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J£ 153 Dienstag, dm 7. Juli 1896. 23. Jahrgang

FuIdaerMZeitiini;

mit Unterhattrmgs-KeitLge „Sterne und Klumen".

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Jf Das Duell im Heere.

Von verschiedenen Seiten wird jetzt bestätigt,"°?äß man im KriegSministerium eine Verschärfung der über die Ehrenräthe bestehenden Bestimmungen zu dem Zwecke plant, Duelle in der Armee „nach Möglichkeit" zu verhindern. Dar ist immerhin ein beachtenSwerther Erfolg der Reichstags-Verhandlungen über den Duell­unfug und ein Zugeständniß an die öffentliche Mei­nung, da» als erster Schritt zur Beseitigung des Duellunwesens mit Genugthuung zu begrüßen ist. Aber freilich: mehr als einen „ersten Schritt", als einen kleinen Anlauf zur Befferung bedeutet der Plan des KriegSministerS nicht.

Im Einzelnen läßt sich dieser Plan allerdings noch nicht beurtheilen, weil er selbst bis auf den allgemeinen Grundgedanken, die Autorität der Ehrenräthe zu stär­ken, noch gar nicht feststeht. Und wenn er demnächst auch in seinen Einzelheiten ausgearbeitet sein wird, be­darf er doch noch der Genehmigung de» Kaisers, und wie dessen Entscheidung lauten wird, ist noch gar nicht abMseheu. Der Kaiser gilt als ein Anhänger des Duells; deswegen könnte er aber doch wünschen, daß wenigsten» die zahllosen Duelle auS ganz ge­ringfügigen Ursachen durch Einwirkung der Ehrenräthe verhütet werden. Die Ehrenräthe sollen ja auch jetzt schon die Aufgabe erfüllen, nach Möglichkeit eine friedliche Beilegung von Streitigkeiten der Offiziere herbeizuführen. Ader sehr viele Fälle, gerade in der letzte« Zeit wieder, beweisen, daß die Ehrenräthe so wenig Autorität bei den Offizieren genießen, daß diese sich über ihre Entscheidungen Hinwegsetzen und trotz ewtzegenstchenden Spruche» des Ehrenrath« mit der Pistole ihre Raufhändel ausfechten. Man sagt sogar, daß es Regiments-Kommandeure, die selbst den Vorsitz im Ehrenräthe haben, gebe, welche ihre» jungen Offi­zieren eingeschärft haben, das Duell sei eine „segens­reiche Institution" und man dürfe nicht abwarten, ob der Ehrenrath seine Erlaubniß zum Duell geben werde, denn die Wahrung der Ehre sei eigene Angelegenheit, nicht die deS Ehrenräthe». Wenn solche Behauptungen, die man ost erzählen hört, auch nur zum Theil richtig sein sollten, so wäre eS allerdings sehr begreiflich, daß sich die Offiziere aus den Sprüchen des EhrenratheS keinen Pfifferling machen.

Anscheinend soll nun an diesem schwachen Punkte der Hebel angesetzt und den Sprüchen deS EhrenratheS mehr Achtung verschafft werden. Da» kann nur ge- lingen, wenn die allerschärfste Strafe, dauernde Aus­schließung auS dem OsfizierSstande, aus die Nichtbefol­gung oder Nichtanrufung der ehremäthlichen Entschei­dungen gesetzt wird. DaS wag in vielen Fällen aller- dmgS dazu dienen, ein Duell zu verhindern; so lange aber nicht klipp und klar ausgesprochen wird, daß da» Duell selbst als unwürdig eine» OsfiziereS verpönt ist und daher die Entscheidungen der Ehrenräthe i» allen Fällen den Zweikampf verbieten müsien, kann die Stärkung der Autorität der Ehrenräthe keine durch-

Standhaft und treu!

Novelle von Clarisse Borges.

10] ------- (Nachdruck verboten.)

So war ein Jahr vergangen, einförmig und arbeit»- voll, aber fie hatte fich mit der ganzen Kraft ihre» jungen Leben» dem neuen Berufe gewidmet, und ihre zahlreichen Schülerinnen liebten uud verehrten sie. Da saß sie denn eine» Abends uud suchte unter ihren Roten nach einem alten Liede, als an die Thüre ge­pocht wurde.

„Agnes, Sie find er?" rief Rose freudig über­rascht, „wie lange waren Sie nicht hier, ich glaubte Mch schon vergeffen. So, setzen Sie fich in diesen befiel und erzählen Sie mir von Ihnen. Hatten Sie Venn im Hotel so viel zu thun?"

. »Da» hatten wir, Fräulein Rose, e» logirten so

-•L OMere bei uns, die zu ihren Regimentern zurück mußten. Und denken Sie nur, war Sie so sehr fürchteten, ist geschehen."

„War denn?" fragte Rose, obgleich Sie leicht de« Sum der Worte verstehe« konnte.

»Ein junger Hauptmann, Herr von Haller, war vier Tage bei un» und stagte Jeden im Hotel nach emer schönen, jungen Dame, Fräulein von Saldern heiße fie. Er wollte Jedem dreihundert Mark zahlen,

greifende Besserung Bringen. Die Ehrenräthe müssen wirkliche Schiedsgerichte werden mit der Berechtigung, auf Beleidigungen eine angemessene Strafe zu setzen, die dann aber die Selbstrache unbedingt auszuschließen hat; wer sich damit nicht begnügt und doch noch zur Pistole greift, verdient schon wegen dieser groben Ge­horsams-Verweigerung aus dem Heere für immer ausgeschlossen zu werden. Da» Weitere, die Bestrafung de» Duell» selbst, wird dann Sache der bürgerlichen Gerichte sein, deren Gerichtsbarkeit der Duellant ja mit seinem Ausschluß au» dem Heere sofort anheimfällt. Und hierbei würde sich dann alsbald auch die Noth- wendigkeit ergeben, das Strafgesetzbuch dahin zu verbessern, daß nicht mehr die gar nicht ehren­rührige Festungshaft, sondern Gefängniß- oder Zucht­hausstrafe die Duellanten bedroht. Sogar die Todesstrafe würde nach unseren Sittlichkeit» - Be­griffe» keine zu harte Strafe für denjenigen sein, der mit voller Absicht und Ueberlegung seinen Gegner in den äußeren Formen de» Duells ermordet.

Damit soll natürlich nicht gesagt sein, daß mit dem Strafgesetz allein die Sitten gebessert werden können. Dazu ist vielmehr zunächst die Religion berufen. Die katholische Kirche hat denn auch immer das Duell in alle» Formen verworfen und thatsächlich bewirkt, daß wenigsten» in wirklich katholischen Kreffen da» Duell äußerst selten vorkommt, in Deutsch- so gut wie gar nicht. Die protestantischen „Kirchen" ließen eS dagegen oft an entschiedener Bekämpfung deS Duellunfugs fehlen und konnten auch wegen ihrer viel geringere« Autorität nicht soviel erreichen, wie die katholische Kirche. Di? fanatisch katholikenfeindliche ,Voff. Ztg.' 'gibt dies zähneknirschend zu, indem sie auf die vielen katholischen Offiziere hinweist, die wegen Ablehnung einer Duells aus dem Heere ausscheiden mußten. „UnS hat eS stets schmerzlich berührt, wenn die Katholiken dies als ein Zeichen ihrer höheren Sittlichkeit hingestellt haben," bemerkt dazu die „Tante Boß". Ein Zeichen höherer Autorität der katholischen Kirche ist jene Thatsache jedenfalls.

Deutsches Reich.

Berlin, 6. Juli.

* „Wilhelm II. «nd die Revolution von oben" betitelt sich eine 40 Seiten umfassende Broschüre, die in dem Verlage von Cäsar Schmidt in Zürich er­schienen ist. Auf dem Titelblatte sind zugleich die Zu­sätze „Der Fall Kotze" und „DeS Räthsel» Lösung" angebracht, und damit ist die Spekulation auf das politische SensationS-Bedürfuiß sehr deutlich kandgegeben, weshalb wir auf das Machwerk an dieser Stelle eingehen. Der Verfasser der Broschüre ist nicht genannt, von Seiten der BerlagShandlung wird als solcher ein „hervorragender deutscher Historiker und Träger eines berühmten Namens" genannt. Die.Ger­mania' bemerkt dazu: Wir glauben das nicht und möchten den Berfaffer eher in den Reihen hervorragender

der ihm sagen könne, ob sie hier logirt habe. Der Besitzer erinnerte sich nicht, die Kellner waren fremd, und ich schwieg. Dann ließ er sich das Fremdenbuch vom vorigen Jahre vorlegen, aber vergebens. — Selbst wenn er tausend Mark geboten hätte, würde ich Ihre» Aufenthalt nicht verrathen haben," fügte Agnes hinzu.

„Ich danke für das Vertrauen," flüsterte Rose und ergriff die treuen Hände der Dienerin, „wa» sagte er denn weiter?"

„Ich sah nicht viel von ihm, aber sein Bursche Fritz Tanner erzählte uns, daß sein Hauptmann feiner verschwundenen Braut lebenslang treu bleiben werde; daß er deshalb einen harten Stand mit seinem Vater gehabt habe, der durchaus wolle, er solle eine reiche Erbin heirathen. Jetzt muß er für König und Vater­land kämpfen, aber wenn er au» dem Kriege zurück­kommt, wird er seine Nachforschungen fortsetzen."

„Er darf mich nicht finben, nie, niemals," schluchzte Rose, als sie wieder allein war. „O, Alfred, der Himmel schütze Dich und behüte Dich vor einem bitteren Tode, daß Du wieder in Deine Heimath, zu Deinem Vater und zu Deinen Freunden zurückkehren mögest; aber ich darf Dich nie Wiedersehen."

Die neuerwachte Erinnerung au ihr früheres glück­liche» Lebe« erweckte tiefe» Weh in ihrem Herze»,

deutscher Pamphletiste« suchen. Der Verfasser macht die Worte seiner Vorrede wahr, daß die „Enthül­lungen", welche er vorbringt, „nicht» al» eitel Dunst sind". Dunst ist vielleicht ein noch zu milder Ausdruck, denn mit dem allergewöhnlichsten Klatsch und Tratsch, den diese Broschüre bietet, verbindet sich stellenweise eine haarsträubende Unkenntniß der politi­schen Vorgänge, die Bi» zu offenbarem Unsinn sich steigert, wenn der Verfasser von der „Waldersee- Clique" behauptet, sie habe Stöcker für dar Kultusministerium und v. Hamm er st ein für das Finanzministerium auSersehen gehabt. (Seite 20.) Auf Seite 26 wird dagegen behauptet, Herr Stöcker habe, „da er ein Ministerpöstchen nicht zu erlangen ver­mochte, sein Auge auf ein Amt geworfen, das bi» da­hin noch nicht existirt hatte. Er dachte e» sich so schön, al» summus episcopus der evangelischen Landeskirche, als evangelischer Papst dazustehen. Als der Kaiser davon gehört habe, soll er nach der Broschüre „zornig" in die Worte auSgebrochen sein: „Ich lasse mir mein Recht als oberster Bischof in Preußen nicht verküm­mern." Wer solche unsinnige Behauptungen glaubt, kann so viele Thaler gebe«, al» seine Dummheit Grade zählt. Auf die „Enthüllungen" der Broschüre über da» feindliche „Cliquenwesen" (namentlich der „englischen Clique"), über „Koterien" am Hofe und über die „Hofkamerilla" eingehen zu wollen, hieße derselben zu viel Ehre erweisen. Noch viel weniger können die in dunkeln Andeutnngen sich bewegenden „Enthüllungen" über den Fall Kotze auf Glaubwürdigkeit Anspruch machen. Bemerkenswerth ist jedoch, daß diese Sensations- Broschüre überschäumt vom Lobe des Fürste» Bismarck und in dem Grafen Herbert Bismarck den „kommenden Mann" sieht, der den Kaiser Wilhelm II. ebenso „beherrschen" soll, wie Fürst Bismarck „unter'« alten Wilhelm" die unumschränkte Herrschaft ausgeübt hat.

* Bei der Löwenberger Reichstagsersatz- wähl ist thatsächlich Stichwahl nöthig geworden, bei der diesmal der freisinnige Kandidat Rektor K o p s ch mit 1000 Stimmen gegenüber dem konservativen Grafen Nostiz im Bortheu ist. Die ausgefallene» ca. 150 Sozialdemokraten werden bei der Stichwahl zweifellos für Koch stimmen. Den Konservativen wäre ein kleiner Denkzettel wohl zu gönnen.

* Herr Dr. Paul Kaufmann, Geh. Regierung»- rath und ständige» Mitglied de» Reichsversicherungs­amtes, ist zum Vortragenden Rath im Reichsamte des Inner« ernannt worden. In den siebenziger Jahren wurde deffen Vater, Herr« Leopold Kaufmann, nach feiner einstimmigen Wiederwahl al» Oberbürger­meister von Bonn die Bestätigung versagt, weil er die Erklärung verweigerte, daß er die Maigesetze „gern" ausführen werde! — Herr K mußte in Folge deffen seine Stellung aufgeben und wurde ins Abgeordneten­haus gewählt, wo er der Centrumsftaktion beitrat. — Dieselben Maigesetze, die Herr Kaufmann senior nicht „gern" ausführen wollte, mußten später „gern ober

unb bie kaum geheilten Wunden waren durch diese Worte wieder gewaltsam aufgeriffen.

Eine ihrer LieblingSschülerinnen, Alma Steinfels, die durch ausdauernden Fleiß und reiche Begabung zu den schönsten Hoffnungen berechtigte, kam zur Stunde, aber ihre Stimme klang heute so kraft- und rnuthloS, daß die Lehrerin erstaunt nach der Ursache dieser plötzlichen Beränderung fragte.

Unter Seufzen und Thräuen erzählte Alma, daß ihr Vater, ein reicher Bankier, schon seit längerer Zeit leidend sei, daß er die Stadt verlassen und auf dem Lande leben solle.

„Sehen Sie, Fräulein Rose," fuhr sie weinend fort, „wir haben zwar in herrlicher Umgebung ein Landhau» gekauft, und eS ist auch für PapaS Gesund­heit besser, auf dem Lande zu wohnen, aber wenn ich denke, daß ich dort keine Gefangstunden mehr nehmen kann, treten mir immer die Thränen in die Augen. Ich bin wirklich recht traurig und kann mich nicht eher trösten, als bi» Sie mir versprechen, uns in unserer neuen Heimath zu besuchen."

„Wohin ziehm Sie denn?" fragte Rose, in den Noten blätternd.

„Papas Freund, Herr Wellmann, hat eine reizende Besitzung für uns au»gefucht. „Der Burghof", so heißt das schloßartige Gebäude, ist zwar etwas von