbar in der Bemerkung: An der nöthigen Geschmeidigkeit wirb eS beiden nicht fehlen." Daß bie Herren v. Marschall unb v. Bötticher im C-ntrum Vertrauen genießen, ist richtig unb hat seine guten Gründe. Richtig ist auch, daß ihr Verhalten gegen dar Centrum versöhnlich gewesen sei. Sie genießen ober auch da- Vertrauen anderer Parteien und find gegen diese versöhnlich, so daß da- Centrum hier einen besonderen Vorzug nicht genießt. Wenn sie mit den Konservativen weniger gut au-kommen, so liegt da- lediglich an diesen. Daß dar Centrum, wie die ,Hamburger Nachr.' behaupten, stets warm für die beiden Minister eirtgetreten fei, ist nicht wahr. ES hat sich unb^rünbeten sie zu verkehren pflegte,' wenn sie ftüher mit ihrem Vater in der Residenz war.
Daß aber ihre Gedanken noch oft und gern in ihrer alten Heimath weilten, war zu natürlich. Seit langer, langer Zett hatte sie von Alma SteiufelS keine Nachricht erhalten, und fast wünschte sie, nie mehr etwas von ihren früheren Freunden zu hören, aus Furcht entdeckt zu werden.
So faß sie beitn an einem heiteren, sonnigen Herbsttage im traulichen Wohnzimmer, eifrig befchäfttgt, ein altdeutsches Lieb zu tranSponiren, welcher sie gern singen wollte, das aber für ihre Stimme zu hoch lag, al» Frau Werdenbach sanft ihre Hand auf ihre Schulter legte.
„Mein liebes Kind, Sie arbeiten zu fleißig; legen sie die Feder hin, ich möchte mit Ihnen plaudern," begann bie alte Dame wohlwollend.
Rose blickte auf; das unbestimmte Gefühl der Bangrgkeit, was sie oft beschlich, erfüllte wieder ihre Seele.
„Wir leben nun schon seit Monaten zusammen," fuhr sie fort, als Rose überrascht aufschaute, „und Sie wissen, daß ich Sie wie mein eigenes Kind liebe, unb darum möchte ich Sie so gern mit Ihrem Vornamen nennen. Wie heißen Sie denn eigentlich? Fräulein Rose klingt mir jetzt allzu förmlich."
Rose wandte sich ab. Die Frage kam ihr zu plötz-
So war eS auch natürlich, daß in der lieblichen Mädchenblüthe, die sich hier in dem behaglichen, reichen Hause zu einer vollendete» Schönheit entfaltete, Niemand die arme blaffe Musiklehrerin wiedererkannte, die vor wenigen Monaten in ärmlicher Umgebung da» tägliche Brod mühevoll erwarb.
Anfänglich hatte sie em Erkennen gefürchtet, bei jeder Gelegenheit sich scheu zurückgezogen; doch bald gewahrte sie zu ihrer nicht geringen Freude, daß die Besucher ganz anderen Kreisen angehörten, als in denen
„Davon weiß ich auch nicht»," versicherte die alte Dame, und sie legte sorgfältig ihr Strickzeug zu- famm:n, „sie hat mir nie ein Wort davon gesagt."
„Wohlan, Mama, um Deinetmillen will ich hoffen, daß dieser Tag noch fern ist," erwiderte Leo sichtlich erleichtert, und beide betraten da» Speisezimmer.
8. Kapitel.
___ , . ... — ------, Rose befand sich in ihren neuen Verhältnissen sehr
waren, sondern Liebesworte, die liebliches Erröthen ■ zufrieden und glücklich. Rach und nach hatte ihr Frau auf ihre Wangen gezaubert hätten. tz Werdenbach mancherlei Pflichten des Haushaltes über»
»Nun, Mama, wie bist Du mit Fräulein Rose 1 tragen; und die Dienerschaft, die bereit» schon im S langjährigen Dienste der Herrin ergraut war, liebte unb verehrte da» junge Fräulein.
„Sie ist eine Dame, die schon oft eine Dienerschaft unter ihrem Befehl hatte, unb die unsere Gefühle achtet," lautete das Urtheil der Dienerschaft über sie in der Gefindestube.
da» Berhältniß der „Weltpolitik" zum Weltfrieden bietet, ohne praktische Schlußfolgerungen nach Art der Marineschwärmer zu ziehen; ja, in seiner Beweis- i führnng kann der Arttkel sogar nur dazu bienen, ; ben Schwärmern für eine „Weltpolitik" mittel» einer : starken Hochsee-Schlachtflotte sehr viel Waffer in ihren j Wein zu gießen. Unter ben gegenwärtigen Ber- j hältnisie« mag e» daher nicht ohne Jnteressr und nicht ? ________
ohne Werth fein, au» den theoretischen Betrachtungen Politik ist um so größer, je begehrlicher sie ist und je der .Rationalztg.' die praktisch-politifchen Folgerungen ? mehr dadurch die verschiedenen Mächte untereinander zu ziehen. Da» soll im Folgenden unsere Aufgabe s in Konflikt geraden können. So hat uns z. B. unsere sein, der wir uns um so lieber unterziehen, als sie uns deutsche Koloniapolitik manche Reibereien mit Eng-
Regierung, der ,Eprca', verwiesen, die gegenüber den Europa befreundeten Mächte häufig nicht überein» Schwärmereien für ein spanisch-französische» Bündniß stimmen. So haben z. B. Italien und England in etwa Folgende» aursührte: „Der Dreibund beschränkt Nordasrika, Oesterreich-Unxarn und England im türki- fich wie bie Vrrbinbung Frankreichs und Rußland» scheu Orient eine sehr weitgehende Juteress«gemein» nur auf das europäische Festland; hinsichtlich der fchast, während die deutschen und englischen Interessen kolonialen Angelegenheiten laffrn sie jeder Macht die s fast überall feindlich aufeinanderstoßen. Das hat vor Freiheit de» Handklns, Sieg oder Niederlage stehen \ einiger Zeit eine gewisse gereizte Spannung zwischen auf dem Konto de» einzelnen Staates, dar Gesammt- Deutschland und feinen beiden anderen Verbündeten konto der Verbündeten berühren sie nicht. Auf ihre zur Folge gehabt, eine Spannung, die zum Glück durch Gefahr hin haben die Italiener ihren Feldzug gegen Deutschlands Entgegenkommen gegen England in der Menelik unternommen, ohne russische Hilfe die Franzosen Frage der Verwendung de» ägyptischen Reservefonds Madagaskar erobert. UnL Spaniern würde ein Bünd-§ zur englischen Sudamxpedttion beseitigt wurde, die mß mtt Frankreich nicht einen einzigen Soldaten zur? aber immerhin leicht wiederkehren und dadurch die Unterwerfung Kubas verschaffen." Das scheint zunächst | Geschloffenhet des Dreibunds beeinträchtigen kann, ganz richtig zu sein, bedarf ober doch sehr der Sin- z Doch brauchen wir uns wegen solcher Spannungen schrär.kung. Denn einen gewiflen, sei eS auch nur - und Verstimmungen keine große Sorge zu machen, so mplomatisch-moralischen Rückhalt bei der überseeischen | lange wir uns auf unser bisheriges begrenztes Maß "Weltpolitik", gewähren die europäifchen < von überseeischer Politik beschränken. Wenn wir aber
Bündnisse trotzdem; ohne den Dreibund hätte der Krieg zu einer Weltpolitik im großen Sttle übergehen woll- ul't Menrlik für Italien doch leicht die Gefahr eine» ’ ten und, gestützt auf eine neue große Hochsee - Flotte, ftlwzösischen Angriff» bringen können, ebenso wie eS I ben Anspruch erhöben, mit England, Frankreich unb höchst zweifelhaft wäre, ob sich die Engländer die Er- Nordamerika in gleichem Schritt wie unser Handel auch