Einzelbild herunterladen
 

23. Jchrgana

DoMerstag, den 9. Juli 1896.

M 155

ulimerWZeitlliii;

200—300 Millionen Mark kosten, eine hübsche Summe, I weis auf die schlechte wirthschafrliche Lage verneint. Handwerkerfrage zu Gebote stehen, und dem namentlich aber nach der bekannten Rede, die der Großherzog Hoffentlich stellen sich die Freunde der genannten l in seiner Eigenschaft als Abgeordneter so manche Wege von Baden in verschiedenen Variationen bei jedem I Organs des „Bundes der Landwirthe" im Reichstage offen sind, dem Gesellenverein nützlich zu sein, dies

stets als eine Herzensangelegenheit betrachten wird.

12] Die herbei.

mit Unterhaltung- KeUage „Sterne und Klurrreu"

daß der genannte Herr, dem so reiche Kenntnisse auf dem sozialen Gebiete, so viele Erfahrungen in der

* Auch Deutschland wird sich, wie der deutsche Botschafter in Paris der ftanzösischen Regierung amt« sich mitgetheilt hat, an der Pariser Weltausstellung im Jahre 1900 betheiligen.

* Der Wahlkreis Mvutjote- Schletden-Malmedy (Regierungsbezirk Aachen) wird für da» Abgeordneten­haus eine Neuwahl zu vollziehen haben. Dar Mandat der bisherigen Abgeordneten Jerusalem (Centr.) ist nämlich durch dessen Beförderung zum Landgericht-- Direktor des Landgericht» zu Essen erloschen.

* Die Novelle zur Gruudbuchorduung. die am 1. Januar 1900 gleichzeitig mit dem bürgerlichen Ge­setzbuch, durch welche» sie nothwendig geworden ist, in Kraft treten muß, ist nach der ,R. Allg. Ztg.' im Entwurf fertig und wird alrbald dem BundeSrathe unterbreitet werden.

Standhaft nnd treu!

Novelle von Clarisse Borges.

------- (Nachdruck verboten.)

Wirthin hatte dm Fall gehört, und eilte schnell

Die Wirthin konnte keine Auskunft geben.

„Sie gibt Klavier- und Gesangunterricht," erklärte die Wirthin, „aber ich habe noch niemals gesehen, daß sie Briefe oder Besuch von ihrer Familie bekommen hat."

Doktor Werdenbach verließ sinnend das Kranken­zimmer. Seine neue Patimtin» die außer der gut- müthige» Wirthin kein befreundete» Wefen zu habe« schien, flößte ihm da» größte Jntereffe ein.

„Sie ist aber zweifello» aus sehr guter Familie," dachte er bei sich selbst, „aber welche traurigen Ver­hältnisse mögen sie veranlaßt habm, durch Gesang­unterricht ihren Lebensunterhalt zu erwerben? Ich sah auf ihrem Pianino Profeffor Müller» Adreffe; — er ist mein Freund, vielleicht kann er mir Auskunft geben," sann er weiter, seinen Weg fortsetzmd.

Aber entweder wollte der Profeffor die gewünschte Auskunft nicht geben, oder das Vertrauen nicht brechen, welches sein Schützling in ihn gesetzt hatte.

Rose rang indessen wochenlang zwischen Tod und Leben, und trotz der sorgsamm Pflege konnte die tückische Krankheit nicht besiegt werden.

„Wenn wir nur die Veranlassung zu ihrer ersten Ohnmacht wüßtm, so würde vielleicht eher zu helfen

12 großen Schlachtschiffen der Klasse des „Kaiser Friedrich", die nothwendig seien, damit Deutschland sich zur See „behaupten" könne. So ein „Kahn" kostet aber mit Geschützen die Kleinigkeit von 24 Millionen Mark; jener Plan würde also im Ganzen, d. h. für noch 11 solcher Schiffe, „bloß" 264 Milliönchen kosten. Damit ist aber, wie ein „Sachverständiger" in der .Deutschen Tageszeitung' auseinandersetzt, die Sache keineswegs erledigt; die Grundsätze der heutigen Seetaktik erfordern näm­lich für jede» Panzerschiff im Geschwader-Verbande je einen, und zwar möglichst einen gepanzerten Kreuzer. Nun haben wir bereits vier, allerdings nur „geschützte" (theilweise gepanzerte) Kreuzer, und ein Panzerkreuzer ist im Bau; eS blieben also für jene 12 Schlachtschiffe noch 7 Kreuzer — erster Klasse natürlich — zu bauen. So ein Dingelchen kostet gegen 17 Millionen, sieben also 119 Millionen. Der ganze Plan würde daher 264 4- 119 — 383 Millionen Mark kosten. Nun kommt der .Hannov. Sour.' mit der sehr bestimmten Versicherung, e» sollten (vorerst) „nur" noch drei neue Panzerschiff- erster Klasse gefordert werden, so daß uns also für den nächsten Winter eine Marinevorlage von 72 Millionen, ohne die Kreuzerforderungen, be­vorstände. Allerdings sollen jene drei Neubauten nur al» Ersatz für die alten Panzerschiffe „Kaiser", „König Wilhelm" und „Deutschland" verlangt werden. Diese drei älteren Schiffe sind aber keine Schiffe von der neuen großen Klasse der „Kaiser Friedrich". Sollten sie daher wirklich — was auch noch zu beweisen ist — nur noch ganz kurze Zeit brauchbar sein, so wäre der Reichstag doch nicht verpflichtet, als Ersatz für sie viel größere und kostspieligere Schiffe zu be­willigen.

[] Angenehme Aussichten.

Der Reichstag ist kaum in seine großen Sommer- ferien gegangen, nach einer Tagung, die den Steuer­zahlern das theure Bataillonsgesetz bescheert hat, und schon wieder ist die Rede von kolossalen Neufor- derungen für Militär und Marine. Schon bei Einbringung des BataillonSgesetzes baben wir darauf hingewiesen, daß die neuen nm au» 2 Bataillonen bestehenden Regimenter demnächst ebenso nach ihren dritten Bataillonen „schreien" werden, wie vordem die Halbbataillone nach ihrer „befferen Hälfte." Die krieg»gemäße Ausbildung der neuen Rumpf-Regimenter kann, da» sieht wohl auch jeder Nichtmilitär ein, un­möglich eine so vollkommene sein, wie die der Boll- Regimenter; daß unsere militärischen Kreise darüber geschwiegen haben, so lange da» BataillonSgesetz im Reichstag auf der Tagesordnung stand, und vorsichts­halber auch jetzt noch schweigen, ist leicht zu verstehen. Anstandshalber müssen doch erst die obligaten „Er­fahrungen mit den neuen Regimentern" abgewartet werden. In 2—3 Jahren aber, spätesten» beim Ab­lauf de» 1893 beschlossenen, bi» 1899 geltenden Gesetze» über die FriedenSpräsenzstärke wird man so sicher, als zweimal zwei vier ist, auf Grund der „Erfahrungen", deren Srgebniß schon heute gar nicht zweifelhaft sein kann, die Vervollständigung der Rumpf-Regimenter auf Voll-Regimenter fordern.

Eine weitere angenehme Aussicht eröffnet sich den Steuerzahlern durch die Einführung von Schnell­feuergeschützen in der französischen Armee, ein Beispiel, da» unsere deutsche Militärverwaltung bei dem bekannten internattonalen Wettrennen um die

Erscheint tckzktch, S«m- «xb fteiextoge ondgeitoutme*. — Vierteljährlicher Abonnement »preis ohne Bringerlohn nnd Bestellgeld in Fulda und »uSwärtS 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten di« einspaltige GarmondzeSe oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

„Welche Zeitung war eS?" fragte Agnes, die häufig aus dem Hotel hrrüberkam, um ihre Tante in der Pflege zu unterstützen.

„ES war der Anzeiger — ja, ich erinnere mich ganz genau, eS stand die Liste der gefallenen Stieger darin. — Nun, Agnes, befremdet Dich das so sehr?"

Agnes war bleich geworden.

„Run kann ich mir die Ursache leicht erklären," rief sie erregt. „Rittmeister von Haller» Name stand in der Liste der Gefallenen; die Zeitungen werden bei un» alle aufbewahrt, ich will doch nachsehen, ob ich mich vielleicht geirrt habe."

Schnell eilte sie davon; sie mußte Gewißheit haben. Doch kaum am Ziele, blieb sie wie angewurzelt stehen. Eine ungeheure Bolktmenge stand vor dem Portal und begrüßte mit lautem Hurrah! die ersten heimkehrenden Krieger. DaS kleine Häuflein bestand nur aus Inva­liden oder RekonvaleScenten, die mit enthusiastischer Freude bewillkommnet wurden.

Agms betrat die Halle; sie bahnte sich nur müh­sam einen Weg durch die Menge und stand zu ihrem Erstaunen dem braven Tanner gegenüber.

„Ah, Agne», hast Du allein kein fteundliche» Wort für mich?" scherzte der biedere MarSsohn, schelmisch

In dem Glauben, daß nur die übergroße Schwäche die Ohnmacht verursacht habe, wandte sie alle ihr zu Ge­bote stehenden Mittel an, das Bewußtsein zurückzurufen. Aber weder kalte» Waffer noch wohlriechende Essenzen Utten den gewünschten Erfolg; sie rieb Stirn und Hande, jedoch Fräulein Rose schien nicht zum Leben erwachen zu wollen. Da sandte sie in ihrer Noth zu oem nahe wohnenden Arzt, Dottor Werdenbach, der «ust das Haupt schüttelte, als er den Zustand der «amen untersucht und erfuhr, wie lange die Ohn­macht schon gedauert hatte.

wird ein heftige» Rervenfieber geben," erklärte der Arzt am folgenden Tage, „hat sie große Aufregung unerwartet eine schmerzliche Nachricht erhalten?" , daß ich wüßte," versetzte die Wirthin, „sie die Zeitung, während ich den Thee Bereitete, und da fiel sie nieder."

, -Ihre Familie muß benachrichtigt werden," be­stimmte der Arzt, „hat sie keine Eltern?" ।

Kriegervereinsfest int schönen Lande Baden zu halten auf denselben ablehnenden Standpunkt. Des Näheren pflegt, ist ja kein Opfer für die Wehrkraft zu groß ... auf seine Beweisführung einzugehen, wird sich viel-

Selbstverständlich wird man eine solche Summe nicht leicht demnächst noch Gelegenheit finden. Für heute

auf einmal fordern, das macht aber keinenwesent- wollen wir uns damit begnügen, zu zeigen, welche lichen Unterschied. „angenehmen Aussichten" aller Wahrscheinlichkeit sich

Dasselbe gilt von der geplanten F lottenv er- binnen Kurzem für die deutschen Steuerzahler eröffnen mehrung. Seitdem der Kaiser bei dem Stapellauf werden; für den Reichstag aber heißt ei: „Land- des großen Panzerschiffs „Kaiser Friedrich in." von ^raf, werde Hartl_____________________________

dm Nachfolgern gesprochen hat, die dieser Schiffsbau noch haben solle, werden in verschiedenen Mittelpartei- -iXHIfuJCS vtClCg*

lichen Blättern schon recht „erfreuliche" Angaben über Berlin, 8. Juli,

den Umfang der bestehenden Flottenpläne gemacht, die * Der WohlthättgkeitSfiu« der Katholiken, natürlich nicht „uferlos" sind, deren jenseitiges Ufer I namentlich für kirchlich-religiöse Zwecke, hat aber doch stattlich weit vom diesseitigen entfernt ist; I sich auch im Jahre 1895 wieder bewährt, wie sich zur Ueberbrückung dieses „Marinestücks" wird ein I aus folgender Veröffentlichung in der ,Berl. Korrefp.' Adener Solosfalbau von Brücke nothwendig fein. I ergibt: „Im Bereich de» Kultusministeriums find an Einige marineschwärmerische Blätter reden bereits von I Zuwendungen, welche im einzelnen Falle den Betrag

von 3000 Mark übersteigen und demnach gemäß den Bestimmungen in § 2 de- Gesetzes vom 23. Februar 1870 der Allerhöchsten Genehmigung bedurften, zu verzeichnen: An evangelische Kirchen und Pfarrgemeinden 117 Zuwendungen imGesammtbetrage von 1 870 54656 Mark (hiervon Werth der nicht in Geld gemachten 420 830 Mark); evangelisch-kirchliche Anstalten, Stift­ungen, Gesellschaften und Vereine 27 mit 832 333 45 Mark (20 000 Mark); BiSthümer und die zu den­selben gehörenden Institute 24 mit 936 405 Mark (344000 Mark); katholische Pfarrgemeinden und Kirchen 123 mit 1568 640 03 Mark (308 84153 Mark); katholisch-kirchliche Anstalten, Stift­ungen u. s. w. 37 mit 603 001 Mark (268 300 Mark); Universitäten und die zu denselben gehörenden Institute 10 mit 171300 Mark (44 000 Mark); höhere Lehranstalten und die mit denselben verbun­denen Stiftungen u. s. w. 13 mit 231229 75 Mark (40000 Mark); Volksschulgemeinden, Elementar­schulen beziehungsweise die den letzteren gleichstehenden Institute 6 mit 41100 Mark (5000 Mark); Taub­stummen- und Blinden-Anstalten 8 mit 58 500 Mark; Waisenhäuser und andere WohlthätigkeitSanstalten 3 mit 76 000 Mark; Kunst- und wissenschaftliche In­stitute, Anstalten u. s. w. 3 mit 14 000 Mark (8000 Mark); Heil- u. s. w. Anstalten 9 mit 152 600 Mark (8000 Mark); im Ganzen 380 mit 6 555 155 79 Mark (1466 97153 Mark).

* Professor Dk. Hitze, dem bekannten Sozial­politiker und Reichstagsabgeordneten, ist durch den Generalpräses der katholischen Gesellenvereine dadurch eine besondere Ehrung zu Theil geworden, daß er ihn zum EhrenpräseS de» Vereins ernannt hat. Mit dieser Ernennung soll Herr Dr. Hitze die Befugniß haben, in Versammlungen de» katholischen Gesellen- Vereins, wo immer dieselben auch ftattfinden, mit» zurathen und mitzuthaten. Wir sind überzeugt davon,

stärkste Wehrmacht aller Voraussicht nach gar bald

M Nachahmung anspornm dürfte. Er hat uvr daher Der „Sachverständige" der ,D. Tagesztg.', an­gar nicht gewundert, als wir heute in einem Berliner scheinend ein früherer Marine-Offizier, bekämpft Blatte lasen, bei den diesjährigen deutschen Manövern diese Pläne sehr entschieden, wenn er auch zu einigen sollten bereft» Versuche mit Schnellfeuergeschützen ge- kleineren Zugeständnissen bereit ist, indem er ihre Noth- macht werden. Die Einführung dieser Geschütze würde I Wendigkeit bestreitet und ihre Möglichkeit mit dem Hin-