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Samstag, den 4 Mi 1896.

23. Jahrgang

uldlicrWZeitiiiiß

mit zlnterhaLtrrrrgs-KettaKe „Sterne und Klrrmarr".

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Zweites Blatt.

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*< Enthüllungen.

XV.

Der 20. September, dieser große Festtag der Frei- maurerthumS, war für die Wahl des Sitzes des roj* malischen Großmeisters und d:S neuen Inhabers dieses Posten«, sowie für den feierlichen Einzug bei Orden« in dm Palast Borghese bestimmt.

Letzterer fand am Abende statt, der geheime Wahl- Konvent cm Nachmittage, während die uneingeweihte Mafse der Brüder zm Verherrlichung der Feier der Erstürmung der Porta Pia auf die Stroß; beordert worden war. Die Delegirten begaben sich in kle nen Abtheilungen, zu 4 bis 5, im Tomisten-Anzi-g«, um die Aufmerksamkeit nicht zu errege«, in den Palast.

Die freimaurerische Konstitution enthält die sihr weise Vorschrift, Diskussionen möglichst zu beschränken. Diese Vorschrift wurde so gut befolgt, daß die Nieder- legung seine» höchsten Amte» von Seiten George» Mackeys stillschweigend angenommen wurde, und eben­so die Abstimmung über den zukünftigen Sitz bei Großmeisters erfolgte.

Bon 73 Delegirten, die ihr Votum abgaben, sprachen sich 48 für Rom, 25 für Charleston au». So war Rom al» Sitz de» freimaurerischen Papst- thums erwählt.

Hieran schloß sich sofort die Wahl bei neuen Großmeister», bei welcher für Lemmi 46 Stimmen, 13 für Carducci, der gar nicht kaudidirte, und 18 weiße Wohlzettel abgegeben wmden. Da zu einer gütigen Wahl eine Zweidrittel-Majorität erforderlich ist, entstand sofort ein ernster Streit über die Gütig, mt der Wahl in Anbetracht der weißen Wahlzettel. Dessenungeachtet wurde dal Schlußprotokoll rotirt, Md die Satans kirche hatte am 20. September 1893 ipan neuen entschieden luciferiauischen Papst in Adriano Lemmi gefunden.

Charakteristisch für diesen ist, daß er, stolz auf ben Beinamen Simon, den man ihm schon früher unter hn Freimaurern beigelegt hatte, vom Tage seiner Wahl an, zu Ehren von Simon Magul, diesen Namen dem semigen offiziell beifügte ujib ihn zu seinem Papstnamen machte.

Lemmi ergriff sofort zwei wichtige Maßregeln. An ©teile ber 10 Mitglieder de» Großen Kolleg, in Charleston, welche ihre Titel behielten, ernannte er 10 neue effektive Mitglieder desselben mit dem Titel Patriarchen, aber nicht solche, die in Rom oder Italien seßhaft, sondern in der ganzen Welt zerstreu: waren, so daß von einem Beirathe derselben keine Rede sein kann. D.e zweite Maßregel bestand darin, zwei neue Würden unter dem Titel: „päpstliche Groß-Assistenten" gt schaffen, welche ihm zur Seile zu stehen haben. Hierzu bestimmte er Carducci und Ferrari. Za seinem Nachfolger im Präsidium des Exekutiv-Direktorium» o^lmmte er Del Medico. Auf diese Weise befand sich die ganze Oberleitung del Freimaurer-OrdenS in italienischen Händen.

Lemmi hatte sein Ziel erreicht, zugleich war aber ein Zwiespalt in dem Orden entstanden intb eine

Logen in Amerika, England unb Italien ver- toe’8**ten s ine Anerkennung.

o «c. Bwfent vom 20. September fand gerade zm oI# dal Ministerium Giolitti gestürzt worden

Biemand hielt ei für möglich, daß Crilpi ner ^tnng der Regierung bettaut würde.

—? Moß Lemmi mit Crilpi einen Vertrag, wonach ai« xIe "rrpflichtete, alle fteimamenschen Ein- Msse, Senatoren, Deputirte, Beamte in Bewegung zu 'M u™ Könige Crilpi all den unumgänglich nöthigen Mimster darzustellen. Crilpi dagegen machte P®. ?Efbtndlich, da» m den Archiven ber Regierung . .JDolttaat über die Bermtheüung Lemmi! gr Marseille vom Jahre 1844 diesem aulzuhändigen. nKU diesem Dokumente hatte el aber seine eigene Be-

I wandtniß Sm Jahre 1860 und 1861 handelte ei I sich für Cavour darum, die Aufrichtung einer Republik in Sizilien und Neapel zu verhindern.

AIS er nun sah, wie die Mazzinisten die Politik CavourS bekämpften, wandte er sich direkt an ben Kaiser Napoleon mit bet Bitte, bd den französischen Gerichten Nachforschungen über da» Vorleben bet italienischen Revolutionäre, die eine Znt lang Frank­reich b wohnt hatten, anstellen und iyrn die sich etwa vorfindlichen Dokumente über V^rurtheilungen derselben wegen gemeiner Verbrechen zugehen zu laffen, um hierdurch ehe Handhabe gegen die Mazzinisten zu erhalten. Und so kam auch dar Lemmi betreff ende Dokument in die Hand CavourS.

DaS Lemmi betreffende Dokument war vom Jahre 1861 bi» 1893 in den geheimen Archiven des italienischen Ministeriums verblieben. Al» nun Crikpi, wieder Minister geworden, seinem Versprechen gemäß dasselbe Lemmi auShändigen wollte, war dasselbe verschwunden, ebenso die Begleitschreiben. S.e fanden sich wieder in den Händen ber Templer-Großmeisterin Miß Diana Vaughan, einer unversöhnlichen Feindin Lemmi», welche die hauptsächlichsten Schriftstücke phvtographiren ließ unb ben Delegirten zur Großmeifterwahl vorlegte. Sie hatten ihr 30,000 Franks gekostet. Auch Mar- giotta erhielt e» von ihr behufs Publikation.

Bereits am 15. Dezember erfolgte ein Protest­schreiben von Seiten ber amerikanischen Freimaurer bet Hochgrabe gegen bie Vorgänge in Rom. Die Heber» tragung ber Oberleitung nach Rom wirb darin all Mnöthig, ungerecht und vor allem all gefährlich be­zeichnet, so lange nicht alle europäischen Staaten durch die republikanische Form in einen fest begründeten Friedensbund vereinigt wären, welche» allerdings mit ein Hauptziel der freimaurerischen Thättgkeit bilde; eine doppelte Gefahr aber biete die Ungewißheit der politischen Zukunft Italien», weil im Falle eine» Ausbruche» plötzlicher Unordnungen ober eines großen europäischen Kriege» ba» Palladium, die Cen­tral-Archive und die heiligsten Dinge einem Handstreiche ausgesetzt blieben.

Die persönliche Wahl Lemmi» wurde darin an* gegriffen, weil sie schon in ihrer Borbereittmg mit Betrug, in ihrem Verlaufe mit Korruptton besteckt sei. Ueber letztere ist gesagt: „Unsere Untersuchung hat er­geben, daß die Zurückhaltung der Bewerber um die Sroßmeisterstelle eine Sache des Schachern» zwischen \ diesen und Lemmi war; wir toiffen, daß die Banka? Romana gezwungen worden ist, die Mittel: hierzu zu liefern, weil da» persönliche Jnterefle der I italienischen Regierung verlangte, daß die höchste ' Leitung der Freimaurerei sich in Rom unb nicht in ] Chatleston b-finde." Diese Einmischung einer politischen ' Autorität, wenn auch einer befreundeten und 5 nicht profanen, in die streng geheime Thättgkett der Palladisten biete ein wettere» Argument gegen diese Wahl.

Al» fernere Gründe gegen dieselbe werden angeführt:

1. daß der Erwählte unwürdig der Stelle wäre, weil er sich gegen die gewöhnlichste Ehrlichkeit ver­gangen hätte. Hierbei wird wieder auf feine Verur- theilung im Jahre 1844 zu Marseille wegen Diebstahl» • und auf verschiedene Anklagen von freimaurerischer? Sette hin gewiesen, wonach er eine für den Orden be- \ stimmte größere Summe auf seinen eigenen Namen? habe buchen laffen;

2. daß Lemmi nicht orthodox sei ttnb seine Häresie nicht einmal verstecke. E» sei bekanntermaßen verboten, da» Wort „Satan" zu gebrauchen, ba e» nicht bet Name be» „Guten Gotte»" sei. Lemmi habe sich aber öffentlich bei Banquetten unb sonst auch diese! Frevel» schuldig gemacht. Der höchste dogmatische Sitz könne : aber nicht von einem Häretiker eingenommen werden; die» wäre der Untergang de» Tempels oder würde wenigsten» während der Jahre der Häresie den gött- lichen Schutz (b. h. den Schutz Lucifer») verhindern;

3. w il der Erwählte unmittelbar am Tage nach seiner Wahl jede Kontrolle seiner Oberleitung durch bie beiben vorgenannten Maßregeln unmöglich gemacht hab".

Diese Anklage wirb batm wie folgt begründet: „Der Hohepriester ber universellen Freimaurerei ist wttkuch ba» höchste Haupt derselben. Rein Bruder kann demselben eine Handlung vorschreiben, und, wal er befiehlt, muß geschehen. Wem

........... IJ er aber auch ohne jede» Gegengewicht in der Ent­scheidung von Fragen ist, die dal Dogma betreffen, so ist er doch umgeben von Räthen großer Weisheit und Erfahrung, deren Wahl ihm zusteht, die, immer in seiner Nähe, eine wohlwollende Kontrolle für ihn und eine Sicherheit für die Brüder in materiellen Dingen bilden. Zu diesem Zwecke wurde dieser höchste Rath geschaffen." Nachdem aber nunmehr die Adepten der höchsten Grade jeder Gewähr für die materiellen Jntereffen bei Ordens beraubt wären, ergebe sich eine um so unerträglichere Lage, all bie höchste Autorität sich in ben Händen eine» verdächtigen Manne» befinde, welcher sich bereits zahlreicher Unterschleife schuldig gemacht habe;

4. weil die Wahl nicht den Regeln gemäß vor- genommen worden fei. Diese Protestschrift schließt dann mit einem Aufrufe an die verschiedene« Triangel unb bie hohen Würdenträger auf Lebenszeit, „bie Brüber in unferm göttlichen Herrn", bie beiben Ab­stimmungen zu verwerfen unb eine Neuwahl be- Ober­hauptes zu veranlaffen.

Zugleich toitrbe ein Komitee zur Leitung ber Maß­nahmen gegen Lemmi gebilbet, welches aus den zur Wahl Delegirten der Triangel von Philadelphia und Mexiko und der souveränen Templer-Großmeisterin Diana Vaughan, Delegirten von New-Jork und Brooklyn, bestand. Ein Theil der italienischen Sogen trat ben Feinden LennniS bei unb bildete einen eigenen Bund unter dem Großmeister Figlia.

Standhaft «nd trerr!

Novelle von Clarisse Borges.

8] ------- (Nachdruck verbot«.)

So lag er dort regungslos, gleich eher lebendigen Leiche. Der Winter war »ergangen; schon fingen Bäume und Sträucher an, sich mit zartem, frischem Grün zu schmücken, und die Sonne suchte mit ihren neu belebenden, warmen Strahlen die schweren Vor­hänge de» Krankenzimmer» zu durchdringen.

In einer entlegenen Ecke bei großen Gemache» saßen die Krankenpflegerin und die Hausmagd, leise plau­dernd, ohne den Kranken zu beachten, der ja nur sehr wenig Pflege bedurfte.

„Sagtest Du mir nicht, das arme Fräulein von Salderv sei plötzlich verschwunden?" fragte die Pflegerin mit gedämpfter Stimme.

„So ist e»," lautete die ebenso leise gegebene Ant­wort, „seitdem sie an jenem Morgen so plötzlich ben Burghof verließ, hat Niemand in ber ganzen Umgegend etwas von ihr gehört."

„Da» ist hart, aber so geht e» in der Welt. Wenn Leid und Unglück über ben Menschen hereinbricht, so ziehen sich auch bie guten Freunbe zurück. Ist ihr benn keine Hilfe, kein Beistand angeboten worben? War sie nicht hier mit unserem armen Kranken verlobt?"

Die Gefragte nickte. „Ja, so war e»; e» gab wahrscheinlich kein schönere» Paar; der junge Herr war stolz auf sie und hätte sie gewiß glücklich gemacht."

„Und wa» sagte der alte Herr dazu?"

„Run, er gab seine Einwilligung, denn da- Fräu­lein war reich, jung und schön. Als aber später ihre plötzliche Armuth bekannt wurde, wollte er von einer Verbindung nicht» toiffen. — Run — er ist unS ein guter Herr, wir haben in seinem Dienste nicht zu Mögen; ob er nun recht oder Mrecht handett, ist meine Sache nicht."

„Ich wundere mich nur," begann die Pflegerin wieder nach kurzer Pause, „daß der Kommerzienrach seinen Sohn nicht langsam auf diese schmerzliche Nach­richt vorbereitete."

„Der junge Herr ging in aller Frühe nach dem Burghof. Die neue Verwalterin, welche jetzt allein dort wohnt, hatte von dem Anwalt die strengste Weisung, keinen Fremden einzulaffen, der nicht eine Einlaßkarte von ihm vorzeige. Sie kannte den jungen Herrn nicht und platzte mit der fatalen Neuigkeit gleich heran»."

„Wird der alte Herr feine Einwilligung zu der Verbindung geben, wenn ber Aufenthalt be» Fräulein von ©albern entdeckt wird?"

„Das mag Gott wissen."

„Wie weißt Du, daß sie nicht schon tobt ist?" fragte bie Pflegerin weiter.

„Jeden Morgen liegt ein prachtvoller, frischer Blumenstrauß auf dem Grabe be» Herrn von Salden: